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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

ARtlilhes Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

Nr. 273. BezirkS-ffcrnsprechanschwß Nr. 98.

Freitag den 22. November.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

1901

El

Amtliches.

Candkräs Öanau.

Bekanntmachungen des König!. Landrathsamtes.

Bei einem von dem Metzger Friedrich Gottlieb in Langenselbold am 18. d.' Mts. geschlachteten Schweine, welches derselbe von dem Landwirth Wilhelm Vetz II daselbst gekauft hat, ist die Noihlaufseuche amtlich fest­gestellt worden.

Ueber das Betz'sche Gehöft wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 22. November 1901.

Der Königliche Landrath.

V 12517 v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarzer weicher Filzhüt. 1 Hausbrief­kasten. 1 goldener Damenring mit reibent Stein. Im sterbt Aas- und Wasserwerk 1 Herrenschirm stehen geblieben; Empfangnahme daselbst. 1 Sack mit einem kleinen Laib Brod. 1 Bild, die Enthüllungsfeier des Grimmdenkmals darstellend.

Verloren: 1 goldene Vorstecknadel mit rothem Stein und mit Perlen besetzt.

Hanau den 22. November 1901.

. Hus Stadt und Cand.

Hätt au, 22. Novbr.

* Wahlresultai. Das Resultat der Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung in der 3. Wahlabtheilung haben wir bereits gestern Abend kurz nach Schluß des Wahl­aktes bekannt gegeben. Obwohl die beiden ersten Wahltage der sozialdemokratischen Liste einen großen Vorsprung brachten, schien es doch, als ob der dritte Wahltag infolge der regeren Betheiligung der bürgerlichen Wähler noch ein günstiges Resultat für die bürgerliche Liste bringen w:rde. Der Vor­sprung, den die sozialistische Liste gewonnen hatte, konnte aber nicht mehr eingeholt werden und so schloß der Wahlakt mit einem Siege der Sozialdemokraten. Für die bürgerlichen Kandidaten waren etwa 1050, für die sozialdemokratischen etwa 1190 Stimmen abgegeben worden, bei dem Vorhanden­sein von 4276 Wahlberechtigten ein schwaches Resultat der Wahlbetheiligung, nur 50 pCt. der Wähler halten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Nach uns gewordenen Mitthei­lungen herrschte bei den Wahlberechtigten der 3. Abtheilung vielfach Mißstimmung darüber, daß das znsammengetretene Wahlkomitee es unterlassen hatte, der Wählerschaft geeignete Personen aus der 3. Klasse selbst vorzuschlagen, andererseits schien es auch, als ob der Wahlbewegung der sonst gewohnte frische Zug fehlte, beides immerhin beachtenswerthe Zeichen, die jedenfalls nicht unwesentlich das Wahlresultat zu beein­flussen in der Lage waren. Durch das gestrige Wahlresultat ziehen die ersten Sozialdemokraten in Stärke von 4 Mann vorläufig auf die Dauer von sechs Jahren in unser Stadt­parlament ein.

* Sountagskarterr nach Frankfurt a. M. Der Vertreter der Handelskammer im Bezirkseisenbahnrathe hat den Antrag gestellt, der Bezirkseisenbahnrath wolle beschließen, die kgl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. zu ersuchen, bei dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten zu befürworten, daß die seit dem 1. Oktober d. Js. eingezogenen Sonnlags­karlen nach Frankfurt a. M. wiederaufgelegt werden. Zur Begründung ist, laut Mittheilung der Handelskammer, auS- gesührt worden:Die Relation nach Frankfurt a. M. Ost­bahnhof und Hauptbahnhof hat für sämmtliche Plätze besondere Bedeutung infolge des Umstandes, daß Frankfurt a. M. bei einer großen Anzahl von Ausflügen die Zwischenstation bildet; es handelt sich hierbei um die Möglichkeit, die reichliche An­zahl von Sonntagskarten, die daselbst aufliegen, zu Ausflügen zu benutzen, u. a. an den Rhein, in den Taunus, den Spessart, den Odenwald. Ferner werden Sonntagskarten vielfach in der Weise benutzt, daß man auf einer Zwifchenstation bei der Fahrt nach Frankfurt a. M. aussteigt, um hierher zu Fuß über die umliegenden Höhen zu gehen und auf die Sonntags­karte von Frankfurt a. Mi die Rückfahrt zu machen; was Hanau anbetrifft, so kommen z. B. die Ausflüge in Betracht: von Mainkur oder Offenbach a. M. über die Goetheruhe, von Hochstadt-Dörnigheim oder Mainkur über Bergen oder Vilbel mit Endpunkt Frankfurt a. M.; dies sind allgemein sehr be­liebte Touren, welche zu machen besondere Anregung durch die Sonntagskarten geboten wurde. Hierbei war gerade dem weniger bemittelten Publikum, das Sonntags seine Erholung suchen muß, besonders Rechnung getragen; an der Verlängerung der Giltigkeitsdauer für Rückfahrkarten hat dieses Publikum nur geringes Interesse, daher es von ihm als eine große Härte

