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Erstes Blatt

MM

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 164

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Mittwoch den 17. Juli

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Amtliches.

Candkreis Ranau.

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

Nachstehenden Auszug aus dem in Nr. 24 des Zentral- blattes für das Deutsche Reich vom Jahre 1901 veröffentlichten Verzeichniß derjenigen im Reichsgebiet belegenen Gartenbau- rc. Anlagen, für welche die in der Deklaration vom 15. April 1889 zur internationalen Reblaus-Konvention (R.-G.-Bl. S. 203) genehmigten Verkehrserleichterungen bei der Pflanzen- Ausfuhr in Betracht kommen, bringe ich hierdurch zur öffent­lichen Kenntniß.

Hanau den 9. Juli 1901.

Der Königliche Landrath.

' V. 7365 v. Schenck.

_

Auszug.

Unter Bezugnahme auf die Vorschrift im § 7 Abs. 3 des Gesetzes vom 3. Juli 1883 (R.-G.-Bl. S. 149) wird das in der Bekanntmachung vom 24. Oktober 1900 (Zentral-Blatt Seite 549) enthaltene Verzeichniß von Gartenbau- oder botanischen Anlagen, Schulen und Gärten, welche regelmäßigen Untersuchungen in angemessener Jahreszeit unterliegen und amtlich als den Anforderungen der internationalen Reblaus- Kommission entsprechend erklärt worden sind, durch das nach­folgende Verzeichniß ersetzt.

Lfde.

Nr.

Ort der Gartenbau- Anlage

Name des Besitzers und Art des Grund­stücks

Bemer­kungen.

' 100

Cassel, Preußen, Provinz Hessen-Nassau

Joh. Hördemann, Inh. Heinrich Hörde­mann u. Lappe, Gärtnerei.

278

Gelnhausen, Preußen, Provinz Hessen-Nassau

Franz Hohm Söhne, Baumschule.

279

dito

L. W. Schöffer, Gartenanlage.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 weißer Kinderstrohhut mit roth und weißer Schnur und rother Quaste.

Verloren: Vor ungefähr 3 Wochen 1 Brillantring.

Vom Wasenmeister am 16. d. Mts. eingefangen: 1 grauer Rehpinscher, Bastard. 1 schwarzer Spitz mit rothen Abzeichen, beide m. Geschl.

Hanau den 17. Juli 1901.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 17. Juli.

() Mainwasserstand. Wegen der anhaltenden Trocken­heit ist der Mainwasserstand erheblich gesunken und beträgt gegenwärtig nur 75 Centimeter. Innerhalb der letzten 48 Stunden ist das Wasser um 15 Centimeter gefallen. Diese Thatsache erklärt sich neben der Trocknung auch aus dem Um­stände, daß die wasserreichefränkische Saale", welche bei Ge­münden mit ihren kräftigen von der Rhön kommenden Zu- flüssen mündet, kürzlich behufs Wiesenbewäsferung gestaut wurde. Der geringe Wasserstand gestattet den Schiffern nur noch die halbe Befrachtung ihrer Fahrzeuge. Verkehrskalami­täten, gänzliche Einstellung der Kettenschlepperfahrlen, wie sie noch im Jahre 1892 am 23. August vorkamen, sind indessen nahezu ausgeschlossen, nachdem vor einigen Jahren das Strom­bett seiner ganzen Länge nach zur Sicherung einer Fahrbahn in einer Breite von 25 Meter entsprechend ausgebaggert wurde. Der geringste Wasserstand wurde im Jahre 1836 und am 24. August 1892 mit 35 Centimeter konstatirt. Im Jahre 1884 betrug der kleinste Wasserstand 41 Centimeter, 1885 39 Centimeter, 1886 51 Centimeter und 1889 am 15. August 45 Centimeter. Die Kettenschleppschifffahrt bis Aschaffen­burg wurde am 8. August 1886 eröffnet. Wegen niedrigen Wasserstandes mußten die 3 Kettendampfer seitdem nur ein­mal und zwar Ende August 1892 ihre Fahrten temporär voll­ständig einstellen.

6 Gewfttee. Mehrere schwere Gewitter mit heftigen Regengüssen überzogen vorgestern Abend gegen 8 Uhr das Maingebiet. Der Blitz zertrümmerte den Schornstein eines

Wohngebäudes zu Hörstein. Auch anderwärts scheint der Blitz mehrfach eingeschlagen zu sein. Mit den Gewittern war ein orkanartiger Sturm verbunden, welcher in den Nadel­waldungen mitunter erhebliche Verheerungen verursachte. Im Staatswalde bei Seligenstadt wurden etwa 50 Nadel­bäume entwurzelt. ImFre ig er i chte" scheinen die Wetter am schlimmsten getobt zu haben. Den lechzenden Fluren kamen die niedergegangenen Regenmengen vortrefflich zu statten.

