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amner
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke: in Hanau, -
Nr. 281.
Fernsprechanichlnß Nr. 605*
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Dienstag den 2. Dezember
Fernsprechanschluß Nr. 665.
1902
Amtliches.
Stadtkreis ßanau, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Eine Anzahl beteiligter Handwerker hat bei mir die Errichtung einer Zwangsinnung für alle diejenigen, welche in dem Stadt- und Landkreise Hanau das Schneider- und Mützenmacher-Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig betreiben, gleichviel ob dieselben der Regel nach Gesellen und Lehrlinge halten oder nicht, beantragt.
Ich habe daher auf Grund des § 100 Abs. 1 der Reichs« gewerbeordung in der Fassung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 (R. - G.-Bl. S. 663) den Herrn Oberbürgermeister Dr. Geb esch u 3 zu Hanau zu meinem Kommissar zur Ermittelung, ob die Mehrheit der betheiligten Gewerbetreibenden im Bezirk der geplanten Zwangsinnung der Einführung des Beitritiszwangs zustimmt, bestellt. (A. II. 13769.)
Cassel am 6. November 1902.
Der Regierungs-Präsident.
J. V.: Mauve.
Bekanntmachung.
Die Aeußerungen für oder gegen die Errichtung einer Zwangsinnung für das Schneider- und Mützenmacherhand- werk im Stadt- und Landkreise Hanau sind bei mir entweder schriftlich bis ä«m 16. Dezember d. Fs. oder mündlich in der Zeit vom 3. Dezember er. bis zum 16. Dezember d. J., werktäglich in der Zeit von 10 bis 12*72 Uhr vormittags im Rathhaus, Zimmer Nr. 18, ob* zugeben.
Ich fordere hierdurch alle Handwerker, welche im Stadt- und Landkreise Hanau das Schneider- und Mützenmacherhandwerk betreiben, zur Abgabe ihrer Erklärung mit dem Bemerken auf, daß nur solche Erklärungen giltig sind, welche erkennen lassen, ob der Erklärende der Errichtung der Zwangs- Jnnung zustimmt oder nicht, und daß nach Ablauf des obigen Zeitpunktes eingehende Erklärungen unberücksichtigt bleiben.
Hanau den 22. November 1902.
Dr. Gebeschus, 21651 Oberbürgermeister.
Bekanntmachung.
Die vor der Kinzigbrücke, auf dem Viehmarktplatz und vor dem Steinheimerthor lagernden Linden-, Pappel- und Weidenstämme sollen meistbietend versteigert werden. M-E.LW», ^^s»^*-.—™^< -■nnrMTwwiyiwrawrr-rwrwiM
Feuilleton.
Kunst und Leben.
Hanau, 2. Dezember.
§. Kammermusik - Abend der „Frankfurter Quartett-Vereinigung". Zum zweiten Male in dieser Saison bot sich uns wiederum am gestrigen Abende in dem kleinen Saale der „Centralhalle" dahier die Gelegenheit im Kreise eines auserlesenen kunstsinnigen und musikfreudigen Auditoriums, das hierorts rühmlichst bekannte „Frankfurter Quartett" (zusammengesetzt aus den Herrn H. Hock, Fr. Dippel, Aug. Allekotte und Heinrich Appunn) in seinen meisterhaften Darbietungen auf dem Gebiete des unvergleichlich schönen Streichquartetts belauschen und bewundern zu können. Der genußreiche Abend verkörperte uns jenen zauberisch frischen Geist der Schule Robert Schumann's und des ebenso genialen Jüngers der Kunst FrüdSric Chopins, des Klaviermenschen par exellence, der diesem seinem Lieblings- Jnstrumente die hohe Stellung in der Welt errungen, der nur im Klavier lebte und in ihm seine Seele und sein ganzes Empfinden ausströmte. Die Welt spiegelte sich ihm nur im Klavierton, in dem er allein lebte und durch den er mit der Welt sprach. — Eingeleitet wurde die concertliche Veranstaltung durch des unsterblichen Meisters Schumann's wahrhaft edles Stteichquartet op. 41 in A-moll, eine herrliche Jnstrumen- talion-Sonate, reich an ewig schönen Themen und empfindunzs- wahrer Gedanken und Motiven, die dem innig lauschenden Zuhörer staunende Bewunderung abzwangen. Wer es versteht als geläuterter Mustkoerständiger in stillem Bewundern jenen edelgsformten Aufbau zu ergründen, wird überrascht niedergebeugt von jener Fülle des dargebotenen köstlichen Inhalts. Schumann war eben ein Riesengeist, ein Fürst der Instrumentation, der, trotzdem er sich anfänglich mehr für die Technik
Die Versteigerung beginnt
Donnerstag den 4. d. Mts , vormittags 10 Uhr, Vor der Kinzigbrücke.
