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Bezugspreis:
vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Wonnentm mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelue Nummer kostet 10 Pfg.
-«druckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Nr. 232
Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Amu
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
^enlsvre^ aMlu8 Nr. 605
Samstag den 4. Oktober
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke? in Hanau,
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
, Amtliches.
Bekanntmachung.
Zum Zweck des Ausbaues der Straßen „Grüner Weg" und „Uferstraße" in der Stadt Hanau sind von den nachbezeichneten Grundstücken die dabei angegebenen Flächen zu enteignen:
A. Gemarkung Hanait.
439
1. Kartenblatt EE Parzelle —„Grüner Weg" Nr. 34,
Hofraum in einer Größe von 1 ar 45 qm,
2. Kartenblatt GG Parzelle -^— „Uferstraße", Weg in
Größe von 3 ar 97 qm.
Von dem Herrn Negierungs-Prästdenten zum Enteignung?- kommissw ernannt, habe ich zur kommissarischen Verhandlung mit den Betheiliglen mir Feststellung ber Entschädigung für
die zu enteignenden Grundflächen gemäß § 25 Abiatz 1 Zmeignunasoeietzes vom 11. Juni 1874 Termin auf
Dienstag den 14. Oktober d. Is., vormittags 9 Ubr, Zusammenkunft im Raihhauw — anberaumt.
Zu diesem Termin werden alle Betheiliglen gemäß $
des
25
Absatz 4 a. a. O. mit der Aufforderung geladen, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.
Diest Ladung erfolgt unter der Verwarnung, daß beim Ausbleibei der Geladenen ohne deren Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung derselben verfügt werden wird.
In dem Termin ist jeder an dem zu enteignenden Grundstücke Berecktigle befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Evischädigung, sowie ihrer Auszahlung und Hinterlegung wahrzunekmen.
In dem Termin bat der Grundeigenthümer auch seine etwaigen Anträge auf vollständige Uebernahme eines theilweise in Anspruch genommenen Grundstücks anzübringen. Spätere Anträge dieser Art sind unzulässig.
Im Falle der Noihwendi.keit einer örtlichen Besichtigung der zu enreignenden Flächen wird diese sofort vom Termin
lokale aus vorgenommen werden.
Cassel den 2. Oktober 1902.
Der Enieiqnungskommissar: Listemann, AIII6912 HDIng. R?gierungs-Rath.
17166
Hu9 Stadt und Cand,
Hanau, 4. Oktober.
* Der Landgraf von Heffen, sowie die Erbprin- zejsin Leopold von Anbalt sind zu mehrtägigem Aufenthalt bei
Feuilleton
Die Ausstellung des Kiilistgewcrbevclcins in der Königl. Zeichen-Akademie.
Von Dr. F. Ouilliug^
Die A tsstellung kunstgewerblicher Entwürfe in der Königl. Zeickenakademie, über die heute vor acht Tagen an dieser Stelle kurz berichtet wurde, erfreut sich lebhaften Besuches und verlohnt noch eine Deirach-lunq im Einzelnen.
Die Arbeiten sind nicht nur in der Rangfolge ihrer künst- lersichm Bewerchung ausgestellt, sondern es ist auch eine besondere Gruppe weniger hervorragender Leistungen gebildet, die von vornherein für die Frage der Prämirung außer Be- iratt blieben. Die harmlosen Entwürfe, die, ursprünglich hier in erster Linie standen, sich leider schon zurück zefordert; einer
davon trug 'eliiamerwei'e bi3 Motiv: „fn unitate robur“, obro',1 von robur nicht das Geringste darin zu fhben war. Ein anderer nicht in diese Ruhe gehö-ender Entwurf stellt eine bis jetzt unbekannte ro enfressende Species von Katzen als Brosche dar, ist tret im Grnzen nicht übel gezeichret. Wrs alles aus einem Meduienhaupt werden kann, zeizt eine zwar gewandte, aber über nicht von einem Gold'chm'ed herrührende Zeichnung. Die Schlangen finb hier in der vie'seNizsten Weise ornamental verwendet und müssen es fib in einem Falle sogar gefallen lassen, zu zwei bei der Medusa kaun nabw-is- baren Grethchenröpfen geflochten zu sein. Eine weitere Arbeit hat mit dieser das antike Mo iv gemeinsam: Ene Gruppe oo.i drei Pltten, der treffliche Kentaur Nffos m.t der meuchlings entführten D caneira auf dem Rückn u. s. w.
