Einzelbild herunterladen
 

anauer

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Bnchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Derantivortl. Redakteur: G. S ch r c ck e r in Hanau,

Erstes Blatt

Eurrücknngsgebnhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Erscheint täglich niit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 102

Fernsprechanschlnß Nr. 605»

Freitag den 2. Mai

Fernsprechanschlnß Nr. «05.

1902

Hue Stadt und £and.

Hanau den 2. Mai.

Lokal-historische Notizen.

1 . Mai 1867. Eröffnung der Franksurt-Bebraer Bahn von Wächtersbach bis Hanau. 2 . Mai 1703 nachts 12 Uhr spürte man in Hanau ein Erdbeben mit ziemlich starken Stößen.

* *

*

* Kirchen-Kollekte. Die in der Dienstags-Nummer unseres Blattes enthaltene Notiz über das Ergebniß der Kirchen- Kollekten im Konsistorialbezirk Cassel bedarf einer Berichtigung: Die für die Nothstände der evangelischen Kirche an den beiden Pfingstfeiertagen erhobenen Kollekten haben Mk. 6544 ergeben, nicht Mk. 119.93 wie irrihümlich zu lesen war.

* Impfungen. Samstag den 3. Mai, nachmittags 2 Uhr in Großkrotzenburg: Erst- und Wiederimpfung; am 10. Mai, nachmittags 2 Uhr: Nachschau; Jmpflokal: Gast­hauszum Schlüssel".

* Generalprobe der Werningschen Kriegs- sestspiele im Stadttheater.Mobil, Alles m o b i l", so tönte es in den Julitagen 1870 aus tausend und abertausend Kehlen und die flammende Begeisterung, die diesen Rufen folgte, vergißt der nie, welcher die Zeit miterlebt hat und Zeuge jener gewaltigen Erhebung der deutschen Bruderstämme und der Kampfesfreudigkeit ihrer wehrhaften Söhne gewesen ist. Wen gestern sein Weg zufällig am Stadt­theater vorüber führte, der konnte sich in jene unvergeßliche Zeit zurückversetzt glauben. Angehörige aller Truppengattungen sah man hin und her eilen; sie trugen bereits volle Feldaus­rüstung, theils Jnterimsuniform. Aber Alle in Hast und Eile, als ob Generalmarsch geblasen wäre. Diesen kriegerischen Spuren zu folgen schien uns interessant und lohnend. Im Zuschauer Raum that sich ein ganzes Kriegslager vor unseren Blicken auf. Zwischen eilig erzählenden Frauen, sich belustigt unterhaltenden Jungfrauen und wichtigthuenden Kindern die Marssöhne: Infanterie aus Preußen, Schwaben, Bayern, die bärtige Landwehr, Kürassiere, Husaren, Dragoner, Ulanen, Artilleristen und Jäger in buntem Durcheinander. Da und dort zeigten sich Damen vom Rothen Kreuz, würdevoll die Schäkereien der betreßten Kriegsleute abwehrend. Alles war mobil gemacht und schien nur eines Signals gewärtig. Da, ein Klingelzeichen, man eilt zur Fahne auf den Appellplatz, der sich hinter der leinenen Wand befindet, die den Zuschauer­raum von der Bühne trennt. Immer stiller wird's im Hause, die Musik setzt ein, patriotische Weisen erklingen. Die Generalprobe beginnt. Der Deklamator führt die Zuschauer in das Kriegsfestspiel ein und verbindet jedes Bild durch ent­sprechende Dichtung voll hohen patriotischen Schwunges. Die Probebilder ließen ohne Weiteres erkennen, daß ein groß an­gelegtes Festspiel zu gewärtigen ist. Unter Leitung des Direk­tors Werning klappt der ganze ungeheuere Apparat vorzüg­lich. Bewundernswerth ist die freudige Hingabe all der großen und kleinen Mitwirkenden an die Sache. Eine lebensvollere, großartigere Serie lebender Bilder haben wir gewiß noch nie geschaut. Wir sind daher auch überzeugt, daß man in den nächsten Tagen in jedem Hause über die Kriegsfestspiele sprechen wird und daß Unzählige das Verlangen in sich tragen werden, dem Festspiele beizuwohnen.

