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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau
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Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e Ä e r in Hanau,
Nr. 179
Fernsprechanschluß Nr. 605
Montag den 4. Angust
Fernsyrechanschluß Nr. 605»
1902
Hue Stadt und Cand,
Hanau, 4. August.
* Berufung. Nach einem Kgl. Dekret, ausgefertigt zu Emden unterm 30. v. M., ist der seitherige Landrath unseres Kreises Herr von Schenck bereits vom 1. Juli d. I. ab ; zum Kgl. Polizeidirektor in Wiesbaden ernannt worden. Bei ' dieser Gelegenheit dürften für weitere Kreise auch noch einige (Daten von Interesse sein. Herr Polizeidirektor von Schenck, geboren 1851 zu Schloß Mannsfeld, widmete sich anfänglich \ der Offizierslaufbahn, trat als Sekondeleutnant beim Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 ein und zog mit diesem auch in den Krieg, der vor nunmehr zweiunddreißig Jahren ) gegen Frankreich entbrannte. Bei den mörderischen und glorreichen Kämpfen, die sich um Metz entwickelten und \ bei denen auch die Garde besonders engagirt war, wurde : von Schenck bei St. Privat schwer verwundet, aber auch mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet. Die Folgen der schweren . Verwundung nöthigten ihn, 1876 den Abschied zu nehmen und sich der Verwaltungslaufbahn zu widmen, in der er sich seit 1878 befindet. Vorerst Amtmann in Königstein i. T., ' dann Oberamtmann im Hohenzollern'schen, wurde er 1884 nach Witzenhausen als Landrath berufen, wirkte dort 11 Jahre . lang an der Spitze der Verwaltung dieses Kreises, wo er sich ; ungethcilter allgemeiner Sympathie und Wertschätzung zu erfreuen hatte, und trat 1895, wie schon erwähnt, nachdem das hiesige Landrathsamt erledigt worden war, an die Spitze unseres Kreises, auch hier in dem weitverzweigten Amte eine ersprießliche Thätigkeit entfaltend, die nicht vergessen werden wird. Jetzt an die Spitze der Polizeiverwaltung unserer benachbarten reizenden Kur- und nassauischen Bezirks-Hauptstadt Wiesbaden berufen, wird es ihm auch dort gelingen, sich das Vertrauen und die Sympathie der dortigen Bevölkerung zu erringen, die sein Vorgänger Prinz Ratibor ebenfalls in reichem Maße genossen hat.
* Landrathsamt. Als Nachfolger des nach Wiesbaden berufenen hiesigen Landraths v. Schenck wird der bisherige Landrath des Dillkreises Dr. v. Beckerath in Dillen- burg genannt.
* Kirchliches. Gestern fand in der festlich geschmückten und zahlreich besuchten Marienkirche die feierliche Einführung des Herrn Pfarrer Wohlfahrt statt. Herr Superintendent > Sopp hielt die Einführungsrede auf Grund des Wortes i Matth. 9, 37 u. 38. Er gedachte des treuen ArbeiterS, der / so früh und so plötzlich am Anfang dieses Jahres aus seiner Arbeit abgerufen wurde und wies den neuen Mitarbeiter auf das große Arbeitsfeld hin, das die große Gemeinde der Marienkirche bietet und erbatGottesSegenfürseineArbeit.NachdemGesang der Gemeinde hielt Herr Pfarrer Wohlfahrt seine Antritts- predigt über Röm. 15, 29 und 30 und bat die Gemeinde, die Gabe freundlich anzunehmen, die er bringe, nämlich das EvangeliumvonJesus Christus, sowie ihm Vertrauen zu schenken für seine Arbeit in der großen Gemeinde. Der Kirchenchor begrüßte den neuen Herrn Pfarrer mit zwei ; gut ausgeführten Motetten und wir wünschen ihm auch an - dieser Stelle Gottes Segen für seine Thätigkeit in unserer Stadt.
* Einer Einladung des Kaisers zur Theilnahme ( an einer Nordlandsreise folgend, hat Herr Rittmeister Döring, Eskadron-Chef im 2. Leib-Husaren-Regiment (ein Hanauer.
