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Hus Stadt und Eand.
Hanau, 26. Februar.
* „Mattheis bricht s Eis — die alte Bauernregel ist in diesem Jahre in vollem Maße zur Wahrheit geworden; mit dem 24. Februar, am Tage des heiligen Matthias, ist der langersehnte Wetierumschlag eingetreten. Der eisige Heilige hat heuer bei der ungeheuren Menge von Eis eine harte Arbeit vor sich. Nahezu zwei Monate lang hielt grimme Kälte die Erde in Bann und übte sogar in Ländern, die derartige Temperaturerniedrigungen kaum dem Namen nach kannten, ihre strenge Herrschaft aus zur Freude der Eisbahnpächter, der Pelzwaaren- und Holzhändler, zum Jammer der Frierenden. Mit dem Thauwetter sind auch die ersten Frühlingsbooten gekommen: verschiedentlich haben sich bereits Staare eingestellt.
* Osterg rirffe. Die letzte Gelegenheit, Ostergrüße nach China zu schicken, dürfte die am nächsten Freitag den 1. März von Berlin abgehende Postverbindung nach Ostasien bieten. Sie gelangt am Mittwoch den 3. April nach Shanghai und kann, falls günstige Schiffsverbindung mit Taku vorliegt, Tientsin und Peking noch bis zum Osterfeste (7. April) erreichen. Diese Feldpost befördert nur geschlossene Briefe und Postkarten. ■
— Genesungsheime. Für Bedienstete jeden Standes innerhalb der preußischen Staatseisenbahn-Ver- waltung wird bekanntlich die Errichtung von Genesungs Heimen beabsichtigt. Wie schon berichtet, soll eins nach Melsungen bei Cassel und ein zweites nach Hirschberg in Schltsi.'N kommen. Die Gesamnukosten sind auf rund l1/» Millionen Mark veranschlagt. Jede Heilanstalt soll 120 bis 130 Betten erhalten und vornehmlich im Dienst verunglückte oder auf andere Weise dienstunfähig gewordene Bedienstete aufnehmen. Die Kur- und Verpflegungs- kostcn sollen so niedrig bemessen werden, daß die Heilstätten auch den wenig B.mütelten zugänglich sind. Der Grundstein zu der Melsunger Heilan st alt soll bereits im August d. J. auf dem landschafllich schönem, von Wald umrahmtem Gelände unter der „Hohenwarte" (zwischen Melsungen und dem Dorf Kirchhof) gelegt werden. Ter Walddistrikt Hohenwarte und der ausgedehnte angrenzende Waldbezirk Karlshagen gehören zum alten Rèedforfte, welcher zwischen den Städten Cassel, Melsungen, Spangenberg und Lichienau einen zusammenhängenden Waldkomplex (das Jagdrevier der alten Landgrafen) bildet.
k. Vortrag in der Wetierauischen Gesellschaft. Herr Oberlehrer Dr. Zingel hat sich der müherollen Aufgabe unterzogen, aus den vergilbten Akten der Welterauischen Gesellschaft eine Geschichte dieses V reins zu schreiben. Der erste Theil dieser Arbeit, welche allseitig mit lebhaftem Interesse ausgenommen mürbe,, bezog sich auf die Gründung des Vereins unter eingehender Berücksichtigung der Männer, welche unter schwierigen Zeitverhältnissen düsen Verein ins Leben riefen. In der gestrigen Monatsversammlung beehrte Herr Dr. Zingel die Anwesenden mit der Darbietung der Fortsetzung seiner Arbeit. Es war ein nach allen Seiten hin erfreuliches Bild, welches der glschätzte Redner von den ersten Jahren des Be- stehens der Gesellschaft entwarf. Lebhafte Begeisterung, thatkräftige Unterstützung und eifriges wissenschaftliches Forschen sind jenen Jahren eigen. Groß waren auch die Erfolge dieser emsigen Thätigkeit. Ein Museum wurde gegründet und in kurzer Z it reich ausgestatiet. Wichtiger aber war noch b'e Herausgabe „Der Annalen", eine Sammlung naturwissen- sctaftlicher Aufsätze. Die Kenntniß dieser Zeit kann weniger geschöpft werden ans den Vereinsnachrichten, aus den Protokollen oder Jahresberichten, ä s aus den zahlreichen Briefen. Zum Theil recht originell, gewähren sie auch interessante Blicke auf mannigfache kulturelle Verhältnisse damaliger Jeit. Inmitten der Kriegswirren, bei fast vollständiger politischer Ohnmacht des Vaterlandes wurde hier fleißig gearbeitet und das Erwachen und Blühen des deutschen Geisteslebens in einem kleinen Winkel des Vaterlandes auf einem Spezialgebiete ist gewiß nicht ganz ohne Einfluß geblieben auf die bald kommende Erneuerung und Wiederbelebung der Nation. Schon der erste Theil der Arbeit gab bie Gewißheit, daß unter fachkundiger Hand mit feinsinnigem Geiste ein Werk geschaffen wurde, das die Geschichte des Vereins in geradezu muster- giltiger Weise darstellt. Die Fortsetzung der Arbeit verdient dasselbe uneingeschränkte Urtheil.
