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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- «nd Landkreis Hanan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 270 Bezirks-Fernsßrechanschlnß Nr. 98.
Montag den 18. November
BeMs-FernsvreKmMch Nr. 98. 1901
Hue Stadt und Eand.
Hanart, 18. November.
* Mifsionssiitndc. Die Missionsstunde findet nicht heute, sondern tiä listen Montag den 25. d. M. statt.
* Hauskollekte. Wiederholt weisen wir unsere Leser darauf hin, daß seit einiger Zeit die H a u s k o l l e k t e zum Besten der A n st a l t Hephata bei Treysa, in der auch eine größere Anzahl schwachsinniger Kinder aus unserer Stadt verpflegt und erzogen werden, hier in Hanau einge- sammelt wird; da die Anstalt in hohem Maße auf die helfende Liebe Anderer angewiesen ist, möchten wir es nicht unterlassen, die Sammlung für die mehr denn 130 armen, verkrüppelten, gelähmten, stecken und schwachsinnigen Kinder der Anstalt Hephata von Neuem unseren Lesern recht warm an das Herz zu legen. — Wenn irgend ein Werk der christlichen Barmherzigkeit in unserem engeren Heimathlande mit Recht auf die Unterstützung weiterer Kreise rechnen darf, so ist es wohl in erster Linie Hephata, das mit seinen Einrichtungen, Schulen u. s. w. so vielen Elenden aus dem ganzen Lande die Hand zur Hilfe reicht.
* 42. Infanterie Brèüade. v. Kalckstei n, Gen.- Major und Kommandeur der 42. Infanterie-Brigade, mit der Führung der 13. Division, v. Normann, Oberst von der Armee, mit der Führung der 42. Infanterie-Brigade beauftragt.
* Römische Funde. Der Limesforscher Herr Georg Bausch-Windecken hat kürzlich in der Windecker Gemarkung und zwar an der Büdesheimer Grenze am sogen. Landwehrgraben wieder eine Anzahl recht interessanter römischer Funde gemacht. Durch einige auf dem Acker des Herrn Leonhard Westphal daselbst Vorgefundene römische Reibschalen angeregt, suchte der Forscher weiter und stieß auch bald auf eine Mauer, nach deren Freilegung viele römische Gesäßreste ans Tageslicht gefördert werden konnten. Das sich ehemals dortselbst befundene römische Gebäude war nach vorgenommenen Feststellungen 14 Meter lang und 12 Meter breit. Etwa 50 Meter von dieser Stelle entfernt stieß Herr Bausch wiederum auf eine Mauer, die sich durch den alten Land^vehrgraben zieht, kam beim Weètergraben auf eine Kellertreppe und entdeckte schließlich einen Kellerraum, an dessen Eingang er den Beschlag und die Bänder der Kellerthür vorfand, außerdem eine römische Lampe, mehrere ganze Gefäße, zwei eiserne, 12 cm weite Ringe, die vermuthlich von einem römischen Wagen stammen, und noch verschiedene andere Gegenstände. Auf Grund dieser Mauerreste, die einen Durchmesser von 80 cm haben, ließ sich die Länge des Gebäudes auf 17 Meter, die Breite auf 10 Meier bestimmen. Der Treppeneingang in den Keller mißt 1,30 Meter, dieser selbst liegt 2 Meter tief in der Erde und ist 3,50,Meter lang und ebenso breit. Voraussichtlich wird hier noch viel Interessantes zu finden sein. Ein schon früher entdecktes Gebäude am Wingert wird erst im Frühjahr freigelegt werden, da Herr Prof. Dr. Wolff nach Italien beurlaubt ist.