■ D. Red.) einen vierzehn! ägigen Urlaub angetreten.
i * Manöver des 18, Armeekorps. Aus Anlaß der diesjährigen Herbstübungen des 18. Armeekorps erhält auch der Kreis Büdingen ansehnliche Einquartierungen. i Während der 20tägigen Manöverzeit werden dort einquartiert , 1999 Offiziere und 50 268 Mannschaften, sowie 12 888 Pferde unterzubringen sein. Diese Einquartierung vertheilt 1 sich auf 73 Orte des Kreises Büdingen.
' * Eine loberrswerthe That vollbrachte derZimmer- { mann Andreas Frisch muth aus Hailer. Es war in v der Nacht des 17. Mai d. I., als das Fuhrwerk eines Händ- ' lers aus Langenselbold, der Führer desselben hatte anscheinend die Pferde nicht mehr am Zügel, von der Straße abgewichen ' und in der Nähe der Station Lieblos auf die offene Bahn- \ strecke gerathen war. Der sich nähernde Personenzug war hierdurch in höchstem Grade gefährdet und wurde die Gefahr nur durch die Aufmerksamkeit des p. Frischmuth, welcher zur Station lief, Meldung machte und sich beim schnellen Beseitigen des Fuhrwerks thatkräftig beiheiligte, abgewendet. Hierfür ( wurde ihm seitens der Königl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt am Main eine außerordentliche Prämie bewilligt.
* Oratorienverettt. Wir ksmmen gerne dem Wunsche nach, an dieser Stelle die Mitglieder des Oratorienvereins auf die morgen Abend 8 Uhr in der Oberrealschule abzuhaltende Probe zum Zwecke des Familienausfluges nach Gelnhausen
aufmerksam zu machen und verweisen dabei auf das heutige Inserat.
*_ Richtigstellung. In einem Inserat vom vorigen Samstag wird unsere in Nr. 170 d. Bl. gegebene Darstellung der Schulverhältnisse der hiesigen Privatmädchenschule als auf einem Mißverständniß beruhend bezeichnet. Wir hatten in dem betr. Artikel wörtlich gesagt: „Uebrigens möchten wir nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß auch in der hiesigen höheren Privatmädchenschule in diesem Jahre für die 3 ersten Schuljahre der Nachmittagsunterricht gänzlich abgeschafft» und für die übrigen Klassen soviel wie möglich beschränkt ist, sodaß an dieser Anstalt an den Nachmittagen nur 4 Klassen unterrichtet werden." Dabei haben wir selbstverständlich normale und nicht außergewöhnliche Verhältnisse, wie Stunden- ausfall wegen zu großer Hitze, dargestellt. Daß der Unterricht in den Oberklassen gekürzt worden wäre, wie in dem Inserat gesagt wird, haben wir nirgends behauptet. — Wenn also ein Mißverständniß obwaltet, so liegt es nicht auf unserer Seite. Gern haben wir ferner davon Kenntniß genommen, daß in den Unterklassen der Nachmittags-Unlerricht an dieser Anstalt bereits seit einer längeren Reihe von Jahren abgeschafft ist, ein Beweis, daß die Einrichtung sich wohl bewährt und seitens der Eltern einen Widerspruch nicht erfahren hat.
* Postalisches. Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgange ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnliche Packeie und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern der an kleineren Landorten errichteten Posthilfsstellen geführt. Da jedoch auch dem Absender das Recht eingeräumt ist, die Eintragungen selbst vor- zunehmen, so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug empfohlen werben; die den Land- briefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfstellen zur Weitergabe an den bestellenden Boten niederzuletzenden Post- anweisungsbeträge, Werthsendungen rc. ihunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbriefträgers oder der Posthilfsstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriefträger oder Posthilfsstellen - Inhaber zu überzeugen.
* Die Eingabe an die Königliche Regierung gegen die Einführung des veränderten Schulunterrichts an der höheren Mädchenschule ist, wie uns berichtet wird, am 31. Juli mit ungefähr 170 Unterschriften abgegangen; darunter befinden sich vielleicht 10 pCt. der Unterschriften von Nicht- interessenten.