& Kaufmännischer Fachvortrag. In seinem zweiten Vortrag behandelte Herr Justizrath Dr. Mayer aus Frankfurt gestern Abend im Saale des Stadlschlosses den im Börsengesetz begründeten Tifferenzeinwand bei abgeschlossenen Börsentermingeschäften, welcher darauf fußt, daß die verlierende Partei bei reinen Differenzgeschäften, — also nur auf Gewinn- oder Verlustmöglichkeit beruhenden geschäftlichen Abmachungen — nicht nur ihren Verpflichtungen dem Gewinner gegenüber entbunden ist, sondern auch die als Pfand hinter- legte Sicherheit zurückvcrlangen kann, wenn nicht beide Kontrahenten in das Börsenregister eingetragen sind, und erläuterte eingehend die Merkmale der Begriffe „Anschaffungs-" bezw. „Lieferungsgeschäfl" und „Börsentermingeschäft", welche Merkmale aber derartig sein nuancirt und gewissermaßen auf die Mefferschneide gelegt seien, daß äußerst schwankende Anschauungen bei den Gerichten und infolgedessen ein unsicherer Rechtszustand im Geschäftsleben herrscht. Redner beleuchtete diesen Gegenstand nach den verschiedensten Richtungen hin, illustrirte die schädlichen Auswüchse dieser Bestimmungen durch einige besonders drastische Bciipnle aus der Praxis und kam immer wieder zu dem Schlüsse, daß die diesbezüglichen Bestimmungen des Börsengesetzes absolut unhaltbar seien, weil sie in ihren fundamentalsten Grundlagen nicht den wirklichen Bedürfnissen entsprechend aufgebaut und in ihren praktischen Wirkungen meist gerade das erreichten, was der Gesetzgeber verhindern wollte: Die Betheiligung von Unberechtigten an spekulativen Börsengeschäften. Dadurch, daß man die Berechii- gung zum Abschluß von reinen Differenzgeschäflen, also von an sich verbotenen Spielgeschäften, von der Eintragung in das Börsenregisier abhängig mache und hierdurch den zum Abschluß von Bürsenterminqeschäflen Berechtigten empfindliche finanzielle Opfer auferlege, bleiben eben die r^ell Denkenden wie auch die
Hanauer Anzeiger
mittleren Bemmen um Bürger diesem Geschäftszweige fern und nur die unlauteren Elemente, die gewissenlosen Spekulanten, die durch unreelle Manipulationen wieder zu ihrem Gelde zu kommen hoffen, ließen sich vorzugsweise in das Börsenregister eintragen. Uebrigens erhalte auch ein wirthschaftlich unzulässiges, moralisch verurtheilungswerthes Geschäftsjahren keine siitliche und wirthschaftlicke Berechtigung durch Eintragung in ein Register. Die börsengesetzsiche Differenzeinwandklauzel beruhe auf total falschen Grundlagen und wurde durch oberflächliche Reformen, wie sie im Handelsministerium in Aussicht genommen seien, in ihren Wirkungen nicht segensreicher gestaltet, sondern müßte von Grund auf umgearbeitet oder ganz gestrichen werden. Der Herr Vortragende kritisirte im Laufe seiner Ausführungen auch das reichsgerichtliche Erkenntniß, wonach sogar einfache Anschaffungsgeschäfte, wenn bei ihnen auch nicht die gesetzlich maßgebenden Vorbedingungen zuträfen, als Börsentermingeschäfte anzusehen seien, sobald daraus der Zweck heroorleuchte, welcher bei letztgenannter Geschäftsakt ausschlaggebend ist. Eine Gesetzumgebung sei keine Gesetzverletzung. Mit dem Hinweis, daß die Einführung des Börsen- registers keine lebensfähige Gesetzesbestimmung sei, weil ihr kein juristischer Gedanke, keine Rechtsgleichheit verbürgende Idee zu Grunde liege, schloß Redner seine fesselnden, gemeinverständlichen Ausführungen und erntete den lebhaften Beifall wohl nicht nur für seine geistreiche, sondern auch frische, belebende, ja mitunter humorvolle Vortragsweise.
