Erstes Blatt.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Cinrückungögebuhr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf»- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,
> im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev.
General-Anzeiger.
Avltlilhes Organ für Stadt- und Landkreis Kam«.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau.
9?T. 77 FernspreÄanschluß Nr. 605
■«^«^raaaMMii i - mmjji —m —«MBB—ga^ffb^mmm——
Donnerstag den 3. April
Fernsprechanschlnß Nr. 605
1902
Amtliches.
Candkreis hanau,
Bekanntmachtinqen des Kömql. Landrathsamtes.
Bei dem Geflügel des Heinrich Harff in Rödel- heim, Kreis Frankfurt a./M>, ist die Geflügelfeuche fest- gestellt worden.
Hanau den 2. April 1902.
Der Königliche Landrash.
V 3027 v. Schenck.
Für die Arbeiter rc. des von Artrim^'cheu Eisen- Werks „Mavienhütte" zu Großauheim ist eine Betriebs - (Fabrik) - Krankenkasse errichtet worden, welche ihren Sitz in Großauheim hat.
Den Vorsitz im Vorstände der Kasse führt der Betriebsingenieur Seybold, als dessen Stellvertreter fungirt der Prokurist H euser zu Großauheim. Letzterer ist zugleich Buch- und Rechnungsführer.
Die Kasse ist am 1. März cr. ins Leben getreten.
Hanau den 27. März 1902.
Der Königliche Landrath.
J V 3067 v. Skbenck.
Der Herr Minister des Innern hat dem Landespferde- zucht-Verein zu Darmstadt auf Grund Allerhöchster Ermächtigung die Erlaubniß ertheilt, zu den öffentlichen Ausspielungen von Pferden, Fohlen und landwirthschaftlichen Geräthen, die mit Genehmigung der Großherzoglich Hessischen Landesregierung in Verbindung mit den im Frühjahr „und ,Herbst dieses Jahres in Darmstadt stattfindenden Pferde- und Fohlenmärkten ver- anstaltet werden sollen, auch im Stadt- und Landkreise Hanau Loose zu vertreiben.
Die Ortspolizeibehörden und Gendarmen des Krenes wollen dafür sorgen, daß der Vertrieb der Loose nicht beanstandet wird.
Hanau den 29. März 1902.
Der Königliche Landraih.
JV 2752 v. Schenck.
Nikolaus Ries von N i e d e r i s s i g h e i m ist zum Feldhüter der Gemeinde Niederissigheim bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 25. März 1902.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 goldener Ring mit 8 kleinen und 3 größeren weißen Steinen besetzt. 1 graugrüner Herrenrock.
Der! oren: 1 stahlblaue Damenuhr mit Herrenkette.
Zugelaufen: 1 rother langhaariger Hund, m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 2. d. Mts. eingefangen:
1 brauner Jagdhund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau den 3. April 1902.
Hus Stadt und £and.
Hanau den 3. April.
Beamtenperfonal-Nachrichten.
Ernannt: der Rektor in Waldkappel, Pfarrer H oh ma nn, zum Pfarrer in Jba, Klasse Rotenburg, der Pfarrverweser Hochhuth zu Gudensberg zum Pfarrer in Remsfeld, Klasse Homberg, der Gerichtsschreibergehilfe, Assistent Sprenger bei dem Landgericht in Cassel, zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Volkmarsen, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Leßmann zum etatsmäßigen Gerichtsschreibergehilfen bei dem Landgericht in Cassel, der Regierungs - Zivil - Supernumerar Fleischhauer zum Kreissekretär bei dem Landrathsamte zu Schmalkalden.
Uebertragen: die Stelle des Oberforstmeisters für den Bezirk Cassel—West und eines Mitdirigenten der Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten an der Königlichen Regierung zu Cassel dem Allerhöchst zum Oberforstmeister mit dem Range der Ober - Regierungsräthe ernannten bisherigen Regierungs- und Forstrath Swart zu Arnsberg.
