Zweites Blatt.
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Nr. 48. Dienstag den 26. Februar * 1901
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politische Rundschau.
Vom Reichstage. Nachdem der Militäretat in der Budgetkommission des Reichstags angenommen und der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern erledigt wurde, darf auf schleunige Berathung zur Fertigstellung des Etats bis zu dem vom Präsidenten bezeichneten Termin — 22. März — gerechnet werden. Einstweilen glaubt man in Abgeordnetenkreisen, die Session werde bis Pfingsten dauern.
Die Centrumsfraktiondes Abgeordnetenhauses hat der „Germania" zufolge in ihrer vorgestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, alsbald nachstehenden An tra g dem preußischen Abgeordnetenhaus zu unterbreiten: die königliche Regierung auszufordern, baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die besonderen Beschränkungen und Erschwerungen, welchen die Krankenpflege und die sonstigen Uebungen werktätiger Nächstenliebe seitens der Mitglieder katholischer Orden und ordensähnlicher Kongregationen unterworfen werden, behufs Gleichstellung derselben mit den Mitgliedern anderer der Krankenpflege gewidmeten Vereinigungen aufgegeben werden.'
In der Saccharinfrage stehen, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, das preußische Finanz- und Land- wirthschaflsministerium auf Seiten der Befürworter einer möglichst großen Verkaufsbeschränkung, während das Handelsministerium der hohen Besteuerung den Vorzug gebe.
Für die Begebung von Arbeiten und Lieferungen im Bereich der allgemeinen Vauverwaltung, der Staatsbahnen und der Bergverwaltung werden im „Reichsanz." neue Bedingungen veröffentlicht. Eine Streikklausel ist darin nicht enthalten, aber nach § 8, der über die Behinderung der Bauausführungen handelt, bleibt es der Bauverwaltung vorbehalten, falls Beschwerden des Unternehmers für begründet zu erachten sind, eine angemesfene Verlängerung der im Vertrage festgesetzten Vollendungsfristen — längstens bis zur Dauer der betreffenden Arbeitsbehinderung — zu bewilligen.
Steuerreform in Italien. Unter den Ministern herrscht volleEinmüthigkeit darüber,daß die Steuerreform sowohl für das Kabinett wie für das Land eine Lebensfrage bilde. Die dringende Nothwendigkeit dieser Reform wurde allseitig anerkannt, und gerade die Persönlichkeiten, die jetzt an die Spitze der Verwaltung berufen wurden, waren es, die stets auf der Lösung dieser Frage innerhalb der Grenzen des Budgets bestanden. Es wäre verfrüht, die Entschließungen der Regierung jetzt schon anzukündigen, in unterrichteten Kreisen wird jedoch versichert, daß das neue Ministerium die Absicht habe, die Lebensmittelsteuern, welche sich als die drückendste Belastung der Steuerträger darstellen, einer Umwandlung zu unterziehen. Das Ministerium wird sein Programm in den ersten Märztagen kundgeben und darauf bestehen, daß die Berathung der vorzu-
Kleines Feuilleton.
St* Frankfurter Kunstnotizen. Frankfurt, 25. Februar. Der Großmeister der Violine, Herr Professor I o a ch i« gab gestern eine Matinee, welche sich eines so gewaltigen Besuches erfreute, daß sogar Stehplätze ausgegeben werden mußten. War es Beethoven, Brahms oder Bach, was der Künstler vortrug, stets erbrauste nicht endenwollender Beifall den Saal und dessen Borraum, denn Letzterer war auch occu- pirt! Fräulein Marie Bender zeigte sich als ebenso vorzügliche, wie verständnißvolle Begleiterin. Vom Konzert-Bureau Steyl u* Thomas werden demnächst veranstaltet: am 4. März Konzert von Fräulein Theresa Versel (Violine) und am 7. März der Schubert'sche Lieder-Zyklus „Die schöne Müllerin", sorgetragen von Herrn Rob. Kaufmann.