Hanau den 1. Dezember 1902.
Die Stadtkämmerei. 21664
Hue Stadt und Cand*
Hanan, 2. Dezember.
* Bauernregeln für Dezember. Dezember veränderlich und mild: der ganze Winter ein Kind. Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbares Jahr mit reichlichem Klee. Friert's am kürzesten Tage (21. Dezember), fällt das Korn im Preise; ist gelindes Wetter, steigt der Preis. Jst's in der heiligen Nacht hell und klar, so gibt's ein fegen« reiches Jahr. Sylvesters Nachtwind und Morgensonne verdirbt die Hoffnung auf Korn und Wein. Schneit es auf St. Lucia (13. Dezember), ist schon Mitte Dezember nah. Wildgänse auf offenem Wasser ist der Winter ein nasser. Weihnachten naß, gibt leere Speicher und Faß. Wenn der Nord zu Vollmond tost, folgt ein langer, harter Frost. Fließt jetzt noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft. Steckt die Krähe zu Weihnachten im Klee, sitzt sie um Ostern oft im Schnee. Grüne Weihnachten — weiße Ostern. >
* Der Bezirksausschutz wird am 4. und 5. Dezember d. I. Sitzungen abhalten.
* Stratzenschilder werden in den Anlagen, überhaupt Außenstadt, für die Folge nicht mehr durch emaillirte Schilder ersetzt. — Lackirtes Eisenblech mit auffallender Schrift bietet kompletten Ersatz und hat 1. den Vortheil der Billigkeit und 2. der Haltbarkeit, denn das „D r a u f k e e s e n" hat keinen Erfolg! — Sehr gut!
* Städtische Sparkasse. Auch an dieser Stelle werden Interessenten aufmerksam gemacht, daß die Stadt. Sparkasse Hypothekengelder ä iV^/o Zinsen ausleiht und zwar mit und ohne Amortisation.
* Verloren. Ein hier in Arbeit stehender, in einem Nachbarorte wohnhafter Familienvater verlor am Samstag Abend von der Nömerstraße bis zur Kleinbahn seinen ganzen Wochenlohn. Am Sonntag Morgen machte sich derselbe in aller Frühe auf die Suche, doch konnte er das Verlorene nicht wiederfinden. Dem ehrlichen Finder wird eine Belohnung zugestchert.
