Erstes Blatt.
nauer
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Waisenhauses in Hanau.
Nr. 275.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau«
Bezirks-Fernspreckanschlliß Nr. 98.
Montan den 25. November. Berirks-FunspeKmMiuß Nr. »8.
1901
Amliiches.
Stadtkreis Ran au.
Der Königliche Gewerberath Scheibel zu Fulda wird am Mittwoch den 27. d. Mts«, von 6^2-8 Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Sckloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Hanau den 25. November 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 10497 J. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Landkreis Ranau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 1. d. Mts., J. St. 3785 — Nr. 26 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" — ordne ich weiter an, daß in die neue Stacus- steuerrvlle sämmtliche Personen der Staatssteuerliste, ob steuerpflichtig oder nicht, aufzunehmen sind. Hierbei ist die Reihenfolge einzuhalten, wie sie in der Staatssteuerliste erscheinen.
Sollten sich bei Prüfung der Schätzungsbogen mit den Einträgen in die Staatssteuerliste bezüglich der Gvöhe des Grundbesitzes Differenzen ergeben, so ist in Spalte 38 der Staatssteuerliste die nöthige Erläuterung, z. B., bei dem Grundbesitz der Censiten sind noch berücksichtigt 2 ha vom Schätzungsbogen Nr. 30, zu geben.
Hanau den 22. November 1901.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
St. 4240 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Mit Berichterstattung auf meine Verfügung vom 7. Juni 1900, V 5255, betreffend Reinhaltung der Bachufer von Buschwerk re., sind noch einige Ortsvorstände rückständig.
An die Erledigung der genannten Verfügung wird mit »tägiger Frist erinnert.
Hanau den 19. November 1901.
Der Königliche Landrath.
V 12411 v. Schenck.
Hus Stadt und Land.
Hanau, 25. Novbr.
* Abschiedspredigt. Im Vormittagsgotlesdienst der Johanniskirche hielt gestern Herr Pfarrer H e ck seine Abschiedspredigt.
Feuilleton.
Ausstellung von Schnlerarbeitcn in der Königl. Zeichen-Akademie.
d. Hanau, 25. November.
Ein recht erfreuliches Bild ernsten Strebens und regen Schaffens auf dem Gebiete der künstlerischen Bethätigung bietet die gestern in der Aula der hiesigen Zeichen-Akademie eröffnete Ausstellung von zeichnerischen Entwürfen, welche zur Bewerbung um den Weishaupt'scheu Preis von 120 M. und die vom Herrn Minister für Handel und Gewerbe bewilligten Staatspreise im Gesammtwerthe von 300 M. eingeliefert wurden. Die Konkurrenz-Aufgabe zur Erlangung des erstgenannten Preises bestand in der Anfertigung eines Entwurfes zu einem silbernen Pokal. Von den 14 eingegangenen Zeichnungen wurde die mit dem Motto: „Wasserrose" versehene prämiirt. Dieselbe zeigt in malerischer Darbietung einen durch eleganten Ausbau, harmonische Gliederung, zierlichen Formenschmuck — zu welchem eine Maske, die Blätter und Blüthen der Schwertlilie die Motive bilden — und leichte Handhabung sich auszeichnenden Prunkkelch. Auch die durch eine Belobigung gewertheten Entwürfe mit den Kennzeichen: „Kunst geht nach Brod", „O Aegir, Herr der Fluthen", „Seerose", verziert durch Amoretten, Fische, Libellen und pflanzliche Gebilde machen einen recht wirkungsvollen Eindruck. — Nicht minder erregen die um die Staatspreise eingelieferten Darstellungen das Wohlgefallen der Beschauer im höchsten Grade. In erster Linie seien die von Damenhand entworfenen 3 Muster für einen Thürbehang und die 7 Entwürfe, welche als Vorbilder für eine Kissenstickerei gedacht sind, genannt. Von den ersteren wurde das mit dem Kenn-
* Sprechstunde des Gewerberaths. Der Königl. Gewerberath Scheibel zu Fulda wird am Mittwoch den 27. d. Mts., von 6*/i—8 Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
< Verkehrsstörung. Die neuerbaute Fernsprechleitung Frankfurt a. M.—München wurde vorgestern zwischen Seligenstadt und Stockstadt a. M. auf eigenthümliche Weise zerstört. Auf der Höhe von Mainflingen waren Arbeiter am Waldessaume, an dem die Leitung hinzieht, mit dem Fällen einer starken Tanne beschäftigt, die infolge des herrschenden Windes beim Niederstürzen die Leitung traf, den 9 mm dicken Leitungs-Kupferdraht durchriß, zwei Leitungsstangen auf die Seite schob und die eisernen Jsolatorenträger verbog. Der Fernsprechverkehr erlitt eine längere Unterbrechung, bis der im Telephonbau bewanderte Postunterbeamte Norbig aus Seligenstadt die empfindliche Beschädigung einigermaßen reparirt hatte.
