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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Kana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 244 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Freitag den 18. Oktober
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
es
ognassras
Amtliches
Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Ein am Main in der Nähe des Volksbadeplatzes gelegener, ca. 800 qm großer Altslade- und Lagerplatz, welcher am Ufer eine Länge von 15 m besitzt, soll am 21. d. Mts., vormittags 11 Uhr, im Rathhause, Zimmer Nr. 1, öffentlich verpachtet werden.
Bedingungen und nähere Angaben sind im Stadtbauamt, Abtheilung II, Langstraße 41, während der Geschäftsstunden von 10—12*/2 Uhr vormittags zu erfahren.
Hanau den 16* Oktober 1901.
Der Magistrat.
J. A.: Schmidt. 17412
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 145,00 ebm Hartbafattschrotten zur Herstellung von Kleinschlag für die Uferstraße wird hiermit öffentlich ausgeschrieben.
Die Verdingungsunterlagen sind im Amtszimmer des Stadtbauamtes, Abtheilung II, Langstraße 41, werktäglich in den Vormittagsstunden von 10—12Va Uhr einzusehen.
Angebote sind bis zum 22. ds. Mts., vormittags 11 Nhr, verschlossen und versiegelt bei genannter Dienststelle abzugeben, woselbst um diese Zeit die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt.
Hanau den 15. Oktober 1901.
Der Magistrat.
J. A.: Schmidt.
17362
Bekanntmachung.
Ueber den Nachlaß des Schneidermeisters und Versicherungs- inspektors Jakob Herling zu Langenselbold ist durch Beschluß des Königlichen Amtsgerichts dahier am 12. Oktober 1901, vormittags 11 Uhr 30 Minuten, das Konkursverfahren eröffnet und der Schuhmachermeister Philipp Schneider hierselbst zum Konkursverwalter ernannt worden. Offener Arrest mit Anzeige- und Anmeldefrist bis zum 1. Dezember 1901. Termin zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters und die Bestellung eines Gläubigerausschusses am 4. November 1901, vormittags 10 Uhr und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen am 16. Dezember 1901, vormittags 10 Uhr.
Langenselbold den 14. Oktober 1901. 17390 Der Gerichtsschreiber des Kgl. Amtsgerichts.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gesunden: 1 gesticktes Monogramm L. 8. oder 8. L.
Vom Wasenmeister am 17. d. Mts. eingefang en:
1 schwarzer Bastard mit rothen Abzeichen m. Geschl.
Hanau den 18. Oktober 1901.
Politische Rundschau.
Der Kaiser und Prof. Dr. Spahn. Vom Kaiser 'st dem kaiserlichen Statthalter in Straßburg vorgestern folgendes Telegramm zugegangen : „Neues Palais. Patent für Dr. Spahn von mir heute vollzogen. Er wird gewiß eine vortreffliche Lehrkraft für die Universität werden. Freue mich, einen lange gehegten Wunsch meiner Elsaß-Lothringer haben erfüllen zu können und ihnen sowohl als meinen katholischen Unterthanen überhaupt bewiesen zu haben, daß anerkannte wissenschaftliche Thätigkeit auf der Basis von Vaterlandsliebe und Treue zum Reich immer zu Nutz und Frommen des Vaterlandes von mir verwendet wird. Wilhelm I. R."
Der Burrdesrath überwies in seiner gestrigen Plenarsitzung die Vorlagen betr. den Entwurf von Ausfuhrbestimmungen zum Gesetz über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie betr. den Entwurf einer neuen Vereinbarung erleichternder Vorschriften für den wechselseitigen Verkehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands und der Schweiz, endlich betreffend Außerkurssetzung der silbernen Zwanzigpfennigstücke den zuständigen Ausschüssen. Den Ausschußberichten über die Vorlage vom 7. September 1901, betr. Aenderung der Satzungen der Preußischen Hypothekenaktienbank in Berlin sowie über die Vorlage vom 18. September 1901 betr. Zulassung der Neal- gymnasialabiturienten zu ärztlichen Prüfungen nach den bisherigen Vorschriften, wurde die Zustimmung ertheilt.