* Stadttheater. Morgen Mittwoch geht Meyer- Försters Lustspiel „Der Vielgeprüfte" zum ersten Male in Scene. Der durch sein mit so eminentem Erfolg gegebenes Schauspiel „Alt-Heidelberg" schnell bekannt gewordene Autor hat die deutsche Bühne mit seinem Lustspiel ,/Der Vielgeprüfte" noch um ein vorzügliches Repertoirstück bereichert. Eine flotte aatwawmMMmMBaMHiia^iBW^«-»»»^^
des Virtuosenthums interessirte, jedoch in Behinderung seiner durch Gewaltmaßregel' verdorbenen und versteiften Hand den erfolgreichen Pfad der Komposition wandelte, um auf diesem Gebiete einen Ehrensitz in dem musikalischen Parnaß zu erringen. Wie aus dem reinen Vortrage ersehend, vertrat R. Schumann in dieser Schule das Genre der Phantasiereichen Lyrik; das episch breite war seinem lebhaften Naturell gegenüber kalt und fremd. Die Darbietung dieses schönen Meisterwerks von Seiten der oben erwähnten Interpreten ließ nichts zu wünschen übrig. Ein Jeder war eben bemüht, sein ganzes Können und Empfinden in. ber edelsten Tongabe den emsig lauschenden Hörern zu offenbaren, um ihnen jenen Geist ein- zuhauchen und jene Gefühle wachzurufen, die dem unsterblichen Schöpfer dieses Tongemäldes bei seiner Abfassung vorschweb- ten. — Die Perle des Abends bot sich uns in der Verkörperung und Darbietung von Johannes Brahms unerreichtem zweiten Klavierquartett in A-dur, UM 26, dessen Wiedergabe als bravoure Glanznummer bezeichnet werden kann. Als Meister und unsterblicher Jünger in der Instrumentation und Kontrapunktik steht dieser echte deutsche Künstler an der Seite des Altmeisters Beethoven und seines Lehrers und Meisters Robert Schumanns, der mit prophetischem Blicke seinen Schüler, als dieser noch im sonnigen Jünglingsalter stand, als den kommenden Messias der Kunst bezeichnete. Und in der That! Der strebsame Feuergeist, der überall bei Meistern seinen Wissensdrang sättigte, mühte sich redlich, die Prophezeihung zu bestätigen und mehr zu werden, als ein Epigone. Gerade ^n,. der Kammermusik hat Brahms Bedeutendes geschaffen; hier ist er Beethoven am treuesten nachgefolgt. — Wunderbar einschmeichelnd ergossen sich die leichtflüssigen Themen-Abwechslnngen und Uebergänge in dem erhaben angelegten Adagio des oben erwähnten Ton- gemäldes und eine Jnhaltswärme reichster Art erstrahlte aus dem Zauber des so frisch und mit Verve vorgetragenen Meisterwerks. Jeder Jnterprete trug in redlichem Bemühen dazu bei, dem Ganzen die künstlerische Ge
Handlung, ein köstlicher Humor und die trefflich gezeichneten Personen werden dem gegenwärtig mit so großem Beifall auf» geführten Stücke auch hier die beste Aufnahme sichern. Die Besetzung ist wie folgt: Alexander — Herr Schwarz; Lilly — Frl. Toran; Robert — Herr Becker; Käthchen — Frl. Leoni; Bookemann — Herr Jungk; Henriette — Frau Rieger; Blobel — Herr Gehrmann; Frau Blobel — Frau Hantle; Bürgermeister — Herr Retzbach und Bertha — Frl. Wehn. Die Regie führt Herr Schwarz.
* Stadttheater. Wochenspielplan. Mittwoch: Zum ersten Male: „Der Vielgeprüfte", Lustspiel in 3 Aufzügen von Wilhelm Meyer-Förster; Freitag: „Der Mann im Monde", Posse mit Gesang von Jacobsohn. Sonntag: Zum ersten Male: Es lebe das Leben", Drama in 5 Akten von Herm. Sudermann.
* Bolksvorstellang. Im Stadttheater wird heute Abend, wie der Ausschuß für Volksvorlesungen mittheilt, das Halbe'sche Drama „Haus Rosenhagen" gegeben.
