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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Aiutlilhts Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscbeiut täglich mit 'M uâ nähme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G Schrecker in Hanam
Sr. 95
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Mittwoch den 24. April
Bezirks-Ferusprechanschlnß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Stadtkreis Ban au. Ausschreiben.
Am 19. d. Mts. dahier gestohlen ein Adlerfahrrad
mit der Fabrik-Nr. 132128 im Werthe von 100 Mark.
Das Fahrrad hat schwarzen Rahmenbau, gerade Lenkstange, Pneumatikreifen und war mit einer dreieckigen Satteltasche und Acetylenlaterne versehen, auf dem Hinteren Schutzbleche befand sich die Zahl „4" mit weißer Schrift.
Als Thäter kommt ein junger Mensch im Alter von 19 bis 21 Jahren in Betracht, der wie folgt beschrieben wird: l,65-^-l,67 m groß, hat schmales, blasses Gesicht, Anflug von Hellem Schnurrbart, trägt dunklen Sackrock, Helle Hose, schwarzen,
weichen Filzhut und macht den Eindruck eines Maurers.
Um Nachforschungen nach dem gestohlenen Fahrrade dem Thäter, Festnahme des Letzteren im Betretungsfalle telegraphische Nachricht hierher wird ersucht.
und und
Das Ausschreiben vom 26. Januar d. I., J.-Nr. P 834/01, betreffend den angeblichen Thierarzt Weber aus Aschaffenburg, ist erledigt. Als Thäter ist der am 7. Oktober 1850 zu Hemmersbach, Bezirksamt Uffenheim, geb. Koch und Konditor Andreas Schürer ermittelt und in Frankfurt a. M. zur Haft gebracht worden.
Hanau den 20. April 1901. J.-Nr. P 3387/01 Königliche Polizei-Direktion.
Gefulldciic und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 kleines Päckchen mit rothbraunem Sammet und einem Theil für Hutaufputz. 1 Nickeluhr.
Zug elau f en: 1 junger, weißer Hund mit schwarzen Flecken. 1 schwarzer Bastard mit gelben Abzeichen.
Vom Wasenmeister am 23. d. Mts. eingefang en: 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust; 1 hellgrauer Pinscher (kupirt), beide m. Geschl.
Hanau den 24. April 1901.
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Hus Stadt und Cand.
Hanau, 24. April.
P. A. 25. Mittelrhein. Jubiläums-Kr-isturn- fest in Offenbach a. M. Vergangene Woche wurde durch die Bauficma Hch. Korb-Offenbach mit der Errichtung der Baulichkeiten für das im Juli stattfindende Turnfest begonnen. Die große Festhalle einschließlich der inneren Ausschmückung wird ca. 50 000 Mark kosten. Gleichzeitig wurde auch mit dem Bau einer Kantine begonnen, die in den nächsten Tagen
Feuilleton
III. Hbonnements-Konzert des
Oratorienvereins.
Hanau, 24. April.
Als Novität brachte uns der Oratorienverein in seinem Hl. Abonnements-Konzert Franz Liszts Oratorium: „Legende von der heiligen Elisabeth", Dichtung von Otto Roquette. Der Oratorienverein bat mit der Aufführung dieses schwierigen • und bedeutsamen Werkes eine Aufgabe gelöst, die hohe Achtung und reiche Anerkennung verdient. ,
Da über die Bedeutung eines Werkes, wie das m Rede stehende, bei zusammenhängender Wiedergabe leicht Mißverständnisse und falsche Auffassungen Platz greifen können, hat der Dirigent des Vereins, Herr Dr. F. Limbert — wie es überdies bei jeder größeren Tonschöpfung geschehen ist^ — über Liszts Oratorium Erläuterungen nach Form und Inhalt in unserem Blatte (Nr. 90) vorausgeschickt, damit der Zuhörer, soweit es durch das Wort möglich ist, einigermaßen Klarheit erlangen bezw. sich verschaffen konnte. Ein näheres Eingehen auf diese Komposition würde eine Wiederholung bedeuten, weshalb wir davon absehen können. .
