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General-Anzeiger
Hârvckt und verlegt in der Buchdrucker-ei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
MWs Grgas fit Stadt- sud FandKreis Hama.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur : G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 45.
Freitag den 22. Februar
1901
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WMM
Amtliches.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Bruchköbel belegene, im Grundbuche von Bruchköbel, Blatt 639, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den tarnen des Metzgers Philipp Heinrich Baumann, Georg Philipps Sohn, in Bruchköbel eingetragene Grundstück:
Kartenblatt 1 Parzelle 215, über der Hohle, Acker, 1 ha 32 ar 16 qm
am 19. April 1901, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Hanau den 16. Februar 1901.
Königliches Amtsgericht 2. 3128
politische Rundschau.
Im deutschen Forstwirthschaftsrath besprach Oberforstmeister Runnebaum-Stade in einem Vortrage die Bedeutung des Rhein-Elbe-Kanals für die deutsche Forstwirth- schast und vertrat folgende Leitsätze: 1. Die Verminderung der Transportkosten muß das zu erstrebende Ziel der Verkehrspolitik in der Waldwirthschaft sein. 2. Neben dem Ausbau des Eisenbahnnetzes darf die Verbesserung der natürlichen und die Neuanlage künstlicher Wasserstraßen nicht unterbleiben. 3. Die Herstellung einer leistungsfähigen Schifffahrtsstraße vom Rhein bis zur Elbe, des sogen. Mittellandkanals, ist zur Förderung des Holzabsatzes, zur Steigerung der Nutzholz-Ausbeute und zur Hebung der Waldrente in der Waldwirthschaft erwünscht. Nach einem weiteren Vortrag über den Nutzen des Donau-Main-Kanals wurde eine Erklärung beschlossen, daß der deutsche Forstwirthschaftsrath die genannten Wasserstraßen für einen großen Theil der deutschen Waldwirthschaft als nutzbringend erachte unter der Voraussetzung, daß durch zollpolitische Maßnahmen eine Begünstigung des Auslandes gegenüber dem Jnlande verhindert werde.
Zur Loge in China. Mit der Regelmäßigkeit, die man bei den chinesischen Diplomaten nun schon aus langer Erfahrung genugsam kennt, ist auch diesmal in der Frage der Strafvoll st reckungen für die schuldigen Würdenträger das anfängliche Sträuben und Sperren endlich der Erkenntniß gewichen, daß man sich in den Willen der Mächte schicken müsse. Aus Singanfu ist nämlich in Peking ein Telegramm des Kaisers eingetroffen, in welchem er den von den Mächten geforderten Strafen seine Zustimmung gibt. Die Vollstreckung bezw. Hinrichtungen werden in den nächsten
Feuilleton.
Die Cinde. Lon W. L.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Als Vhaufseebaum begrüßen wir die schattige Linde stets gerne, aber sie erscheint uns in Baumreihen, so schön der einzelne Baum auch sein kann, doch mehr langweilig, um in den Betrachtungskreis unseres Stimmungsbildes gezogen zu werden. Sie nimmt willig jegliche Form an, und läßt sich in der Zucht der Gartenscheere halten, aber nur kurze Zeit, und stets ohne die Fähigkeit zu verlieren, nach jahrelanger Scheererei ein großer, lebenskräftiger Baum zu werden. Und ihre herrlichen Blüthen, zu denen tausende und abertausende fleißige Bienchen fliegen, um köstlichen Honig zu saugen. Ist sie, die ganze Gegend durchwürzende Linde, ist sie nicht ein Bild des deutschen Geistes, mit seinem Dufte, der die Welt erfüllt?
