Erstes Blatt
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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden PostaUfschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
Erdrückt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- mtb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespalten« Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur; G. Schr«ckcr in Hanau,
Nr. 154
Fernsvrechanschlvß Nr. 605
Samstag den 5. Juli.
Ferns-rechanschluß Nr. 605
1902
Hierzu
„Amtliche Beilage« Nr. 15.
Amtliches Stadtkreis Danau.
Der am 2. Juni d. Js. bei einem Zuchtbullen des Oeko- nomen Christian Neuling, Hainstraße Nr. 2, hierselbst ausgebrochene Bläschenausschlag ist erloschen.
Hanau den 4. Juli 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6859 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Landkreis Danau.
Bekanntmachunsten des Königl. Landrathsamtes.
In Niederdorfelden ist die Geflügelcholera erloschen.
Die angeordneten Speermaßregeln wurden aufgehoben.
Hanau den 4. Juli 1902.
Der Königliche Landrath.
V 6434 J. V.: Schneider, Kreis sekretär.
Nach Mittheilung des Köniql. bayerischen Bezirksamtes in Alzenau wird am Donnerstag den 10. Juli d. Js. mit dem Abbrüche der Kahlbrücke in Michelbach begonnen und desbalb für diesen Tag der Verkehr auf der Distriksstraße zwischen dem Lokalbahnhof und dem Orte Michelbach für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden.
Von Freitag den 11. d. Mts. ab wird eine Nothbrücke den Verkehr vermitteln.
Diese Nothbrücke darf jedoch gleichzeitig nur mit einem Lastfuhrwerk und nicht mit einem höheren Ladegewicht als 70 Zentner (3500 kg.) befahren werden. Selbstverständlich gilt für diese Brücke auch das Verbot, auf ihr anders als im Schritte zu reiten oder zu fahren.
Hanau den 3. Juli 1902.
Der Königliche Landratb.
V 6406 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Aufgebot.
Durch Ausschlußurtheil dieses Gerichts vom 13. November 1901 (F 11/00) ist Michael Heinrich Kropp, geb. am 14. August 1845 in Kilianstädten, unter Feststellung des Todestags auf den 31. Dezember 1894 mit der Maßgabe für todt erklärt, daß die Todeserklärung sich nur auf diejenigen Rechtsverhältnisse beziehe, welche sich nach Deutschen Gesetzen bestimmen, und nur auf dessen inländisches Vermögen wirken solle. Sein Bruder, Landwirth Peter Kropp von Kilianstädten, hat beantragt, ihm eine Erbbescheinigung dahin zu ertheilen, daß er selbst mit seinen Brüden: Johannes Konrad und Wilhelm Konrad Kropp den Michael Heinrich allein gesetzlich beerbt hätte. Die 4 Kinder sind Kinder der verstorbenen Eheleute Johannes Kropp und Anna Margarethe geb. Lind. Alle Diejenigen, welche nähere oder gleich nahe ErbanPrüche an dem Nachlaß zu haben vermeinen, werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis
zum 3. November 1902 anzumelden und zwar unter der Verwarnung, daß nach Ablauf des Termins die Ausstellung der Erbbescheinigung erfolgen wird.
Windecken den 2. Juli 1902.
_____ Königliches Amtsgericht. 11659
Grunbfiücksverkauf.
Das domänenfiskalische Grundstück Kartenblatt J.-Nr. 278 „am Hinlerthor" in der Fläche von 1,2124 ha der Gemarkung Wachenbuchen, welches sich als Baugelände eignet, soll am 12. Juli d. Js, vorm. von 8 Uhr ab in der Schäfer'schen Gastwirthschaft in Wachenbuchen, im Ganzen oder in einzelnen Bauparzellen öffentlich meistbietend unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen verkauft werden.
Hanau den 4. Juli 1902.
Reinhardt, Domänen-Rentmeister.
Bekanntmachung.
Wir bringeu hiermit zur Kenntniß, daß wegen Vornahme von Anstreicherarbeiten an der hiesigen Untermainbrücke vom 14. Juli ab anf etwa 8 Wochen in den Brückenöffnungen Hängegerüste angebracht werden, wodurch die freie Durchfahrtshöhe um etwa 1,50 m eingeschränkt wird. Für
Die heutige Nummer umfaßt außer
die Schifffahrt bleibt stets irgend eine Oeffnung uneingerüstet. In den eingerüsteten Oeffnungen werden als Warnungszeichen rothe Fahnen angebracht.
Frankfurt a. M. den 3. Juli 1902.
Tiefbau-Amt. 11660
Hue Stadt und Land.
Hanau, 5. Juli.
Lokal-historische Notizen.
6 . Juli 1791 starb, 81 Jahre alt, der Graf Christian Ludwig von Jsenburg - Birstein, Landcommentur der Ballei Hessen, ehedem auch hessen-cassel'scher General« leutnant.