Die beiden genannten Blätter finb die einzigen, die auf antike Motor zurück,ehen; alle übrigen sind im modernen Stiele gehalten. Hier sind einige Vergleiche lehrreich und interessant. Bei Leuifeld, der mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde, ist Alles zierlich in Form und Ambau, er ver
ihrem Bruder, dem Prinzen Friedrich Karl, auf Schloß Fried- richsbof eingeiroffen. Sodann begibt sich der Landgraf wieder nach Schfo& Adolfseck.
* Kirchliches. In der Marien- und JobanneskirLe wird der Nachmittags-Gottesdienst von nächstem Sonntag ab, bis Weitere« um 51/« Uhr gehalten.
• Postdienftliches. Um zu ermöglichen, daß Packete, deren Ausschriften in Verlust gerathen, den Empsänoern zu- gestellt werden können, empfiehlt es sich, in die Packete eine innere Adr sie einzulegen.
K Marinezahlmrister. Dem Vernehmen nach sollen die Marinezohi meister, welche jetzt obere Militär-Beamte mit bestimmtem Oifizierrang — Capstänleutnant, Oberleutnant und Leutnant z. S. — sind, zu O filieren ernannt werden, ähnlich wie dieses beim Marine-Jngeniur-Corps der Fall ist.
* Stadtgraben. Interessenten zur Nachricht, daß übermorgen, Montag, 6. Oktober, der Stadtgraben behufs Reinigung und Turchströmung obgelassen wird.
* Beachtenswertster Versuch. Bekanntlich gehen alljährlich viele Hundert'amende aus Deutschland nach O ster- reich für Präger Schinken, und es handelt sich darum, ob nicht diese Snmmen, die mit der zunehmenden Beliebtheit und dem wachenden Verbrauch des Präger Schinkens j des Jahr größer werden, der nationalen Wirthschaft erhallen uud den deutschen Landwirthen und Fleischern zngewendet werden können. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich, daß es gelingt, aus deutschem S-rro inematerial Schinken herzustcllen, die den Präger Schinken völlig g'eicbwerihig sind. Zu diesem Endziel werden drei Schweine böhmischer Art, wie sie zur Herstellung des Präger Schinkens in der H imath dienen, nach dem Bwliner Schlacht- bofe eingeführt, wo sie zugleich mit drei geeigneten deutschen Schweines von gleichem Alter u. f. w. geschlachtet werden; man hofft dadurch, daß man die deutschen und böhmischen Cchinkm von der Schlacktung der Thiere ab durch a'le Stadien der Herstellung vergleichend beobachtet, ein zw ck- entsprechendes Ver fahren für di- Erzeugung von Präger Schinken aus deutschen Schweinen zu finden; in diesem Falle würde sich ein weites Gebiet der T' ätigkeit für unsere Fleisch-r eröffnen, denn der feinschmeck nde Präger Schinken würde sich bei niedrigerem Preise istnell in vielen Kreisen einbürgern. Der Kommission, die die Versuche leitet, gehören die ersten Wurstfabrikamen und Fleischmeister und ein hervorragender 2in6s wirth an. Der gerichtliche Sachverständige für feine Fleilch- wanren am Landgericht I, Fle schermeister Hermann Koch-Berlin, ist bereits nach Prag zum Einkauf der Sckweine abgereist. Die Thiere kommen über Od^rberg und der Regierungspräsident von Oppeln ist bereits ermächtigt, dort die ihierärziliche Untersuchung vornehmen zu lassen. Das Ergebniß der Versuche wird seiner Zeit au führlich in der „Allgemeinen Flnscher- Zeitung" b kannt gegeben werden, die im Hinblick auf den