Die Linde personifizirt, ist unserer Auffassung nach die gute, gnadenreiche, milde Frauengestalt, gegenüber der robusten Neckengestalt der Eiche, dem Baume Wodans. Bei den Slaven, die einst Bewohner des heutigen Deutschlands bis über die Elbe waren, war die Linde der Baum der Liebesgöttin Krasopani. In der griechisch-römischen Mythologie erscheint die Linde der Aphrodite oder Venus geheiligt, und aus Lindenbast wurde nach Herodot bei den Scythen geweisagt. Nach der Sage wurde Baucis, die treue Gattin Philemons, von Zeus zur Belohnung für ihre treue Liebe in eine Linde verwandelt, um sie dem nahen Altertode zu entreißen, während Philemon zur Eiche wurde, wie Ovid in seiner achten Metamorphose so schön erzählt. Im Lande der Ditmarschen stand die Wunderlinde, von der die Sage ging, sie werde so lange grünen, wie die Freiheit der Ditmarschen, dann aber verdorren.
Tagen stattfiiiden und zwar in Singanfu, wo Vertreter der Gesandten die Ausführung kontrolliren werden. Die Antwort des kaiserlichen Hofes ist zwar den Gesandten noch nicht mitgetheilt, aber man will wissen, daß sie bei Li-Hung-Tschanq und Tsching bereits eingegangen ist und nun zur Kenntniß der Gesandten gebracht werden wird. Weiteres berichtet folgendes Telegramm: Die Pekinger Gesandten genehmigten nach einer Meldung der „Morning Post" folgendes Kompromiß: Prinz Tuan, Herzog Lau und General Tungfuhstan werden zum Tode verurtheilt, dürfen dann aber zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt werden. Prinz Tschang ist zu erdrosseln, Auhsien zu enthaupten, Tschaotschutschiao und Aingnien dürfen sich selbst erdrosseln. Tschihisin und Hsut- schengyn sind in Peking zu enthaupten. Damit sind die Verhandlungen über den ersten Punkt der Forderungen der Mächte erledigt.
Noch ein „Hunnenbrief", der nicht nach dem Geschmacke der sozialdemokratischen Blätter sein dürfte, wird der „T. R." von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt. Er stammt von einem Jäger der ostasiatischen Jägerkompagnie und ist an einen früheren Stubenkameraden gerichtet. Diesem aus Peking, 16. Dezember 1900, datirten Briefe entnehmen wir folgende Stellen:
. . Will Dir nun kurz meine Erlebnisse bis jetzt mittheilen, alles kann ich nicht erwähnen, es führte zu weit. Wir stiegen am 31. Oktober in Taku aus, marschirten dann in einem Tage bis Tientsin. Von Tientsin, wo wir drei Tage liegen blieben, marschirten wir bis P e k i n g. Es waren dies fünf harte Tage, mit vollem Gepäck, eiserne Portion u. s. w. Aber das war egal, wir hofften, in Peking unser Winterquartier aufzuschlagen. Wir kamen dann am 9. hier in P k'ng an, wurden aber schon von Sr. Exzellenz Graf v. Waldersee erwartet, da ein Kriegsmarsch ins Gebirge unternommen werden sollte, wir, die Jäger-Kompagnie, mit. So hatten wir denn Sonntag Appell und Montag früh ging's los. Will Dir noch mittheilen, daß ich von Sonntag auf Montag auf Wache war, und morgens um 6 Uhr abgelöst wurde; um 7 Uhr war Abmarsch. Unser Ziel war die berühmte Pelzstadt Kuljan (?), nordwestlich von Peking. Es waren dies 11 Tage- märsche, täglich 40—50 Km.; ich hatte total kapute Füße. Unterwegs hatten wir einige kleine Gefechte, sonst verlief alles glatt. Unsere Expedition war stark: 4 Kompagnien Infanterie, 1 Schwadron Reiter, unsere Kompagnie, Artillerie, 200 Italiener, 100 Oesterreicher und italienische Artillerie. Aber es ist so, wie in dem Liede: „Jäger vor!" Die Jäger bildeten immer Avantgarde. Tie Spitze bildeten natürlich die Reiter. Will Dir nun eine kleine That erwähnen, die wir zu drei Mann voll
Und so geschah es. Und dann heißt es weiter in der -sage, eine Elster w rde ihr Nest darauf bauen und fünf weiße Elstern ausbrüten. Man glaubte daher, das Land würde wieder frei werden, wenn sich eine weiße Elster sehen lasse. Die Hoffnung, welche die Patrioten unter den Ditmarschen an das Erscheinen der weiß uniformirten Oesterreicher 1849 knüpften, (man deutete die Oesterreicher als Freiheitsvögel) wurden leider schmählich zu Wasser'. Oder ist die Elster nicht gar der Vogel des Diebstahls? Ruchlose Gauner haben die letzten Reste der Linde verbrannt, und mit ihr ist die Freiheit der Ditmarschen wohl für immer in das Grab dahingesunken, und wie sie selbst jetzt erst einsehen, zu ihrem eigenen Nutzen und Wohl, als Zweig der deutschen Eiche.
