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General-Anzeiger.
Amtliches Organ fit Stadt- md Landkreis Kanan
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 198 Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Montag den 26. August.
BezirkS-Femsprechmschlnß Nr. 98. 1901
Amtliches.
Bekanntmachung.
In Abänderung der Bekanntmachung vom 6. d. Mts. (Amtsblatt Nr. 33) wird auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeit des Wildes vom 26./2. 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1./8. 1883. der Anfang der diesjährigen Jagd aus Fasanknhennett in den Kreisen Rinteln und H a n a u erst auf den 15. September d. J. festgesetzt.
Cassèl den 23. August 1901.
Namens des Bezirks-Ausschusses. Der Vorsitzende.
V 9270 I. V.: Moelle.
Bekanntmachung.
Die Landgräfliche Kastanienallee von der Frankfurterstraße bis zum Friedhofsweg wird vom 27. d. Mts. ab wegen Reparatur der sog. Lachenbrücke für den Fuhrwerksverkehr bis auf Weiteres polizeilich gesperrt.
Philipps ruhe den 26. August 1901.
13912 Die Ortspolizeiverwaltung.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Mk. baar. 1 Kinderportemonnaie mit Glasperlen besetzt mit 10 Pfg. Inhalt. 1 Gebund Schlüssel (4 Stück) an 2 Ringen.
Entlaufen: 1 kleines, schwarzes Schooßhündchen mit braunen Beinen und weißer Brust, w. Geschl.
Hanau den 26. August 1901.
' Politische Rundschau.
Zur Zweikatser-Begegnttng. Die Theilnahme des Kaisers von Rußland an den Danziger Flotten-Manövern ist nun amtlich bekannt gegeben worden. Der Zar folgt einer Einladung, die Kaiser Wilhelm ergehen ließ, weil er damit einem Wunsche Kaiser Nikolaus entgegenkam. Die Begrüßung der beiden Herrscher war, seit zum ersten Mal der Gedanke an eine solche auftauchte, wesentlich als ein einfaches Zusammentreffen zur Pflege der verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser und zur Bekräftigung ihres persönlichen Freundschafts-Verhältnisses ins Auge gefaßt. Deshalb sollten auch, wie bis in die letzten Tage hinein als sicher angenommen wurde, Minister dabei nicht zugegen sein. Jetzt aber wird bekannt, daß Kaiser Nikolaus, vermuthlich in dem eigenhändigen Schreiben, worin er die Einladung Kaiser Wilhelms anzunehmen erklärt, es als seinen persönlichen Wunsch bezeichnet hat, dem deutschen Reichskanzler Grafen Bülow bei seiner Anwesenheit auf deutschem Gebiete zu begegnen. Der Kanzler wird in dieser ehrenvollen Aufforderung einen sichern Beweis für das Vertrauen erblicken können, das ihm die kluge, maßvolle Haltung der deutschen Politik, namentlich bei allen den fernen und den nähern Osten betreffenden Fragen, an den entscheidenden Stellen in Rußland erworben hat. Die Ausstreuungen, es sei dem Grafen Bülow nicht gelungen, auf politischem Gebiet alle Schwierigkeiten zwischen uns und Rußland zu beheben, sind durch den spontanen Akt des Kaisers Nikolaus gründlich ad absurdum geführt. In diesem Sinne ist bk Berufung des Reichskanzlers nach Danzig ein hocher- freulicher Vorgang, ohne daß man gleich anzunehmen braucht, daß es bei der Monarchen-Begegnung zu besondern politischen Abmachungen kommen werde, die unsers Wissens von keiner Seite geplant sind.