* Krttistindttstrie-B rein. Der Vortrag des Herrn Dr. Jessen über „Die Lehren der Pariser Weltausstellung für das deutsche Kunftgewerbe" sinket am Mittwoch nicht in der Akademie, sondern wegen der vor zuführenden Lichtbilder in der Aula der Oberrealschule zu gewöhnlicher Zeit (7 7* Uhr abends) statt.
* Staditheater. Thilo von Throtas reizendes List- spiel „Hofgunst" wird morgen neu einstudirt auf dem Spielplan erscheinen. Die Hauptrolle der Vicky spielt F äulcin Muck, deren Individualität die Aufgabe ganz besonders zusagt. In Hauptrollen sind außerdem noch beschäftigt die Damen Gypen, Brandow, Rieger, Hantke und die Herren Schwarz, Bartak, Lindenlaub undCasterra.
* Panorama (Ecke der Hirsch- und Salzstraße.) Was Menschengeist hervorzubringen, was Kunst und Talent in verschiedenster Gestalt zu schaffen vermag, auf w.lch hoher Stufe kultureller Errungenschaften und erfinderischer Vollkommenheit die zivilisirte Welt heute steht, wird uns diese Woche im Panorama durch die dritte Abtheilung der Pariser Weltausstellung aufs Neue und schon deshalb besonders deutlich gezeigt, weil wir diesmal hauptsächlich in die inneren Räume und in das eigentliche Ausstellungsgetriebe eingeführt werden. Diese Pracht, dieser gleisnerische Glanz, diese tüust- lerische Vollendung der architektonischen Schöpfungen wie der ausgestellten Waaren muß auch den blasirtesten Beschauer mit Bewunderung erfüllen. Wir können eine Besichtigung der dieswöchentlichen Serie Jedermann nur angelegentlichst empfehlen, zumal durchweg neue, früher nicht gezeigte Bilder zur Schau gestellt sind.
* Schwurgericht. Die Terminsrolle zu den Schwurgerichts Verhandlungen hat sich wie folgt, geändert: F.eilag den 1. März: Christe, Fabrikarbeiter von Hellstein, Meineid; Samstag den 2. März: Kempf, Ober-Po tsekretär von Hanau, Verbrechen im Amt; Montag den 5. März und ff.: Horst, Metzger und Kalbfleisch, Weißbinder von Hellstein, Brandstiftung.
8 Jubiläum. Heute sind 25 Jahre verflossen, daß Frau Gertrude Franz bei der Firma Bein & Kreis hier beschäftigt ist. Außer dieser Jubilarin sind noch über 25 Jahre bei der Firma beschäftigt Fräulein M. O e u ck e r , Frau S. Frischkorn, Herr H. Lamm, Frau B r ö n i n g und Frau B. Albus, gewiß ein selten schönes Zeichen von einmaligem Zusammenwirken von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Herr W. Bein, der jetzige Inhaber, hat an jedem Jubeitage, ebenso auch am heutigen, durch sinnige Gesch nke den betr. Jubilaren seine Werthschätzung bewiesen. Möge es Allen vergönnt sein, noch recht lange segensreich zusammen zu wirken.
* Rettung aus Lebensgefahr. Unterer gestrigen Mitteilung über den Unfall, der sitz am Sonntag Nachmittag in der Nähe der Zahn'schen Holzschneiderei auf der Kinzig zutrug, fügen wir ergänzend hinzu, daß d.r betreffende Knabe, Sohn des Hafnermeisters Dürr, bis an die Arme sich im Wasser befand und durch weiteres Nachgeben der Eisdecke in Gefahr stand, ganz unterzusinken. Auf die Gefahr aufmerksam gemacht, eilte der Maschinenschlosser Daniel Dörr herbei, der aber selbst auf dem Eile bis an die Hüften einbrach, sich aber heraus arbeitete und dann dem Jungen eine von einem Eisen babnarbeiter herbeigebrach e Eisensiange reichte, an der sich dieser anklammerte und auf diese Weise heraus gezogen werden konnte. Dem muthvollen Eingreifen des jungen Handwerkers gebührt sicher volle Anerkennung?