Blutlinden, Vehmlinden, Geisterlinden, Gerichtslinden usw. gibt's heute noch viele im deutschen Vaterlande. An der Gerichtsstätte der hohen Vehm standen oft mehrere Linden, meist sieben an der Zahl. Viele solche Gerichtsstätten sind Städte und Dörfer geworden. Bekannt und berühmt ist die Vehm- linde bei Dortmund, von welcher das Geschlecht derer von Lindenhorst seinen Namen ableitet, und viele Orte im deutschen Vaterlande zeigen durch ihren Namen direkten Zusammenhang mit der Linde, z. B. „Heiligenlinde, Marienlinden, Lindheim, Dreilinden, Lindenkreuz, Lindenberg und Lindenfels," du Perle des Odenwalds. Bedeutsam und nicht ohne Grund heißt manches Haus am Wege, wo der müde Wanderer Erholung und Erquickung findet „zur Linde, zum Lindenbaum" und so fort, und lassen wir nur unsere Gedanken über moderne Dichtungen schweifen, so leuchtet uns schon von Ferne der Titel eines Buches wie ein prächtiger Diamant entgegen „dreizehn Linden," eine Perle deutscher Litteratur.
Aberglauben haftet massenhaft an der Linde und in Gespenster- und Schatzgräbergeschichten spielt die Linde eine hervorragende Rolle. Ob der Name Lindwurm von Linde kommt, wissen wir nicht, aber wir wollen es erwähnen, da so manches Andere an der Linde hastet. Der Glaube, daß der Bl'tz nicht in Linden schlagen könnte, hat sicherlich viel dazu beigetragen,
bracht haben. Wir zu sechs Mann waren abends 5 Uhr alt Patrouille auf eine Stunde weit vorgeschickt (Patrouille zu drei Mann stark mit zweistündiger Ablösung), da im Dorf von Boxern etwas gesehen sein sollte. Bis 12 Uhr hatten wir nichts bemerkt, dann aber bemerkten wir, wie sich etwa 30 Meter von uns etwas bewegte; es war gerade unsere Patrouille, wir schlichen uns nun ran, auf etwa 5 Meter ohne gesehen zu werden, brüllten sie dann an unter Fertigmachen mit „Halt, wer da?" worauf auf uns geschossen wurde. Nun gingen wir mit aufgepflanztem Hirschfänger druff, es war nämlich eine Boxerbagage von 20 beladenen Kameelen und 15 Boxern zur Bedeckung dazu. Wir erstachen nun sechs von den Hunden, die anderen flohen, und konnten wir dieselben nicht wieder einholen. Nun führten wir die Kameele zu unserm Lager, und andern Tags brauchten wir drei keinen Dachs zu schleppen, sondern durften ihn auf die Kameele packen, und bekamen noch ein Lob von unserm Höchstkommandirenden der Expedition, Graf Dork von Wartenburg. Letzterer ist uns auf dem Retourwege an Kohlengasvergiftung gestorben; da habe ich auch Ehrenwache gestanden. Dies ging nun so vier Wochen lang, bis wir wieder in Peking ankamen. Einige sind den Strapazen erlegen, auch von unserer Kompagnie sechs Mann. W. ist schwer krank, er hat doppelte Lungenentzündung und liegt im Lazareth. Mir selbst geht es noch gut, natürlich ist es das Leben nicht, wie in der Garnison. Zu sehen bekommt man ja Vieles, wir liegen hier im Kaiserpalast, die Götzen solltest Du sehen, alles von Gold! Will Dir nun einige Preise der Waaren mittheilen : Eine Flasche Bier 70 Cent, also etwas über 1,40 Mark, eine Schachtel Cigaretten 50 Pfg., ein Pfund Butter 3,10 M. Ich muß nun schließen, da das Papier nicht mehr reicht, da zehn Bogen und zehn Kuverts 1 Dollar kosten."
