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Erstes Blatt.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für auS- WÜrtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Stummer kostet 10 Pfg.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau,

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- mtb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck c r in Hanau.

^V. 78 Fernsprechanschluß Nr. 605*

Rreitaq den 4. April

Fernsprechanschlnst Nr. «05. 1902

Amtliches.

Candkreis hanau.

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

In diesem Jahre können wiederum auf Kreiskosten 15 Kinder hilfsbedürftiger Eltern aus dem Landkreis Hanau zu einer 4 wöchentlichen Badekur in der Kinderheilanstalt Orb zugelassen werden.

Etwaige Anträge, zu denen die vorgeschriebenen Formulare hier erhältlich, sind bis spätestens den 15. April d. Js. durch Vermittelung der Herren Bürgermeister, welche zuvor die Hilfsbedürftigkeit zu bescheinigen haben, bei mir anzubringen.

Bei der beschränkten Zahl der zur Verfügung stehenden Stellen können nur besonders hilfsbedürftige Kinder Berücksichtigung finden.

Die Herren Bürgermeister wollen für geeignete Verbreitung dieser Bekanntmachung Sorge tragen.

Hanau den 27. März 1902.

Der Königliche Landrath.

^. 1573 v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 braunes Kinderrädchen. 1 Brief mit der Adresse Fräulein Clara Philipp, v. d. Kanalthor 1.

Verloren: 1 Damenportemonnaie mit einem 50 M?.- Schein und einigen Pfennigen Inhalt. 1 goldenes Kinder- armband mit Emaille und den WortenGott schütze Dich".

Hanau den 4. April 1902.

Hus Stadt und £and.

Hanau den 4. April.

Lokal-historische Notizen.

4» April 1669 starb zu Worms der vorhinnige Ha- nauische Geheimerath und Kanzleiprästdent Johann Michasl Moscherosch, 69 Jahre alt, gebürtig aus Wilstädt in der Grafschaft Hanau - Lichtenberg im Elsaß, ein durch sein satirisches Werk:Wunderbare und wahrhaftige Geschichte Philanders von Sittewald" bekannter und berühmter Mann. Also auch er ge­hört, wie unsere bedeutendsten deutschen Satiriker dem Elsaß an (Thomas Murner und Johann Fischart).

$ -st

* Musterung. Samstag den 5. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Eichen, Gronau, Gronauer- Hof, Großauheim, Großkrotzenburg und Hüttengesäß.

Feuilleton.

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 4. April.

Herr Direktor Reimaun mit seiner Künstlerschaar entwickelte in dieser ersten Gastspiel-Woche eine unaemein rege Thätigkeit. So haben uns die beiden weiteren Theateraberrde vom Mittwoch und Donnerstag je wieder eine Neueinstudirung gebracht. Mittwoch ging Offenbachs übermüthige SchöpfungDie schöne Helena" hier er''mals in «zene. Bekanntlich sind es die Ueberlieferungen des klassischen Alterthums,.die dem Humor des Verfasser-Dreiblatts Offenbach, Meilhac, und Halevy zum Gegenstand für die Ausübung ihrer Spottlaune in dieser Operette dienen. Parins Raub der schönen Helena gibt dem Stücke die Hand­lung, die Offenbach mit dem Ren seiner Melodien ausschmückte. Wer zur ichönen Helena geht, muß jede Prüderie zu Hause lassen. Hand­lung und Musik wollen "ohne Bedenken hingenommen sein, die pickante Ausnutzung des stofflichen Gehaltes verträgt keine kntiiche Erwägung, welche moralische Einpfindiamkeit gebieten könnte Es sind schon viele Jahre vergangen, seit Offenbachs verwegene Operette den Reiz der Neuheit hatte, der Zahn der Zeit ist nicht ohne Einfluß geblieben und heute bedarf es schon großer Anstrengungen, um das. altersichwache S.ück zu stützen. Offenbachs Musik enthält Wohl hübsche Nummern, die den wackelig gewordenen Aufbau der Operette immer noch zu stützen vermögen, im übrigen versuchen es die Darsteller, den TeN um neuen E'nfällen zu modernisiren und so ist die Operette zu cmer Sammelstelle für gute, schlechte und sehr schlechte Witze geworden. Die Darstellung von vorgestern war frisch und fröhlich auf den übermutmgcn parodistischen Grundton des Stückes cingcgangen und bot eine Reche Einzelleistungen von drastischer Wirkung. Frl. Bränge enl faltete als Helene alle liebenswürdigen Eigenschaften ihrer wnr- 'tellurnskunst, iodaß sie auf der Bühne nicht nur Äömg PnamS Sohn begeisterte, sondern auch vor der Bühne sich im Publikum wicoer, weitere Sympathien erobern konnte. Gewinnend in Erscheinung, gewürzt unt feinem Humor in der Ausführung ihrer Parthie, entbehrte ihre Helena auch stimmlich nicht der vollen Wirkung und des nnnllchen Reizes. Als Parin behauptete sich neben dieser Partnerin Herr Below mit gutem Glück auch feiner Wiedergabe der Rolle, fehlte nicht die Warme und der Humor und die gesangliche Ausdrucksfäh gkeit im Lpiel war recht lebendig. Eine recht hübsche Leistung bot auch Herr Meyers als Ealchas. Herr Hunold als Menelaus, Herr Raven-Schwao als