wendet viel Steine und Perlen; im Gegensatz dazu ist der Entwurf R. Rücklins, der den zweiten Preis erhielt, großzügig, breit und flihentast in der Formgebung, er bevorzugt die Farben Roih und Lila, die besonders bei dem auch in der Linienführung meisterhaften Anliänger in Gestalt eines stilisirten Schmetterlings z't wundervoller Harmonie vereinigt sind. Der dritie Preisgekrönte endlich, L. Knupfer, verwendet mit Vorliebe Blau und Grün und arbe'tet mit viel Emailverzierung. Er mußte seinen Preis theilen mit E. Pehmeper, der außerdem für einen zweiten Entwurf die erste Belobung erhielt; besonders ansprechend und geschmackvoll ist das von ihm komponirte goldene Brocelet mit zartem Blätter^chmuck in grünem Email. Unmittelbar neben Peh- meyer verdi-nt Alfred Mildner-Hauau mit feinem sein abgestimmten und in der Farbe decent und vornehm gehaltenes Entwürfe erwähnt zu werden, der denn auch bereits einen als ersten Fachmann bekannten Säufer gefunden bat. Pehmev-r sowohl wie Mildner und die übrigen sechs Schüler der Königlichen Zeichena'ademie, die mit greifen oder lobenden Erwähnungen bedacht wurden, sind Schüler der Bijouterieklasse daselbst, die damit einen anerkennenswerthen Beweis künstlerischer Schulung und Leistungsfähigkeit unter der bewährten Leitung eines so fein empfindenden Künstlers, wie ihn die Anstalt in H. Naas besitzt, erbracht hat.
Außer den Hanauer Belobten seien auch zwei auswärtige hervorg-hoben: Julius Singer-Wien hat mehrere eigenartige Entwürfe eingesandt, die durch die geschickte Zusammenstellung von mattem Silber mit Korallen wirken sollen; die goldenen S bmuck zegenstande, die Hugo Höpfner-Straßburg entworfen hat, sind zwar in der Ornamentik zu wild gerathen, als gut aber dürfen zwölf Silberbroschen bezeichnet werden, die in ihrer mannigfachen Variation des gleichen Motives auf eine fruchtbare künstlerische Erfindung- und Kömpositionsgabe schließen laffen.
Ein Entwurf mit dem Motto „Es ist nicht Alles Gold, was glänzt" verdient namentlich wegen seiner technisch geradezu
Die heutige Nummer umfatzt auker vem Unterhattunqs-latt 14 Seiten.
güten Zweck die sämmtlichen Kosten der Sache auf sich genommen hat.
* Hanauer GeschichtSverein. ES sind in letzter Zeit dem Vereine einige Zuwendungen gemacht worden, die später im 2. oberen Geschosse des Altstädter Rathhauses dem Publikum zuaänalich gemacht werden sollen.
1) Herr Sanitätsrath Dr. E i s e n a ch überoab das Siegel der kiesigen Schubmacherzunft aus dem Jahre 1744.
2) Herr August Deines das Herbergsichild der Zimmer- leute, schöne Arbeit in Eisenblech, & jour ornamentirt, mit der Jahreszahl 1836, w-lcbe das Datum der letzten Renovation bezeichnet. — Das Schild selbst ist etwa hundert Jahre alt.
3) Herr Fritz Voltz übergab drei schöne Urkunden mit interessanten Abbildungen, Gesellen - Geleitsbriefe aus Straßburg i. E. vom Jahre 177?, Zürich 1828, Hamburg 1827.
4) Herr Wagn er, Sobn des verstorbenen Tuchhändlers in der Nürnbergerstraße, mehrere Frachtbriefe der früheren Makn-SchifffaKrts-Gelellschafl.
5) Herr O. Bonn schenkte aus dem Nachlasse seines verstorbenen Schwiegervaters, des Stadtverordneten Heinrich Seitz mehrere alte Münzen.
