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praktischer Landwirth, gab in der gewohnten anschaulichen der humoristischen Färbung nicht entbehrenden Vortragsform recht beherzigenswerthe Fingerzeige, in welcher Weise der Landwirth den Kampf gegen das Unkraut aufzunehmen hat. Daß das Thema ein zeitgemäßes war, zeigte die lebhafte Diskussion, die sich an die gegebenen Anregungen schloß. Auch Herr Oberamtmann Schwarz vom Baiersröderhof gab aus seiner reichen Praxis manche werthvolle Verhaltungsmaßregeln in der beregten Angelegenheit. Gegen 61/« Uhr schloß der Herr Vorsitzende den Unteroerbandstag.
() Landwirthschaftlicher Kreisverein. In der am Samstag abgehaltenen Versammlung hielt nach der Kon- stituirung des Hanauer Kreis-Obstbauvereins, worüber wir an anderer Stelle eingehend berichten, Herr Dr. S t a e h l y aus Cassel einen äußerst interessanten und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Hühnerzucht. Von welcher Bedeutung die Geflügelzucht für uns ist und wie viel hier noch geschehen muß, um den Bedarf zu decken, beweisen folgende Zahlen. In den drei Jahren von 1898 bis 1900 sind in Deutschland Bettfedern im Werth von 46 Millionen eingeführt worden, Eier im Werthe von 282 Millionen Mark. Die Gesammtsumme des Werthes von Geflügel, Eiern, Federn u. s. w., die im Jahre 1900 in Deutschland eingeführt wurden, beträgt 164 Millionen und übersteigt den Werth des gleichzeitig eingeführten Weizens. Um diesen Zweig des landwirthschaftlichen Betriebes zu heben und lohnend zu machen, hat die Landwirthschaftskammer zu Cassel, unterstützt von dem Herrn Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Hühnerzuchtstationen eingerichtet, die Eier und Zuchtmaterial abgeben und Belehrung über rationelle Zucht des Huhnes ertheilen. Wir müssen es uns versagen, näher auf den anregenden und gediegenen Vortrag einzugehen; hoffentlich wenden aber unsere Landwirthe der „Hühnerologie" mehr Aufmerksamkeit zu als bisher, damit wir nicht auf die Dauer mit den oben mitgetheilten Summen dem Auslande tributpflichtig bleiben. Die an den Vortrag sich anschließende Besprechung ließ erkennen, daß die Zuhörer von der Nothwendigkeit einer rationellen Hühnerzucht und ihrem Vortheil überzeugt waren. Der alte, aus böser Erfahrung herfließende Satz: „Wer Geld verlieren will und weiß nicht wie, der halte recht viel Federvieh I" — Der Satz kann und muß zu Schanden gemacht werden! Auf zur That !
0 Hanauer Kreis-Obstbauverein. Wir haben schon verschiedenfach Gelegenheit genommen, auf den in der Bildung begriffenen Obstbauverein für den Kreis Hanau hinzuweisen; am Samstag ist in der von Mitgliedern des landwirthschaftlichen Kreisvereins und anderen Freunden des Obstbaues abgehaltenen Versammlung im „Goldnen Löwen" die Gründung des den Stadt- und Landkreis Hanau umfassenden „Hanauer Kreisob stbauvereins" beschlossen worden. Herr Landrath v. Schenck, der sich um die Förderung der Angelegenheit große Mühe gegeben hat, erläuterte die von einer Kommission entworfenen und eingehend berathenen Statuten, die von Seiten der Versammlung einstimmige Annahme fanden. Als Sitz des Kreis-Obstbauvereins, der als selbständiges Glied dem landwirthschaftlichen Kreis- verein angeschlossen ist, gilt Hanau. Zweck des Vereins ist die Hebung und Förderung des Obstbaues, des Obsthandels und der Obstverwerthung im Stadt- und Landkreis Hanau. Seinen Zweck sucht der Verein durch folgende Mittel zu erreichen:
a) Vorträge in Vereins- und Wanderversammlungen; lehrhafte Erläuterungen und Darbietungen bei gemeinschaftlicher Besichtigung von Baumpflanzungen; Meinungsaustausch und belehrenden Hinweis aus Fehler und Gebrechen im Obstbaubetriebe, sowie auf geeignete Mittel zu ihrer Verhütung und Bekämpfung;
b. Förderung des Feldschutzes durch Ermahnung der Mitglieder zu größerer Achtsamkeit auf Beschädigungen des eigenen Besitzes wie des der Nachbarn und zu Strenge in Bezug auf Anzeigen; besondere Aufmerksamkeit auf alles dem Obstbau Schädliche, namentlich auf Baumkrankheiten und Jnsektenschäden;
c) Ermittelung der für die einzelnen Orte des Vereinsgebietes mit besonderer Berücksichtigung von Lage und Bodenbeschaffenheit geeigneten Obstsorten und kostenlose Vertheilung von Edelreisern bewährter Obstsorten unter die Mitglieder des Vereins, soweit die Vorräthe reichen; richtige Bestimmung und Benennung der Sorten;
d) Unterstützung jeglicher mit dem Streben des Vereins übereinstimmender, zur allgemeinen Förderumg des Obstbaues dienender Unternehmungn; Anregung zur Ausbildung von Baumwärtern; Vermittelung des Bezuges guter Obstbäume und aller Materialien für den Obstbau; Veranstaltung von Ausstellungen und Obstmärkten resp. Sammelstellen für den Obsthandel in den verschiedenen Gemeinden des Vereinsbezirkes und Verbreitung der Kenntniß einer möglichst nutzbringenden Verwerthung des Obstes.
