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Erstes Blatt.

General-Anzeiger

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Psg., für Auswärts 35 Pfg.

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «ârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 149.

BerittS-Fernsprechauschluß Nr. 98.

Samstag den 29. Juni.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

Amtliche».

Grundstücksverpachtung.

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Der Garten Kartenblatt Z Nr. in den Wilhelms- Lader Parkanlagen von 0,1295 ha Flâchengehalt, soll vom 1. Januar k. Js. ab auf 12 Jahre anderweit öffentlich meist­bietend verpachtet werden.

Termin hierzu wird auf Donnerstag den 4. k. Mts., nachmittags 4 Uhr, in der sog. großen Wirthschaft zu Wilhelmsbad anberaumt.

Pachibewerber werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß auf ein angemessenes Pachtgebot der Zuschlag im Termin ertheilt werden wird.

Reinhardt, Domänen-Rentmeister. 10548

kksWiikiik iinh ottlortiie «WMOe elr.

Gefunden: 1 kleine Scheere.

Verloren: 1 goldene Damenuhr, auf der Rückseite ein Amor eingravirt. 1 braunes Portemonnaie mit 14 Mk. Entlaufen: 1 grauschmarzer Spitzhund und 1 weißer Hühnerhund mit braunen Flecken, beide männl. Geschl.

Vom Wasenmeister am 28. d. Mts. eingesang en:

1 gelber Mops männl. Geschl.

Hanau den 29. Juni 1901.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 29. Juni.

* Personalien. In gleicher Amiseigenschaft ist versetzt worden der Regierungs- und Forstraih Cusig in Cassel an die Regierung in Breslau. Ter bisher als Hilfsarbeiter im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten beschäftigte Forstmeister Kurlbaum ist zum Regierungs- und Forstraih ernannt und der Regierung in Cassel überwiesen.

* Bestätigt. Der Herr Minister für Handel und Ge­werbe hat durch Erlaß vom 12. Juni d. J. III. B. 4675 die Wahl des Direktors der Handelsschule in Eibenstock in Sachsen, Bruno Pfeifer, zum Leiter der hiesigen kauf­männischen Fortbildungsschule bestätigt.

* Versehtr Förster Raumann von Windecken nach Vesser bei Schmiedefeld.

* Laudwehrkompagnien. Die am 27. d. Mts. beim hiesigen Infanterie-Regiment gebildeten 2 Landwehrkompagnien haben als Kompagniechefs die Herren Hauptleute Cunitz und v. u. z. Gilsa erhalten.

Die Ortenamen im Stadt- und Landkreis Dan au.

(Nachdruck verboten.)

In einem früheren Aufsatz wurde an dieser Stelle der Besudelung des unteren Mainthals eine kurze Betrachtung gewidmet'). Heute soll von den Ortsnamen im Stadt- und Landkreis Hanau die Rede sein; es soll gezeigt werden, wie sich in den Ortsnamen die natürlichen Be­dingungen und die Besiedelungsverhältnisse unserer Gegend bis zu einem gewissen Grade widerspiegeln, wenn auch nicht beiden einzelnenGründungen die Bk siedelungsschichten : Kelten, Chatten, Römer, Alamannen und Franken aus den Orts­namen eines vlrhältnißmätzig kleinen Gebiets mit unbestreit­barer Gewißheit nachgewiesen werden können"). Jedenfalls wird sich bei unserer Untersuchung ergeben, daß bei dem Fehlen anderweitiger Urkunden die Ortsnamen trotz oft schwieriger, zuweilen fast unmöglicher Deutung als ein unersetz­liches Hilfsmittel der geschichtlichen Forschung zu betrachten sind.

Ehe wir uns aber unserm Gegenstände zuwenden, dürfte es sich empfehlen, den Ortsnamen der engeren Heimath in Hessen und Nassau ein paar grundlegende Worte zu widmen. Es geschieht lies im Anschluß an die 1874 erschienenen prächtigen Untersuchungen des allzu früh verstorbenen Mar­burger Professors Wilhelm Arnold: Ansiede­lungen undWanderungen deutscher Stämme, ein Buch, dos allerdings in mehr als einer Hinsicht, nament­

i) Vergleiche Hanauer Anzeiger Nr. 258 vom 3. November 1900.