6) Herr Christian Jüngling übergab eine rothe Säbel- troddel von der Hanauer Büroergarde.
7) Durch Hwru Busch ist der Verein in den Besitz des 1806 auf das Kurhaus von Wilhelmsbad aufgesetzten Giebels gekommen.
8) Herr Dr. Greshoff, Direktor des Colonial-Museums zu Haarlem schenkte drei auf die Rumphius-Feier bezügliche Photographien.
9) Herr Friedrich inAschaffenburg, Photographien von Alterthümern aus den: unteren Mainthal.
10) Auf Veranlassung der Herren Banralh Thyriot und Prokurist Heusobn sind die Grabsteine des Scharfrichters Nord und des Vaters des Naturforschers Rumphius geborgen worden.
11) Herr Aug. Heimpel, Fabrikant in Frankfurt a. M. überwies dem Verein ein Exemplar des von ihm verfaßten Buches über die Lotichier von Schlächtern.
Es sei hiermit allen freundlichen Gebern der herzliche Dank des Vereins ausgesprochen, und des weiteren die Hoffnung, daß auch fernerhin interessante Gegenstände dem Vereine geschenkt, oder, unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes, zur Schaustellung überwiesen werden.
Das römisch-germanische Museum wirb nächsten Sonntag (Vorm. 11 —lS1^) zum letzten Male in diesem Jahre dem Publikum zugänglich sein. Die niedrige Temperatur, welche bereits in den Zimmern herrscht, macht ihre Schließung während des Winters zur Nothwendigkeit.
* Vom Immobilicngefchäft. (Bericht von Carl Koch in Hanau). Die Um'ätze während der Zeit vom 1. hervorragenden Darstellung Erwähnung; er rührt von demselben Künstler her, der sich mit noch mehr Liebe und auch mit mehr Erfolg an der zweiten Preisaufaabe (modernes Tbeeservice in Silber) versucht und seine Arbeit mit dem Motto „999" versehen hat. Das Service ist in blauem, reich mit feiner Goldornamentik verziertem Porzellane gedacht mit durchbrochener, silbervergoldeter Fassung; wirklich außerordentlich geschmackvoll, wenn auch, wie Praktiker behaupten, schwer ausführbar. Ein anderer Bewerber (Motto: Stuttgart), der sich ebenfalls mit beiden Preisaufgaben und zwar in sehr ausgiebiger Weise befaßt hat, konnte sich leider von einem ihm einmal vorschwebenden Motive so wenig freimachen, daß er es sowohl für eine goldene Gürtelschließe, wie für seine Theekanne, das zugehörige Milchkännchen rc. verwendete.
Sehr vortbeilhaft präsentirt sich dem gegenüber der auch flott und gewandt gezeichnete Entwurf mit dem Motto „Hanau"; das Motiv der Ornamentirnng, in verzweigten Aesten bestehend, wirkt eigenartig und anziehend und paßt gut zu Aufbau und Gesammt-Erscheinung, wenn es auch hier und da von romanisch-gotbischen Anklängen nicht frei ist.
Das modernste Theeservice reprälentirt vermuthlich das Blatt, welches das Kennwort „Camille" trägt, nicht „Canaille", wie ein etwas kurzsichtiger Preisrichter anfangs las. Die weit ausladenden Schleifenhenkel der Sofien reichen glücklicherweise nicht allzusehr über den Rand der Untertasten hinaus — unschön sind sie übrigens nicht — und die Ornamemirung besteht in einigen aufwärts gerichteten Reliefzacken, die wahrscheinlich in Erinnerung an einen Kelch komponirt sind. Daneben ist ein Service-Entwurf mit dem Motto „Thee" ausgestellt, bei dem Formen und Ornamente nicht übel gewählt sind und nur die Kanne an einem etwas bedenklich verzogenen Bauche leidet.
W'NN in den vorstehenden skizzenhaften Ausführungen diesmal auch die weniger hervorragenden Arbeiten der Ausstellung berücksichtigt sind, so geschah dieS mit Absicht. Sie