Der geniale Meister Liszt hat eben — und das ser zur Wiederholung gesagt - in fraglichem Oratorium ein großes musikalisches Kunstgebilde geschaffen und die dabei verwendeten Leitmotive die er theils aus alten liturgischen Gesängen, theils dem ' Gebiet des Volksgesangs entlehnt hat, in den Soli, Chören und im Orchester in geschickter Weise verwendet, wodurch er die große Geschicklichkeit in der Verarbeitung der Motive meisterlich erkennen läßt. Dem aufmerk,anwn Hörer wird gewiß auch nicht entgangen sem daß dem Werke dramatische Gewalt innewohnt, d>e in mächtigen tonen Ansdruck fand- er hat sich aber auch überzeugen können, rote es Franz Li-rt verstanden hat, die zartesten Töne der tiefsten Empfindung
at die zartesten Tone der tiefsten tgmpfinoung meoe zur ycimuiy . w^i dies in reizvollen Bildern zu Gehör zu bringen. | ich so gerne deine Berge.
anzuschlagen, um
in Betrieb genommen werden soll. Von Seiten des Empfangs- Ausschusses sind an die verschiedenen Eisenbahnverwaltungen Anfragen ergangen behufs Einlegung von Extrazügen direkt nach und von Offenbach a. M. unter Umgehung des Frankfurter Hauptbahnhofs, wie auch um Fahrpreisermäßigung und Verlängerung der Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarten.
* Spielkurstts. Auf Veranlassung des Zentral-Aus- schusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele in Deutschland werden in diesem Sommer zwei Kurse für die Erlernung der Volks- und Jugendspiele in Frankfurt a. M. abgehalten und zwar a. für Lehrer vom 17. bis 25. Mai, b. für Lehrerinnen vom 23. bis 31. August. Die Kurse sind unentgeltlich. Anmeldungen sind an Turninspektor Weidenbusch- Frankfurt a. M. zu richten.
* Opern-Cnfemble. Heute Mittwoch gelangt Zeller's „Vogelhändler" zur einmaligen Aufführung. In Bad Kissingen unter Dir. Otto Reimann wurde der „Vogel- händler" laut Repertoir in den 3 Jahren seiner Direkrions- führung 132 Mal gegeben, somit durchschnittlich jede Saison 44 Mal. Diese Ziffern sprechen wohl ein beredtes Zeugniß über die Beliebtheit und Zugkräftigkeit der Operette. Seine Kaiserl. Hoheit Großfürst Michael beehrte die Vorstellung „Vogelhändler" während seines wöchentlichen Aufenthaltes 5 Mal und wünschte sich als letzte Vorstellung abermals diese Operette, ein Beweis, wie sehr diese Operette auch den russischen Gästen gefiel. Als Zeichen seiner Anerkennung wurde Herr Dir. Otto Reimann in die Loge besohlen und erhielt persönlich von Sr. Kaiserl. Hoheit eine prachtvolle Brillant- Busennadel mit dem Namenszug des Großfürsten, nebst Worten des höchsten Lobes über die Aufführung der Operette. Die Hauptparthien liegen wie in Bissingen in den Händen der Damen Eilers und Fiedler sowie der Herren Hunold, Fren kl und Mayers. Jedenfalls ist dem „Vogelhändler" auch hier der Erfolg sicher, — Donnerstag den 25. April gelangt Verdi's „Rigoletts" zur einmaligen Aufführung. Die Titelparthie singt Herr Ci an da. Wir kommen in unserer nächsten Nummer darauf zurück.
* Guter Fang. Mit dem Personenzuge 6 Uhr 30 Min. kamen heute ■Diorgen am Westbahnhofe zwei Männer an, die sich in dem betreffenden Wagenabtheil etwas verdächtig benommen und durch Kleidertausch die Aufmerksamkeit zweier Passagiere erregt hatten, welch Letztere dann beim Einlaufen des Zuges dem Bahnhofsvorsteher Mittheilung machten. Die benachrichtigte Schutzmannschaft nahm die beiden Passagiere fest und machte dabei, wie sich später ergab, einen recht guten Fang. Die beiden Individuen trugen eine Anzahl Uhren, Uhrketten und andere Werthstücke, sowie neue Stieseln bei sich. Diese Sachen rührten von einem Einbruchsdiebstahl her, den die Beiden in verflossener Nacht bei einem Rückkaufs
Letztere haben einen lebensvollen, bis ins Einzelne gehenden | charakteristischen musikalischen Ausdruck gefunden.