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* Verkehrs Nachricht. Zur'Erleichterung der Deckung des inländischen Kohlenbedarfs wurden bekanntlich mit Giltig- keit vom 12. September 1900 ab für die Dauer von zwei Jahren die billigen Sätze des Rohstofftarifs auch auf die über deutsche See- und Binnenhäfen umgeschlagenen Kohlen- und Kokes-Sendungen ausgedehnt. Wie uns amtlich mitgetheilt wird, liegt es nicht in der Absicht, diese Maßnahme über den 30. September d. J. hinaus in Geltung zu belassen. Der vom Bezirkseisenbahnrath Frankfurt a. M. in seiner letzten Sitzung behandelte, aus Interessentenkreisen gestellte Antrag auf Aufhebung des Rohstofftarifs für ausländische Brennmaterialien findet hierdurch seine Erledigung.
* Stadtschulinfpektiorr. Von den zahlreich eingelaufenen Bewerbungen um die Stelle eines Stadtschulinspektors sind drei derselben zur engeren Wahl gestellt worden.
* Die Abschaffung des Nachmittagsunterrichts in der hiesigen höheren Mädchenschule ist, wie wir vernehmen, in der letzten Sitzung der Stadtschuldeputation genehmigt worden.
* Werning'sche Kriegsfestspiele. Aus dem Rein- erträgniß der Aufführungen der Werning'jchen Kriegsfestspiele überwies der Kriegerverein 250 Mark dem Vaterländischen Frauenverein, je 200 Mark dem Diakonissenheim und dem Krankenhause St. Vincenz, 150* Mk dem Kinderbort.
* Zum Direktor der gewerbl. Fortbildungs- schrrle dahier hat der Magistrat den Architekten Herrn K o ep ke in Schmalkalden gewählt. Herr Koepke ist derzeitiger Leiter der Fortbildungsschule in SLmalkalden und Zeichenlehrer an der dortigen Realschule. Die Wahl muß noch vom Minister bestätigt werden.
* Fürstliche Kupferstecher. Wie jüngst durch die Blätter bekannt wurde, hatte der kürzlich verstorbene König Albert von Sachsen in seiner Jugend die Kupferstecherkunst erlernt und als Amateur ausgeübt. Wenig bekannt, für uns Hanauer aber von besonderem Interesse, ist indeß, daß auch Landgraf Wilhelm IX. o on Hessen, der spätere Kurfürst Wilhelm L, in den'Jahren 1757—1759 bei dem damaligen Kupferstecher J. Müller zu Hanau diese Kunst erlernt und es darin zu einer gewissen Fertigkeit gebracht hatte. Zwei von ihm gestochene kleine Blätter, signirt: „P. W. sculph“ bezw. „Pr. W. sculph“ (Prinz Wilhelm sculpsit), besitzt der hiesige Geschichtsverein, und sind diese Seltenheiten Morgen von 11—12^2 Uhr im Museum, Altstädter Raihhaus, mit ausgelegt.
* Hanauer Gefchichtsverein. Sonntag den 6. Juli ist das Museum Altstädter Markt 6 von 11—12*/, Uhr geöffnet. Außer den Römisch-German. Funden sind noch im Vorstandszimmer besonders ausgestellt: ik. Vier Schiebladen mit Münzen aus der Rauh'tchen-Sammlunq. b. Das Schild und die Fahne der „EHRSAMEN, SAMEDT, UND, SEIDEN, STOFT, UND, BROGADT, MACHER, GESELLSCHAFT, 1763." Geschenkt von Frau Wittwe B. Lukas hier. c. Zwei Stiche, gefertigt von dem Erbprinzen Wilhelm, nachmaligem Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen, Schüler des Kupferstechers Müller. An den folgenden Sonntagen wird dann eine größere Serie von Kupferstichen, Urkunden und Chroniken folgen, worauf wir schon jetzt aufmerksam machen.
* Verein für hessische Geschichte und Landes- kunbe. Die diesjährige Mitglieder-Dersammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde wird am 21., 22. und 23. August in GelnHausen stattfinden. Die Tagesordnung wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
* Stadtgraben. Interessenten zur Nachricht, daß übermorgen, Montag, 7. Juli, der Stadtgraben behufs Reinigung und Durchströmung abgelassen wird.
* Kurort Wilbelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Concert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.
dem Uutephaltungsblatt 12 Seiten.
* Ein gerichtliches Nachspiel. Gelegentlich des vorjährigen Manövers war Urberach mit einem Theil des Infanterie-Regiments Nr. 166 aus Hanau als Einquartierung belegt. Am Abend des 15. September erhielt eine Unteroffizierspatrouille den Befehl, eine den Soldaten verbotene Wirthschaft nach etwaigen Zuwiderhandelnden zu revi- diren. Das Verbot war erfolgt, weil jenes Lokal von Sozial- demokraten stark besucht zu werden pflegt. Die Gesinnungsart eines Theiles der damals anwesenden Gäste zeigte sich alsbald, denn ein Haufen junger Burschen trat im Hof den beiden Unteroffizieren entgegen, eS sielen beleidigende Aeußerungen und flogen auch Lattenstücke nach jenen. Die Urheber der fehlgegangenen Würfe waren nicht zu ermitteln, doch hatte sich der eine Unteroffizier einen die Worte „Ihr Spinner, macht daß Ihr fortkommt, hier sind die Rothen drin", drohend äußernden Burschen genau gemerkt, so daß derselbe mit Hilfe des nachher zugezogenen Bürgermeisters festgestellt werden konnte. Der Betreffende, der 21jährige Schlosser Georg Selb von Urberach, ist auch ein Mensch, bei dem man sich derartige Handlungen versichern kann, denn er hat seiner Zeit wegen Beleidigung des Kreisraths von Dieburg 4 Monate Gefängniß erhalten und verbüßt zur Zeit eine Gefängnißstrafe wegen Hausfriedensbruchs. Trotz seines Leugnens verurtheilte ihn das Schöffengericht wegen öffentlicher Beleidigung jener Patrouille zu 2 Monaten Gefängniß, und auf seine hiergegen erfolgte Berufung bestätigte die Strafkammer zu Darmstadt in ihrer Sitzung vom 2. d. M. diese Strafe.