* Der Kampf um das Prefervesalz. Die „Rundschau auf dem Gebiete der Fleischbeschau, des Schlacht- und Viehhofwesens" schreibt: „Der Kampf um das P r e s e r v e s a l z ist jetzt bis zum Kammergericht gediehen und von diesem für den Umfang der preußischen Monarchie definitiv entschieden. In Berlin hatte das Landgericht wegen Zusatzes von Preservesalz Strafen verhängt. Das Landgericht hatte begründend ausgeführt: Das Fleisch eines frisch geschlachteten Thieres unterliegt bald nach dem Schlachten physiologischen Veränderungen, das Gewebe wird starr und die Farbe verändert sich. Durch den Zusatz der schwefeligen Säure (Preservesalz) wird die hellrothe Farbe dem Fleisch länger als unter normalen Verhältnissen erhalten. Maßgebend ist für die Käufer von Schabefleisch die Farbe; nicht mehr frischrothes oder grau gewordenes Fleisch kauft im Allgemeinen das Publikum nicht, weil es ganz frisches Fleisch haben will und die veränderte Farbe erfahrungsgemäß den Beweis dafür liefert, daß die Zersetzung vorgeschritten ist. Diese Veränderlichkeit der Farbe des Fleisches ist mit Recht für das Publikum eine sehr wesentliche Eigenschaft. Der Käufer des unvermengten Fleisches ist, wenn er es frischroch kauft, in der Lage, die Zeit des Genusses innerhalb bestimmter Grenzen beliebig festzusetzen, er kann es noch einige Zeit nach dem Verlust der Farbe ohne Schaden für seine Gesundheit genießen. Der Käufer des mit Preservesalz vermengten Fleisches ist aber jeder Kontrolle beraubt: er kann Fleisch kaufen, das noch hell- roth aussieht und sich doch schon in einem vorgeschrittenen Stadium der Zersetzung befindet. Die wesentliche Eigenschaft, die Erkennbarkeit der Zersetzung aus der Veränderung der Farbe, wird also dem Fleische durch den Zusatz genommen und deshalb ist das mit Preservesalz vermengte Fleisch in seinem Wesen verschlechtert. Die Angeklagten haben ohne
Zweifel auch gewußt, daß sie durch die Vermengung dem Publikum die Kontrolle über die Frische des Fleisches entziehen; das ist nach Auffassung des Gerichts geradezu der Zweck der Zusetzung. Die Angeklagten hätten sich, wenn sie die ihnen in" Ausübung ihres Berufes obliegende Aufmerksamkeit und Ueberleguug angewendet hätten, sagen müssen, daß sie dadurch das Fleisch in seinem Wesen verschlechtern. Auf die Revision der Angeklagten wurde vom Kammergericht diese Vorentscheidung bestätigt und das Rechtsmittel abgewiesen. Hiernach ist also die Verwendung von Preservesalz überall in Preußen strafbar.
* Hofbrauhaus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay, 2t.-G„ Hanau. Am Samstag Nachmittag wurde die 5. ordentliche Generalversammlung der Aktien-Gesellschaft Hofbrau- Haus Hanau vorm. G. Ph. Nicolay dahier abgehalten. Vertreten waren 1006 Aktien, also die absolute Majorität vorhanden. Bei dem Vortrag des Berichts über das abgelaufene Geschäftsjahr konstalirte der Vorsitzende des Aufsichtsraths, Herr F. C a n t h a l, daß man mit den erzielten Resultaten sehr zufrieden sein könne, denn nicht nur der Bierabsatz habe die höchste Ziffer seit dem fünfjährigen Bestehen der Aktien-Gesellschaft aufzuweisen, auch das Brutto- und Nettoergebniß sei das größte in der zurückgelegten Verwaltungsperiode. Der größere Nutzen resultire nicht mir aus vermehrtem Absätze, sondern auch aus dem günstigen Einkäufe der Rohmaterialien. Bei dem Vortrag der einzeluen Conti wurde hervorgehoben, daß durchgängig die Abschreibungen größer waren als die Zugänge, ein Beweis für das vorsichtige Ge- schäftsgebahren. Kreditoren sind nicht vorhanden. Der Bruttogewinn pro 1900/1901 stellt sich auf 2 69 942.49 Mk. (14000 Mk. mehr als im Vorjahre) bezw. zuzüglich des Ge- winnvorlrags aus dem Vorjahre auf 304 187.12 Mk., sodaß sich nach Abschreibungen in Höhe von 93 497.63 Mk. ein Reingewinn von 210 689.49 Mk. (16 000 Mk. mehr als im Vorjahre) ergibt. Der Bierverkauf erreichte — exkl. HauS- trunk — die Höhe von 64 515,03 Hektoliter gegen 61 778.35 Hektoliter im Vorjahre, die Einnahme vom Barverkauf betrug 1014 357.24 Mk. Aus dem Reingewinn soll die Verlheilung einer Dividende von 6°/o erfolgen, der Spezial-Reserve, was noch besonders heroorzuheben ist, 25 000 Mk. (i.V. 15000 Mk.) überwiesen werden. Nach Genehmigung der Bilanz und Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinns, was antragsgemäß erfolgte, fand die Neuwahl des Aufsichtsrathes statt. Einstimmig erfolgte die Wiederwahl sämmtlicher Mitglieder desselben, und zwar der Herren Fritz Canthal, Handelskammerpräsident in Hanan, Joh. Hch. Nickel, Kaufmann in Hanau, Cäsar Boehm, Fabrikant in Hanau, und Otto Körner, Privatier in Magdeburg. Der günstige Ankauf der Rohprodukte in Verbindung mit der Ausdehnung des Geschäfts läßt für das neue Geschäftsjahr bei steigenden Erträgen ein noch günstigeres Ergebniß erhoffen.