* Eine hohe Ehrung ist dem lutherischen Generalsuper- intendenten Herrn Ludwig Werner in Cassel zu Ostern zu Theil geworden. Er ist aus Anlaß seiner hohen Verdienste um die Neubearbeitung der Agende von der theologischen Fa­kultät zu Greifswald zum Ehrendoktor ernannt worden.

* Gustav Adolf Verein. 25 000 Mark Einnahme hat der Hessen-Kassel'sche Hauptverein der evangel. Gustav Adolf-Stiftung im letzten Jahre aufzuweisen gehabt, eine ganz stattliche Summe, wenn man den geringen Wohlstand unseres Htssenlandes bedenkt. Immerhin aber steht der hessische Haupt­verein erst an 19. Stelle unter den 45 Hauptvereinen, und das Königreich Sachten mit einer dreimal größeren Bevölkerungs- ziffer hat z. B. zehnmal so viel Einnahmen wie Hessen, näm­lich 260 000 Mark. In den Jahren 187393 hat die Ein­nahme unseres hessischen Vereins nur 1112 000 Mark be­tragen. So können wir also mit der Entwicklung recht wohl zufrieden sein.

* Geschichtsverein. Nächsten Dienstag den 8. April, abends 6/s Uhr, hält der Geschichtsverein seine Jahresver­sammlung in derCentralhalle" ab. Es wird mit dem ge­schäftlichen Theil begonnen, in welchem die Ereignisse des letz­ten Vereinsjahres kurz wiederholt werden, der Kassenbericht abgelegt, der Vorstand neu gewählt wird u. dgl. Dann werden die zahlreich eingetretenen neuen Mitglieder willkommen geheißen, und um 7*/s Uhr etwa beginnt der Vertrag des Herrn Dr. Quillin g über die römischen Leichenfeierlichkeiten: Feuerbestattung, Gräberanlage, Todtenkultus und was dazu gebört. Um ViO Uhr, allerspätestens um/., soll mit dem Essen begonnen werden, nicht später, denn wenn der Fisch gelotten ist, dann muß er auch verspeist werden. Für das Ende hat der Vorstand keinen Termin festgesetzt. Hoffent­lich gibt es ein fröhliches Mahl und laufen die Leibungen zahlreich ein. Gäste können eingeführt werden, die Damen insonderheit herzlich willkommen. Preis des Kuverts 2 Mk. ohne Wein. Meldungen zum Essen erbeten an Herrn Bau­rath I. P. Thyriot, BebraerBahnhofstraße 12, bis Mon­tag Morgen.

* Kunstverein. Ferdinand Krafft hat 3 Cartons ausgestellt und begegnen wir hier einem Künstler, der seine erste Ausbildung als Goldschmiedslehrling hier in der Kgl. Zeichenakademie erhalten hat. Viele Jahre in Saarbrücken wohnhaft, hat derselbe die künstlerische innere Ausstattung von 9 evangelischen Kirchen und eine große Anzahl Glasmalereien in katholischen Kirchen, Synagogen und Saalbauten ausgeführt.