Ueberwiesen: der Gerichtsassessor Bow e dem Amtsgericht in Rinteln.
Versetzt: der Oberbibliothekar an der Königlichen Univer,t- täts-Bibliothek in Marburg Dr. Paalzow vom 1. April d. J. ab in gleicher Eigenschaft an die Königliche Bibliothek zu Berlin, der Gerichtsschreiber, Sekretär Gibbert in Volkmarsen an das Amtsgericht in Birstein, der Gerichtsvollzieher Meyer in Lehe an das Amtsgericht in Hess. Oldendorf.
Verliehen: dem Regierungs- und Medizinalrath Dr.
Siedamgrotzky in Cassel der Charakter als Geheimer Medizinalrath, dem Pfarrer Dithmar zu Altenburschla der Rothe Adler-Orden 4. Klasse, dem Organisten, Lehrer Schmidt zu Wächtersbach, dem Lehrer und Kirchendiener Berge zu Körle und dem Lehrer und Kirchendiener D i t t m a r zu Hoof der Kantortitel, dem Bürgermeister Gaertner zu Rinteln, dem Stadtkämmerer a. D. Müller zu Marburg, dem Regie- rungs-Sekretär Wimmel zu Cassel, der Frau Generalmajor a. D. Kuchenbrcker daselbst, der Frau Bankier Plant daselbst, der Frau Justizrath Rothfels daselbst und der Frau Postdirektor Schlüter daselbst die China-Denkmünze aus Stahl.
Penfionirt: der Oberforstmeister Schwarz in Cassel zum 1. April d. I., der Geheime Regierungsrath Callenberg in Cassel zum 1. April d. I., der Katasterinspektor, Steuerrath Gehrwann in Cassel zum 1. April d. I., der Regie- rungs-Sekretär Kirchner in Cassel zum 1. April d. J.
Entlasten aus dem Justizdienste: der Referendar Stolzen- b er g behufs Uebertritts zur Polizeiverwaltung, der Referendar Adolf von und zu Gilsa behufsUebertritts zur Allgemeinen Staatsverwaltung.
* Musterung. Freitag den 4. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Dörnigheim, Dottenfelderhof, Erbstadt und FeLenbeim.
* Aus dem Magistrat geschieden. Herr Privatier Martin Nicolay hat sein Amt als Mitglied des Magistrats wegen Verlegung seines Wohnortes nach Cassel niedergelegt. Derselbe war seit 1893 Stadtrathsmitglied.
* Gastwirthsgewerbe. Die neuen Bestimmungen über die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen in Gast- und Schankwirthschaften nach dem Gesetze vom 23. Januar sind bekanntlich am 1. ds. in Kraft getreten. Die markantesten Stellen daraus seien daher nochmals hervorgehoben: In Gast- und in Schankwirthschaften ist jedem Gehilfen und Lehrling über 16 Jahre für die Woche siebenmal eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 8 Stunden zu gewähren. Der Beginn der ersten Ruhezeit darf in die vorhergehende, das Ende der siebenten Ruhezeit in die nachfolgende Woche fallen. Für Gehilfen und Lehrlinge unter 16 Jahren muß die Ruhezeit mindestens 9 Stunden betragen. Diese längere Ruhezeit von 9 Stunden kann aber durch Polizeiverordnung auch für Gehilfen und Lehrlinge über 16 Jahren vorgeschrieben werden. Gehilfen und Lehrlinge unter 16 Jahren dürfen in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht beschäftigt werden. Außerdem dürfen Gehilfen und Lehrlinge weiblichen Geschlechts zwischen 16 und 18 Jahren, welche nicht zur Familie des Arbeitgebers gehören, während dieser Zeit nicht zur Bedienung der Gäste verwendet werden. Ausgenommen von den letzteren Bestimmungen sind Personen, die zur Zeit Kellnerinnen sind. In jeder dritten Woche ist den Gehilfen und Lehrlingen eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 24 Stunden zu gewähren. Eine Verlängerung der Arbeitszeit ist im Jahre 60 Mal zulässig, in diesem Jahre noch 45 Mal.