Mitglieder des Vereins können alle Freunde und Förderer des Obstbaues, Vereine und Gemeindeverwaltungen im Stadt- und Landkreis Hanau werden. Die jährlichen Beiträge betragen für ein persönliches Mitglied 1.50 Mark; Obstbauvereine zahlen für je ein Mitglied 80 Pfennig, Gemeindeverwaltungen
6 Mark für das Jahr. Die Mitglieder sind berechtigt, an den Abstimmungen, Wahlen und Berathungen der Hauptversammlungen sowie an allen anderen Versammlungen des Vereins theilzunehmen und Anträge, die den Zweck und die Verwaltung des Vereins betreffen, zu stellen; Bücher und Zeitschriften des Vereins leihweise zu benutzen; für den eigenen Bedarf Veredlungsreiser kostenlos zu beanspruchen und um die Vermittelung oder den Rath des Vereins nachzusuchen; die vom Verein veranstalteten Ausstellungen gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte zu beschicken und zu besuchen. Der aus sieben Herren bestehende Vorstand wird von der Hauptversammlung für eine vierjährige Amtsdauer gewählt; alle zwei Jahre scheidet ein Theil, abwechselnd drei und vier, der Vorstandsmitglieder aus, die aber wieder wählbar sind. Der jetzt gewählte Vorstand besteht aus folgenden Herren: Vorsitzender Pfarrer H e n ß-Windecken; Stellvertreter desselben I. W örner-
^nnaner Anzeiger
Bischofsheim; Schriftführer Lehrer Umbach-Fechenheim; Vereinsrechner Bracker^ Hanau; drei Beisitzern, nämlich Oekonom Jung-Butterstadt, J. Müller-Enkheim und Fliedner- Dörnigheim. Der Vorstand entscheidet über die Aufnahme neuer Mitglieder; Anmeldungen haben bei dem Vorsitzenden oder dem Schriftführer zu geschehen, doch nehmen auch die anderen Vorstandsmitglieder Anmeldungen entgegen. Die Vereinskasse wird gebildet aus den Milgliederbeiträgen, Ueber- schüssen von besonderen Veranstaltungen, freiwilligen Beiträgen oder von irgend einer Seite gewährten Zuschüssen. In jedem Orte ist ein Vertrauensmann von den Mitgliedern zu wählen, bezw. von dem Vorsitzenden des Vereins in dessen Namen zu bestellen, der die Beiträge zu erheben und an den Rechner abzuführen hat, sowie die Förderung des Vereins und seiner Bestrebungen sich nach Kräften wird angelegen sein lassen. Der Vorstand kann die Vertrauensmänner zu Besprechungen versammeln. Der Vorstand beschließt über die Abhaltung von Vorstandssitzungen und tritt im Allgemeinen nach Bedarf zusammen. In der Regel finden jedes Jahr zwei größere Versammlungen statt; die erste als Hauptversammlung im Frühjahr in Hanau, als dem von allen Seiten leicht zu erreichenden Mittelpunkte des Kreises, die andere als Wanderoersammlung auf dem Lande im September oder Oktober. Auf Antrag des zehnten Theiles der Mitglieder ist der Vorstand verpflichtet, außerordentliche Versammlungen einzuberufen. Eine Aenderung der Satzungen kann nur nach vorangegangener Berathung des Vorstandes