Erstes Blatt
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiektage, mit belletristischer Beilage.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Bezugspreis:
Zierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- sÄtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Einrucknngsgcbiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Staunt, für Auswärts 15 Pfg. im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Nv. 2. Bezirks-Fcrnsprechanschlnß Nr. 98.
Frettaa den 3. Januar
Bezirks-Fcrnsprechanschlnß Nr. 98.
1902
Amtliches.
Candkreis hanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
In 3 Gehöften zu B r u ch k ö b e l ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Ueber die betreffenden Gehöfte wurde die Sperre verhängt.
Zugleich habe ich, da in Bruchköbel eine weitere Aus; dehnung der genannten Seuche zu befürchten ist, auf Grund der §§ 59a und 64 der Bundesrathsinstruktion zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes angeordnet, daß das unterm 27. 12. v. Js. für die "Gemeinden Wachenbuchen, Kilianstädten und Mittelbuchen gebildete Beobachtungsgebiet mit dem Verbot des Durchtriebs von auswärtigem Vieh durch dieses Gebiet auf bm Ort und die Gemarkung Bruchköbel ausgedehnt wird. Auf die zu beachtenden Bestimmungen, welche in Nr. 302 des „Hanauer Anzeiger" pro 1901 — Beilage 2 — abgedruckt sind, wird noch besonders hingewiesen.
Hanau den 2. Januar 1902.
Der Königliche Landrath.
V 8 v. Schenck.
In Rödelheim ist die Geflügelcholera ausgebrochen Hanau den 2. Januar 1902.
Der Königliche Landrath.
v. S ch e n ck.
Gefundene ob verlorene Gegenstände n.
Gefunden: 1 blaue Puppenwagendecke mit Spitzenbesatz und mit Monogramm M. R. 1 Herren-Regenschirm. 1 weiße Schürze mit rother Borde/
Zugelaufen: 1 schwarzer Pinscher mit gelben Abzeichen, m. Geschl. 1 schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten, w. Geschl.; Empfangnahme bei Schuhmacher Gemmecker in Niederissigheim.
Entlausen: 1 schottischer Schäferhund.
Hanau den 3. Januar 1902.
Hus Stadt und Cand.
Hruau, 3. Januar.
* Ginftellung vou Einjährig-Freiwillige» i» das Heer am L April 1902. Folgende Truppenteile stellen am 1. April 1902 Einjährig-Freiwillige ein: Nur Studirende der Universitäten oder Hochschulen stellen ein: das 3. und 5. Garderegiment zu Fuß, Berlin und Spandau. Die Jnfanterieregimenter Nr. 51 (1. Bat.), Breslau. Nr. 160 (2. Bat.), Bonn. Nr. 85 (3. Bat.), Kiel. Nr. 90 (1. und 3. Bat.), Rostock. Andere Freiwillige stellen ein die ^Regimenter Nr. 1, Nr. 3 (1. und 2. Bat.), beide in Königs? berg i. Pr. Nr. 42 (3. Bat.), Greifswald. Nr. 129 (3. Bai.), Bromberg. Nr. 12, Frankfurt a. O., Nr. 64, Prenz- lau und Angermünde. Nr. 36 (1. und 3. Bat.), Halle a. S. Nr. 7, Liegnitz. Nr. 19 (1. und 3. Bat.), Görlitz. Nr. 37, Krotoschin. Nr. 46, Posen. Nr. 50 (2. Bai.), Nawitsch. Nr. 62 (1. und 2. Bat.), Kosel. Nr. 15, Minden. Nr. 53, Köln. Nr. 68, Koblenz. Nr. 70, Saarbrücken. Nr. 84 (1. und 2. Bat.), Schleswig. Nr. 74, Hannover. Nr. 79, Hildesheim. Nr. 82, Gottingen. Nr. 94 (3. Bat.), Jena. Nr. 167, Gaffel. Nr. 110 (2. Bat.), Heidelberg. Nr. 113, Freiburg i. B. Nr. 142 (1. Bat.), Mühlhausen i. Elsaß. Nr. 105 und 132, Straßburg i. Els. Nr. 67, Metz. Nr. 18 (1. Bat.), Osterode i. Pr. Nr. 175 (2. Bat.), Graudenz. Nr. 81, Frankfurt a. M. Nr. 115, Darmstadt und das Regiment Nr. 116, Gießen.