* Frieden in der Amsterdamer Diamant- Industrie. Aus Amsterdam wird vom 2. ds. gemeldet: Dem Komitee, welches sich am 14. v. Mts. gebildet hatte, um den Frieden in der Diamantenindustrie wieder herzustellen, ist es gelungen, die zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehenden Zwistigkeiten beizulegen. Ein entsprechendes Protokoll ist gestern Abend abgefaßt und von beiden Theilen unterzeichnet worden. Die Aussperrung der Arbeiter ist damit aufgehoben und die Arbeit kann wieder ausgenommen werden.
* Carl Ohl's Begräbnitz. Ein fast unabsehbarer Leichenzug begleitete gestern Vormittag 11 Uhr die sterbliche Hülle des so jäh aus dem Leben gerissenen Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr und Hauvtmann des Steigerkorps, Herrn Spenglermeister Carl Ernst O h l. Dem Mann, der im Leben einen großen Theil seiner Thatkraft von früher Jugend an in den Dienst der Nächstenliebe gestellt "und sich um den Ausbau unserer Freiw. Feuerwehr reichliche^ Verdienste erworben hatte, wurden von Behörden und Bevölkerung zu seinem letzten Gang die höchsten Ehren erwiesen. Eine große Menschenmenge begleitete das bei uns Jetten in der Ausdehnung gesehene Trauergefo^ge. Dem Sarge voran schritt die gesammte Infanterie-Kapelle unb intonirte abwechselnd den Chopin'schen und den Beethoven'schen Trauermarsch, dazwischen schlugen die Tambouren der Feuerwehr den Trauerwirbel. Dann folgten zwei Kompagnien Steiger, welche die hiesigen und auswärtigen Träger der Kranzspenden begleiteten, rechts und links des Trauerwagens gingen die Obleute der Steigerkompagnien und dahinter die übrigen 4 Kompagnien der Steiger, sodaß der Leichenwagen von dem Steigerkorps vollständig umringt zum Friedhof geleitet wurde. Daran schloß sich das übrige Trauergefolge, bestehend aus den Angehörigen, den sonstigen Leidtragenden, Herrn Landrath v. Schenck, I
Vertretern des Magistrats, der Stadiverordneten-Versammlung, der gesammten übrigen freiwilligen Feuerwehr rc. Herr Pfarrer Lamm hielt die Grabrede,anschließend an die Worte der heiligen Schrift im 90. Psalm: „Herr Gott, Du bist uns'»? Zuflucht für und für." Herr Stadtrath König feierte die Bürgertugenden des Entschlafenen und legte im Namen der Stadt einen Kranz nieder, Herr I a c o b y sprach im Namen 8es Steigerkorps und legte Kränze nieder für das Steigerkorps, für die Freiw. Feuerwehr und für den Central- vorstand des Verbandes Hessischer Feuerwehren, mit bewegter Siimme der Trauer der Feuerwehr um den geschiedenen „Vater Ohl" Ausdruck gebend. Herr Bailly sprach im Namen der Mannschaften und legte einen Kranz nieder, ebenso Deputationen der Freiw. Feuerwehren von Keffelstadt unb Geluhausen. Von auswärngen Feuerwehren waren außerdem noch Großauheim, Langendiedach und Fechenheim durch Deputationen bezw. Kränze vertreten. Im Namen des Sanitäts« korps legte für den ehemaligen Führer im ruhmreichen Feldzug 1870/71 Herr Fried gs einen Kranz nieder. Unter den Trauerklängen der Jnfanteriekapelle endete die ernste Feier für den allseitig verehrten und verdienstvollen dahingeschiedenen Mitbürger.
