Hanauer U Anzeiger
Bezugspreis:
vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für ans- «ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Bedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebührr
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau«
Nr. 126
Fernsprechanschluß Nr. 605»
Montag den 2. Juni.
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Stadtkreis Öanau,
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Die Zustellung der Steuerzettel für das laufende Rechnungsjahr wird in diesen Tagen erfolgen.
Steuerpflichtige, welchen infolge Wohnungswechsel und dergl. der Steuerzettel bis zum 25» d. Mts. nicht zugeht, werden in ihrem eigenen Ruterefle ersucht, dies unter genauer Angabe ihrer Adreste alsbald nach dem 25. d. Mts. der Steuerkasse mitzutheilen.
Der Richtempfang des Steuerzettels begründet kein Recht zur Hinausschiebung der Steuerzahlung, hält auch die kostenpflichtige Zwangs- beitreibung nicht auf.
Die auf den Steuerzetteln aufgedruckten Fälligkeitstermine werden für das I. Quartal um 8 Tage hinausgeschoben und wird sonach der Termin für die Zettel Nr. 1—3000 am 14. d. Mts., für die Zettel 3001- 6000 am 23. d. Mts. und für die Zettel von Nr. 6001 ab am 2» Juni 1902 beginnen.
Im Interesse der schnellen Abfertigung wird um pünktliche Einhaltung dieser Termine ersucht. Bei verspäteter Zahlung hat der Säumige nicht eher ein Recht ans Abfertigung, als nicht alle im Lkaflenlokal anwesenden oder auch während seines Aufenthaltes in demselben an- kommenden Zahler, deren Termin stattfindet, abgefertigt sind.
Fristgesuche können in dringende» Fällen nur dann BerüEflchtigung finden, wem» sie vor Ablauf des Fälligkeitstermins eingegangen und gehörig begründet sind.
Die Steuerkasie befindet sich im Neustädter Rathhaus, Marktplatz l6, Erdgeschoß rechts.
Hanau den 10. Mai 1902.
S t a d t k a s s e. 8405
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 fast neue Sturmlaterne, 1 massives gegliedertes Hundehalsband, 1 Schildkröte.
Verloren: 1 kleines rotheS Kinderhütchen, 1 rothledernes längliches Damenportemonnaie mit Inhalt, 2 kleine Schlüssel auf der Messe, 1 Kinder-Photographie.
Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer kurzhaariger Hund mit weißem Hals.
Hanau den 2. Juni 1902.
Hununs steuerliche Stellung im Staatslcöcu nach dem neuesten amtlichen Matcrialc.
Die amtlichen Zusammenstellungen auf dem Gebieie der Steuerstatistik, welche alljährlich theils vom Finanzministerium, theils in dessen Aufträge von dem Kgl. statistischen Bureau in Berlin als Anhalt für die gesetzgebenden Körperschaften unseres Staats bei der Berathung des Staatshaushaltsetats zusammengestellt werden, sind für das Jahr 1901/02, den neuesten Zeitraum also, der in dieser Hinsicht in Betracht gezogen werden kann, dem Abgeordnetenhause vor einigen Monaten zugegangen.
Mit dem Fortschreiten und dem Abschlüsse der Etatsberathungen in den beiden Häusern des Landtags pflegt auch ihr reicher Inhalt unter dem umfangreichen Druckmateriale zu verschwinden, das den letzteren regierungsseitig fortgesetzt zugeht. .
Umsoweniger wird es eines gewissen Werths entbehren, aus dem Materiale über die zur Zeit vorhandenen 85 Stadtkreise eine die Steuerverhältniffe unserer L-tadt Hanau be- sreffende kleine Blumenlese vor Augen zu führen, wie sich dieselbe aus dem reichen Ziffernmateriale nicht ohne Muhe herausziehen läßt.
Unsere Stadt nimmt in der Reihe der 85 Dtadtkreije ihrer Einwohnerzahl nach die 72. Stelle ein, nnd zwar mit 29 874 Einwohnern bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1900. Die Personenstandsaufnahme für die Emkommens euer- oeranlagung auf das Steuerjahr 1901/02, welche der Volkszählung einige Monate vorausging, ergab für Misere Stab w 29 721 Ä-l-n. Dich »1AM »°»°d>-®r>* >age unserer gesummten Steuerstatistik für 19U1/U2.
Der Einkommensteuer unterliegen hiervon zunächst die sogenannten Exterritorialen nicht, also z. B. Diejenigen, die ohne in Preußen einen festen Wohnsitz zu haben, seit mehr als 2 Jahren im Auslande sich dauernd aufhalten. Personen dieser Art wurden im Jahre 1901/02 bei uns 139 gezählt.