* Radfahrer- und Arttomobilkarte der weiten Umgegend von Hanau. Mit diesem Titel ist im Ver­lage von Ludwig Ravenstein in Frankfurt a. M. soeben eine Sonderausgabe der einzigen offiziellen Wegekarte des Deutschen Radfahrer-Bundes erschienen, welche dem Touren- fahrer wohl schon lange als Jdealkarte vorgeschwebt hat. Reicht diese prachtvolle Karte doch von Rothenburg a. d. Tauber, im Südosten, über Schweinfurt bis zum Bleßberg in der Rhon, von HeidelbergNeustadt a./Hardt im Süden bis Bonn im Norden und bis Bernkastel an der Mosel im Westen. Sie ist also eineKarte der Mit telrheinisch en Wer­ke h r s z e n t r e n" im weitesten Sinne des Wortes. Um­schließt dieselbe doch den ganzen Taunus, die Wetterau, Vogels­berg, Rhön. Spessart, Odenwald, Rhein- und Mainebene, die ganze Pfalz, Hunsrück, Moselgebiet und Eifel. Zur topographi­schen Unterlage dienen die Platten der berühmten W. Liebenow- schen Karte von Mittel-Europa in 164 Blättern. Außer sämmtlichen nach Größe und politischer Bedeutung sorgfältig unterschiedenen Wohnplätzen, Eisenbahnen u. s. w., bringt die Karte in Rothdruck'deutlich Alles, was den Rad- und Auto­mobilfahrer interessiren kann. Alle fahrbaren Straßen, deren bedeutendere Steigungen extra gezeichnet, zahlreiche Höhen - koten, gefährliche Stellen deutlich markirt, und Entfernungen bis auf Via km genau gibt die Karte an. Gebirge sind in feinen braunen Schroffen dargestellt, Wald ist grün angegeben.

Nachdem der Deutsche Radfahrer-Bund in engster Konkurrenz mit 12 gegen nur 2 Stimmen die Ravenstein'sche Karte als die Beste ant einzigen offiziellen Bundeswegekarte erhoben, glauben auch wir dieselbe bestens empfehlen zu dürfen. Die neue große Karte kostet in Taschenformat aufgezogen nur 3 Mk. Sie ist durch alle Buchhandlungen oder direkt vom Verlage, Ludwig Ravenstein in Frankfurt a. M., zu beziehen.

* Vom schwarzen Brett der Frankfurter Aka­demie. Am Samstag den 3. Mai beginnt folgende Vor­lesung : Nachmittags 7 Uhr: Geheimer Bergrath Prof. Lenge­mann,Der Bergbau in seinen wirthschaftlichen Beziehungen".

* Unfall. Der Restaurateur G. von hier wurde gestern Nachmittag von einem bedauerlichen Unfall betroffen. Der­selbe hat in der Nürnbergerstraße einen Weinkeller gemiethet, woselbst man nun gestern Nachmittag ein 960 Liter Wein haltendes Faß die etwas steile Treppe des Kellers hinunier- bringen wollte. Der genannte Restaurateur stand zur Seite, um das Hinuntergleiten des Fasses zu dirigiren. Hierbei kam er zu Fall und wurde von dem hiuabrollenden Fasse am Kopfe getroffen, sodaß er eine nicht unbedeutende, jedoch immer­hin glücklicherweise nicht gefährliche Verletzung davontrug.

* Guter Erfolg. Bei der Theilung der Spar- und Spielkasse imDeutschen Haus" werden den Mitgliedern für jede ihrer Aktien zu 156 Mk. elf Mark Gewinn vertheilt, ohne daß die Kasse einen Spielgewinn gemacht hätte. Für den altbewährten Vorstand der Kasse ein guter Erfolg.

* Vom Wetter. Der Wonnemonat Mai hat sich gestern in absonderlicher Weise eingeführt. Er gab seine Visitenkarte in der Form von Hagelschauern ab. Die Sonne ließ sich im Laufe des Tages wiederholt blicken, wenn auch nur mit schwachem Schein. Das ganze Wetter war april- mäßig, Hagelschauer wechselten mit Sonnenschein ab. Das Barometer war im Fallen begriffen. Heute morgen verharrte das Quecksilber im Thermometer auf 3° C., sodaß die Ofen­heizung wieder in Angriff genommen werden mußte.