* Unfall. Ein kleiner Unfall ereignete sich vorgestern in der Fischerstraße. Beim Abbinden eines Gerüftes, das oben schon entfernt war, stürzte dasselbe um und mit ihm drei Arbeiter aus geringer Höhe auf die Straße. Ein Arbeiter trug dabei eine geringe Verletzung an der Hand davon.
* Diebstahl. Einen sonderbaren Diebstahl hat sich gestern ein Langfinger geleistet. Das Glockenseil im Thurm der Marienkirche wurde nämlich in einer Höbe von 20 Metern abgeschnitten und mitgenommen. Ob der Dieb wohl daran gedacht hat, daß er damit ein Objekt stahl, womit die Langfinger früher bestraft wurden, nämlich mit dem Hängen?
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis V»! Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathhaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—12‘/2 Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.
* Boettge-Concert. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß das mehrfach besprochene große Concert der Bad. Leib-Grenadier-Kapelle heute Abend 8 Uhr im Saalbau „zum deutschen Haus" stattfindet. Besonders zu Begrüben ist, daß die Direktion sich entschlossen hat, Schüler-Billete zu 50 Pfg. auszugeben.
* Johannisfest-Feier. Auf die morgen im „Deutschen Haus" ftattfiudende Jokannisfest-Feier der hiesigen Buchdrucker möchten wir nochmals empfehlend aufmerksam machen mit dem Bemerken, daß das Gartenfest für Kinder und Erwachsene nicht lote auf den Plakaten irrthümlich bekannt gegeben, um 4, sondern bereits nachmittags 3 Uhr seinen Anfang nimmt und Karten zu demselben zum Preise von 20 Pfg. an der Kasse noch zu haben siüd. W.e die gestrige Hauptprobe ergab, klappen die für die Abendunterhaltung vorgesehenen Darbietungen vollkommen und es wird an Unterhaltung und Abwechselung auch hierbei nach keiner Richtung hin ein Mangel sein.
* Sommertheater Becks Felsenkeller. Wir wollen nicht unterlassen, auf die heute, morgen und nächsten Montag stattfindenden Vorstellungen wiederum empfehlend aufmerksam zu machen. Die durch die seitherigen Vorstellungen zum Ausdruck gekommene Sorgfalt der Direktion bei der Auswahl des Programms bietet beste Gewähr dafür, daß auch diesmal wieder den Besuchern einige recht vergnügte Stunden in Aussicht stehen.
* Wirthschasts-Ueberuahme. Der seitherige Restaurateur im „Eisenbahngärtchen, Herr Rösch, hat nunmehr den Wirthschaflsbetrieb im „Frankfurter Bau" übernommen. Wünschen wir, daß dem als rührigen Wirth bekannten Herrn Rösch auch bei seinem neuen Unternehmen die Gunst des Publikums nichtfehlm wird, zumal das neu übernommene Restaurant durch zweckmäßigen Umbau wesentlich vergrößert und der Neuzeit entsprechend einaerichtet wird.
* In bet „Wiener Spitze" findet morgen und nächsten Montag nachmittags und abends Concert der beliebten Schwarzwälder Singvögel (: Damen 2 Herren) in Nationaltracht statt.
* Adreßbuch für die deutsche Juwelen-, Gold-, Silber- und Sllfenidewaareu-Judustrie. Die Redaktion der „Deutschen Goldschmiede-Ztg.", die vorstehend genanntes Adreßbuch herausgibt, ersucht laut Inserat in heutiger Nummer diejenigen Firmen, welche mit der Rücksendung des an sie gelangten Fragebogens noch im Ruck- stande sind, die Uebersendung desselben umgehend vollziehen zu wollen.
* Das Aahneukammhaus ist täglich geöffnet.
Grofi-AuheiM, 5. Juli. (Garten-Concert.) Auf allgemeinen Wunsch wird Herr Gastwirth Wieger morgen Sonntag Nachmittag 4 Uhr und abends 8 Uhr ein Gartenconcert ver- anstalten. Die Mnfik wird von der Centner'schen Kapelle, Hanau, ausgeführt. Eintritt 10 Pfg. Familien erhalten Preisermäßigung.