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Erstes Blatt.

Bezugspreis:

Lierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postmifschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Gmeral-Anzeiger.

Amtliches Organ fit Stadt- and Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiurücknngsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Verantwort!. Redakteur: G. Schreckte in Hanau,

Nr. 229. Fernsvre^ansAuß Nr. «05. Mittwoch heil 1. Oktober. Fernlvrechanschluß Nr. 605. 19^2

Menit Amtliche Beilage" Nr. 19.

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Amtliches

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachung.

Die im nächsten Monat zum Militär eintretetenden Per­sonen, welche der Invalidenversicherungspflicht unterliegen, werden darauf hingewiesen, boS nach dem neuen, am 1. Januar 1900 in Krait getretenen Jnvalidenversicherungsge'etz vom 13. Juli 1899 die Quittungskarte nur eine Giltigkeitsdauer von 2 Jahren, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, hat. Vielfach wird die Bestimmung des § 135 des genannten Ge­setzes noch nicht genügend beachtet. Diese lautet, daß eine Karte, falls sie nicht innerhalb zweier ^afjre, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, der betreffenden Polizeibehörde zum Umtausch vorgelegt wird, ihre Giltigkeit verliert. Die zum Militär eintretenden Personen tdun da^er gut, ihre Jn- va'idenlarten vor dem Eintritt auf Zimmer Nr. 16 der Königlichen Polizei-Direktion abzugeben. Nach ihrer Ent­lassung vom Militär erhalten sie dann eine neue Karte.

Hanau den 30. September 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 9380 v. Beckerath.

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 buntes Herrenhemd, frisch gewaschen und gebügelt, 1 graue Pferdedecke, 1 Damenschnürstiefel. Im Re­staurant Wilhelms! ck ein Damen-Regenschirm stehen geblieben; Empsangnahme daselbst. In der Schwedischen Krone während der Einquartierung 1 zweiräderiger Stoßkarren stehen ge­blieben; Empfangnahme daselbst.

Verloren: 1 großer Hundemaulkorb, auf dem Fried- Hofe 1 neuer Kinderschirm.

Dom Hafenmeister am 1. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Pudel.

Hanau den 1. Oktober 1902.

Obcrpräsidcnt v. Goßler t.

Der Oberpräsident von Westpreußen, Dr. v. Goßler, ist, wie schon gestern kurz gemeldet, in der Nacht zum Dienstage im 65. Lebensjahre an einem Nierenleiden in Danzig gestorben. Mit ihm ist ein bewährter Staatsmann und Verwaltungs- Beamter der altpreußi'cken Schule dahingegangen. Im Jahre 1838 in Naumburg geboren als ältester Sohn des 1885 ver­storbenen Kanzlers des Königreichs Preußen und Oberlandes- gerichls-Präsidemen in Königsberg Karl Gustav v. Goßler, trat er nach beendigtem Rechtsstudium 1859 in Königsberg in den preußischen Justizdienst. Seine Laufbahn in der Ver­waltung begann er Mitte der sechziger Jahre als Landrath in Darkehmen. Im Jahre 1874 wurde er als Hilfsarbeiter ins Ministerium des Innern berufen, und 1879 trat er als Unter­staatssekretär ins Kultusministerium. Weiteren Kreisen wurde Herr v. Goßler bekannt, als er im Jahre 1877 von dem Kreise Stallupönen-Goldap-Darkehmen in den Reichstag ge­wählt wurde. Dieser Körperschaft gehörte er während der 3., 4. und 5. Legislatur-Periode an. Er war eine Säule der konservativen Partei und allgemein so beliebt, daß ihn das Haus mit der Würde des Reichstags-Präsidenten betraute.