* Circus Lobe trifft Dienstag hier ein, um an vier Tagen große Vorstellungen zu geben. Ueber dessen Eröffnungs­vorstellung in Eisenach finden wir in derEis. Tagesztg." folgende Besprechung, die auch hier interessiren dürfte: Circus Lobe hat am gestrigen Abend seine Eröffnungsvorstellung ge­geben und das zahlreich erschienene Publikum mit seinen Dar­bietungen in jeder Weise befriedigt. Die Direktion legt nicht nur Werth auf tüchtige Künstler und ein auserlesenes Pferde­material, sondern versteht dem Publikum auch durch gute Kostüme und gefällige Anordnungen eben Sinnenreiz zu geben. Dazu kommt ein wohlgeschultes, flott und exakt con- certirendes eigenes Orchester. Für die Belustigungen sorgen August der Dumme (Herr Rudy'), der Clown Merkel in vollem Maße. Als hervorragendste Kräfte des Ensembles seien die Geschwister Fr. Eugenie und Herr Alexander Lobe genannt, von denen die erstere, eine ebenmäßig schlanke Er­scheinung von höchstem jugendlichen Reiz, sich als eine sehr vielseitige Künstlerin zeigte. Das junge Mädchen produzirte sich mit ihrem Bruder in plastischen Stellungen auf zwei neben- einanderlaufenden Pferden und entfaltete alsdann als Kunst- fahrerin und Schulreilerin ein in Anbetracht ihrer großen Jugend sehr achtbares Können. In Herrn Alexander _ Lobe lernten wir einen Schulreiter ersten Ranges kennen, der seinen prächtigen Maschka mit absoluter Ruhe in sehr guter Haltung regierte. Das Sensationsstück des Abends war das Auf­treten des Singhalesen Mstr. Nanni, dessen ebenmäßige Körperformen jedes Künstlerauge erfreuten und dessen Kraft­leistungen um so erstaunlicher sind, als der dunkelfarbige Sohn der Insel Ceylon einen fast zierlich zu nennenden Wuchs, da­bei freilich eine eisenfeste Muskulatur besitzt. Die Fußsohlen des Mannes müssen eine sehr respektable Hornhaut besitzen, denn er klettert barfuß auf scharfen Säbeln und Nägeln herum. Daß er gute Zähne sein eigen nennt, bewies er dadurch, daß er eine zollstarke Eisenstange, lediglich mit dem Unterkiefer an- siemmend, zum rechten Winkel verbog. Viel Interesse erweckte der Rapphengst Mustang, das Fahnenpferd, welches aus dem hiesigen Hotel Gümpel" stammt. Der vierbeinige Mitbürger ist in kurzer Zeit von Herrn Lobe jun. so weit abgerichtet, daß er, wenn "auch noch etwas unbeholfen, seine Schlangen­linien läuft und, hinten ansschlagend, einen großen Ball durch die Menge schleudert. Es sei noch erwähnt, daß das reich­haltige Programm, welches ohne Pause und doch ohne Ermüdung der Zuschauer absolvirt wurde, eine vorzügliche Drahtseilkünst­lerin, großartige Parforcetouren des Frl. Margarethe Lobe, einen unheimlich gelenkigen weiblichen Schlangenmenschen, einen schneidigen russischen Blitzreiter, vier von Herrn Direktor Lobe gut dressirte prächtige Füchse, eine ganz hervorragende Parterre- Akrobaten-Truppe, in der besonders das jüngste Mitglied durch seine doppelten schrägen Saltomortales Staunen erregte, und originelle Excentriques-Clowns * enthielt. Den Schluß des Abends macht ein Marineschaustück.

* Touristisches. Um den Freunden der Natur und Besuchern unseres nahe gelegenen Gebirges auch an Wochentagen Gelegenheit zu geben, auf dem Hahnen kamm eine Rast halten zu können, ist das Hahnenkammhaus von jetzt ab täglich geöffnet. Der Verwalter desselben Herr J. R i t t e r ist angewiesen, nur gute Speisen und Getränke zu verabreichen; von der Verkehrskommission der Touristen-, vereine wurde ein Speise- und Getränketarif aufgestellt, web cher in dem Lokal ausgehängt ist. Die Verkehrskommission, die immer bemüht ist, dem stets wachsenden Verkehr auf dem Hahnenkamm Rechnung zu tragen, hat deshalb verschiedene, Verbesserungen getroffen, soweit es die geringen Mittel, welche derselben zur Verfügung stehen, erlauben. Der schon lange reparaturbedürftige Pavillon wurde hergestellt und auf drei Seiten zugemauert, sodaß es auch bei windigem Wetter möglich ist, im Freien darin zu sitzen; ein Büffet wurde aufgestellt, damit das Bier nicht mehr in der warmen Küche gelagert itnb ausgeschänkt werden muß, das Zimmer neu hergerichtet, und gum Nebenzimmer eine Thür gebrochen, um hauptsächlich im Winter mehr Raum zu bieten, denn die Zahl Derjenigen, welche auch im Winter das Bedürfniß fühlen einen Ausflug in das Gebirge zu unternehmen, nimmt von Jahr zu Jahr zu, ist doch eine Gebirgsparthie an einem schönen klaren Wintertag genußreicher, wie im Sommer, noch dazu, wenn man weiß, daß man auf der Höhe ein warmes Lokal, und Speise und Trank findet und stellt es sich immer mehr heraus, daß die Räumlichkeiten zu klein sind. Die Kommission hat schon wiederholt über Mittel und Wege berathen, wie das Haus zu vergrößern ist. Da von den verschiedenen Stationen der Kahlthalbahn aus der Hahnenkamm bestiegen wird, hat sich ergeben, daß eine Orientirungstafel auf demselben noth-, wendig ist. Auch diesem Bedürfniß hat die Kommission ent­sprochen und an dem Hause eine Tafel anbringen lassen, die alle Wegezeichen, die über den Bergrücken führen, enthält.