empfunden wird, daß durch Aufhebung der Sonntagskarten nach Frankfurt a. M. jetzt völlig andere Verhältnisse geschaffen worden sind. Für die sonst betheiligten Plätze liegen gewiß vielfach ganz gleiche Umstände vor. Auch in wirthschaftlicher Beziehung wird es von den Orten, die, so lange die Sonn­tagskarten nach Frankfurt a. M. auflagen, von den jenseits dieser Stadt gelegenen Plätzen stark besucht wurden, sehr schwer empfunden werden, daß ihnen ein Theil dieser Frequenz ent­zogen werden wirb. Darin beruht ein Beurtheilungsmoment, das gewiß ebenfalls alle Beachtung verdient. Es werden erhebliche Verkehrsverschiebungen eintreten, die vielen Plätzen zu großer Schädigung gereichen werden." Schließlich ist be­merkt worden, daß solche Verkehrsverschiebungen auch zu Un­zuträglichkeiten für die Bahnverwaltung führen würden, z. B. durch Ueberlastung der Strecke Hanau-Aschaffenburg.

* Stadt - Theater.Sündige Liebe." Gastspiel Rodins. Zu den bühnengewandtesten modernen Autoren Ita­liens gehört Giacosa, der Verfasser des am Sonntag zur Darstellung gelangenden spannenden SchauspielsSündige Liebe." Die Ausdrucksfähigkeit seiner Sprache, sowie die Schärfe seiner Charakteristik, verbunden mit seltener Handlungs- Gestaltung, haben dem Dichter auch bei uns in Deutschland einen berühmten Namen geschaffen. Heute Abend findet die Wiederholung des effektvollen DramasDie rothe Robe" statt, das sich auch hier als zugkräftige Novität erweist.

* Menschenauftauf. Durch falsche Gerüchte entstand gestern Mittag an der französischen Allee ein großer Menschen­auflauf. Bei einer dort wohnenden Familie, die im Verdacht stand, sich der Entziehung einer minderjährigen Person aus der elterlichen Gewalt schuldig gemacht zu haben, wurde eine Durchsuchung vorgenommen, die, obwohl sehr vorsichtig arran- girt, jedenfalls bemerkt worden war und durch Weitersprechen von Mund zu Mund und Kolportirung falscher Gerüchte jenen Auflauf zur Folge hatte. Die Durchsuchung war ergebnißlos. Es handelte sich um einen ehemaligen jungen Akademieschüler, der früher hier wohnhaft war und sich am Sonntag von Köln entfernte. . Sein hiervon benachrichtigter Vater verfolgte die Spur seines Sohnes, die von Köln nach Frankfurt und von dort nach Hanau führte. Der junge Mann soll angeblich geistesschwach sein.

* Wirthschaftswechsel. Seit dem 16. November hat die Wirthschaftzum Nordend" wieder Herr Melchior Röder übernommen. Der seitherige Pächter, Herr Centn er, über­nahm vom gleichen Tage ab die Wirthschaftzum Bern- hardscck."