Die Kritik über die hier ausgestellten 3 Cartons lautet nach den Metzer Blättern wie folgt: Der Künstler hat seinem Carton nicht nur strenge und weitgehende Durchführung be­züglich der Gestalten, Köpfe und Gewandungen gewidmet, son­dern mit Absicht einen neuen Weg betreten, indem er uns den

Agamemnon, Frl. Auster!itz als Clekemmestra, Frl. Reitin ger als Orestes und die weiteren Mitwirkenden entledigten sich ihrer Aus­gaben mit Humor.

Für gestern war die einmalige Aufführung der beliebten Operette Der Vogelhändler" angesttzt und es dürfte wohl nur an der u n g ej= nügenden Bekanntgabe der Aufführungen gelegen haben, daß der Theaterraum keinen besseren Besuch dieser Vorstellung aufzuweisen hatte. Wir bringen an dieser Stelle den laut gewordenen Wunsch nach möglichster Bekanntgabe des ganzen Wochenspielplans zum Ausdruck. Zellers Operette zeichnet sich durch eine Reihe lieblicher Melodien aus, deren sangbare Weisen meist ihren Weg in das Volk gefunden und da­mit dem Werke die Popularität gesichert haben. Die gestrige. Wieder­gabe konnte wohl befriedigen. Herr Bei o w als Adam bewährte sich auch in dieser Rolle zufricdcnüellcnd. Er bestrebte sich in der Behand­lung der Parthie einer frischen Natürlichkeit und Lebendigkeit der Dar­stellung ; feine Stimme ist mit geringer Ausnahme wohlklingend und des Ausdruckes in der Nüancirung fähig. Frl. Reitinger als Brief­christel war im Spiel ebenfalls von natürlicher Einfachheit und ge­winnender Liebenswürdigkeit. Ein schmucker Gardeoffiz-er war Herr Meyers als Graf Stanislaus, dem er auch den angenehmen Klang seines sympathischen,Organs lieh; das Duett der beiden Letztgenannten erfreute sich der ganz besonderen Auszeichnung des Publikums. Frl. Brange zeigte sich auch als Kurfürstin Marie als eine Darstellerin, welche bemüht ist, lebendig in das Wesen der Rolle einzudringen und diese in charakteristische Farben zu kleiden, sie dürfte ganz befriedigt haben. Frl. Austerlitz und Herr Hunold als Baronin Adelheid und Baron Weps waren prächtige Vertreter ihrer Rollen. Herr Ka- yetimcifter Bryk bewährte sich auch in diesen beiden Stücken als ein tüchtiger Leiter, die musikalische Aufführung machte ihm Ehre.

Kunst und Leben.

Bei den Ausgrabungen auf dem Forum romanum wurde, wie aus Rom depeschirt wird, am Mittwoch ein Grab aus der Zeit vor der Gründung Roms gefunden. Die Alterthumsforscher messen dem Funde eine große Bedeutung bei.

E. b. Zoller f. Der Schriftsteller und frühere Hof- bibliothekar Edmund von Zoller, einst Mitbegründer und Chef­redakteur der ZeitschriftenUeber Land und Meer",Jllustrirte Welt" undRomanbtbliothek", ist in der Nacht zu Mttwoch

gemeldeten Vorgang dadurch lebensfrisch und unmittelbar nahe bringt, daß er die testamentarischen Figuren der Lebensgröße ganz nahe gehalten mit stark an das Zeitgenössische, Moderne streifenden Charakterköpfen ausstattete u. s. w.

Oeffeuttiche Sitzung der Stadtverordneten- nersammlnng vom 3. April 1902.

Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Baader, Bailly, Bier, Brüning, Craß, Eberhard, Föll, Dr. Fues, Glaser, Dr. Heraeus, Hoch, Hoffmann, Jost jr., Jung, Kehl, Kreuter, Loßberger, Lucht, Ott, Roth, Steinheuer, Schroeter, Schwabe, Spatz, Treusch, Voltz, Dr. Wagner und Wörner.

Vom Magistrat: Zweiter Beigeordneter Sanitätsrath Dr, Eisenach, I. Nicolay und Stadtbaurath Schmidt.