Seine groüe Volkstümlichkeit erwarb sich Herr v. Goßler hauptsächlich als Kultusminister. In diesem Amte hat er länger als 10 Jahre, von 1881 bis 1891, als Mitarbeiter an dem großen Lebenswerk des Fürsten Bibmarck eine außer­ordentlich segensvolle Thätigkeit entfaltet. Seine größten parlamentarischen Thaten lagen in jener Reihe von Gesetzen, durch die der kirchenpolitische Friede angebahnt und schließlich hergestellt wurde. Unter seiner Verwaltung ist das Volks- schulwesen mannigfach vervollkommnet worden. Viel geschah auch für die Ausbesserung der äußern Laae der Volksschullehrer und Emeriten, sowie auch der Lehrer-Wittwen und -Waisen. Fest hielt er an dem Grundsatz des staatlichen Einflusses auf die Volksschule, aber auch zugleich an der Erhaltung ihrer religiösen Grundlage. Die höheren Lehranstalten, die Wissenschaft und Kunst hatten an ihm einen^ begeisterten, in die verschiedensten Gebiete mit unermüdlichem Fleiß einbringen. den Förderer. Auch um die Pflege der körperlichen Uebungen oer Jugend hat er sich große Verdienste erworben. Mit aller Entschiedenheit trat er der polnischen Bewegung entgegen; seine emschneidenste Maßregel war die Aufhebung des polnischen Sprachunterrichts in den Volksschulen- Das schönste Zeugniß

hat unser Kaiser Herrn v. Goßler ausgestellt, als er in seiner Ansprache an die Schulkonferenz am 4. Dezember 1890 von ihm sagte, Preußen habe schon seit langen Jahren keinen so tapferen, hingehenden und hervorragenden Kultusminister gehabt.

Ein von ihm 1890 eingebrachter Entwurf eines Volks- schul-Gesetzes gab Herrn v. Goßler, nachdem er den Entwurf hktte fallen lassen, Anlaß, seine Entlassung einzureichen, die ihm 1891 auch ehrenvoll gewährt wurde. Bereits wenige Monate später wurde er dann zum Oberpräsidenten der Pro­vinz Westpreußen ernannt, wo er elf Jahre hindurch wirkte. Durch die Vielseitigkeit seiner Talente, seine Schlagfertigkeit und seine hohe persönliche Liebenswürdigkeit eroberte er sich auch in dieser Stellung schnell die Herzen aller in dem Maße, daß das freisinnige Bürgerthum von Danzig ihn vor wenigen Jahren zum Ehrenbürger der alten Handelsstadt machte. Das Vaterland wird dem hervorragenden Staatsmanne und Beamten ein dankbares Andenken bewahren.

Hue Stadt und Eand. fyanaii, 1. Oktober.

* Rekruten. Der jährliche Wechsel in den Regimentern hat sich bald vollzogen. Die Reserv sten sind heimgekehrt, die Rekruten werden nun zur Neuausbildung eingestellt. Der junge Mann vertauscht dann das bürgerliche Kleid 'mit dem Rocke des Kriegers; einer Kriegsfahne, lorbeerqeschmückt, be­gegnet sein Blick; dem Herrscher leistet er den Eid der Treue. Nun wird ein unbedingter Gehorsam gefordert, der nicht erst fragt, warum, sondern bis zum Tode, wenn die Trompete zur Schlacht ruft, ohne Zaudern geleistet wird. Große körperliche Anstrengungen werden verlangt und müssen ausgeführt werben, unermüdlich ohne Murren, der Pflicht bewußt, darf an dem vorgeschriebenen Dienste, sei es auf einsamer Wacht, sei es in der Kaserne oder auf dem Marsche, auch nicht das Geringste versäumt werden. Genaueste Ordnung in allem ist geboten. Wahrlich, das ist eine ernste Wendung im Leben des Jüng­lings ! Die Kinderjahre, die Schulzeit, endlich die Jahre, in welchen er sich zu einem Berufe ausbildete, liegen hinter ihm, der Schlußstein der Erziehung wird gelegt, der Jüngling reift zum Mann! Wer die Jahre der militärischen Dienstzeit hinter sich bat, der muß wissen, was das Leben von ihm fordert. Wohl dem, der die Jahre bis dahin gut angewendet, der spar­sam und mit frischem Schaffen an die kommende ernste Zeit gedacht hat! Wenn irgend eine Einrichtung so recht geeignet ist, stets auf dieses Ziel hinzuweisen, so sind es unsere Turn­vereine. Versäume daher unsere Jugend nicht die Gelegen­heit, fW auch in dieser Beziehung für die Zukunft zu rüsten!