Der chinesische Prinz Tschirn wird heute in Begleitung seines Gefolges und der bei ihm kommandirten preußischen Offtziere, des Generalmajors v. Hoepfner und des Majors Frhrn. von Lüttwitz vom Generalstabe des Gardekorps, welche dem Prinzen bis Basel entgegengereist sind, in Potsdam eintreffen. Offizieller Empfang findet daselbst nicht statt. Im Namen des Kaisers wird Generalmajor v. Moltke, Kommandant von Potsdam und Kommandeur der 1. Garde- Jnsanterie-Brigade, , begleitet vom Platzmajor Hauptmann Grafen von Schwerin â la suite des 2. Garde-Feldartillerie- Regiments, den Prinzen Tschun bei seiner Ankunft begrüßen und ihn in einer königlichen Hofequipage nach dem Orangeriegebäude geleiten, wo der Prinz während seines Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Während dieser Zeit wird das Orangeriegebäude und dessen Umgebung für das Publikum gesperrt, wozu eine Wache des Lehr-Jnfanterie-Bataillons in Stärke von 1 Unteroffizier und 21 Mann kommandirt ist. Der Aufenthalt des Prinzen ist bis zum 2. September bemessen, an welchem Tage derselbe noch der großen Herbstparade auf dem Temvelhofer Felde beiwohnen wird.
Der Zarenbesuch in Frankreich. Die Petersburger Presse, welcher die Nachricht von der Reise des Kaisers von Rußland nach Frankreich vorgestern Abend zuging, äußert sich gestern kurz über die Nachricht. Alle Blätter sind hocherfreut. Die Nachricht über den Besuch des Kaisers in dem verbündeten, befreundeten Frankreich, schreibt die „Nowoje Wremja", werde in Rußland nicht weniger freudiges Echo finden, als sie in Frankreich bereits gefunden habe. Das Blatt ist überzeugt, daß die Reise des Kaiserpaares von allen Friedensfreunden, nicht nur in Rußland und Frankreich, sondern überall werde freudig begrüßt werden, wo krasser Egoismus nicht humane Bestrebungen und die höchsten Ideale ge- tödtel habe, welche die christlichen Völker auszeichnen. Die „Birskewija Wiedomosti" sieht ebenfalls in der Reise ein politisches Ereigniß, das vor Allem der Festigung des Friedens dienen werde. Die „Rossija" weist auf die unveränderte Festigkeit des Zweibundes hin und sagt: Der Kaiser reise als Bote des Friedens für alle Kulturvölker. Die „Novosti" sprechen in demselben Sinne. Sie glauben, dieser neue Beweis für die Unerschütterlichkeit des Bundes werde den Intriguen der französischen Nationalisten den endgiltigen Schlag versetzen.
Ein englisches Urtheil über die Kriegslage in Südafrika. Ueber die militärische Lage in Südafrika urtheilt der bekannte Kriegsschriftsteller Charles Williams im „Morning Leader" sehr pessimistisch. Er sagt, die Lage habe sich sicherlich nicht gebessert; Kritzinger sei zwar mit einer kleinen Streitkraft aus der Kapkolonie vertrieben worden, aber man wisse nicht, was aus dem Gros seines starken Kommandos geworden sei. Scheepers Kommando müsse bereits das Meer erreicht haben und es würde nicht überraschend sein, zu hören, daß De Wet wieder die Kapkolonie betreten habe. Es sei mehr als je klar, daß wir die Republiken im praktischen Sinne des Wortes nicht besitzen und daß der Feind thatsächlich ebenso viel von unserer alten Kolonie inne habe, wie wir von seinem Gebiet besitzen. Die Buren bedrohen ernstlich unsere Verbindungen und wir sind außer stande, selbst unsere eigenen Kolonisten zu beschützen. Der ganze Feldzug entbehrt der einheitlichen Leitung. — „Times" besprechen die Lage hoffnungsvoller, aber sie dringen auf härtere Bedrängung der Buren, damit Kitcheners Kundgebung die gewünschte Wirkung habe. Der schließliche Erfolg hänge mehr als je von der Beweglichkeit der britischen Truppen ab und deshalb empfehlen die „Times", die müden regulären Regimenter aus Indien abzulösen. — Ob die „Times" selber glauben, daß das was helfen wird?