Zwei vorliegende sozialdemokratische Interpellationen wer­den wegen Abwesenheit des Herrn Oberbürgermeisters, der eine Dienstreise nach Cassel angetreten hat, bis zu hoffen Rückkehr zurückgestellt. Die Anträge des Stadtv. Hoch zu der Frage der Fürsorge für die städtischen Arbeiter und deren Hinter­bliebene werden der hierfür schon früher gewählten gemischten Kommission überwiesen. Dasselbe Verfahren wird den übrigen Antragstellern empfohlen. Von einer Ersatzwahl für das ver­storbene Mitglied Herrn Heinrich Seitz wird abgesehen und die Besetzung seines Platzes bis zur gemeinen Wahl verschoben.

Kleinere Vorlagen.

Von den der Stadtkasse überwiesenen, aus Betriebsüber­schüssen der Sparkasse herrührenden 4272.95 Mk. sollen 2900 Mk. für die Stiftung Lungenheilstätte und 2272.95 W. für Nothstandsarbeiten Verwendung finden. Der Vorlage wird ohne Debatte zugestimmt. Der Kieslagerplatz Nr. 1 am Main wird für das laufende Rechnungsjahr an die Wittwe Reffel zum Preise von 10.50 Mk. verpachtet. Der Ueber- tragung der Geschäfte des Jmpfarztes für 1902 auf den Kreis­arzt Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Sunkel wie bisher wird zugestimmt. Für Unterbeamte sollen die nothwendigen Dienststiefel aus städtischen Mitteln bestritten werden. Die Vorlage wird genehmigt. Bei 5 städtischen Beamten ist bei der früheren Festsetzung des ruhegehaltsberechtigtenDienstalterr deren vorherige Dienstzeit als Staatsbeamte nicht berücksichtigt worden. Dies muß nach deu neueren gesetzlichen Be­stimmungen geschehen. Der entsprechenden Vorlage wird zugestimmt. Durch Theilung des Religionsunterrichts an der Mädchen-Mittelschule entstehen für 1902 Mehrkosten im Betrag von 600 Mk., welche im Etat nicht vorgesehen sind. Dieselben werden nachbewilligt. Der Magistrat gibt

in der Pflegeanstalt Salon bei Ludwigsburg hochbctagi gestorben.

Eine Shakespeare-Ehrung. Das Andenken an Shakespeare soll, wie aus London gemeldet wird, in ganz außergewöhnlicher Weise geehrt werden. Ein in London nee begründeter Verein wandle sich mit einem Gesuch um eine paffende Baustelle an den Grafschaftsrath, um auf derselben ein StückAlt-London" zu errichten. Gleichzeitig, und das soll das Wesentliche bei dem Plane sein, beabsichtigt man ein Theater im Stil der Shakespeareschen Zeit zu erbauen, das inmitten eines freien Platzes zu stehen kommen soll.

Der Brand des Barmener Stadttheater-, über den wir s. Z. berichtet haben, ist der Grund zu einem Konflikt zwischen den Schwesterstädten Elberfeld und Barmen geworden. Bis zum Beginn der Saison waren die vereinigten Stadttheater Elberfeld-Barmen unter einer Direktion. Anfang der Saison 1901/1902 wurde in Barmen, das stets auf jedem Gebiete, künstlerischem, lokalem und geschäftlichem, eifersüchtig jeden Fortschritt beobachtete, ein eigenes Theater errichtet, das unter Direktor Sleinert einen sehr erfreulichen Aufschwung nahm. Der Brand hat nun vorläufig allerdings alle Hoff­nungen vernichtet; auch die Künstler sind durch den Verlust an Garderobe und Gage vielfach in Noth gerathen. Nun hatte gleich nach der Katastrophe, wie aus Düsseldorf gemeldet wird, Direktor Gregor im Elberfelder Stadttheater eine Wohl­thätigkeitsvorstellung zu Gunsten der in Bedrängniß gerathenen Künstler veranstaltet, die einen Ertrag von 1200 M. gebracht hat. Diese Summe wurde sofort dem Theaterkomitee in Barmen übermittelt, das jedoch diesen Betrag zurückgewiesen hat mit der Begründung, daß Barmen von Elberfeld keine Unterstützung annehmen könne. Eine andere Nachricht, die aus Barmen kommt und sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt, besagt allerdings nichts von diesen Ereigniffen, es muß als« abgewartet werden, wie sich die Erledigung der Affäre ge­stalten wird.