* Immobilien. Das Anwesen Bruchköblerlandstraße Nr. 1 ging zum Preise von 36,000 Mk. an Herrn Metzger Schl in gl off über.

* *

W. Großauheim, 21. Novbr. (Evangelische Gemeinde.) Der gestrige Buß-, Bet- und Danktag gab den Mitgliedern der evangelischen Gemeinde Veranlassung zu einem a u ß e r- gewöhnlich zahlreichen Besuch des Belsaales. Ist derselbe auch bei jedem Gottesdienste gut besucht, so genügten gestern die zahlreichen Sitzplätze nicht, und mußten weitere beschafft werden. Es war eine erhebende Feier, zu der außer den vorgeschriebenen Gesängen, durch den unter Leitung des Herrn Lehrer H o f m a n n stehenden ev. Kirchengesangvercin, noch zwei für den hohen Feiertag geeignete eingelegt wurden. Vor der Predigt trug derselbe in anerkennens- werthester Weise vierstimmig den ChoralAch Golt und Herr, wie groß und schwer rc." und nach der zum Herzen dringen­den Predigt, mit welcher Herr Pfarrer Heck zugleich er­greifende Abschiedsworte und Ermahnungen an die Gemeinde richtete, darin betonend, für was dieselbe alles Gott zu danken habe, sodaß viele der andächtigen Zuhörer zu Thränen ge­rührt wurden, eine Motette über die Psolmstelle:Kommt, laßt uns beten und knieen vor dem Herrn ec." (diese mit dem gemischten Kinderchor gut einstudirt und zu Gehör gebracht) vor. Herr Pfarrer H e ck darf die Versicherung mitnehmen, daß ihm die ev. Gemeinde zu Großauheim ein treues Ge­denken bewahren wird und ihm von Herzen wünscht, daß ihn der Herr auch für die Folge ebenso segensreich wirken lassen möge wie hier. Seit voriger Woche hat der innerlich so würdig ausgestattete Betsaal ein kleines Thürmchen erhalten, welches demselben ein seinen Zwecken entsprechenderes Aussehen gibt und infolgedessen das darin aufgehängte Glöckchen auch entschieden besser seinen Ruf zum Gottesdienste hören läßt wie früher.

^ Bruchköbel, 19. Novbr. Am verflossenen Sonntag war es uns vergönnt hier einen überaus herrlichen Abend zu verleben. Auf Veranlassung des Krieger- und Militärvereins hielt Herr Lehrer Fritz S chl euche r -Langenselbold im Baumann'schen Saale einen Vortrag über das anziehende Thema:Die Schlacht bei Hanau". Zur festgesetzten Stunde füllte sich der Saal bis zum" letzten Plätzchen mit einer außer­