G Zählung der Reisenden. In den Tagen vom 28. November bis 7. Dezember werden auf Anordnung der Kgl. Eisenbahndirektion die Reisenden in bestimmten Zügen der Strecke Bebra—Frankfurt gezählt. Auf der Strecke Hanau- Ost—Frankfurt-Ost werden dagegen die Reisenden sämmtlicher Züge gezählt. Entgegen den früheren Zählungen, welche sich nur auf die Gesammtzahl der Reisenden erstreckte, werden dieses Mal die Reisenden bei Beginn des Zuges gezählt und der Ab- und Zugang auf den einzelnen Stationen festgestellt, so daß ein ganz genauer Nachweis über die Besetzung der Züge zwischen den einzelnen Stationen erbracht werden wird.
* Stadttheater. (Wochenspielplan.) Dienstag: Volksvorstellung „Die Jugend", Liebesdrama von Max Halbe; Mittwoch: Gastspiel Rodins, „Wilhelm Tell" (Attinghausen Dir. Opp mar); Freitag: „Hopfenraths Erben", Volksstück mit Gesang von Wilken; Sonntag: „Der Königsleutnant," Lustspiel in 4 Aufzügen von Gutzkow. (Thorane Dir. Jaritz).
* Kunstindustrie-Verein. Am nächsten Donnerstag den 28. November spricht Frau Dr. Pohl aus Baden-Baden, die Gattin des bekannten verstorbenen Musikschriftstellers Richard Pohl, über „RichardWagner, sein Festspielhaus und die Parsifalfr age".
A Vortrag im Stadtschlotz. Im Saale des hiesigen Stadtschlosses behandelte am Samstag Abend von 6 Uhr ab Herr Oberrealschuldirektor Dr. Schmidt vor einer ansehnlichen Versammlung, bestehend aus Angehörigen der hiesigen Künstler- und Lehrerschaft, in äußerst ansprechender Weise einen Theil des die Schulwelt, ben Künstlerstand und alle Freunde der Jugenderziehung in gleichem Maße interessirenden Themas: „Die Bedeutung der Kunst für die Erziehung", indem er sich über „Uebungen in der Betrachtung von Kunstwerken" eingehend verbreitete. Eingangs betonte der Herr
wort: „Wasser" bezeichnete Flächengemälde, das in wohlthuender Farbenwirkung und vornehm gehaltener Linienführung auf dunkelgrünem Grunde hellgrüne Blätter und karminrothe Blüthen einer Sumpfpflanze in Erscheinung treten läßt, mit einem Preise von 30 Mark gewerthet. Aus der Reihe der Kissenstickerei-Muster erhielt die Verfertigerin der mit dem Motto: „Pech" versehenen Zeichnung, die in gefälliger Zusammenwirkung der Farben: Grau, Violett, Grün und Gelb die Stengel, Blätter und Blüthen der Primel in modernen Linienwindungen zur Darstellung bringt, einen Preis von 20 Mark; außerdem wurden 2 weitere recht geschmackvoll durchgeführte Entwürfe dieser Art, in denen die pflanzlichen Gebilde: Türkenbund und Eberesche zur dekorativen Füllung auftreten, mit einer Belobigung bezw. Prämie ausgezeichnet. Von den 6 Entwürfen für ein silbernes Kaffeesevice wurden die Zeichner der mit den Kennzeichen: „Da bin ich" und „Dreiblatt" versehenen mit einem Preis von je 50 Mark belohnt. Hinsichtlich der Formengebung, die im Jugendstil gehalten ist, eine leichte Bearbeitung des Materials zuläßt und dem handlichen Gebrauch sehr entgegenkommt und bezüglich der einfach, aber vornehm wirkenden Verzierungsgebilde verdienen diese eben eine solche Werthschätzung. Die 7 Zeichnungen zu einem Handleuchter oder Kerzenhalter zeigen ebenfalls recht befriedigende Lösungen, sowohl betreffs des Ausbaues, als auch der Dekorirung. Die durch die Merkmale: „Sonnenblume", Dreiblatt, „Hortense" bezeichneten Entwürfe wurden prämiirt. Die übrigen malerischen Darstellungen zeigen Vorbilder für Arbeiten der Goldschmiedekunst. Acht Entwürfe stellen ein Halsgeschmeide und Knöpfe dar und 5 Darbietungen führen eine Gürtelschnalle in künstlerischer Durchführung vor Augen. Durch eine treffliche Farbengebung, welche das zur Verwendung kommende Material: Gold, Emaille, Perlen deutlich erkennen läßt, und einen zierlichen Formenreichthum erregen auch diese Entwürfe das Gefallen des Beschauers. Aus der Gruppe dieser Schmuckvorbilder wurden die durch die Worte: „Ahorn," „Natur" „Veritas" und „Begonie" kennt-