* Sommerfest des Krieger-Vereins. In dem herrlichen Garten des „Kaiserhofs" herrschte gestern wieder ein frohbewegtes Treiben. Eine stattliche Schaar Festgaste sammelte sich zwischenden hübschen Promenadewegen und unter dem grünen Laubdache der dichten Baumkronen, die gestern zwar nicht gegen heiße Sonnenstrahlen Schutz zu bieten brauchten, aber doch durch ihre Luft verbessernden Einflüsse zur Erhöhung der Annehmlichkeit des Aufenthaltes wesentlich beitrugen. Was Herr Hauptmann v. B u tt l a r in seiner Begrüßungsansprache, die mit dem Kaiserhoch endete, wünschte, das traf im Laufe des Tages in vollem Maße ein, denn die herrschende animirte Stimmung zeigte zur Genüge, daß sich Jedermann, Groß und Klein, Alt und Jung, vorzüglich amü- sirte. Auch für die Kleinen war gesorgt und das heitere Lachen und Jauchzen des munteren Völkchens machte gewiß auch den Erwachsenen wahre Herzensfreude. Nach Eintritt der Dunkelheit verlieh eine Fackelpolonaise bem durch die prachtvolle Illumination ohnehin schon einen überaus entzückenden Anblick gewährenden Gartenscenerien noch besonderen Reiz. Einen bedeutenden Antheil an dem prächtigen Verlauf hat sich unzweifelhaft die Jnfanteriekapelle erworben, die es sich angelegen sein ließ, die besten Nummern ihres Repertoirs in der bekannt schneidigen Weise zum Vor- trag zu bringen und die mit ihren lieblichen Weisen und schmetternden Märschen das belebende Element des Festes bildete. Der Kriegerverein hat durch diese Veranstaltung seinen Mitgliedern, Freunden und Gästen wieder einmal einen recht vergnügten Tag bereitet und alle Theilnehmer werden sich der in geselliger Vereinigung froh verlebten Stunden sicherlich noch lange Zeit gerne erinnern.
25jähriges Amtsjubiläum. Dem Prediger der freireligiösen Gemeinde Herrn Karl P o i g t war es vergönnt, vor einigen Tagen auf eine 25jährigt Thätigkeit als Prediger und Lehrer an der hiesigen Gemeinde zurückzublicken. Aus diesem Anlässe veranstaltete die Gemeinde gestern eine einfache aber sehr würdige Feier zu Ehren des verdienstvollen Jubilars. Dieselbe wurde durch den Gesangverein „Tonblüthe" mit beut sehr stimmungsvollen Chor „Die Kapelle", welcher in bekannter meisterhafter Weise zum Vortrag gelangte, eingeleitet. Hierauf hielt der Festprediger Freiherr von Zucco Cuccagna'
die Festpredigt, die darin gipfelte, die Entwicklung der freireligiösen Bewegung seit ihrer Entstehung vor ungefähr 50 Jahren und das Wirken des Jubilars als Prediger zu beleuchten. Der Vorsitzende des Vereins, Herr K. Roth, betonte die Verdienste des Jubilars um die hiesige Gemeinde und überreichte ihm ein Geschenk. Nach diesem trat Frl. Anna B r e n z e l vor und brächte im Namen der Schüler und Schülerinnen dem Gefeierten die herzlichsten Glückwünsche in poetischer Form dar. Die einfach schlichte Vortragsweise dieser jungen Dame machte auf den Jubilar sowohl wie auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck. Tief ergriffen sprach nun Herr Voigt dem Vorstand, der Gemeinde, den Sängern, sowie allen Anwesenden, die durch ihr Erscheinen ihm seinen Ehrentag zu einem so bedeutungsvollen machten, seinen innigsten Dank aus. Mit dem Vortrag des Chores „Dort liegt die Heimath" durch den Gesang-Verein „Tonblüthe" wurde der offizielle Festakt geschlossen und die Theilnehmer begaben sich nach Groß-Steinheim in die Gartenlokalitäten zur schönen Aussicht, um dort mit dem Jubilar noch einige vergnügte Stunden zu verleben.