* Kreissparkaffe. Der Geschäftsverkehr bei der hiesigen Kreisiparkasse hat sich in den Monaten Januar bis September d. I. wie folgt gestaltet: An Spareinlagen wurden 1 507 876.60 Mark bewirkt. Die Rückzahlungen betrugen 696 902.47 Mk. Es wurden demnach 810 974.13 Mk. mehr eingelegt als zurückgezahlt. Die sonstigen Einnahmen an Zinken, einge­gangenen Kapitalien ?c. beliefen sich auf 713 391.83 Mark. Verzinslich angelegt wurden 1481 840 Mk. Die sonstigen Ausgaben einschließlich der Verwaltungskosten betrugen Mark 13 562 20. Der Gesammtumsatz beziffert sich hiernach auf 4 413 573.10 Mk. Die Kreissparkasse nimmt Einlagen von 1 Mk. an in Verzinsung und vergütet 3 ®/* P Ct. Die vom 1. bis 3. Kalendertage eines Monats eingezahlten Gelder werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und neue Einlage- bücher kostenfrei ausgestellt. Für die Sicherheit der der Kreis- sparkasse anvertrauten Gelder haftet der Landkreis Hanau.

* StadtschrMtrsPektiott. Der Magistrat beschloß, für die Stelle des städtischen Schulinspektors den Rektor L o r e n tz - Tempelhof in Aussicht zu nehmen. Die Ange­legenheit geht an die Stadtverordnetenversammlung, die hier­über gehört werden muß.

Personalien. Der bisherige außerordentliche Pro­fessor Dr. Karl Oldenberg zu Marburg ist zum ordent­lichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Greiiswald ernannt worden.

* Versetzt. Brach m a n n, Garnison - Verwaltuugs- Jnspekior in Mainz, als Oberinspektor auf Probe nach Hanau, Docken fuß, Frbr. v. Eber st ein, Garnison-Verwaltungs­Kontrolleure in Göningen bezw. Hanau gegenseitig versetzt.

1 Einjähria-^reiwilttge. Beim hiesigen Infanterie- Regiment Nr. 166 sind heute 30 Einjährig-Freiwillige ein getreten.

* Nach dem Süden. Ein Zug Kraniche, südwärts ziehend, wurde gestern Nachmittag beobachtet, ein Zeichen, daß der Winter naht.

* Kmrstnotiz. In der soeben eröffneten Okiobrr-Aus- siellnng he§ Kunstla'ons H e r m e 9 - Frankfurt n. M. sink 2

namhafte Künstler durch Sonder-Ausstellungen vertreten, der Berliner Ludwig v. H o f m a n n mit 20 seiner neuester Werke und Dario de Regopos - Madrid mit 12 Werken. Letzterer Künstler neben Zuloaga gehört zu den bemerkens­wertesten Erscheinungen der Zeit gemässtschen spanischen Kunst. Die Gemälde direkt aus Spanien kommend, werden zuerst in Frankfurt ausgestellt und sollen dann eine Rundreise durch Mittel-Europa antreten. An weiteren Erscheinungen moderner Kunst enthält die reichhaltige Ausstellung neben einer Auswahl Werke von Hans Thoma, F. ». Uhde, Max Lieber- mann, W. Leibl, A. Böcklin, neue Gemälde von Franz Courtens, Paul Mathieu, O. Roederstein I. v. Brandt, Keller-Reutlingen, F. A. v. Kaulbach, F. v. Lenbach und vielen Anderen mehr.

8 Stiftungsfest. Samstag den 4. Oktober feiert der in weiten Krenen bekannte Verein Hermania" in den Sälen zur Harmonie sein diesjähriges Stiftungsfest. Wie bekannt, ist der VereinHermania", der aus vornehmlich jungen Leuten besteht, ein sehr leistungsfähiger Verein, der seine Feste zu feiern versteht, welches er bis jetzt bei seinen Veranstaltungen zu beweisen in der Lage gewesen ist. Auch diesmal werden die Festgeber Alles aufbieten, um die Theilnehmer so angenehm wie möglich zu unterhalten. So weit wir in Erfahrung ge­bracht, liegt der humoristische Theil in bewährten Händen, weshalb wir Freunde und Gönner deS Vereins auf fraglichen Abend nochmals aufmerksam machen möchten.