* Pforzheimer Handelskammer. Von Interessenten ist angeregt worden, den Tarifstellen 769 und 770 des Entwurfs eines neuen deutschen Zolltarifs eine andere Fassung zu geben, um im Interesse der verbrauchenden Industrie den Kreis des zollfrei eingehenden Goldes zu erweitern. Die genannten Tarifstellen sollen demgemäß folgenden Wortlaut erhalten: T. St. 769 : „Feingold in jeder Form, roh oder gegossen, gehämmert oder gewalzt, in Stangen, als Blech oder Draht; legirtes Gold, roh oder gegossen: Goldmünzen .... frei." T. St. 770: „Legirtes Gold, gehämmert oder gewalzt, auch in Form von Blech oder Draht..... 250 Mark." Die gleiche Abänderung soll dann eventuell auch bezüglich des Silbers bei den Tarifstellen 772 und 773 erfolgen. Zu gntachtlicher Aeußerung zu diesen Anregungen seitens Großb. Ministeriums des Innern ersucht, hat die Handelskammer sich dahin ausgesprochen, daß gegen die Ginünder Anträge Bedenken nicht geltend zu machen sind. Feingolo, gehämmert oder gewalzt, in Stangen, als Blech oder Draht, gelangt nur in geringen Quantitäten zur Einfuhr und zwar lediglich deshalb, weil man es unter diesen Formen besser in kleinere Theile zerlegen kann. Es wird in diesem bearbeiteten Zustand nicht zur Fabrikation der Waaren, sondern nur zu Legirungen, aus denen dann die Waaren her- gestellt werden, verwendet. Erst nachdem das Rohmaterial legirt und zu Blech und Draht verarbeitet ist, kann man von einer werthserhohenden Bearbeitung in gewissem Sinne reden und erscheint in letzterem Falle ein Zollsatz von Mk. 250.— per 100 Kilogramm angemessen, während Feingold in jeder Form zollfrei eingehen müßte. Das vom Gold Gesagte gilt auch bezüglich des Silbers. Eine weitere Frage Großh. Ministeriums des Innern, ob seitens der hiesigen Industrie besonders Werth darauf gelegt werde, daß bearbeitete Edelsteine und Halbedelsteine ohne Fassung, für welche ein Zoll von Mk. 60.— per 100 Kilogramm vorgesehen ist, zollfrei eingehen, ist von der Kammer bejaht worden.
_ * Ueber „Deutschlands Kolonien" sprach bei dem gestrigen Vortragsabend im „Christlichen Arb eit er- ^k r e i n" Herr Gymnasial-Zeichenlehrer Mangold, ein Thema, das sicherlich angesichts der jüngeren politischen Zeitereignisse ein aktuelles genannt werden darf, das Gelegenheit bot, mit dem Referenten eine Geiste?wanderung in die weite Welt zu unternehmen und sich ein Bild von Land und Leuten in unseren Kolonien zu entwerfen. In gewählter Form, vom Anfang bis zum Ende hochinteressant gestaltet, behandelte der Herr Vortragende sein Thema und konnte mit innerlicher Genugthuung auf ein aufmerksames Auditorium blicken. Beginnend mit dem historischen Entwickelungsgang der deutschen Kolonisation von den Anfängen bis zur Gegenwart erbrachte der Vortrag eine fesselnde Schilderung unserer Kolonien Kamerun, Togoland, Südwest-Afrika, Deutsch-Ostafrika, Kaiser-Wilhelmsland, Bismarck-Archipel, der Salomo-Inseln und Marschall- Inseln, der Karolinen, Marianen- und Samoa-Jnseln, sowie des Pachtgebiets Kiautschou und führte dabei Spezielles aus über Lage und Ausdehnung der einzelnen Kolonien, deren Bodengestalt und Bewässerung, Klima, Pflanzen- und Thierwelt. Weiter wurde man vertraut mit den Bewohnern dieser Gebietstheile, ihren Kleidungs-, Wohnungs- und Erwerbsverhältnissen, ihren Sitten und Gebräuchen, Religionshandlungen und Schulverhältnissen, sowie der dort eingesetzten Verwaltung. Auch der Bedeutung unserer Kolonien für den Handel und Verkehr wurde in umfassender Weise der Vortrag gerecht, der mit dem Hinweis schloß, daß, wenn man auch feine der Kolonien mit dem reichen Indien oder Kalifornien vergleichen könne, so doch nach den Ansichten der Forscher auch keine zu den schlechtesten, viele aber zu den besseren Landstrichen der Erde gehörten. Erst die Zukunft werde es lehren, ob die beiden größten Staatsmänner ihrer Zeit, Kaiser Wilhelm der Große und sein eiserner Kanzler Bismarck, auch in der Kolonialpolitik einen glücklichen Griff gethan hätten oder ob sie sich im Irrthum befanden, als sie das Vermächtniß des Großen Kurfürsten wieder aufnahmen und Deutschland rheil- nehmen ließen an der „Theilung der Erde". — Reicher, an- haltender Beifall wurde dem Herrn Vortragenden für die lehrreichen Ausführungen von Seiten der zahlreichen Zuhörerschaft zu Theil.