in einer Hauptversammlung beschlossen werden, wenn die Tagesordnung für die betreffende Versammlung mindestens 10 Tage vorher bekannt gegeben war und drei Viertel der anwesenden Mitglieder stimmen. Der Verein gilt als aufgelöst, wenn in zwei innerhalb einer Frist von sechs Wochen aufeinander folgenden, besonders dazu einberufenen Versammlungen drei 'Viertel der erschienenen Mitglieder die Auflösung beschließen. Etwa vorhandenes baares Vereinsvermögen einschließlich des Inventars fällt alsdann dem Landwirthschaft- lichen Kreisverein Hanau, dem der Kreisobstbauoerein als selbständiges Glied angeschlossen, zu, der es dann im Einvernehmen mit dem Königlichen Landrathsamte zu Hanau im Interesse des Obstbaues im Kreise Hanau zu verwenden hat. Dies sind die wichtigsten Bestimmungen aus den Satzungen des Kreisobstbauvereins, dessen Gründung wir im Interesse unseres Kreises mit Freuden begrüßen dürfen. Wir wollen hoffen, daß bald in allen unseren Orten lokale Obstbauvereine entstehen, die sich dem großen Vereine anschließen. Erst dadurch kann unser heimischer Obstbau nutzbringend betrieben und in rechter Weise gefördert werden. Mögen Alle, die ein Interesse an diesen Bestrebungen haben, dem Vereine beitreten, und mögen namentlich auch unsere Gemeindeverwaltungen in ihrem eigenen und dem Interesse der ihnen Anbefohlenen den Kreisobstbauverein nach Kräften unterstützen!
- n. Anruvern. Lebhaftes Treiben herrschte am gestrigen Nachmittage auf dem Maine. Die „Hanauer Rudergesellschaft 1879" hatte zur offiziellen Eröffnung der Rudersaison eine erhebliche Anzahl von Booten flott gemacht. Erfreulicher Weise hatten sich nicht nur die jüngeren sondern auch die älteren Ruderer in beträchtlicher Zahl eingefunden und dadurch ihr reges Interesse an dem schönen Rudersport bekundet. Dem Vereine war es in den letzten Jahren mangels geeigneter Mannschaften zwar nicht yergönnt, Regatta zu besuchen; die diesjährige Saison brachte aber einen erfreulichen Umschwung, der zu berechtigten Hoffnungen Veranlassung gibt. Die „Hanauer Rudergesellschaft 1879" schickt in diesem Jahre einen Junioroierer und einen Zweier ohne Steuermann an den Start. Wenn auch das Training für die erstere Mannschaft schon begonnen hat, so sollte derselben durch die gestrige Veranstaltung doch noch einmal Gelegenheit zu einem fröhlichen Zusammensein geboten werden. Nach dem Anrudern versammelten sich darum Ruderer und Freunde des Rudersports im Bootshause zu einem gemüthlichen Schoppen. Auch die edle Mustka fehlte nicht. In liebenswürdigster Weise hatte die Firma J. Ph. Kraushaar, Pianofortefabrik, hier ein Pianino zur Verfügung gestellt. Hoffen wir, daß die Bemühungen des Vereins von Erfolg begleitet und dadurch auch weitere Kreise der Bürgerschaft für den Rudersport interesstrt werden.