Der neue Stern im Perseus. Ein neuer Fixstern ist in der Stacht vom 21. auf den 22. Februar mitten im Sternbilde des Perseus aufgeflackert. Er wurde von Anderson in Edmburg und Grimmler in Erlangen fast gleichzeitig gesehen und ist seitdem bereits so hell geworden, daß er am Abend des 22. sämmtliche Sterne des Himmels, Mars und Sirius ausgenommen, an Glanz übertraf. Sein Licht ist augenblicklich rein weiß. — Es handelt sich in dem vorliegenden Falle um eine Erscheinung, wie sie seit dem Jahre 1604 voch nicht wieder beobachtet wurde, denn die neuen oder sogenannten „temporären" Sterne, die in dem lausenden Jahrhundert mehrfach beobachtet wurden, haben nur in einem Falle die zweite Größenklasse erreicht. Bemerkenswerth ist es, daß der letzte neue Stern vom Jahre 1892 von demselben Anderson entdeckt wurde. Die große Bedeutung und Tragweite der Erscheinung für die astronomische Forschung läßt sich zur Zeit noch nicht übersetzen. So viel ist jedoch sicher, daß uns auch hier wieder das in seine Bestandtheile zerlegte Licht jenes so plötzlich aufgeflackerten Gestirns das Meiste über seine Ent- stehungsweise wird sagen können.
schlagenden Steuerreform ohne Aufschub in Angriff genommen werde.
Im französischen Senat interpellirte Geserin gestern wegen Maßnahmen, die die Regierung zu treffen gedenke, um die Interessen und Rechte der Inhaber der äußeren portugiesischen Schuld zu wahren. Delcassö erinnerte daran, unter welchen Umständen die französischen Gläubiger eines Theiles der ihnen zustehenden Einnahmen willkürlich beraubt worden seien. Die im Widersprüche mit allen Geflogen- heiten getroffenen Maßnahmen hätten sehr lebhafte berechtigte Proteste hervorgerufen. Die französische Regierung habe sehr lebhafte und energische Vorstellungen an Portugal gerichtet, welche nicht dazu beigetragen hätten, die Verhandlungen zu eröffnen. Delcasfö geht auf den Vorschlag Convenios ein und bedauert, daß ein solcher Akt nicht ratifizirt worden sei. Das gegenwärtige portugiesische Kabinet beschloß wider alles Erwarten, der Angelegenheit keine Folge zu geben. Diese unerwartete, schwer begreifliche Haltung habe peinliche Erregung in Deutschland, England, Belgien und Frankreich hervorgerufen. Frankreich habe sich gleich anderen Ländern in sehr scharfen Ausdrücken beschwert; Portugal habe geantwortet, es bedaure aufrichtig, daß dem Vorschlag Convenios nicht Folge gegeben werden könnte, aber die finanzielle Lage mache Portugal dieses Verhalten zur Pflicht. Portugal habe zugleich zu verstehen gegeben, daß, wenn sich in nächster Zeit die Finanzen des Staates gebessert hätten, die Verhandlungen wieder ausgenommen werden könnten. Delcassö setzt dann auseinander, welche Schritte weiter gethan und welche Anstrengungen gemacht werden, um die Interessen der französischen Gläubiger sicher zu stellen. Er erklärt, er werde niemals zulassen, daß denselben ein neuer Nachtheil erwachse, er nehme im Gegentheil an, daß er bei Portugal die Zurücknahme der getroffenen, auf Beeinträchtigung der Gläubiger hinaus laufenden Maßnahmen durchsetzen werde. In Lissabon sei allgemein bekannt, daß er Mittel in Händen habe, um sich Gehör zu schaffen, und daß er nicht zögern werde, nöthigenfalls von solchen Gebrauch zu machen. (Beifall.) Guerin dankt dem Minister und beklagt es, daß Portugal nicht darauf eingegangen sei, seine Finanzen einer auswärtigen Kontrole zu unterwerfen. Darauf bringt Guerin eine Tagesordnung ein, welche besagt, der Senat vertraut, daß die Regierung das Interesse des in Portugal angelegten französischen Kapitals mit Energie wahren wird. Darauf geht der Senat zur Tagesordnung über. Diese Tagesordnung wird angenommen. Dann nimmt das Haus die Berathung des Vereinsgesetzes wieder auf. Nach verschiedenen Bemerkungen Waldeck-Rousseaus, Ribots und Brissons wird Art. 9 betr. Verkeilung des Vermögens im Falle der Auflösung von Vereinen einer Kommission überwiesen. Sodann wird die Sitzung geschlossen.