* Warnung. Neuerdings wendet sich der in Aquidauana (Matto Grosso) in Brasilien als Auswanderungsagent thätige Carlos Nottenberger unter verlockenden Vorspiegelungen an auswanderungslustige Personen in Deutschland, um sie zur Auswanderung nach Brasilien zu bestimmen. Nach einer aus zuverlässiger Quelle stammenden Mittheilung muß dem Rotten- bergcr aber mit dem größten Mißtrauen begegnet werden, und es ist Auswanderungslustigen entschieden davon abzurathen, sich mit dem Manne einzulassen. Ueberhaupt wird vor einer unüberlegten Auswanderung nach Brasilien, insbesondere aber vor den hierfür thätigen Werbeagenten von allen in Betracht kommenden Stellen und Personen gewarnt.
* Wirrtervariètv „Stadt Bremen". Das Programm für die dieswöchentlichen Vorstellungen dürfte, was Gediegenheit und erheiternde Wirkung der Darbietungen anlangt, dasjenige der vorigen Woche noch um Einiges übertreffen, was schon, allgemein gesagt, von den auftretenden Soubretten konstatirt werden konnte. Besonders gefiel hiervon Frl. Warney da, wo sie ihre Vorträge mit schneidigem Trommelwirbel effektvoller zu machen verstand. Als Komiker erwarb sich Herr Tusch die Herzen im Fluge, wie er sich auch für den ihm gespendeten stürmischen Beifall durch eine kleine Zugabe dankbar zeigte. Der als Kunstpfeifer auftretende Cldwn ist ein so origineller Kauz, daß man, ganz abgesehen von seinen wirklich vorzüglichen Leistungen, sich schon über seine närrischen Clownscherze höchlichst amüsirt. Den Glanzpunkt aber des Programms bildet „the little Tokio“, das Wunder der Equilibristik, wie ihn das Programm bezeichnet. Und es hat hiermit thatsächlich nicht zu viel gesagt, die Leistungen dieses kleinen Japaners grenzen wirklich ans Wunderbare. Man hält bei Beginn einzelner Produktionen ein Gelingen für schier unmöglich und beobachtet mit angehaltenem Athem jede Bewegung dieses elastischen, federgleichen Körpers. In dem Bewußtsein, daß die geringste unberechnete Muskelzuckung seine schwankende Stütze zum Ümkippen bringen müßte, athmet man ordentlich befreit auf, wenn der jugendliche Wagehals endlich wieder auf den Füßen steht. Diese Nummer würde ohne Zweifel auch auf jeder Großstadtbühne berechtigtes Aufsehen erregen, und wie sehr sie hier gefiel, beweist die vielfach laut gewordene Bemerkung: „Das war allein den Eintritt werth." Nun zum Schluß noch zu einer fast ebenso wirkungsvollen Darbietung, einer urkomischen Vogel- und Thierstimmenimitation durch zwei Personen. Die verschiedensten Vogel- und Thierstimmen kamen ohne alle Instrumente mit so verblüffender Natürlichkeit zum Ausdruck und wurden durch die tollen Späße j der beiden Künstler noch dermaßen unterstützt, daß das Ganze