* Das eudgiltige Ergebnis; der Obstbaum- zählnng vom 1. Dezember 1900. Das statistische Bureau gibt jetzt das endgiltige Resultat der am 1. Dezember 1900 vorgenommenen Obstbaumzählung bekannt. Im S t ad t= Kreise Hanau waren hiernach von den überhaupt vorhande- aen 2042 Gehöften (Häusern) 703 mit Obstbäumen bestanden. Insgesammt wurden 19 118 Obstbäume gezählt, davon waren l G01 Apfel-, 4808 Birn-, 6180 Pflaumen- und Zwetschen- und 629 Kirschbäume. — Für den Landkreis Hanau stellte sich das Resultat wie folgt: Von den 6803 Gehöften (Hausen) des Kreises waren 5828 mit Obstbäumen bestanden. .Außerdem waren 7 mit Obstbäumen bestandene Grundstücke ohne Gehöfte, und 22 mit Obstbäumen bestandene Wege rc. vorhanden. Insgesammt wurden im Landkreise 259 584 Obst- caume gezählt. Nach der Gattung zerfielen dieselben in 105 315 Apfel-, 21155 Birn-, 115 662 Pflaumen- und Zwetschen- und 17 452 Kirschbäume.
* Hananer Adreßbuch 1902. Der Verlag des Hanauer Adreßbuches gibt bekannt, daß er den Subskriptions
preis von 3,50 Mk. noch bis Ende nächster Woche aufrecht erhält, von da ab aber der erhöhte Ladenpreis von 4,50 Mk. eintritt.
* Herrn Dr. Ed. Paneritiits, erstem Assistenzarzt am Landkrankenhaus zu Hanau, ist die Stelle eines leitenden Arztes am Landkrankenhause in Cassel übertragen worden. Herr Dr. Pancritius wird die Stelle bereits in den nächsten Tagen antreten.
* Frequenz der städtischen Badeanstalt .
im Monat Dezember 1901.
Verabreicht wurden:
89 Bäder Kl. I.
144’ „ Kl. II.
658 „ Kl. in.
44 Douchebäder.
43 Römisch-Irische Bäder.
Sa. 978 Bäder.
Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 88 am 7. Dezember.
Die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder betrug 10 am 9. Dezember.
* Entsprungen. Der in der Irrenanstalt zu Marburg internirte Geisteskranke Schöne von hier ist laut telegraphischer Nachricht dortselbst aus der Anstalt entwichen.
* Geschmuggeltes krankes Fleisch. Am vergangenen Dienstag wurde von Großkrotzenburg aus wieder einmal der Versuch gemacht, tuberkulöses Fleisch hier ein- zuschmuggeln. Der städtische Kontrolleur fragte am Nürnberger Thor den Knochenhändler B. von Großkrotzenburg, was er auf seinem Wagen habe. Dieser erwiderte: „Knochen." Der Beamte hielt jedoch das Fuhrwerk für verdächtig und durchsuchte den Wagen, und als er auf einen Sack stieß, der etwas Weiches enthielt, rückte der Fuhrmann damit heraus, „das habe ihm der Metzger Sch. auf den Wagen gelegt. Der Transport mußte nunmehr mit zum Schlachthof und dort stellte sich heraus, daß das in dem Sack enthaltene Stück Fleisch — ein ausgebeintes Bruststück — vollständig tuberkulös war. Das Fleisch wurde natürlich von Herrn Direktor Becker sofort konsiszirt und vernichtet. Das Auffallende bei der Sache bleibt, daß das betreffende Stück den Stempel des Fleichbeschauers trug. Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß das Stück nur oberflächlich untersucht wurde, daß die beiden Metzger nachher beim Zertheilen des Fleisches auf eine vereiterte Lymph- drüse stießen und alsbald merkten, daß das Fleisch tuberkulös war; es war nämlich gerade in eine solche Drüse hineingehackt worden. Anstatt nun das Fleisch nochmals untersuchen zu lassen oder es zu vernichten, wurde es einfach in einen Sack verpackt und hierher zu schmuggeln versucht, was glücklicher Weise an der Wachsamkeit des Kontrolleurs scheiterte. Ein ordentlicher Denkzettel wird den Schuldigen wohl nicht aus- bleiben.