Der deutsche Sparkaffenverband veröffentlicht eine Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung in Berlin am Samstag den 16. Novbr. d. I., vorm. 11 Uhr, mit folgen
der Tagesordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichts, Feststellung des Haushaltsplanes für das Jahr 1902, Borstandswahlen, Entlastung wegen der Vereinsrechnung für das Jahr 1900 sowie Neuwahl der Rechnungsrevisoren. 2. Geschäftliche Mittheilungen. 3. Austausch von Erfahrungen bezüglich der die Sparkassen betreffenden Bestimmungen des neuen bürgerlichen Rechts, mit besonderer Berücksichtigung des Hypothekenrechts. 4. Die zeitweise Nachprüfung der Sicherheit von Hypotheken. 5. Die Nevisionsfrage, mit Rücksicht auf den Erlaß des Ministers des Innern vom 23. März 1901. 6. Die Berechtigung zur Führung des Namens „Sparkasse". Das Versammlungslokal sowie die Namen der Berichterstatter werden noch bekannt gegeben.
Die Erbfolge in Reuß ä. L. Die „Geraer Ztg." melbet aus Greiz : Der regierende Fürst hat gestern sein altes Testament zurückgenommen und dafür ein neues hinterlegt, das mit einer anderweiten Regelung der Erbfolgefrage in Zusammenhang steht. Der Fürst ist nicht unbedenklich erkrankt.
Der österreichische Staatsvoranschlag für 1902. Der gestern dem Abgeordnetenhaus unterbreitete Staatsvoranschlag für das Jahr 1902 weist ein Gesammterforderniß von 1,685,117,944 Kronen auf und zeigt eine Steigerung um 43,954,600 Kronen. Die Gesammtbedeckung stellt sich auf 1,685,966,357 Kronen, somit um 43,968,772 Kronen höher. Der Staatsvoranschlag schließt somit aktiv mit 848,413 Kronen ab. Für 1902 sind zur Rückzahlung der fälligen Kapitalien der allgemeinen Staatsschuld Obligationen im Betrage von 2,203,363 Kronen für die in Noten verzinsliche Schuld, von 3,034,540 Kronen für die in Silber verzinsliche Schuld auszufertigen. Die gemeinsamen Auslagen, obwohl thatsächlich um 2,437,355 Kronen niedriger, mußten eine um 10,065,145 Kronen höhere Präliminirung erfahren infolge niedrigerer Veranschlagung des Reinertrages des Zollgefälles um 12,502,500 Kronen. An dem Mehrerforderniß sind sämmtliche Ministerien betheiligt. Die Staatsschuld weist einen Mehranspruch von 8,791,003 Kronen auf wegen des Zinszuwachses für die begebene und zu begebende Rente; ebenso ist der Dienst der gemeinsamen Staatsschuld um 1,175,369 Kronen erhöht mit Rücksicht auf die in diesem Jahre und im Jahre 1902 beabsichtigte Begebung der Tilgungsrente. Was die Bedeckung betrifft, so weist das Budget des Finanzministeriums als bisher realisirten Münzgewinn 16 ^s Millionen zur Ausgabe von Theilmünzen in Kronenwährung auf. Die indirekten Abgaben weisen eine Steigerung von 23,234,000 Kronen auf, die direkten eine solche von Kronen 6,907,100.