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gt. Groff-Auheim, 25. Februar. Der „Verein für ärztliche Hilfe", io genannte Doktorkasse hielt am vergangenen Freitag in der Brauerei „Zum Löwen" seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Louis Lenz erstattete zunächst den Rechenschaftsbericht. Hiernach betrug die Einnahme im veistoffenen Vereinsjahr 1043 60 M. während sich die Ausgabe auf 975.46 M. belief, so daß ein Kassenbestand von 68.14 M. verbleibt. Die durch die gewählten Revisoren Herren Lehrer Kronenberger und Hermann Mangelmann vorgenommene P.üfung ergab die Richtigkeit der Abrechnung. Bücher und Beläge waren in Ordnung und konnie den Verwaltungsorganen dementsprechend Decharge ertheilt werden. Da sich das Bedürfniß für eine Sitzbadewanne herausgestellt hat, beschloß die Generalversammlung die Anschaffung derselben. Die Benutzung der vorhandenen Utensilien (verschiedene Badewannen, Luftkissen, Besipfanne, Eisbeutel, Spritzapparate, Verbandstoffe, Watte, Heftpflaster rc. rc) steht bekannt sich jedem Mitgliede des Vereins frei und tonnen im Bedarfsfälle beim Vorsitzenden in Empfang genom nen werden. Auf Vorschlag dcs Vorstandes wurde beschlossen, Herrn Gutmann dahier als Zahntechniker ebenfalls
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im Verein zuzulassen, was hiermit den Mitgliedern bekannt gegeben wird. Der seitherige Vorstand, bestehend aus den Herren Louis Lenz, Lehrer Fickert und Simon Fay, wurde einstimmig wiedergewähsi. Schließlich wurde noch der Vorstand beauftragt, dem Vereinsarzt Dr. Freisfeld den Dank zu übermitteln für die liebevolle und gewissenhafte Behandlung der Kranken. — Der Verein zählt zur Zeit zirka 300 versicherte Mitglieder. Neuanmeldungen werden von den Mitgliedern des Vorstandes fortwährend entgegengenommen.
Uereittssrachrichte«
für Dienstag den 26. Februar.
Oratorienverein: Probe in brr Oberrealschale: Damen 7 V«, Herren 8 Wir.
Evartg. Männer- und Zünglingsverein: Jünglingsverein: Bibelde- fpre^uno; Jangfraumverem: FUckideno <Eu. Be eins haus.)
Kath, leasino .Etmracht (Vereurslokat: „ginn Bcaustüb'l ): Beretns- adend.
Dramatisch-litterarischer Verein Melpomene" (im Gasthaus „gut Gönne"): Geselliger Aoend.
Sanitätskolonne des Kriegeiverelns: Uebungsstunde in der „Central« halle .
Turn- u. Fechtklub: Fechten.
Süddeutscher Klub: Kn bubend in der Restauration „Allemania".
Zttherverein Hunuu: Probe in der Restauration Allemanta . Äthleteuttab „Germania : Riegenstemmen und Musterriegenarbeiten. (Restauration Wagenbach, Pacadeplutz),
NerfteigerWWgs- dr- Kâv.deU
für Mittwoch den 27. Februar.
Angebote betr. Lieserm« d s B.dcr s an Suinkohlen-Brikets für 1901, ca. t0 Tonnen, sind bis volusittags 10 Uhr b i d.m hiesigen P ovimtamt ei zweie! en. — Vo-mi t^as 10 Uhr soll in der Gast- wirthschaft des Herrn P, Ruth zu Bcnchkobet das hinter d.m Kinzig- heimer Hof lagernde B.earuw z oe-stelgert merd.n.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung des Schwurgerichts vom 25. Februar.
Der Raubmord bei Gelnhausen.
(Fortsetzung.)
In dem gestrigen Bericht hat der Druckfehlerteufel sein Unwesen getrieben. Es hieg da über die Vorbestrafung des Angeklagten; Der Angeklagte ist 12 Mal vorbestraft und 4 Mal wegen Körperverletzung. Das ist natürlich falsch. Es muß heißen: Der Angeklagte ist im Ganzen 12 Mal vorbestraft, darunter 6 Dial wegen Diebstahl und 4 Mal wegen Körperverletzung.
Der Angeklagte.