DieJnstrnmentation ist bei den begleitenden Figuren der Sologesänge und Chöre, sowie da, wo die Situation kräftiger gemalt wird, von phänomenaler Wirkung.
Der Oratorium-Verein löste seine Aufgabe sehr zufriedenstellend. Die Männerchöre, namentlich die Chöre der Kreuzfahrer, waren rythmisch sicher und prägnant. Auch die Damenchöre waren von klanglicher Schönheit. Besonders gelang der poetisch-schöne und duftige Kinderchor im ersten Bild ganz vorzüglich. Auch der Chor der Engel wurde gut sorgetragen und durch die Harmoniumbegleitung des Herrn J. Milbach auf's Beste unterstützt.
Die Parthie der „Elisabeth" sang Frl. Minna Weicker- Frankfurt a. M. Die keineswegs leichte Aufgabe wurde von der Sängerin gut gelöst. Schönes Stimmenmaterial, gute Schulung und warmer Vortrag vereinigten sich bei ihr zu einer höchst anerkennenswerthen Gesammtwirkung. Die Begegnung mit ihrem Gemahl, das holdselige Bild des Rosenwunders, das ergreifende „Klagelied" und „Gebet" im 5. Bild gelangen ganz vortrefflich.
Auch Frl. Z i n n o w - Frankfurt a. M. wußte sich mit ihrer Aufgabe ganz famos abzufinden, indem sie in dem temperamentvollen stimmlich guten Bortrag mit dramatischer Kraft die Hauptcharakterzüge Sophiens, Herrschsucht und Haß, gegen Elisabeth zum Ausdruck brachte. Der tiefe Schmerz Elisabeths machte keinen Eindruck auf Sophiens steinernes Herz. Mit Härte und Bestimmtheit eröffnet sie Elisabeth: „Du wirst verlassen dieses Schloß".______
Die Rolle des Landgrafen Ludwig, des Gemahls der hl.
Elisabeth, vertrat Herr M. O b e r d o r s f e r - Leipzig und erntete für die Wiedergabe seiner Parthie viel Anerkennung. Der Vortragende wußte seine Gesangs-Vorzüge, sympathischer Stimmklang und inniger Ausdruck, in's beste Licht zu stellen. Mit besonderer Schönheit war der tiefinnige Gesang von der Liebe zur Heimath: „Du mein Heimathgefild, wie durchstreif
Händler und Pfandsammler in der Trierischen Gasse zu Frankfurt a. M. verübt hatten. Nach vollbrachter That begaben sie sich an den Ostbahnhof daselbst, lösten ein Billet nach Hanau und fuhren mit dem Sechsuhrzuge nach hier, jedenfalls in der Absicht, die Werthstücke in baares Geld umzusetzen. Die beiden Einbrecher sind aus Würzburg, der eine ist der Schlosser Baumann, der andere der Schneider Engelhardt, und haben sich schon einige Zeit arbeitslos in Frankfurt aufgehalten. Das Geschäftslokal, in dem der Einbruch verübt wurde, liegt im 1. Stock.
* Ein Glaferlehrling aus Großkrotzenburg, der sich sinnlos betrunken hatte, fiel gestern Abend dahier bei Kochs Brauerei in den Stadtgraben und zog sich einige Verletzungen zu.
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. )( Aus dem Landkreise Hanan, 24. April. Im Landkreise bestehen 22 Trichinenschaubezirke mit 45 Trichinen- und Fleischbeschauern; untersucht wurden in 1900 15 897 Schweine (15 638 im Vorjahr). — Finnen wurden in einem Falle festgestellt.