Columbien im Kriegszustand. Aus Colon wird gemeldet: An die Departements-Gouverneure ist ein vom 18. Juli aus Bogota datirter amtlicher Erlaß gerichtet worden, welcher besagt, da der Krieg sich mit Hilfe von Ausländern, welche dieGrenze bedrohen, von Neuem zuentfachen scheine, sähedie Regierung sich gezwungen, erstens die Zahlungen aller schwebenden Rechnungen für Kriegsmaterial vorläufig cinzustellen, ihre Ausgaben auf die Bezahlung der Heeres- und Verwal- lungskosten zu beschränken, zweitens alles zu Unterhalt, Ausrüstung und Mobilistrung des Heeres Erforderliche zu enteignen und drittens Zwangs- und freiwillige Anleihen zu erheben und Kriegskontributionen aufzuerlegen. Die Gouverneure werden dementsprechend ermächtigt, nach den Erfordernissen der Lage in diesem Sinne vorzugehen. — Die in vorstehendem Erlaß an die Spitze gestellte Maßregel der-kolum- bischm Regierung, nämlich die theilweise Einstellung der Zahlungen, entbehrt nicht einer gewissen Komik; aber davon abgesehen, hat die Sache doch ihre ernste Seite. Bekanntlich stehen die columbischeen Aufständischen in dem wohl nicht ganz unbegründeten Rufe, daß sie sich der Unterstützung des Präsidenten des Nachbarstaates Venezuela erfreuen, und aus der obigen Kundgebung der kolumbischen Regierung geht heroor, daß diese auf dem Sprunge steht, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das wäre an sich nun nicht so schlimm, denn derartige Katzbalgereien sind in Südamerika nichts Seltenes, indeß liegt die Sache heute anders, da kein Zweifel mehr darüber besteht, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika beabsichtigen, über kurz oder lang ihren Einfluß auf Südamerika in einer Weise auszudehnen, die weit über den Begriff einer I bloßen Vorherrschaft im ganzen westlichen Kontinent hinausgeht. Hier liegt die Sache so, daß jeder an sich noch so kleine Zwist zwischen zwei Staaten in Südamerika den gefährlichen Stein ins Rollen bringen und den Vereinigten Staaten die Gelegenheit bieten kann, dort politisch festen Fuß zu fassen. Damit wäre für die Aankees praktisch eine Etappe zu dem Ziele begründet, welches sie schon lange platonisch mit den von ihnen geförderten panamerikanischen Bestrebungen verfolgen, unb es wäre eine occidentalische Frage eröffnet, die sich im letzten Ende für Europa vielleicht noch verhängnißvoller gestalten könnte als die orientalische am Bosporus.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 26. August.
* Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau. Für den Kreis Hanau — Land — stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Kr anken - Renten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1901 wie folgt:
Altersrenten Inval.-Rent. Krautenrent. Zusammen;
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Davon sind erledigt durch
Gesammt-
Jahres- betrag der bewilligten
Renten
Von den Rentenempfängern sind bzw. waren beschäftigt
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1035
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j560j4B3|97
28|58752 40|183
139
6 40
40
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233^32973 —
Nach Abgang durch Tod rc. bleiben noch zu zahlen
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14163
20
134
18392
20
3
417
60
Von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, sowie das Fürstenthum Waldeck umfaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt:
8063 Mtersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 1,086,233.— M. 15462 Invalidenrenten „ „ „ . „ 2,059,372.96 „
401 Krankenrenten „ „ „ „ 60,057.60 „
23926 Renten mit einem Gesammt-Jahresbetrage von 3,205,663.56 M, Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod rc.
erfolgten Abgänge Ende Juni 1901 noch zu zahlen:
3680 Altersrenten im Gesammt-Jahresbetrage von 511,376.20 M. 9984 Invalidenrenten „ „ „ „ 1,430,961.76 „
267 Krankenrenten „ „ „ „ 39,966.20 „ 13931 Renten mit einem Gesammt-Jahresbetrage von 1,982,304.16 M.
Der von dem Reiche zu leistende Zuschuß beträgt 696,550.— „
Mithin bleiben Ende Juni 1901 aus Mitteln der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Renten zu zahlen jährlich............1,285,754.16 M.