* Streich - Konzert der Ulanenkapelle im Deutsche» Haus. Zu dem am nächsten Sonntag statt- findenden Streich-Konzert der Ulanenkapelle hat Herr Musik- dirigent U r b a ch ein gutgewähltes Programm aufgestellt, auch bleibt die herrliche Dekoration von der Damensitzung der 1. Hanauer Carnevalgesellschaft (am 1. Januar) für diesen Abend bestehen. Der Besuch dieses Konzertes wird sich in jeder Beziehung reichlich lohnen.
* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. ist diesen Sonntag Vormittag der Eintrittspreis auf 30 Pfg. für E r w a ch s e n e und 20 Pfg. für Kinder ermäßigt, im Aquarium auf 20 Pfg. für Alle. Die Besuchszeit wird an diesen Tagen bis 1 Uhr ausgedehnt. Um 1 Uhr wird der Garten für die Vormittags-Besucher geschlossen und von da an kostet es 1 Mark, Kinder 50 Pfg. (Aquarium 50 Pfg., Kinder 20 Pfg.)
* *
Q Keffelstadt, 3. Januar. Ein trauriger Fall hat sich vorgestern hier abgespielt. Ein früher in Hanau, jetzt in Fechenheim wohnender Mann, verheirathet und Vater von 4 Kindern, lernte dort ein Dienstmädchen kennen, flunkerte demselben vor, er sei ledig und werde es heirathen, er müsse es aber erst seiner in Hanau wohnenden Mutter vorstellen. Thatsächlich brächte der Mann das nichts ahnende Mädchen dorthin, wo ihr ein nichts weniger wie liebenswürdiger Empfang bereitet wurde. Verzweifelt über die entsetzliche Lage, die es jetzt erkannte, stürzte sich das Mädchen hier in den Main. Glücklicherweise beobachteten Passanten den Vorfall und brachten das Mädchen wieder aufs Trockene. Die hiesige Ortspolizei nahm sich des Mädchens in dankenswerther Weise an, sorgte für trockene Kleider und brächte es die Nacht noch per Wagen nach Fechenheim. Die Sache ist bereits dem Staalsauwait übergeben worden.
X Hochstadt, 2. Januar. In dem Sylvestergoticsdienste und in d"n RtnjaXsaotteKdstnst-n wurden ^ah>'r nberma's
23 Mk. für die unglücklichen Frauen und Kinder der B u r e n geopfert. In den letzten Monaten sind dahier im Ganzen 58 Mark Liebesgaben für die armen Buren an die Sammel- stdlle in Berlin abgegangen.
Telegraphischer Wetterbericht der d^Men Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 3. Januar,
9 Uhr 35 Min.
Ein Maximum von über 765 mm lagert am Biscayasee, ein solches von über 760 mm über Nordwestdeutschland, Minima unter 745 mm lagern nordwestlich Schottlands und über Westrußland. In Deutschland ist das Wetter regnerisch und sehr mild.
Prognose für den 4. Januar: Meist kälteres, im Süden aufklärendes Wetter, im Norden Niederschläge wahrscheinlich.
Hus ]Ntab und fern.