* Wettspiel. Am vergangenen Sonntag Morgen um 11 Uhr spielte die Fußballabtheilung des Kesselstädter Turn­vereins gegen die 2. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs Viktoria 1894, wobei Kesselstadt in der ersten Spielhälfte drei Seal errath aber trotz ihrer überlegenen Mannschaft nichts mehr hinzuzusetzen vermochte. Am Nachmittag spielte Viktorias 1. Mannschaft in Frankfurt gegen die 1. Mann­schaft der Bockenheimer Fußballvereinigung, wobeiViktoria" durch sauberes Zusammenspiel 6:1 Goal mit großer Ueber- legenheit errang.

551 Erschossen. In einem im Hinterhause der Krämer- straße Nr. 18 gelegenen Arbeitskabinet schoß sich gestern Mittag gegen 1 Uhr der 19jährige Emailleur Louis Müller eine Kugel in die linke Kopfseite. ' Der Prinzipal des Selbstmörders kam gerade die Treppe herauf, als der Knall ertönte. Der als­bald herbeigerufene Herr Dr. Seligmann ordnete die Ueber- führung des Schwerverwundeten ins Landkrankenhaus an, wo er nach heftigen Schmerzen um */r5 Uhr seinen Geist aushauchte. Was den jungen Menschen in den Tod getrieben hat, war bisher nicht zu ermitteln.

ß Enkheim, 30. Sept. (Obst- und Gartenbau- Ausstellung.) Am 5., 6. und 7. Oktober 1902 veran- staltet der hiesige Obst- und Gartenbau-Verein seine zweite Obst- und Gartenbau-Ausstellung im Gasthauszum Stern" bei Herrn Andreas Emmerich. Bei der Vielfältigkeit der hier gepflegten Obstsorten verspricht diese Ausstellung der ersten an Erfolg nicht nackzustehen.

X. Langendiebach, 1. Oktbr. (Besitzwechsel.) Mit d-m heutigen Tage hat Herr Restaurateur J. Bröning aus Offenbach a. M. das hiesige Gasthauszur Sonne" käuflich erworben und den Wirthschaftsbetrieb bereits übernommen. Wie wir hören, beabsichtigt Herr Bröning im nächsten Früh­jahr den am Gasthause anstoßenden Grasgarten in einen Wirthschaftsgarten umzuwandeln, welches wir mit Freuden be­grüßen, da es hier an Gartenwirthschaften noch sehr mangelt.

Aus dem Geerchtssaal.

Sitzung des Hanruer Schöffengerichts vom 30. Septbr.

Zwei Gelegenheitsarbeiter B. und G. geriethen in Won- wechsel, der mit einer kleinen Schlägerei endete. B. erhält unter Berücksichtigung seiner Vorstrafen 14 Tage Gefängniß, G. der noch nicht bestraft ist, kommt mit 10 Mk. Geldstrafe davon. Die Eheleute S. kamen mit den Eheleuten K. in Streit, der dem kleinen Töchterchen der Letzteren so gefährlich erschien, daß es laut zum Fenster hinausschrie. Die beiden Ehemänner erhalten wegen Ruhestörung je 1 Mk. Geldstrafe, die Tochter wird wegen ihres unnützen Lärmens mit einem Verweis bedacht, die Mitangeklagten Ehefrauen freigesprochen. Der mit schweren Vorstrafen belegte Fahrbursche L. wurde im Walde bei den Schießständen von dem auf dem Neuhof stationirten Förster und seinem Sohn beim Holzstehlen be­troffen. L. wurde sofort aggressiv gegen die Beamten, bedrohte sie mit einer Holzstange und erging sich in Beleidigungen gegen sie. Der Angeklagte wird zu sechs Monaten Gefäng­niß verurtheilt und sogleich in Haft genommen. Der Fahr­bursche K. soll mit seinem Fuhrwerk schlafend und ohne bren­nende Laterne am Waoen bet Nachtzeit durch die Philipps-