Man steht, von all den Thaten, die Bebel im Reichstage in so glühenden Farben malte, ist auch da nicht mit einem Worte die Rede.
Ein Appell des Kaisers Franz Josef an den Meichsralh. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses machte der Präsident die Mittheilung, daß der Kaiser das Präsidium des Hauses empfangen habe, um die vom Hause beschlossene Loyalitätskundgebung entgegenzunehmen. Auf die Ansprache des Präsidenten habe der Kaiser erwidert: „Ich freue mich, die Herren bei mir zu sehen, denen das Haus der Abgeordneten die Leitung seiner Geschäfte übertrug. Wenn auch bei der noch herrschenden Leidenschaftlichkeit manche bewegte Stunde kommen mag, die Ihre Geduld und Ruhe in äußerstem Maße in Anspruch nehmen wird, so hoffe ich doch, daß der Moment erfolgreicher Arbeit näher ist als bisher. Als ein Zeichen in diesem Sinne habe ich Ihre auf Grund-
daß häufig Linden an Feldwegen und aus Viehtriften angepflanzt wurden zum Schutze der Hirten und Feldarbeiter. Lindenkohle aus das Feld gestreut, vernichtet dem Aberglauben nach das durch Zauber daraufgekommene Ungeziefer, wie andererseits der weichste Theil des Bastes der Linde auf nackter Brust getragen vor Zauber schützt, aber glücklicher Weise nicht vor dem Zauber der Liebe. Zum Ausstechen der gegen Hexerei dienenden Kräuter muß ein Lindenspaten genommen sein und Besessene werden ruhig, wenn sie mit Lindenbast gefesselt werden. Alte Grabhügel zeigen an den Kohlen, daß bei Todten- feuern Lindenholz eingeäschert wurde.
Noch mehr als ein Baum der Sage ist die Linde Gedenkbaum. Unsere Vorfahren pflanzten Linden, um ein merkwürdiges oder freudiges Ereigniß zu bezeichnen, wie noch jetzt, obschon in neuerer Zeit, namentlich von der gebildeten Welt die Eiche bevorzugt wird. Obschon nun die Eiche ein noch dauernderes Denkmal ist, so erreichten die Alten durch Linden ihren Zweck doch besser und schneller. Es gibt viele Ereignisse, welche für eine Generation selbst für ein Jahrhundert wichtig sind, von der späteren Zeit aber vergessen oder wenig gewürdigt werden. Nun wächst die Linde schon während eines Menschmalters zu einem ansehnlichen Baume heran, so daß die Erinnerung noch besteht, wenn derselbe schon groß ist, daher weniger leicht vergessen wird. Linden, an welche sich wichtige Ereignisse knüpfen, gibt es viele, oder ist etwa der Wart- baum auf der Windecker Höhe nicht auch eine Linde, «•in lebender Gedenkstein zur Erinnerung an die E n t s e tz u n g Hanaus durch d i e H essen ? So gut heute noch am 13. Juni das Volk von Hanau hinauszieht in den Lam- boyewald, zum höchsten Hanauer Feste, dem Lamboyfeste, um sich der Freude hinzugeben, ebenso gut steht der Wartbaum im Norden auf kahler Höh'. — Wer hätte nicht schon von Tillylinden gehört, gepflanzt zum Gedächtnisse an die Greuelthaten des dreißigjährigen Krieges? Auf den Dörfern werden heute immer noch Erinnerungslinden gepflanzt, während die verwöhnten Städter nach Denkmälern aus Erz und Stem