J. Großauheim, 23. April. Aus Anlaß seines 29. Stiftungsfestes hatte der Gesangverein „Harmonie" am Sonntag Abend im Saale des Gasthauses „zum Stern" ein Konzert veranstaltet, das sich eines recht guten Besuches zu erfreuen hatte. Nach einem einleitenden Musikstücke wurde die kleine Feier mit dem Kreuzer'schen Chor: „Ich suche Dich", würdig eingeleitet. Sämmtliche Chöre wurden mustergiltig zu Gehör gebracht und auch beifällig ausgenommen; desgleichen fanden die Quartette: „Der verpante Kuku", „Mein Diandle ist sauber", beide von Koschat Und „'s Fensterle im Winter" von Brixner gebührende Anerkennung. Für den humoristischen Theil des Abends war ausgiebig Sorge getragen. Hübsche Kouplets, ein großartig wirkendes Duett: „Die beiden Riesenwickelkinder" (Kreymann), zwei äußerst komische Terzette: „Der Kegelabend" (Böhmer) und „Jägerlatein" sowie eine Ensemble- Szene : „Die fidelen Reiseonkels" brachten dem Publikum Abwechslung und Erheiterung. Alle Theilnehmer waren mit den Darbietungen sichtlich befriedigt. Nach Abwickelung des reichhaltigen Programms beschloß ein Tänzchen die Veranstaltung.
O NÜÄènge«, 23. April. Zum allgemeinen Bedauern der Einwohnerschaft sah sich der bisherige Beigeordnete Herr Landwirth Wilhelm R ü f e r vor Kurzem genöthigt, infolge anhaltender Krankheit sein Amt niederzulegen. Nur ungern verlieren wir in demselben einen umsichtigen, pflichttreuen und streng unparteiisch denkenden Gemeindevertreter. Bei der aus diesem Grunde heute vorgenommenen Neuwahl wurde mit Stimmenmehrheit der Landwirth Herr Heinrich Schadt III. von hier als Beigeordneter der Gemeinde gewählt.
Herr F. W a ß m u t h fand sich durch seinen markigen Vortrag mit seinen Rollen des Landgrafen Herrmann und Kaisers Friedrich II. gut ab. In dem edlen melodischen Gesänge übernimmt der Landgraf seine Fürsorge für Elisabeth, was Herrn W. durch seine gute Vortragsweise vortrefflich gelang.
Den feierlichen Ernst, den der ungarische Magnat bei der Uebergäbe Elisabethens vor dem Fürsten bewahrt und sie dessen Fürsorge anverlraut, wußte Herr .Albert Bauer recht gut zur Geltung zu bringen. „Es lebe lang und leb' in Ehren, dies theure Pfand aus Angarland" ist der Wunsch des ungarischen Magnaten, das durch ein echt ungarisches Motiv zur Geltung kommt und dem Herr Bauer volle Gerechtigkeit im Vortrag widerfahren ließ.
Eine schwere Aufgabe fällt wohl dem Orchester zu, einmal wegen der technischen Schwierigkeiten, zum anderen wegen der anstrengenden und dauernden Arbeit bei Aufführung des genialen Werkes, das die Mitwirkenden nicht zur Ruhe kommen läßt. Darum doppelte Anerkennung und Dank für das flotte, exakte Zusammenspiel.
Wenn wir zum Schluß noch die Frage erwägen, wie war es möglich, einem so großartigen und schwierigen Werke zu einer so respektablen Aufführung zu verhelfen, so resumiren wir: Es war die willige Hingabe eines gut geschulten stimmbegabten Chores, b*ie Arbeitsfreudigkeit und Gediegenheit eines Orchesters, die vortrefflichen Leistungen der Solisten und die mühevolle und anstrengende mit Intelligenz und straffer Willenskraft gepaarte musikalische Leitung des Herrn Dr. L im be r t, dem, wahrlich nicht zuletzt, Dank und Anerkennung in hohem Maße hiermit entgegengebracht sei.
3um Schluß noch einmal eine schon oft von uns angeregt? Sache: Mögen die sangeslustigen und stimmlich bean- lagten Damen und Herren unserer Vaterstadt dem Oratorienverein erhöhtes Interesse zuwenden, damit auch in Zukunft uns solche Kunstschätze geboten werden können, die man ohne den Oratorienverein, der seine Kraft stets in den Dienst einer edlen Kunst stellt, entbehren müßte.
Die heutige R«M«»«r »«fatzt autz«r dem ««terhâmMlatt 10 Sette«.