Vortragende, daß die bisherige Schulbildung vorzugsweise alles Heil in der Aneignung von Wissensstoffen erblickt und damit dem kindlichen Geiste eine oft allzu schwere Bürde auferlegt habe. Da die Geschmackskultur, die zur harmonischen Ausbildung der Seelenkräfte des Menschen gehört, durch die übertriebene Betonung der Verstandesbildung und der Gedächtnißdressur oft ganz und gar vernachlässigt worden sei, habe sich die Pädagogik einer schweren Unterlassungssünde schuldig gemacht. Es sei darum mit Freuden zu begrüßen, daß die Erzieherwelt jetzt von einer Strömung ergriffen sei, die darauf hinzielt, dem Bedürfniß des Menschen nach künstlerischen oder ästhetischen Genüssen durch eine mehr künstlerische Jugendbildung Rechnung zu tragen, um damit zugleich für die Erhaltung und Kräftigung unserer Nationalität das zu leisten, was unbedingt nöthig ist. Nachdem der Herr Referent den Begriff „ästhetisch" im Sinne der künstlerischen Jugenderziehung durch die ewig denkwürdigen Worte des großen deutschen Dichterfürsten Schiller erklärt hatte, welche Letzterer in seinen wunderbaren „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen" niedergelegt hat, kennzeichnete er die hohen Verdienste Professor Lichtwarks, des Direktors der Hamburger Kunsthalle, welche sich dieser als einstiger Lehrer und derzeitiger Führer der „Lehrervereinigung für die Pflege der künstlerischen Bildung der Jugend" erworben hat. Im weiteren Verlaufe führte Redner aus, daß nicht das Ziel einer innigeren Pflege des SLönheits- und Kunstsinnes sein könne, Künstler oder Kunstkritiker heranzubilden, sondern die Jugend müsse vielmehr zu künstlerischer Empfänglichkeit erzogen werden. Letzteres werde aber nicht etwa durch einen kunstgeschichtlichen Unterricht, sondern durch eine dem Kindesgeiste angepasste Betrachtung von Kunstwerken erreicht, die vorzugsweise aus dem Kunstgebiete der Malerei zu entnehmen seien, weil solche das kindliche Gemüth am besten zum Nachempfinden der edlen Gedanken zwingen, die hochgebildete Menschen gedacht und dargestellt haben. Angesichts einer vortrefflichen Nachbildung des Gemäldes: „Der verlorene Sohn" von Vautier, die von der hiesigen Kunsthandlung Claus & Feddersen neben einer Anzahl wohlgelungener Künstlersteinzeichnungen aus dem Voigtländer- Teubner'schen Verlag in Leipzig zur Jllustrirung des Vortrages in dankenswerther Weise zur Verfügung gestellt worden waren, zeigte der Herr Vortragende, wie Professor Lichtwark die Uebungen in der Betrachtung von Kunstwerken mit der Oberklasse einer Hamburger Mädchenschule vorgenommen und von deren Durchführbarkeit sich Redner selbst in einer Klasse seiner Anstalt überzeugt habe. Nachdem der Herr Vortragende allen Erschienenen für die bekundete Theilnahme seinen Dank ausgesprochen hatte, schloß er mit dem Wunsche, daß die Ausführungen eine Anregung zur Belebung des Unterrichtes im Interesse der künstlerischen Erziehung der Jugend gegeben
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lich gemachten mit Preisen von 40, 25, 20 und 15 Mark ausgezeichnet. — Sämmtliche Arbeiten zeigen recht deutlich, daß die Schüler mit Kunstverftändniß ihre Aufgabe aufgefaßt und mit individuellem Kunstgeschick gelöst haben. Es ist dies ein redender Beweis für die gediegene künstlerische Schulung, welche die Kunstschüler der hiesigen Zeichenakademie durch den Leiter und die Lehrer der Anstalt erfahren.
Kunst und Leben.
* Stadttheater in Hanau. G. Giacosa's dreiaktiges Schauspiel „Sündige Liebe" ging gestern Abend bei ausoerkauftem Hause als Novität dahier über die Bretter. Auf die Handlung näher einzugehen, wollen wir unterlassen, doch kann konstatirt werden, daß das packende Liebesdrama, dank einer vorzüglich zu nennenden Darstellung, sich eines angemessenen Beifalls zu erfreuen hatte. ' Eine lebenswahre Figur stellte Herr Rodins als Advokat Scarli auf die Bühne, ihm ebenbürtig zur Seite stand Frl. B r a n d 0 w, als „Emma", seine Frau. Auch die Rolle des Grafen Arsieri fand in Herrn Möbius, der zugleich die Regie führte, entsprechende Vertretung. Herr Schwarz als Fabricius und Herr Retzbach als „Gerichtsassessor Ranetti" befriedigten gleichfalls.
Die Fortsetzung von Bismarcks Gedanken und Erinnerungen in zwei Bänden wird einer Mittheilung der Münchener „Allg. Ztg." zufolge noch vor Weihnachten erscheinen; sie wird also für Viele ein sehr willkommenes Weihnachtsgeschenk werden.
Pestgefahr. Die Aerztekammer der Provinz Brandenburg-Berlin beschäftigte sich mit der Pestgefahr und beschloß, in Erwägung, daß die Pestleichen geeignet sind, die Pest zu verbreiten, den Oberpräsidenten zu ersuchen, bei der Staatsregierung dahin wirken zu wollen, daß die Vernichtung der Pestleichen durch Feuer gestattet werde.