* Jitlitts Einödshofer, der beliebte Berliner Kapellmeister, concertirte am Samstag mit seinem aus 40 Mann bestehenden Orchester im Saalbau „zum deutschen Haus". Die Kapelle gehört thatsächlich mit zu den besten, die sich hier haben hören lassen. Einödshofer, ein geborener Wiener, ist namentlich ein ausgezeichneter Dirigent der leichten Musik. Walzer, von denen er viele anmuthende selbst komponirt hat, dirigirt er mit großem Schwung, das Orchester zeichnet sich durch aner- kennenswerthe Präzision aus, die Leistungen waren wie aus einem Guß. Obwohl leider nicht, entgegen der Erwartung, der Besuch besonders stark war, konnte der Erfolg doch befriedigen. Herr Restaurateur Albach verdient für den dem hiesigen mustkliebenden Publikum bereiteten Genuß Anerkennung und Dank.
* Sommertheater Beck's Felfenkeller. Die Vorstellungen nahmen sowohl gestern als vorgestern einen sehr animirten Verlauf dank eines reichhaltigen und interessanten Programms, dessen Güte an vielen Punkten durch den regsten Beifall dokumentirt wurde. Obenan stehen zwei Komiker, die sich an Vorzüglichkeit einander nichts nachgaben, daran reiht sich ein famoses Spielduetistenpaar und last not least drei Soubretten, die sich gleichfalls fast durchweg regen Beifalls erfreuten. Eine ebenso unterhaltende als interessante Nummer war das Auftreten eines Fingerfertigkeits- oder sog. Schwarzkünstlers, dessen Leistungen ein einziges Räthsel blieben und allseitig unverhohlene Bewunderung erregten. Einen Besuch der heutigen Vorstellung können wir bestens empfehlen.
* Im Gartenctablissement „Kaiserhof" veran- staltet nächsten Donnerstag, wie schon erwähnt, eine aus 45 erstklassigen Musikern bestehende amerikanische Kapelle, die gegenwärtig einen Concertcyklus in Berlin absolvirt, ein großes Concert. Unserem Publikum steht hierbei sicherlich wieder ein hervorragender musikalischer Genuß bevor und eS ist nur zu wünschen, daß dem rührigen Wirth im „Kaiserhof", Herrn Kilian, der Dank für sein anerkennenswertes Bestreben, immer Neues und Interessantes zu bieten, auch in materieller Beziehung nicht ausbleibt.
* Schönschreib- und Buchführungs-Kurse. Wie aus einem Inserat in unserem heutigen Blatte ersichtlich, eröffnen die Gebrüder G a n d e r am Mittwoch, 5. August nochmals neue Lehr-Kurse in obigen Fächern.
* Kleinkinderschule im Vereinshause. Nach den Sommerferien ist heute wieder die Kleinkinderschule im Vereinshause eröffnet worden.
* Der Erbe von Esmonv-Hall nennt Ernst R i e m a n n den spannenden Kriminal-Roman der in der heutigen Nummer unserer Unterhaltungsbeilage beginnt. Der talentvolle Verfasser, der seinen Stoff einem englischen Vor- bilde verdankt, führt uns in die patriarchalische Stille und Abgeschiedenheit eines ländlichen Pächterhauses, dessen Frieden jäh durch einen geheimnißvollen Mord gestört wird. Diese unselige That ist der Ausgangspunkt eines langen Schmerzens- weges für eine sympathische Mädchenerscheinung, die sich vom Vaterherzen losreißt, um in blindem Vertrauen dem unwürdigen Geliebten zu folgen. Ihr Leben ist zertrümmert, sie hat aber die Genugthuung, daß durch sie der Verbrecher entlarvt wird, und ihre Leiden als Grundstein dienen, auf dem sich das Glück ihrer theuersten Freundin aufbaut.
X. Langendiebach, 3. August. (Rückgängig gemacht.) Herr Wilhelm Dich hier hat den Kauf des Gasthauses „zur Sonne" nachträglich wieder rückgängig gemacht. Wie verlautet, steht nunmehr Herr Gastwirth Lißmarm mit einem Restaurateur in Offenbach a. M. in Unterhandlung.