Zu dem gestrigen Bericht über die Vernehmung des Angeklagten ist noch nachzulragen: Nachdem Hilpert seinem Reisegefährten den Schlag versetzt hatte, sing dieser sofort an zu bluten. Neumann habe gesagt: „Siehst Du, was Du jetzt gemacht hast!" Er habe nun auch nicht gleich Rath gewußt, es habe ihm auch leid gethan und er habe den N. aufzesordert, mit nach Gelnhausen zu gehen, dort sollte die Wunde verbunden werden. N. habe jedoch g-mußert, es fei nicht nöthig, so schlimm wäre es nicht. Nachdem sie ein Stück weiter gegangen, habe N. geklagt, es werde ihm schlecht, er wolle erst eine Weile ausruhen; N. sei dabei selbst nach dem Kornfeld zu, damit man sie nicht so sehe. Hilpert habe dabei einen Graben in der Nähe gesehen, sei sogleich mit seinem Hut hinunter und habe Wasser geschöpft. Er habe mit dem Taschentuch die Wunde des N. gekühlt und dieser habe geäußert, nun würde es schon besser, es werde gleich wieder gut sein. Er (h.) habe dann nochmals frisches Wasser geschöpft und habe N. wieder gekühlt. Pwtzlich habe N. den Kopf in die Hand gestützt und habe nichts mehr gesprochen, dann sich ganz umgelegt. Er habe ihm gerufen, N. hätte sich aber nicht mehr geregt. Er habe an ihm gehorcht und wahrgenommen, daß er todt sei. Das war abends gegen 10 Uhr. Nun habe er verschiedene Gedanken bekommen, sie aber alle wieder verworfen. Er habe zuerst die Suche in Gelnhausen melken wollen, sich aber nicht gewagt, weil man ihm die Geschichte höchst wahrscheinlich nicht geglaubt hätte. Dann habe er die Leiche ins Wasser werfen wollen, fei aber auch davon abgekommen, weil man sie dann gleich gefunden hätte. Zum Eingraben habe er kein Werkzeug gehabt und so habe er sich entschlossen, die Leiche unkenntlich zu machen, indem er Alles fortnahm, was die Erkennung hätte ermöglichen können; denn er wäre zuletzt bei ihm gewesen und habe sich gesagt, daß man ihn dann fassen würde. So nahm er Port monnaie, Reisetasche, Uhr, Papiere, Hut und Stock des Erschlagenen an sich, deckte die Leiche mit der Jacke zu und begab sich wieder auf den Rückweg. Das Geld aus dem Portemonnaie steckte er ein, das Portemonnaie aber warf er unterwegs fort. Den Inhalt der Reisetasche Neumanns nahm er ebenfalls heraus, die Reisetasche warf er in die Kinzig. Er ging in der Nacht zu Fuß zurück, kam morgens 7 Uhr hier nach Hanau, fuhr mit der Bahn wieder nach Frankfurt und logirte dort abermals im „Erlanger Hof." In Frankfurt versetzte er die Uhr Neumanns auf dem Pfandhause für 5 Mark und gab den Pfandschein seiner Schwester zum Aufbewahren. Den Stock verkaufte er für 1 Mark und die Wäsche nahm er in eigenen Gebrauch, nachdem er die Zeichen daraus entfernt hatte. In Frankfurt, wo Hilpert sich bis zum 17. Juni aufhielt, bekam er Nachricht von seinem früheren Meister Bär in Sprenge, wo er auch noch zwei Koffer stehen hatte, daß er wegen einer früheren Schlägerei, wo er einem Arbeiter in die Hand gestochen hatte, gesucht werde. Er fuhr nach Sprenge, begab sich zu Bär und ging dann nach Bielefeld, wo er bei seinem früheren Meister Nothold wieder Arbeit annahm. Von dort mußte er am 5. Juli zu dem Termin wegen der erwähnten Schlägerei und bekam 3 Monate Gefängniß. Die Strafe mußte er im Gefängniß in Münster antreten. Während er diese dort verbüßte, kam die Untersuchung wegen des Mordes bei Gelnhausen in Gang, der Verdacht lenkte sich auf ihn, weil sein Verkeyr mit Neumann in Frankfurt ermittelt und in seinen Koffern Effekten des N. gefunden worden waren. Er wurde von Münster hierher g'l'^f. ct. — Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, warum er dem Erschlag men nicht bloß das Portemonnaie genommen und das Gels gelassen hätte, we ß