Cassel, 2. Januar. Vor der hiesigen Strafkammer wurde dieser Tage eine Gerichtsverhandlung abgehalten, die einen peinlichen Eindruck hinterließ. Unter der Anklage des schweren Diebstahls saß eine junge Frau von einigen 20 Jahren auf der Anklagebank, beschuldigt, ihre eigenen Eltern bestöhlen zu haben. Die junge Frau, ob- schon das einzige Kind ihrer Eltern, war von diesen angeblich sehr'hartherzig behandelt und bei ihrer Heirath in Bezug auf Aussteuer sehr knapp bedacht worden. Die Angeklagte wollte nun ihre Aussteuer verbessern, wohl auch einige Sachen zu Gelde machen, weil sie sich in Noth befand, weshalb sie sich eines Tages von ihrem jetzigen Wohnort Cassel auf den Weg nach ihrem Heimathsorte Helmshausen bei Melsungen machte. Bei passender Gelegenheit schlich sie nun in der Dunkelheit oben auf den Boden der elterlichen Hütte, riß den schlecht befestigten Schloßkrampen aus der morschen Wand der alten Bodenkammer und nahm von den dort aufbewahrten Kleidungsstücken, Leinen und Tüchern einige Stücke an sich, packte alles in einen Tragkorb und eilte wieder nach Cassel zurück. Obgleich der Werth der Sachen nur gering, machten die Eltern Anzeige gegen ihre Tochter, worauf dieselbe in Untersuchungshaft gebracht wurde. Bei Aufruf der Zeugen in der hiesigen Gerichtsverhandlung erschien Vater und Mutter weinend im Saale und machten von dem Recht der Zeugniß- verweigerung Gebrauch. Der Staatsanwalt hielt beiden mit Recht vor, warum sie ihr eigenes Kind zur Anzeige brächten, wenn sie nachher vor Gericht die Sache nicht vertreten wollten. Die Angeklagte war reumüthig geständig und schützte vor, durch Arbeitslosigkeit — sie ist Fabrikarbeiterin — in einer Nothlage gewesen zu sein. Da die Angeklagte in ihrer Jugend wegen einer Entwendung geringfügig vorbestraft ist, so konnte der Staatsanwalt, weil es sich um qualisizirteu Diebstahl handelte, selbst unter Annahme mildernder Umstände nicht unter einem Jahr Gefängniß beantragen. Der Gerichtshof berieth lange, es wurde ihm offenbar schwer, die reumütige Angeklagte wegen eines Eigenthumsvergehens gegen die leiblichen Eltern zu verurtheilen. Er kam wieder zurück, ließ die beiden Eltern nochmals vortreten, und, indem der Vorsitzende ihnen die Zurücknahme des Strafantrages förmlich in den Mund legte, fragte er nacheinander Vater wie Mutter, ob sie etwa mit der nunmehrigen Verweigerung ihrer Aussage gegen ihre Tochter die Zurücknahme des Strafantrages hätten ausdrücken wollen, aber mit weinerlicher Stimme erklärten sie: „Nein, bestraft soll sie werden!" So mußte der Gerichtshof auf die Mindeststrafe von einem Jahr Gefängniß erkennen. Die hartherzigen Eltern ließen sich ihre Zeugengebühren aus- zahlen, und anscheinend ganz befriedigt über ihre Rolle zogen sie nach Hause.
Kirchhain, 2. Januar. Nach dem Tanzvergnügen, welches aus Anlaß des Neujahrsmarktes jährlich stattfindet, kam es gegen 1 Uhr zwischen zwei jungen Burschen aus dem benachbarten Dorfe Langenstein und dem Gute Radenhausen zu einer wüsten Stecherei. Einer dieser Raufbolde erhielt einen Stich in den Unterleib und mußte, nachdem ein Nothverband angelegt war, nach Marburg in die Klinik geschafft werden, der andere erhielt einen tiefen Stich in die Schulter und mußte ebenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. /
Oberaula, 1. Januar. In dem von hier drei Stunden entfernten Städtchen Grekenau erschoß sich der 16jährige Sohn des Gastwirths Reit; Motive zur That sind unbekannt.
Fulda, 2. Januar. Herr Kreissekretär Köhler feierte gestern sein 25jähriges Amtsjubiläum. Am Vormittage fand in der Wohnung des Jubilars die offizielle Gratulation statt. Vom Herrn Regierungspräsidenten traf ein hv'dvo^es Scheiben e-n mst d-n he^zlichst-n Glückwünschen.