Rußland und die Mandschurei. Die „Times" melden aus Peking vom 16. ds.: Ueber den neuen Vertrag bezüglich der Mandschurei, der in den Grundlinien dem von Rußland am 5. April zurückgezogenen gleicht, aber in einer die Chinesen mehr schonenden Weise abgefaßt ist, wurde schon vor einiger Zeit und wird auch jetzt wieder zwischen dem russischen Gesandten und Li-Hung-Tschang verhandelt. Infolge der früheren Enthüllungen wird jetzt strengste Diskretion gewahrt, doch ist bekannt, daß die Verhandlungen Li-Hung- Tschang übertragen worden sind. Femer wird gemeldet, daß der Vertrag bis jetzt nur skizzirt, aber noch nicht end- giltig festgestellt ist. Prinz Tsching erklärt, er sei nicht darüber unterrichtet und gibt deshalb seiner Entrüstung Ausdruck. Die beiden Vizekönige des Nangtse-Gebietes erhoben schon zweimal gegen die erwähnten Verhandlungen Widerspruch, da sie erfuhren, Rußland beabsichtige, China zu gestatten, den Angehörigen anderer Staaten Bergwerksrechte in den Provinzen Mukden und Kirin einzuräumen, wenn sie vorher die Zustimmung Rußlands erhalten hätten. Der Tartarengeneral von Mukden, Tschengschi, richtete sofort eine Denkschrift an den Kaiser, worin er verlangt, daß in seiner Provinz Bergwerks- rechte ausschließlich den Russen eingeräumt werden sollen. Der Tartarengeneral von Kirin sandte eine ähnliche Denkschrift ab.
Japan rüstet zum Kriege mit Rußland. Der soeben zurückgekehrte Japanreisende Professor Senn von der Chicagoer Universität berichtet, Japan treffe riesenhafte Vorbereitungen zum Kriege wegen Korea. Er behauptet, der Kriegsausbruch stehe nahe bevor. Die Japaner halten die Kriegsabsicht nicht mehr geheim, die Volksstimmung begünstige eine baldige Aktion. (Wir glauben nicht an die Kriegsbereitschaft Japans, solange seinem voraussichtlichen Bundesgenossen England in Südafrika die Hände gebunden sind. D. R.)
Chilenisch-argentinische Differenzen. Die chilenische Presse wirft Argentinien vor, daß es Beunruhigungen verursache durch Uebermittelung unrichtiger Nachrichten nach Europa. Die Blätter erklären, die auf dem stritigen Gebiet erbauten strategischen Straßen seien von der Grenzregulirungs- Kommission geschaffen worden, um die Erforschung des Gebiets zu erleichtern.
Englische Industrie. Nach einem Wolff'schen Telegramm aus London empfiehlt Georg Hamilton in einem Schreiben den englischen Maschinenbaufirmen, ernste Maßnahmen zur Ausdehnung der Produktion zu ergreifen, um zu verhindern, daß die Lokomotivkontrakte ständig in die Hände Auswärtiger fallen. Der Bedarf Indiens an Lokomotiven nehme bedeutend zu. Südafrika habe erst kürzlich große Aufträge gegeben. Indien habe die Ertheilung gewisser Aufträge verschoben, um denen Südafrikas den Vorzug zu geben. Das Angebot einer hannoverschen Firma auf Lokomotiven für indische Eisenbahnen war 25 pCt. niedriger als das Angebot einer britischen Firma mit der halben Lieferzeit. Hamilton fügt hinzu, er habe für Dezember in Kalkutta eine abzuhaltende Konferenz von indischen Eisenbahningenieuren veranstaltet, um Abhilfsmittel ausfindig zu machen.
Kus Stadt und £and.
Hanau, 18. Oktober.
* Sonntagskarten. Zur Frage der theilweisen Wiedereinführung der seit Beginn dieses Monats beseitigten Sonntagsfahrkarten für mehrere Direktionsbezirke der preußischen Staatsbahnen, insbesondere für Thüringen und Hessen-Nassau, wird der „Berl. Börsen-Ztg." mitgetheilt, daß das Eisenbahnministerium nicht abgeneigt sei, eine solche ab 1. April 1902 zuzugestehen, jedoch nur für das Sommersemester April—September. Es wird dabei Rücksicht auf den Touristenverkehr genommen, der allerdings sonst nicht einen unwesentlichen Rückgang erfahren dürfte. Damit wird zugleich den in vielen Petitionen geäußerten Wünschen im Wesentlichen genügt. Gleichzeitig erfährt das Blatt, daß eine bessere Ausnutzung der in den Personenzügen verkehrenden Wagen angeordnet ist.