*) Die oben angegebene Reihenfolge der Besiedelungsschichten gilt nur für das untere Mainthal; nördlich von uns, im eigentlichen Hessen, haben weder Römer, noch Alamannen, noch Rheinfranken, noch auch aller Wahrscheinlichkeit nach jemals Kelten gewohnt, so daß die Hessen als Nachkommen der Chatten (die beiden Namen sind sprachlich wohl gleichwerthig) sich wie die Friesen rühmen können, die vor Ur­zeiten eingenommenen Sitze durch die Jahrtausende hindurch behauptet zu haben.

* Handwerkskammer für den Reg.-Bez. Cassel. In seiner letzten Sitzung vom 21. Juni berieth der Vorstand eingehend über die Meisterprüfungsausschüsse und die Prüfungsordnung. Es wurde beschlossen, sechs Prüfungs­ausschüsse mit dem jeweiligen Sitze in Cassel, Marburg, Hanau, Fulda, Eschwege und Arolsen zu errichten. Für jeden Prüfungsausschuß wird ein Vorsitzender mit je nach der Art des Handwerks, dem der Prüfling angehört, wechselnden Bei­sitzern bestellt, und zwar kommen als Beisitzer in erster Linie die für die Gesellenprüfungen ernannten Meisterbeisitzer in Betracht. Die Abgrenzung der Prüfungsbezirke geschieht in derselben Weise wie bei der Gesellenprüfung. Als Unterlage für die Prüfungsordnung diente der von der Regierung über­mittelte Entwurf. Derselbe wurde mit einigen Aenderungen und Zusätzen angenommen. Tie Prüfungsgebühr beträgt 15 Mk. Die Höchstzahl der zur Prüfung gleichzeitig zuzulassenden Prüflinge ist auf sechs festgesetzt. Leider legten gleich nach Beginn der Sitzung bei Verhandlung eines Gegenstandes interner Natur der Vorsitzende H o ch a p f e l und Kassenführer Simmen ihr Amt nieder und erklärten den Austritt aus dem Vorstande.

* Dampfbootverbindung zwischen Bürgel und Offenbach. Wie schon kurz berichtet, ist den Bemühungen des Herrn Bürgermeisters L a m m e r t - Bürgel die Herstellung einer Dampfkoowerbindung zwischen Bürgel- und Offenbach evtl, auch Frankfurt gelungen. In einer öffentlichen Volks­versammlung zu Bürgel wurden mit dem Unternehmer Hein­rich Pfeil aus Frankfurt die erforderlichen Vereinbarungen getroffen. Das Dampfboot beginnt an Werktagen seine Fahrten von hier u >. 5" morgens und schließt sie 6^ abends. Die Fahrzeit beträgt 10 Minuten. Meistens wird alle halbe Stunde ein Boot abgelassen. Der Fahrpreis für die Ein­zelfahrt wurde auf 10 Pfg. normirt. Abonnenten rc. ge­nießen bedeutende Preisermäßigungen. Die Sonntagsfahrten können wegen anderweitiger Verpflichtungen des Unternehmers leider erst später eingerichtet werden. Die Betriebseröffnung erfolgt alsbald nach eingeholter behördlicher Genehmigung.

* Großes Militärkonzert. Nächsten Mittwoch von abends 7 Uhr an findet im Kurort Wilhelmsbad ein großes Konzert der Infanterie" Kapelle mit Schlachtenmusik unter Mitwirkung der Spielleute rc. statt. Um einer Ueber- füllung vorzubeugen und auch zu sonstiger Erleichterung sind Vorverkaussstellen für Billete zu diesem Konzerte in den Ci­garrenhandlungen G. B r ö g N a ch f., G. K o l l m a n n, A. Pregier, H. Salzmann und C. Wilt he ein­gerichtet. Der Vorverkauf beginnt am Montag.