4 2 Hanauer Sommerthealer. Wie bereits allseitig bekannt sein dürfte, hat Herr A. Anders in der großen, zu diesem Zwecke vorzüglich geeigneten Halle von Beck's Felsenkeller ein Sommertheater errichtet und dadurch, wenn auch vielleicht nicht einem allgemeinen Bedürfniß, so doch unzweifelhaft den Wünschen Vieler entsprochen, zumal derselbe, wie die ersten Vorstellungen zeigten, darauf bedacht ist, nur durchweg gute Kräfte zu engagiren und den Besuchern etwas wirklich Schönes, Unterhaltendes und Aufheiterndes zu bieten. Die Halle ist sehr geräumig und für mindestens 5—600 Personen vollkommen ausreichend, mit massivem Deckwerk versehen, gänzlich gegen Wind und Wetter abgeschlossen, hübsch dekorirt und durch drei große elektrische Bogenlampen genügend erhellt, während man die elegante Einrichtung der ziemlich umfangreichen Bühne geradezu als effektvoll bezeichnen kann. Da letztere mit Coulissen und allem dazu gehörigen Beiwerk ausgestattet ist, dürfte sie sich sehr wohl auch zur Aufführung größerer Theaterstücke eignen. Die Leistungen des gegenwärtigen Ensembles sind sowohl in Bezug auf Abwechselung als Gediegenheit vorzüglich zu nennen. Das Programm eröffnete, von einigen übrigens recht gut ausgeführten j Musikpiecen abgesehen, die Soubrette Frl. Wegner durch verschiedene mit Chic und Schneid zum Vortrag gebrachte Couplets, worauf der Charakterhumorist Herr Clermont mit einigen originellen, inhaltlich als darstellerisch guten Vorträgen aufwartete. Etwas wirklich Hervorragendes auf dem Gebiete der Thierdressur bot Herr Richards mit seinen dressirten Hunden, von denen hauptsächlich einer, als kleines Herrchen gekleidet, durch seine Produktionen als Parterregymnastiker und flotter Tänzer allgemeines Staunen erregte. Eine reizende, pikante Erscheinung stellte auch die als Kostümsoubrette auftretende Frl. Röschke, welche sich in der Hauptsache in ihrem Aeußeren am Besten entsprechenden Baby- und Kinderrollen bethätigte, auf die Bretter. Alle Humoristen aber wurden noch in den Schatten gestellt von den in zwei längeren Duoszenen sich produzirenden Geschwister Seiff ^Herr und Dame),
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die durch ihr prächtiges Zusammenspiel und Darstellungs- : vermögen aus dem würzigen Inhalt ihrer Rollen das denkbar Menschenmöglichste herauszuholen verstanden und häufig Situationen von überwältigender Komik erzeugten. Ueber- raschend, ja verblüffend wirkten die Leistungen der Geschwister Alberti als Gedächtnißkünstler und die meisten der Anwesenden d werden wohl vergeblich das Räthsel zu lösen suchen, wie es Frl. Alberti möglich war, mit verbundenen Augen auf der d Bühne die hunderterlei Dinge, welche Herr Alberti im Saale sich vom Publikum entlehnte und nur einen Augenblick in der Hand hielt, sofort genau zu beschreiben. Zum Schluffe wollen wir uoch einige hübsche Vorträge der in Herrenkleidung auftretenden Frl. Bertrand erwähnen. Sämmtliche Mitwirkende sind auch stimmlich recht gut begabt. Die Abwickelung des Programms geht flott von Statten und es werden die ohnehin nur kurzen Pausen durch Musikpiecen angenehm ausgefüllt. Hoffentlich findet dieses dankenswerthe Unternehmen die nöthige Anerkennung und Unterstützung seitens der hiesigen Bürgerschaft, zumal ja ^während der voraussichtlich bald zu erwartenden warmen Sommerabende der Aufenthalt in einer immerhin luftigen und gut ventilirten Halle demjenigen in rauchgeschwängerten dumpfen Zimmern und Sälen unzweifelhaft vorzuziehen ist. Dem auswärtigen, unsere Stadt als Ziel seiner Ausflüge wählenden Publikum dürften die Sonntags Nachmittag stattfindenden Vorstellungen Gelegenheit zum Besuch des Theaters geben.
* Spürt In der Blumenhandlung von J. L. Jäger u. Söhne, Krämerstraße, ist der Ehrenpreis ausgestellt, welcher von dem Metzger H. Zinn im Radfahrer-Verein „Union" beim Ehrenpreisrennen über 5 Kilometer in der Zeit von 7 Minuten 15 Sek. errungen worden ist. Das Preisrennen fand Sonntag den 5. Mai statt. Zu gleicher Zeit war ein Juniorfahren über 20 Kilometer und ein Seniorrennen über 10 Kilometer damit verbunden. Beim Juniorrennen erhielt den ersten Preis H. Zinn mit 38 Min. 5 Sek., den zweiten Preis Karl Metschan mit 38 Min. 6 Sek., den dritten Preis Konrad Metschan mit 38 Min. 30 Sek. Beim Seniorrennen über 10 Kilometer erhielt den ersten Preis August Samer mit 19 Min., 25 Sek., den zweiten Preis Peter Wagner mit 19 Mm 30 Sek., den dritten Preis Heinrich Faust mit 21 Min. 12 Sek. Die Preis- vertheilung fand abends im Vereinslokal Gasthaus zum Schützenhof statt. — Der Radfahrerverein „Union" spricht hiermit zugleich den Spendern des Ehrenpreises seinen besten Dank aus.