* Ueber die Stellung der Gärtner hat sich in einem bemerkenswerthen Urtheil das Oberlandesgericht in Breslau ausgesprochen. Es erkennt darin nur die handelsgewerblich, bezw. kaufmännisch betriebenen Gärtnereien als Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung an. Einfach gewerbsmäßig betriebene Kunst- und Ziergärtnereien zählt das Gericht zum Gartenbau, der gesetzlich der Landwirthschaft zugeordnet ist. Das Gericht hat im vorliegenden Falle entschieden, daß — da der Angeklagte also nicht als Gewerbetreibender anzusehen ist — er auch nicht verpflichtet ist, seine Lehrlinge in die gewerbliche Fortbildungsschule zu schicken. „Die Gärtnerei fällt als Erzeugung von Urprodukten (so heißt es in den Gründen) an sich nicht unter die Bestimmung der Gewerbeordnung. Das Wesen des Gartenbaues wird auch dadurch nicht verändert, daß der Gärtner ein paar Häuser besitzt, in denen er seine Pflanzen in kalter Jahreszeit unterbringt, oder daß er Frühbeete anlegt, und ebenso wenig dadurch, daß er mehrere Lehrlinge hält. Nur dadurch könnte die Gärtnerei zum Gewerbe, bezw. Handelsgewerbe werden, daß der Gärtner die gezogenen Urprodukte einer gewerbsmäßigen Verarbeitung unterwirft oder dadurch, daß der Gärtner fremde Gartenprodukte zur Weiterveräußerung augekauft oder seine eigenen im kaufmännischen Betriebe verwerthet, was z. B. durch einen offenen Laden, kaufmännisch gebildetes Personal, Eintragung ins Handelsregister kenntlich gemacht würde."
* Bon der Pforzheimer Handelskammer. In einer Kollektiveingabe Pforzheimer Steinhändler wurde wiederhol: aufs Lebhafteste Klage geführt über die sich mehr und mehr einbürzernde Gepflogenheit der Bijouteriegroßhandlungen, nicht nur selbst die Steine für ihre eigenen Bestellungen den Fabrikanten zuzugeben, sondern auch durch ihre Reisenden und Platzvertreter den Einfluß, den der Kunde auf seinen Lieferanten auszuüben vermag, aufs Ausgiebigste zwecks Abschlusses von Steingeschäften auszunutzen. Die Handelskammer — um Abstellung dieses Mißstandes ersucht — verkennt zwar keineswegs, daß eine derartige Geschäftspraxis den von ihr betroffenen Kreisen unerwünscht sein muß, sieht sich jedoch nach Lage der Gesetzgebung außer Stande, Ägend welche Schritte in dieser Angelegenheit zu thun. — Von verschiedenen Seiten sind bei der Kammer Beschwerden wegen unrichtiger Bezeichnung von Double-Waaren eingelaufen. Es soll in einer demnächst einzuberufenden Versammlung von Interessenten die Angelegenheit besprochen und versucht werden, allgemein gütige Normen festzulegen.
* Heffenlaud. Inhalt der Nummer 20 des „Hessenland" : "Sascha Elfa, „Der Glücksucher"; Knodt, Karl Ernst, „Flammenzeichen" (Gedichte). — Stromberger, Th. „Malvida von Meysenbug". — Wintzer, Dr. Eduard. „Die Marburger Familie zum Schwan um die Zeit der Reformation". — Schmitt, Helwig. „Zur Geschichte der französischen Kolonie Frankenhain" (Schluß). — Meysenbug, Malvida von. „Unter Götter wandeln". Stimmungsbild. —- „Die Schlacht bei Hanau". Bericht eines Augenzeugen. — Naumann, Heinrich.