* Parolernitsik. Die Jnfanteriekapelle spielt morgen Mittag im Schloßgarten folgende Stücke: 1.Durch Nacht zum Licht", Marsch von Laukien; 2. OuvertüreDer Wasser­

lich nach der urkundlichen Seite hin, einer gründlichen Er­neuerung bedarf.

Die frühesten germanischen Ortsgründungen fallen in die Zeit vor der Völkerwanderung (375 n. Chr.) und zeigen uns unsere Vorfahren noch in loser, halbnomadischer Verknüpfung mit dem Boden, den sie bewohnten. Zu den ältesten, durchweg im Anschluß an natürliche Verhältnisse: Lage, Bodenbeschaffenheit, Pflanzen- und Thierwelt u. s. w., und zwar zum kleinsten Theil durch Umbildung keltischer und römischer Namen, in der Hauptsache ursprünglich gebildeten Ortsnamen gehören die heute infolge lautlicher Veränderungen, Abschleifung und Verstümmelung, in der Urform zum Theil kaum mehr kenntlichen Ortsnamen auf: a f f a und aha (Wasser, Fluß, Bach), lar (Ort, Stätte, Wohnung), loh (Hain), mar (Quelle, See, Sumpf), t a r (Baum, Strauch)). Zu diesen Fluß-, Wald- und Baumnamen gesellt sich noch eine ganze Reihe einfacher Ortsnamen, die als Lokative aufzufassen sind, und deren hohes Alter allein schon die Schwierigkeit der Deutung zur Genüge beweist (z. B. Bremen, Calden, Drunge, Maden, Wabern u. a.).

Tas 5. bis 8. Jahrhundert, die merowingische und karolingische Periode bis zur Einführung des Christen­thums im Innern Deutschlands, ist die Hauptzeit für die Ortsgründungen in den von den germanischen Stämmen dauernd in seßhaften Besitz genov menen Gebieten. Die fast ausschließlich menschliche Niederlassungen und Wohnsitze be­zeichnenden Ortsnamen dieses Zeitraums sind theils einfache Personennamen, die dativisch als Ortsnamen stehen, wie Balen, Batten, Wahlen u. a., theils patronymische Namen auf in gen und un gen, denen sich auch die nicht palronymischen gleicher Bildungsweise und die sachlichen Ab­leitungen auf a h i (mittelhochdeutsch ehe, neuhochdeutsch ich, ig, icht, igt oder ganz abgefallen, in der Wetlerau und im

) Für aha tritt später au ein; andere auf affa und aha haben dafür geradezu bach angenommen; für mar tritt später b out, brunnen auf.

Die heutige Nummer umsatzt autzer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten

träger" von Cherubini; 3.Mondnacht auf der Alster", Walzer von Fetras; 4.Schön sind die Veilchen", Lied a. d. OperetteHeißes Blut" von Linke; 5. Fantasie ausDer Bajazzo" von Leoniarallo.

* Jubiläum. Am 25. Juni d. J. feierte Fräulein Katharina Wörner aus Hanau ihr 25jähriges Jubiläum als Arbeirerin in der hiesigen Papierfabrik der Firma Carl P. Fues. Neben einem Geldgeschenk von ihrem Arbeitgeber wurde die Jubilarin durch ein ihr vom Deutschen Papierindustrieverein zuerkanntes Diplom geehrt.

* Sommertheater. Wie aus dem Jnseratentheil zu ersehen, findet heute Samstag abends 8 Uhr die erste dies- wöchentliche Vorstellung statt, die nach dem auszugsweise mit­getheilten Programm eine recht interessante zu werden verspricht. Den Besuchern der letzten Vorstellungen dürften diese noch in angenehmer Erinnerung sein und es erübrigt sich wohl, auf die Gediegenheit des Gebotenen an dieser Stelle noch beson­ders aufmerksam zu machen. Hoffentlich findet die für die gute Jnszenirung der Vorstellungen weder Mühe noch Kosten scheuende Theaterleitung die verdiente Anerkennung durch ein volles Haus.