* Feuersgefahr. In verflossener Nacht kurz nach 12 Uhr wurde wiederum die Feuerwehr alarmirt, da am Altstädter Markte in dem Lagerraum der Firma Koch & Hefter- mann Feuer ausgebrochen war. Der Lagerraum befindet sich in dein Querbau des 2. Stockwerks und birgt Makulatur- papier und Zündhölzer in sich. Als Bewohner des Hauses heimkehrten, wurden dieselben durch Rauch und Brandgeruch auf die Gefahr aufmerksam, öffneten den Lagerraum und sahen, daß Hiex sich ein Brand entwickelte. Sofort machten sich die Hausbewohner an die Löschung des Feuers, inzwischen kamen auch die alarmirten Feuerwehrleute herbei, sodaß es bald gelang, die Gefahr zu beseitigen. Der entstandene Schaden ist gering, die Entstehungsursache unbekannt. Die Gefahr war bei den leicht entzündlichen Stoffen, die sich in dem Lager befanden, eine große.
* Konzert der Ulanenkapelle. Nächsten Sonntag gibt die Ulanenkapelle im „Deutschen Hause" wiederum ein großes Konzert. Welch großer Beliebtheit sich die Konzerte dieser Kapelle zu erfreuen haben, konnte man daraus ersehen, daß am 1. Osterfeiertage im „Deutschen Hause" keine Sitzgelegenheit mehr zu erobern war. Auch für das nächste Sonntagskonzert ist ein reizendes Programm vorgesehen.
* Unfälle auf der Straße. Ein Forstbeamter aus Breunings, der gestern in einer Terminssache vor Gericht gewesen war, stürzte am „Hotel Adler", von einem Ohnmachtsfall betroffen, plötzlich zu Boden. Er wurde in ein benachbartes Gasthaus, woselbst er logirt hatte, gebracht und tarn bald wieder zu sich, sodaß er am Abend die Heimreise antreten konnte. — Am gestrigen Nachmittage wurde in der Fahrgasse ein kurz zuvor aus dem Landkrankenhause entlassener Mann von Krämpfen befallen. Nachdem ihm hilfreiche Hände beigestanden, konnte er bald seinen Weg wieder fortsetzen.
* Hessenland. Inhalt der Nummer 7 des „Hessenland" : Trabert, N, „An Dich"; Jordan, Richard (f), „Satanas" ; Heidelbach, Paul, „Lied" (Gedichte). — v. Weyrauch. Beitrag zur Charakteristik deS letzten Kurfürsten von Hessen". (Vortrag) (Schluß). — Tesdorpf, Dr. Paul. „Richard Jordan als Uebersetzer". — Weinmeister, Paul. „Hessische Sterbe- niünzen". — von und zu Gilsa, Felix Freiherr. „Blätter zur Geschichte des siebenjährigen KÄegeS". — Katzenstein, Louis. Römische Erinnerungen" (Schluß). — Bennecke, W. „Casseler Skizzen. II". — Aus alter und neuer Zeit. — Aus Heimath und Fremde. — Personalien.
* Zirkus Walles in Kesselstadt (am Salisweg) gibt heute Abend eine große Parforce-Vorstellung. Morgen Nachmittag 4 Uhr findet große Familien- und Kindervorstellung, am Abend die letzte Vorstellung statt. Die gestrige Vorstellung brächte wiederum des Interessanten in Fülle, u. A. wurde ein dresstrter Ochse vorgeführt. Der Besuch der Zirkusvorstellungen kann bestens empfohlen werden.
* *
-st. Ostheim, 3. April. (Selbstmord.) Der weil und breit bekannte hiesige Gastwirth Sch., welcher vorgestern von hier abgereist war, suchte gestern bei Sachsenhausen in den Fluthen des Mains den Tod. Was den allgemein beliebten Mann zu dieser That getrieben, ist unbekannt.
Aus dem Grrtchtssaal.
Sitzung der Strafkammer II vom 2. April.
Wilderer.
Am Himmelfahrtsrage des vorigen Jahres machten zwei Förster in der ersten Morgenirühe bei Breunings einen Patrouillengang auf Wilderer. In der Nähe des sogenannten Sackwaldes kamen den Beamten zwei Wilderer zu Gesicht, welche bei ihrem Anblick sofort die