Mission. Gestern Abend wurde ein Missionsgottesdienst von Herrn Missionsprediger Strobel aus Heidelberg im hiesigen evangelischen Vereinshause abgehalten. Derselbe, der längere Jahre als Missionar in Indien thätig war, schilderte durch ergreifende Beispiele aus dem heidnischen Leben der Chinesen und Hindus, wie das Leben der Heiden ein Leben ohne Barmherzigkeit ist und wie ihre Unbarmherzigkeit und Grausamkeit sich besonders in ihrem Verhalten gegen Kranke, gegen Kinder und allermeist gegen Mädchen zeigt. Auf Grund des Wortes: Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist, forderte er auf, eifrig dazu mitzuhelsen, daß das Evangelium diesen heidnischen Völkern immer mehr gebracht werde, damit es auch bei ihnen barmherzige Liebe wirke. — Zur Förderung der Missionsarbeit findet auch heute Abend 8^/4 Uhr die Missionsstunde in der Kapelle des Althanauer Hospitals statt.
* Aufhebung von Sonntags-, Rundreise- und Sommerkarten. Nr. 35 des von der Königl. Eisenbahn- Direktion in Frankfurt a. M. herausgegebenen Tarifanzeigers enthält eine Verfügung des Inhaltes, daß vom 1. Oktober ab eine Anzahl der in dem Direktionsbezirke aufliegenden Sonntagskarten zur Aufhebung kommen wird; ferner soll die Berechtigung zur Benutzung der fahrplanmäßigen Züge auf Grund von Sonntagskarten auf bestimmte, noch zu veröffentlichende Personenzüge beschränkt werden. Sonntagskarten werden von dem genannten Zeitpunkte ab nur noch ausgegeben werden: von Fulda nach Langenbieber, Bieberstein, Milseburg, Hilders, Tann, Lütter, Gersfeld, Salzschlirf, Lauterbach; von Geln- nach Hanau-Ostbahnh.; von Hanau-Ostbahnh. nach Gelnhausen Hausen, Bad Nauheim, Aschaffenburg, Dettingen, Kahl; von Hanau-Westbahnhof nach Aschaffenburg, Dettingen, Kahl; von Hanau-Nordbahnhof nach Bad Nauheim. In Fortfall werden somit kommen: die Sonntagskarten von Fulda nach Eichenzell, Schmalnau, Hettenhausen, Gießen, Eisenach und Wilhelmshöhe; von Gelnhausen nach Gießen; von Hanau- Ostbahnhof nach Sachsenhausen, Frankfurt a. M.-Haupt- bahnhof und Ostbahnhof, Klein-Ostheim, Mainz und Bingen; von Hanau-Westbahnhof nach Frankfurt a. M.-Oft- bahnhof, Klein-Ostheim, Darmstadt', Mainz und Bingen. Weitere Sonntags karten, welche in Hanau ausgegeben werden, sind diejenigen nach den Odenwald-Stationen Wiebelsbach-Heubach, Höchft-Neustadt, König, Erbach i. O., Michelbach, Hetzbach-Beerfelden und Cberbach. Die Bestimmung darüber fällt der Königl. Preuß, und Großherzogl. Hess. Eisenbahn-Direktion in Mainz zu. In den Bereich der Hanauer Interessen fallen auch die auf der Station Frankfurt a. M.-Hauptbahnhof ausgegebenen Sonntagskarten. In Fortfall sollen dort kommen: diejenigen nach Kastel, Niedernhausen, Lorch. Caub, St. Goarshausen.. Schwanheim, Idstein,