* Verein zur Unterstützung der barmherzigen Schwestern. Die diesjährige Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung der barmherzigen Schwestern fand am 27. November im goldenen Löwen statt. Der Vorsitzende, Herr Linn begrüßte die Erschienenen und sprach allen denen, die diesem Vereine ihr Interesse und ihre Unterstützung zu theil werden lassen, den herzlichsten Dank aus. Bekannt ist das überaus segensreiche Wirken der barmherzigen Schwestern in hiesiger Stadt. Im verflossenen Jahre wurden 87 Kranke in 379 Tagespflegeu, 244 Stundenpflegen und 741 Nachtwachen gepflegt. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf 1337 Mark, 69 Mark weniger als im Vorjahre. Nach der Rechnungsablage schritt man zur Vorstandswahl, aus der die Herren Lian, G. Reinhardt, F. W. Weber Weis- müller und Reus einstimmig hervorgingen. Auch an dieser Stelle sei allen Wohlthätern ein aufrichtiges „Vergelte es Gott" gesagt. Wir wollen aber nicht unterlassen, die Bitte auszusprechen, wieder ein Scherflein beizutragen, damit die Schwestern auch fernerhin dem großen Liebeswerke sich widmen können.
* Stadtveeoednetenwahlen in Frankfurt. Mit der gestrigen Stichwahl zur Stadtverordneten-Versamm- lung z hat der Wahlkampf sein Ende erreicht. Auszuscheiden hatten 11 Demokraten, 7 Nationalliberale, 1 Freisinniger, 1 Vertreter der Handwerkerpartei und 1 der katholischen Partei. Das Gesammtresultat der Stadtverordnetenwahl ist folgendes: Die demokratische, die nationalliberale und die katholische Partei haben ihren Besitzstand bewahrt, während die Handwerkerpartei einen Sitz an die Freisinnigen verloren hat.
* Ermordet. Aus dem benachbarten bayerischen Gebietstheil kommt die Kunde von einem Verbrechen. Der in
staltung zu erringen, wenngleich auch zuweilen in diesem löblichen Bestreben sich mancher Part als Führer etwas zu viel leistete, was besonders der Klavier-Interpretation hierorts gesagt sein möge. — Im Uebrigen war die Ausführung dieses nebenbei technisch sehr schwierigen Tonwerks eine recht respektable Leistung, die sichtbar die Zuhörer erbaute, dessen Bestätigung der stürmische Applaus nur allzu deutlich bewies. — In der Anwerbung der in der Musikwelt mit gutem Klang genannten Klavier-Virtuosin Frau Florence Bassermann hatten die Veranstalter des sehr gut besuchten Concertes eine glückliche Hand. Setzte man schon eine künstlerische Leistung voraus, so müssen wir offen gestehen, daß unsere Voraussetzung bei weitem noch übertroffen wurde. Die edle Tongebung, der wohlberechnete, gefühlvolle, zuweilen allerdings etwas zu mannhafte Anschlag, der lebhafte Accent und die technisch fertige Sicherheit in der Zeit- bcmessnng entzückten allseits und rissen die emsig Lauschenden 31t Beifallsbezeugungen lebhaftigsterArt hin. Inder empsindungs- reichen Eigenart der Auffassung und der phantasiebelebten Wiedergabe dieser vorerwähnten Seelen-Eindrücke liegt eben dieser Künstlerin wahre Größe. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß jene herrlichen Klavier-Darbietungen, die in Tonwerken von Scarlotti, Beethoven, Hitler und ganz besonders in solchen des Klavierkünstlers Chopin bestanden, seitens der genialen Zntcrpretin frei aus dem Gedächtnisse geboten wurden, die den Zauber der Kunst noch lebhaft steigerten. — Be- lenchten wir nun zum Schluß die Gesammtausführung nochmals in kurzem Rückblick, so müssen wir ohne Ueberhebung eingestehen, daß das reichlich bedachte Programm des bescheidenen Lorbeers werth war und daß der schärfste Griffel der Kritik nur weniges zu rügen fand. Zum Lobe und zur pflichtgemäßen Anerkennung aber der angewandten Mühe seitens derMitwirkenden seidiesesRuhmesblattöffentlichbestätigt!