Ferner unterliegt der Einkommensteuerveranlagung die große Menge derjenigen Personen nicht, deren steuerpflichtiges Einkommen den Betrag von 900 Mk. nicht übersteigt. Das sind bei uns für 1901/02 zusammen 12 830 Köpfe.
Für die Veranlagung bleiben sonach 16 752 Personen, von denen aber nach Abzug der nicht steuernden Haushaltsangehörigen, also der Frauen, der Kinder u. s. w., nur 6087 Eiuzelnsteuernde und Haushaltungsvorstände sich ergeben.
Von ihnen wurden dann weiter noch freigestellt, und zwar aus § 18 des Einkommensteuergesetzes (Kinderzahl) 266, und aus § 19 a. a. O. (die Leistungsfähigkeit beeinträchtigende Verhältnisse) 78. Als Anzahl der thatsächlich einkommen- steuerpstichtigen Personen ergeben sich für unseren Stadtkreis also 5743, oder 19,32°/« der bei der Personenstandsaufnahme festgestellten Seelenzahl.
Unter den 85 Stadtkreisen des preußischen Staates nimmt der unsrige mit dieser Ziffer 19,32 die 19. Stelle ein, das heißt also, 18 Stadtkreise enthalten prozentualster mehr und 66 weniger Einkommensteuerpflichtige in der Einwohnerzahl als unser Stadtkreis.
Somit rückt unsere Stadt in dieser Beziehung aus der 72. Stelle, die ihr ihre Einwohnerzahl zuweist, in die 19. Stelle auf!
Diese Prozentualziffer stellt sich in den je 5 Stadtkreisen, welche nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 unserem Stadtkreise hinsichtlich der Einwohnerzahl im preußischen Staate unmittelbar vorangingen bezw. unmittelbar nachfolgten, wie folgt, und zwar:
Kattowitz .
* e e *
14,74 %
Hamm . .
e a *
12,06 „
Stralsund .
* * * *
11,98 „
Göttingen .
4 4 4 4
15,31 ,
Oppeln. .
4 4 4 4
9,55 „
Hanau .
4*44
19,32 „
Thorn . .
4 4*4
9,14 „
Nordhausen
4 4 4 4
13,73 „
Schweidnitz
♦444
9,89 „
Weißcufels.
♦ 444
10,80 „
Wandsbek .
4 4 4 4
17,37 „
Unsere Stadt nimmt mit ihrer Ziffer 19,32"/» unter diesen 11 Städten mithin weitaus die erste Stelle ein, denn Wands- beck folgt als nächste erst mit 17,37%.
Ein wenig anders gestaltet sich die Sache, wenn man diese Städte nach der Höhe des auf einen Einkommensteuerpflichtigen durchschnittlich veranlagten Einkommens aneinander- reiht. Das Bild ist alsdann das folgende:
Kattowitz . . .
. 2783,C'J -
Hainm ....
. 2157,90
Stralsund . . .
. 2414/2
Göttingen . . .
. 3100,4 h ,
Oppeln ....
. 2485,77 „
Hanau . . .
. 2774,37 „
Thorn ....
. 3000,32 „
Nordhausen . .
. 3077,34 „
Schweidnitz . .
. 2714,53 „
Weißenfels . ♦
. 2328,79 „
Wandsbek . . .
. 1846,70 „
Hier steht unser Hanau also an fünfter Stelle, also immer noch einen Platz höher, als ihm seine Einwohnerzahl zuweisen würde. Der Zusammenhalt der beiden bis jetzt ermittelten Ergebnisse aber liefert den Schluß, daß unsere Stadt verhältnißmäßig ganz außerordentlich viele Einkommensteuerzensiten zählt und daß weiter unter denselben auch in mehr als normalmäßiger Anzahl Angehörige der Oberklassen vertreten sind.
Nicht uninteressant ist vielleicht dann auch noch eine vergleichende Zusammenstellung der beiden Ziffernergebnisse für die vier Stadtkreise unserer Provinz, und zwar:
Frankfurt a. M. 19,94 °/o und 4790,61 Mk.
Eaffel .... 16,30 „ „ 3541,79 „
Wiesbaden . . . 20,62 „ „ 4390,15 „
Hanau . . . 19,32 „ „ 2774,37 „
Verhältnißmäßig die meisten Einkommensteuerzensiten hat also Wiesbaden. Ihm schließen sich Frankfurt a. M., Hanau und Cassel an. Verhältnißmäßig die günstigsten Einkommensverhältnisse aber finden sich in Frankfurt a. M. Ihm folgen Wiesbaden, Cassel und Hanau. Frankfurt und Wiesbaden gelten neben Bonn bekanntlich als Ausnahmestädte auf steuer
lichem Gebiete und auch Cassel grenzt noch etwas an die außerordentlich günstigen Einkommensverhältnisse dieser Städte.