* *

*

8§ Laugenselbold, 1. Mai. (Kirchenvisitatio n.) Sonntag und Montag den 4. und 5. Mai wird eine Kirchen- Visitation der Klasse Bücherthal durch Se. Hochwürden den Herrn Generalsuperintendent en Pfeiffer von Cassel vorge-, nommen werden. Derselbe nimmt seinen Standort in hiesiger Gemeinde. Das aufgestellte Programm ist ein sehr reichhaltiges. Sonntag den 4. d. M. werden drei Gottesdienste abgehalten werden. In dem Vormittags-Gottesdienst wird der Ortsgeist­liche die Altarliturgie und die Predigt und der Herr General- Superintendent eine Ansprache halten. Um 2 Uhr wird eine tatet chetische Unterredung mit der konfirmirten Jugend stattfinden. In dem außerordentlichen Gottesdienste, der um 5 Uhr seinen An­fang nimmt, wird Herr Pfarrer Münch aus Bruchköbel die Predigt und Herr Generalsuperintendent Pfeiffer abermals eine Ansprache halten. Nach Schluß des Gottesdienstes wird der Herr Generalsuperintendent mit den Kirchenältesten Langen- selbolds und der Klasse Bücherthal sich besprechen, sowie die Wünsche derjenigen Gemeindeglieder entgegennehmen, welche be- sondere Anliegen in kirchlicher Hinsicht vorzubringen haben. Montag den 5. d. M. wird von 8 Uhr ab der Herr General-, superintendent eine Prüfung des Religions-Unterrichts in der evangelischen Schule zu Laugenselbold vornehmen. Am Nach­mittag versammelt derselbe im Pfarrhause die Geistlichen der Klasse Bücherthal um sich zur Entgegennahme eines Referates des Herrn Pfarrers Heck zu Hüttengesäß, sowie zur Be­sprechung der kirhlich-sittlichen Zustände in den einzelnen Ge­meinden auf Grund bereits eingeforderter Berichte der Orts­geistlichen. Die bevorstehende Kirchenvisitation hat einem in unserer Gemeinde seit langer Zeit und vielseitig gehegten Wunsche bereits die Erfüllung gebracht, nämlich die Gründung eines Kirchenchores. Dieselbe hat sich unter der tüchtigen Leitung des Herrn Lehrers Berg basier vollzogen. Ist auch die Mitgliederzahl bis jetzt noch nicht groß, so ist ber Eifer der eingetretenen Mitglieder um so größer. Der Eintritt stimmbegabter und kirchlich gesinnter Gemeindeglieder in den Kirchenchor ist wohl in Bälde und mit Sicherheit zu erwarten.' Der junge Verein wird am nächsten Sonntage die Gottes­dienste durch den Vortrag einiger Chöre verschönern, ebenso hat sich der GesangvereinSängerlust" in entgegenkommender Weise bereit erttärt, zur Erhöhung der gottesdienstlichen Feier durch Vortrag eines Chores mitzuwirken. Auch die Kinder der Oberklassen werden unter Leitung des Herrn Lehrers Schmidt zwei Lieder vortragen. Unsere Gemeinde sieht dem Kommen ihres geistlichen Oberhirten mit Freude und Dank entgegen und erhofft von seinem Erscheinen reichen, dauernden Segen für ihr sittliches, kirchliches und religiöses Leben. Gott der Herr aber gebe, daß diese Hoffnungen sich erfüllen mögen.

)( Rüvkgheim, 2. Mai. (Aus alter Zeit.) Der gestrige Tag, der 1. Mai, war für unsern Ort "ein Gedenk­tag, jedoch ein solcher mit schmerzlicher Erinnerung, denn am