) ( Bergungsarbeiten. Das am 9. April a. c. unterhalb der Klein-Auheimer Mainbrücke gesunkene, mit etwa 4000 Zentner Bausteinen beladene Mainschiff des Schiffers Eduard Kaufer aus Worth a. M. überragt jetzt, nachdem inzwischen der Strom erheblich gefallen ist, mit seiner oberen Umrandung einige Centimeter den Wasserspiegel. Der Wahrschauposten, welcher früher unterhalb Hainstadt mit einer Warnungsfahne die zu Thal fahrenden Schiffe auf das gefährliche Verkehrshinderniß aufmerksam machte, konnte darum eingezogen werden. Heute beginnen die Bergungsarbeiten, zu denen ein Taucher aus Hamburg eintrifft. Die schon vor einigen Tagen versuchten Hebungsarbeiten mußten damals noch allzu hohen Wasserstandes wegen wieder aufgegeben werden. Der Schiffskopf, womit das Schiff am Brückenpfeiler anprallte, ist stark beschädigt. Das Fahrzeug ist versichert.
* Aus der Haft entlassen wurde vorläufig der in die Todtschlagsaffäre des Goldarbeiters Moser verwickelte Silberschmied Gülden, doch ist die Untersuchung deshalb gegen ihn noch nicht eingestellt.
* Hessenland. Inhalt der Nummer 10 des „Hessenland" : Ritter, Anna. „Maiabend"; Rodenberg, J. „Um Mitternacht" (Gedichte). — Berger, Dr. phil. „Zum Kriegsjahre 1759". — Melde, Dr. Franz (ff). „Selstbiographie" (Fortsetzung). — Kranz, Heinrich. „Jerche of dä Pâ.st (Gedicht in Schwälmer Mundart). — Bramer, Jeannette. Die „Namenlose Gesellschaft". Eine Casseler Erinnerung". — Aus alter und neuer Zeit. — Aus Heimath und Fremde. — Hessische Bücherschau. — Personalien. — Briefkasten.
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(:) Neuwiedermuß, 19. Mai. (Bürgermeisterwahl.) Unser bisheriger Bürgermeister, Herr Haldy, wurde auf eine weitere achtjährige Amtsdauer als Bürgermeister gewählt.
X Bruchköbel, 18. Mai. (Einbruch.) In der letzten Nacht ist in der Wohnung des Herrn Kaplans auf den Butterstädter Höfen eingebrochen worden, zum zweiten Male seit kurzer Zeit. Man schreibt die That nur einem solchen zu, der mit der Gelegenheit des Hauses bekannt ist, zum Glück ist dem Diebe nur eine Kleinigkeit an Lebensmitteln in die Hände gefallen; es steht zu hoffen, daß der freche Geselle bald ermittelt und der Justiz überliefert wird.
X Rückingen, 19. Mai. (Verbrechen?) Gestern fand hier die gerichtliche Secirung der Leiche eines etwa 2 Monate alten unehelichen Pflegekindes statt. Dasselbe ist * vor ca. 14 Tagen aus den Händen einer Marburger Pflegemutter nach hier verbracht worden und zwar in einem außerordentlich erbärmlichen, abgemagerten Zustande. Wie .man hört, soll das sonst ganz normale Kind nicht ganz 5 Pfund gewogen haben und soll der Verdacht vorliegen, daß grobe Vernachlässigung der früheren Pflegemutter des Kindes den frühzeitigen Tod verschuldet hat. Die weitere gerichtliche Untersuchung wird wohl die erforderliche Klarheit in dieser Angelegenheit verschaffen.
0 Eichen, 18. Mai. (Verpachtung.) Gestern fand auf dem hiesigen Rathhaus die Verpachtung der Feld- und Waldjagd auf weitere Jahre statt. Der seitherige Pächter derselben, Herr Graf O r i o l a von Büdesheim, war persönlich zum Verpachiungs- iermine erschienen, um auf alle Fälle die ihm jedenfalls sehr zusagende Jagd gegenüber der Konkurrenz zu sichern. Derselbe brachte es auch in der That dahin, daß die Jagd diesmal auf 1205 Mark kam, gegen 600 Mark seitherigen Pachtbetrags.
0 Fechenheim, 19. Mai. (Gesundheitskommission.) In ihrer letzten Sitzung hat die hiesige Gemeindevertretung gemäß einer gesetzlichen Bestimmung, wonach auch in Landgemeinden von über 5000 Einwohnern eine Ge-