Was nun den gesammten Einkommensteuerbetrag der physischen Personen überhaupt, sowie den Durchschnittsbetrag anbelangt, der sich hiervon für den Kopf der Personenstandsaufnahme (in Hanau 29 721 Köpfe) und auf den Kopf der Einkommensteuerzensiten (in Hanau 5743 Köpfe) ergibt, so weisen die angeführten 4 hessennassauischen Stadtkreise in dieser Beziehung folgende Verhältnisse auf, und zwar: Frankfurt 7 743 498 Mk. = 26,87 Mk. = 134,74 Mk.
Cassel . 1480117 „ = 14,06 „ = 86,21 „
Wiesbaden 1945 668 „ = 23,15 „ —112,29 „
Hanau 350 077 „ —11,78 „ = 60,96 „
Es ist ja gar nicht anders möglich, als daß unsere Stadt unter diesen Ausnahmsstädten auf dem Gebiete des Steuerwesens in allen drei Beziehungen den letzten Platz einnimmt.
In vorstehenden Darlegungen sind, wie innerhalb derselben bereits kurz angedeutet, die physischen Personen allein in Betracht gezogen worden. An nichtphysischen Personen (Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Berggewerkschaften, eingetragenen Genossenschaften und Konsumvereinen) sind in unserer Stadt vier vorhanden, mit einem Einkommensteuersolle von insgesammt 3410 Mk. Den Steuerstufen und der Höhe des Einkommensteuersolls nach gruppiren sich diese vier Censiten wie folgt:
1 mit mehr als 11500-12500 Mk.Eink.u. 360 Mk. Steuer 1 H „ ii 15500 16500 „ „ 1/ 480 „ „
1 ii ii if 18500 19500 „ H 1/ 5 <0 „ „
1 „ „ „ 50000-60000 „ „ „ 1760-2080 Mk. St.
Für die vierte dieser Steuerstufen ist das Einkommensteuersoll nicht auseinandergehalten, sondern zusammengefaßt, sodaß das Soll des einen in dieser Stufe vorhandenen nichtphysischen Censiten nicht genauer festgestellt werden kann.
Insgesammt stellte sich im soeben abgelaufenen Steuerjahre die Höhe des Einkommensteuersolls für unsere Stadt mithin auf 353 487 Mk.
Für die bereits oben genannten je 5 in der Einwohnerzahl uns vorangehenden bezw. nachfolgenden Preußischen Stadtkreise im Zusammenhalte mit Hanau gestaltete sich diese Ge- sammteinkommensziffer wie folgt:
Kattowitz . \ 279 468 „
Hamm . . . 208 805 „
Stralsund . . 175 228 „
Göttingen ♦ . 292172 „
Oppeln . . . 169165 Mk.
Hanau. . . 353 487 „
Thorn . . . 185 994 „
Nordhausen. . 278 057 „
Schweidnitz . . 157 654 „
Weißenfels . . 139 213 „
Wandsbek . . 154315 „
Hanau nimmt hier also weitaus den ersten Platz ein, denn die nächstfolgenden Städte, Göttingen Kattowitz und Nordhausen, erreichen nicht das dritte Hunderttausend, während unsere Stadt schon das vierte bereits wieder zur Hälfte überschritten hat.
Das amtliche steuerstatistische Material gestattet dann schließlich noch einen Blick in die Arten des bei der Veranlagung der physischen Personen zu Grunde gelegten Einkommens, also, um kurz zu reden, in die Einkommensquellen. Dies jedoch nur bezüglich der Censiten mit mehr als 3000 M. Einkommen. Doch lassen sich daraus immerhin gegründete Schlüsse auch auf das große Ganze ziehen.
Danach setzte sich das Einkommen dieses Theils unsrer Censiten im soeben abgelaufenen Steuerjahre wie folgt zusammen: Aus Kapitalvermögen ....... 2511666 Mk.
„ Grundvermögen....... 1091643 „
„ Handel, Gewerbe, Bergbau .... 4 883 578 „
n Gewinnbringender Beschäftigung . . 2132 884 „
Zusammen . 10619 771 Mk.
Ab:
Schuldenzinsen und Renten. 636 303 Mk.
Auf besond. Rechtstiteln be
ruhende dauernde Lasten . 36 386 „
Beiträge zu Kranken-, Unfall-
usw. Kassen für die eigene
Person...... 19947 „
Lebensversicherungsprämien f.
Versicherung der Steuer
pflichtigen bis zu 600 Mk. 136 046 „ 828 682 „
bleibt steuerpfl. Einkommen . . 9 791089 „ woraus sich dann wieder eine Einkommensteuer von 284198 Mark ergibt, gegen 260 782 Mk. im Vorjahre, mithin eine Zunahme um 23 416 Mk.
Hoffentlich steigt das Einkommen dieses oberen Theils unserer Censiten in diesem Umfange weiter und nehmen sich