ordentlich zahlreichen Zuhörerschaft. Jung und Alt war ge­kommen, um den Ausführungen des beliebten Redners, des Sängers der schönen Lieder und Sagen aus dem heimathlichen Main- und Kinzigthal, zu lauschen; viele mußten sich mit einem bescheidenen Stehplätzchen in der Thürnähe begnügen. Mit außerordentlichem, anhaltendem Interesse folgten die An­wesenden dem herrlichen Vortrag, der gegen 7'/- Uhr nach einem Kaiserhoch und dem vom Gesangverein üorgetragenen Chore:Dir möcht' ich diese Lieder weihen", seinen Anfang nahm. Herr Schleucher schilderte zunächst mit kurzen Worten die Verhältnisse jener Zeit, in der die Macht Napoleon I. auf ihrem Höhepunkte stand, erinnerte an den schmachvollen Unter­gang der französischen Armee auf den Schneegefilden Ruß­lands und leitete dann durch den Vortrag eines selbstverfaßten herrlichen Gedichtes über zur Schilderung des Rückzuges Napo­leons (vom Volke genanntDie Netirad" oderDie Pliune­ring") und der Schlacht bei Hanau. Länger als eine Stunde sprach der Redner in überaus fesselnder Weise, seine Aus­führungen öfter würzend durch prächtige poetische Einlagen, die sowohl die furchtbare Noth des Krieges als auch die ge­waltige Tapferkeit des treuen Wrede und seiner furchtlosen Bayern den Hörern in packender Weise ausmalten. Freudig leuchteten ost die Augen in patriotischem Gefühle auf, beson­ders bei der Schilderung der echt deutschen, unbebingten Pflichterfüllung, wie sie die Verbündeten, vor Allem ihr helden- müthiger Führer zeigten, die auch dann noch muthig ausharrten, als sie mit deutlicher Gewißheit erkannten, daß sie nicht mit schwachen, französischen Heerhaufen, sondern mit dem gewaltigen, auf Leipzigs Ebene so schwer verwundeten Leuen selbst zu kämpfen hatten. Wohl waren cs geschichtliche, aus sicheren Quellen geschöpfte Thatsachen, die vorgetragen wurden, doch geichah das nicht in trockener, ermüdender Weise, sondern mit sriichen, aumutbigenden Worten das Ganze übergossen von poetischem Hauche und getragen vom Geiste echter Liebe zur deutschen Heimath und zum deutschen Volksthum. Brausender Beifall lohnte den Redner, als er eine Pause eintreten ließ, die von den Sängern wieder durch den Vortrag einiger herr­lichen Chöre ausgefüllt wurde. Sodann entsprach Herr Schleucher dem einmüthigen Verlangen aller Anwesenden und brachte den letzten Theil seiner Arbeit:Die Aufzeich­nungen über die Erlebnisse des Johannes Ruth I. aus Langendiebach", welcher am 30. unb 31. Oktober 1813 Na­poleons Begleiter und Wegweiser war, zum Vortrag. Gegen 10 Uhr fand dann Schluß der Versammlung statt, und freudig bewegt, gestärkt in der Liebe zu Heimath und Vaterland ver­ließ er den Saal. Möchten auch die übrigen Kriegervereine der näheren Umgebung es nicht versäumen, ihren Mitgliedern und sonstigen Freunden in ähnlicher Weise an den nun kom­menden Winterabenden solche Stunden reichen Genusses zu bieten. Sicher ist Herr Schleucher bereit, von dieser Seite geäußerten Wünschen zu entsprechen und auch anderswo seine Kraft in den Dienst der guten Sache zu stellen.

HKKÄMN UerKinsuachrichten

für Freitag den 22 November.

Stadttheater in Hanau: »Die rothe Robe", Schauspiel in 4 Akten von Eugöne Brieux; Anfang 7 Uhr.

Evang. Männer- und Jünglingsverein: Unterhaltungsabend (Evanf. Vereinshaus).

Merkes'scher Stenographen-Verein: Fortbildungskursus im Restaurant »zur Sonne".

Turn- u. Fechtklub : Turnen.

Klub derHarmlosen": Gemüthliche Zusammenkunft imFrankfurter Bau".

BicycleklubHannovia": Klubabend in dergoldenen Gerste". Männerabtheilung der Turngemeinde - Turnen.

Verein für Homöopatbie und Naturheilkunde: Vereinsabend in der goldenen Gerste".

Hanauer Schützenverein: Abends 9 Uhr: Zimmerstutzenschießen.

Radfahrerverein Hanauer Radsport 1895: Vereinsabend imRestaurant zum Karpfen", Rosenstraße.

AthletenkluöGermania": Riegenstemmen und Ringen der 1., 2. unb 3. Klasse (Restauration Wagenbach, Paradeplatz).

GesellschaftScharfes Eck": Vereinsabend.

Stemm- u. Ring-KlubEiche": Abends von 910 Uhr: Ehrenpreis­stemmen, Don 1011 Ringen (RestaurationWiener Spiße".

Nersteigemngs- etc. Kalender

nir Samstag den 23. November.

Vormittags IOV2 Ubr sollen auf Bahnhof Meerholz ca. 730 Stück alte hölzerne Bahnschwellen meistbietend versteigert werden.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 22. November,

9 Uhr 35 Min.

Maxima über 765 mm lagern über Süd-Frankreich und nordwestlich Schottlands, ein Minimum unter 740 mm über