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Friedensschluß in der Münchener Künstler- schast. Aus München wird berichtet: in einer stürmisch bewegten, lang währenden, außerordentlichen Generalversammlung wurde endgiltig der Frieden in der Münchener Künstler- schaft geschlossen. Dies geschah durch einstimmige Annahme eines vorher zwischen dem Regierungsvertreter und den Vorständen der Genossenschaft, Leubach und Petersen, vereinbarten Antrages, wonach die Künstlergenossenschaft, deren Präsident Petersen ist, das Künstlerhaus von einer durch Leubach neu zu bildenden Künstlergesellschaft pachtweise übernimmt. Die Ausstellungen sollen künfig von Fall zu Fall gemeinsam berathen und beschlossen werden.
Tesla über feine neuesten Erfindungen. Nicola Tesla hat wieder einmal gesprochen und ein amerikanischer Interviewer hat Aeußerungen von ihm mitgetheilt, die in jeder Beziehung erstaunlich sind. So hat Tesla unter anderem Folgendes zu verstehen gegeben: „In diesem Jahre werden drei, vielleicht auch vier meiner Erfindungen in praktischer Form an die Oeffentlichkeit kommen: Erstens mein Licht, das dem Tageslicht gleich ist; Zweitens die Telegraphie und Tele- phonie ohne Draht auf jede beliebige Entfernung; Drittens die automatische Maschine, die ich zuerst an meinem Unterseeboot zeigen will, und dann wohl noch viertens die Verständigung mit dem Mars und anderen Planeten. Wenn die Welt diese Dinge in praktischer Bethätigung sehen wird, wird sie ansangen, anders von mir zu denken." Mehr als vier solcher Erfindungen in einem Jahre kann man selbst von Tesla nicht verlangen. Ueber dieses künstliche Tageslicht berichtet der Interviewer: „Ich sah das Licht im Laboratorium, Es ist eine flache Spule aus einer Glasröhre vom Durchmesser eines kleinen Fingers, sie enthält keine Drähte und ist 8—9 Zoll breit. Bei Einschaltung des Stromes strömt sie ein reines," weißes Licht aus, so weiß, daß es blau erscheint und im Vergleich zu ihm erscheint eine Edisonsche Glühlampe in Orangefarbe. Es beleuchtet und durchstrahlt den Raum mit vollkommenem Tageslicht. Wie Tesla bemerkt, ist es im
Ehrendegen für De Wet. Die Solinger Industrie hat von neuem einen Auftrag zu einem kunstvollen Ehrendegen für den großen Burenhelden Christian De Wet erhalten. Die Ortsgruppe Hamburg des Alldeutschen Verbandes hat den Auftrag gegeben.
De Wets Einfall in die Kapkolonie gescheitert. Der Mann, auf den die Burenfreunde noch die größte Hoffnung setzten, der unermüdliche de Wet, hat seinen Plan, in die Kapkolonie vorzudringHN und dort das englische Gebiet zu revolutioniren, nicht ausfuhren können. Seine Truppen sind zersprengt, die Geschütze verloren, er selbst ist mit einer kleinen Schaar über den Oranjefluß in den Freistaat zurückgekehrt.