* Deutschnationaler Handlungsgehilfen - Ver­band. Die Ortsgruppe Hanau hat sich laut Beschluß der Sitzung vom 21. Juni d. I. in Folge tiefgehender Differenzen, welche deren seitheriger Vertrauensmann, Herr Emil Schmitz zu Kesselstadt, mit der Verbandsleitung in Hamburg hatte, aufgelöst, und hat in Folge dessen die Mehrzahl der Mit­glieder ihren sofortigen Austritt aus dem Verbände erklärt. Wie wir ferner aus authentischer Quelle erfahren, soll von Seiten eines Herrn S., hier, der Versuch gemacht werden, unter Zuhilfenahme von Frankfurter Herren eine neue Orts­gruppe zu gründen. Wir werden noch näher auf diesen Punkt zurückkommen, zumal uns versprochen wurde, daß wir über die weitere Entwickelung der Gründung unterrichtet werden sollen.

* Gander's Schreib- und Buchführungs-Kurse für Herren und Damen. Wie aus dem Anzeigentheil ersichtlich, werden die bekannten Herren Gebrüder Gander aus Frankfurt a. M. nächsten Donnerstag, 4. Juli, hier wieder ihre Kurse in obigen Fächern eröffnen. Die überaus günstigen Erfolge, welche die Herren Gebrüder Gander stets bei ihren hiesigen Schülern erzielten, sind genügend bekannt, so daß wir es für überflüssig erachten, die Vorzüge der Gander'schen Lehr­weise besonders zu erörtern.

* Stadtgraben. Interessenten zur Nachricht, daß über­morgen, Montag 1. Juli, der Stadtgraben behufs Reinigung und Turchströmung abgelassen wird.

* Eine mysteriöse Erzählung, die allem Anschein nack frei erfunden ist, machte gestern bei der Polizei und

Fuldischen regelmäßig noch mit angehängtem s) und idi (althochdeutsch idi, ide, später ethe, ede, the, de, auch ganz abgefallen oder zu a erweitert) anschließen; theils Ueber- tragungen natürlicher Verhältnisse (Bäche, Berge, Wälder, Felder) auf bewohnte Orte unter Benutzung der Endungen: a u (Wasserland), bach (beck), b e r g und seiner Synonyma: b r i n k (Berg), b ü h l und b ü r g e l (kleiner Berg), liebe und lanne (kenne, linne - Hügel), r a i n (Bergabhang), rück (Bergrücken) u. a., ferner born und brunn, brücke, b r u ch (Sumpfwiese), fahr und f u r t, selb und das gleichbedeutende k a m p, rieb (Schilfgras), scheid (Grenz-, Wasserscheide, oft-Berg), see, statt, süß (Weidegut), weg, wiese, wald und gleichbedeutend damit stru t; theils zusammengesetzte Namen, die von Haus aus bewohnte Orte bezeichnen, also nicht übertragene Grundworte enthalten, wie die auf: b u r (büren-Wohnung), dorf, Hausen (sen), heim, Hof (Hofen), leben (Nach', Erbschaft?), weiter (weil-Gehöft), wich (wig, vom althochdeutschen wih - Flecken, Stadt), woran sich die im Ganzen jüngern genetivischen Personennamen anschließen, bei denen irgend ein Grundwort (bach, dorf, Hausen u. s. w.) zu ergänzen ist und ein Personenname im Genetiv zur Ortsbezeichnung ver­wandt wird, wie Bellings, Bernhards, Herges, Volkers, Wirges u. a.

Die Ortsnamen des 9. bis 12. Jahrhunderts, der Zeit der Befestigung des Christenthums, des Burgenbaus und der Städteentwicklung, gingen fast ausnahmslos von einzelnen theils weltlichen, theils geistlichen Herren aus. Die Namen sind gebildet auf: thal (tel), rode (Rodung), Hagen und Hain (Gehege), ses und gesäß(Sitz); bürg, eck, fels, stein; kappel, kirche, Münster, zell; winden (An­siedlungen wendischer Hörigen).

In Bezug auf die geographische Verbreitung der Orte sei bemerkt, daß die der ersten Periode angehöligen sich voizugs- weise in den offenen, fruchtbaren Flußniederungen finden, während in der 2. und 3. Periode der Anbau sich in die biz