Das Fehlschlagen der auf die Operationen de Wets gesetzten Hoffnungen ist nicht der einzige Erfolg, den die englischen Waffen erzielt haben, auch die Schaaren Bothas im Osten Transvaals scheinen, wie aus den gestrigen Telegrammen hervorgeht, in verzweifelter Lage zu sein. General French ist wider Erwarten weiter nach Osten durchgestoßen und hat offenbar durch die nicht erwartete Schnelligkeit seiner Bewegungen Verwirrung in die Reihen der Buren getragen.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 25. Februar.
Strandungsordnung. — Wahlprüfung.
Gesetz-Entwurf zur Abänderung der Strandungsordnung.
Abg. Rettich (kons.) beantragt Ueberweisung der Vorlage an die Kommission für die Seemannsordnung. Bedenklich sei der neu eingeführte Rechtsgrundsatz, wonach die Ladung eines Wracks haftet zur Deckung der Beseitigungskosten des Wracks.
Abg. Kirsch (Ztr.) empfiehlt gleichfalls Ueberweisung an die genannte Kommission.
Staatssekretär Posadowsky erklärt, die Vorlage sollte verhindern, daß der Schiffer die kostbare Ladung vom Wrack rettet, das Wrack zu beseitigen aber den Behörden überläßt. Ueber die Ausführungsbestimmungen dürfte man sich in der Kommission leicht einigen.
Abg. Semler (nat.-lib.) wünscht, wenn möglich, den Unterschied fe'lzulegen zwischen den großen Schifffahrtshindernisfen und kleinen. Er stimmt für Kommissionsüberweisung.
Darauf geht die Vorlage an die Kommission für die Seemannsordnung.
Es folgen Berichte der Wahlprüfungs-Kömmission.
Bei der Wahl des Abg. F i r z l a f f (kons.), 3. Wahlkreis Cöslm, wird von der Kommission Giltigkeitserklärung beantragt.
Abg. Schrader (sr. Vgg.) beantragt erneute Prüfung der Wahl.
Die Abgg. Spahn (Ztr.) und v. B r o ck h a u s e n (kons.) widersprechen dem.
sonnenlicht selbst nicht bemerkbar, weil es eben selbst Sonnen- Ncht ist. Wenn man abends einen Raum betritt, in dem dieses Licht brennt, so glaubt man eben, daß es Tag ist und nicht Nacht."
Als ein beredtes Zeugniß des weitschauenden Verständnisses unserer obersten Gesundheitsbehörden für eine der wichtigsten volkswirthschaftlichen Fragen darf die Anspache gelten, mit welcher der Präsident des Kgl. Sächsischen Landes- medizinal-Kollegiums die letzte Jahresversammlung des deutschen Vereins gegen Mißbrauch geistiger" Getränke begrüßte: Es komme vor allem darauf an, das Vorurtheil, als ob dem Alkohol eine stärkende und nährende Eigenschaft innewohne, zu bekämpfen, und die Heranwachsende Generation vor der Gewöhnung von Alkohol zu bewahren, die erwerbsfähige Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Leistungsfähigkeit durch den Alkohol nicht vermehrt, sondern verringert wird, in den besseren Kreisen der Gesellschaft das komment- mäßige Trinken und den Trinkzwang zu beseitigen, die Errichtung von staatlich beaufsichtigten und ärztlich geleiteten Anstalten anzuregen, in denen die heilungsfähigen Trinker ausgenommen und selbst gegen ihren Willen bis zur vollständigen, dauernden Genesung zurückbehalten, die unheilbaren, der freien Willensbestimmuug beraubteu Opfer des Alkoholmißbrauchs aber verpflegt und beschäftigt werden.
Gedenktage und denkwürdige Tage.
26. Februar.
1884 t General Felix v. Wimpffen. — 1871 Die Friedenspräliminarien werden vorbehaltlich der Bestätigung der Nationalversammlung in Versailles genehmigt. — 1868 Das preußische Abgeordnetenhaus nimmt das Gesetz wegen Aufhebung der Spielbanken an. — 1861 Oesterreich erhält eine neue Verfassung; der Reichsrath wird mit allen parlamentarischen Rechten ausgestattet und die Monarchie tritt damit in die Reihe der konstitutionellen Staaten.