* Eine für Gasiwirthe interessante Gnt- schädigungsfrage ist vor einigen Tagen in München zur gerichtlichen Verhandlung gekommen. Ein auf einer gepolsterten Bank sitzender Gast blieb beim Aufstehen an einer unmerklich vorstehenden Schraube hängen, zerriß dabei seine Hose und erhob darauf Klage gegen den Wirth. Das Amtsgericht ver- urtheilte den Wirth zu vollem Schadenersatz unter folgender Begründung: Der Wirth sei verantwortlich dafür, daß durch sein Mobilar den Gästen kein Schaden entstehe und müsse entweder selbst oder durch sein Dienstpersonal da­für sorgen, daß solche Vorkommnisse vermieden würden, was durch eine genaue Kontrole geschehen könne.

* Stenographen-Verbandstag. Der am Sonntag in Heppenheim abgehaltene 22. Verbandstag der Gabelsberger Stenographen des Main-Rheingaues und von Hessen-Nassau wählte als Ort der nächsten Tagung Wetzlar.

© Verbandsschietzen. Aus Heidelberg schreibt uns unser Berichterstatter: Als Ort des nächsten Verbands­schießens des Badischen Landesschützenvereins, des Pfälzi­schen und des Mittelrheinischen Schützenbundes wurde in der gestrigen Delegirtenversammlung Neustadt a. d. H. gewählt. Der Verkauf von Schießkarten war ein sehr guter, es wurden dadurch über 12 000 M., außerdem wurden an der Tages­kasse in den ersten zwei Festtagen ca. 6000 Mark ver­einnahmt.

* Der 10» Verbandstag der Genossenschaft deutscher Tanzlehrer findet dieses Jahr in Leipzig vom 21. bis 25. Juli in den Sälen des Krystall-Palastes statt. Sämmtliche süd­deutschen Mitglieder werden sich zur gemeinsamen Fahrt mit den hiesigen Kollegen Samstag den 20. Juli in Frankfurt vereinigen.

8 1. Bäder-Frequenz. Baden-Baden 31 774. Ems 12 460. Homburg 5344. Nauheim 11 578. Schwalbach 2671. Soden i./T. 1895. Helgoland 4646.

6 Gefährliche Situation. An der mittleren Main­gasse in Groß-Auheim, unten am Main, geriethen dieP ferde des Fuhrmanns Alois Z im m e r m a n n beim Holzschleifen ungefähr 2 Meter vom Land ab in ca. 2 Meter tiefen Schlamm, sodaß die Pferde sicher ihr Leben eingebüßt hätten, wenn nicht der Besitzer derselben ins Wasser gesprungen wäre, um die Köpfe der Thiere einigermaßen hochzuhalten, bis der Nachbar August Mangelmann mit seinen 2 Pferden und die Bediensteten des Gastwirths August Maier zumgoldnen Engel", sowie Feld­arbeiter zur nöthigen Hilfeleistung erschienen und mit großer Anstrengung die Pferde aus dieser gefährlichen Lage brachten. Es wäre sehr zu wünschen, wenn von zuständiger Seite diese gefährliche Stelle untersucht und auch die nöthige Abhilfe ge­schaffen würde, um weiteren Unfällen vorzubeugen.

* Radfahrerpech. Vor dem Schöffengericht zu Hanau wurde gestern der folgende Vorfall verhandelt: Am 20. April fuhren abends zwei Radfahrer vom Rochusplatz in Groß- Auheim durch die Sandgasse. An dem in der Nähe der Straßenbiegung stehenden Brunnen holten zwei Kinder Wasser und unglücklicherweise lief das eine der Kinder, die 4jährige Susanne G., gerade in dem Augenblick auf die Straße, als der hintere der Radfahrer, der Maurer A., in schnellem Tempo ankam. Dieser war noch kein sattelfester Radler, er konnte dem Kinde nicht ausweichen und fuhr es um. Das Kind erlitt einen Bruch des Schlüsselbeins und eine Auskugelung des Armes, außerdem noch Kontusionen am Körper. Der A. erhielt eine Geldstrafe von 25 Mark.

* Silberne Hochzeit. Heute Mittwoch feiern Herr Andr. Bild Häuser und Frau (Nordstraße) ihre silberne Hochzeit.

* Ein steckbrieflich verfolgter Kolporteur, der frühere Barbier G., wurde gestern Abend hier festgenommen.

* Ein taubstummer Händler aus Erfurt versuchte vorgestern in der Webergasse, als er in einer dortigen Woh­nung erwachsene Personen nicht vorfand, sich an einem 10- jährigen Mädchen zu vergreifen. Gestern wurde er erwischt und verhaftet.

W Viehmarkt. Trotz nicht sehr hoher Preise und trotz vorzüglicher Waare war der Handel auf dem heutigen Vieh­markt anfänglich (gegen 8 Uhr) ein schleppender und wird auch allem Anschein nach nicht sehr lebhaft werden. Auf dem Platze standen 346 Thiere, 62 mehr wie auf dem Viehmarkte vom 3. Juli, und zwar 206 Kühe, 35 Rinder, 2 Stiere, 101 Kälber und 2 Ziegen.

8 Vanneiweihe. Im Anschluß an unsere früheren Berichte über die Bannerweihe desBicycle-Club Hanovia" empfehlen wir zunächst das in der heutigen Nummer enthaltene Programm über die Festlichkeiten besonderer Beachtung, zu dessen Erläuterung wir Folgendes mittheilen: Die akademische Feier, die Sonntag Vormittag 11 Uhr im Saalbauzum Deutschen Haus" unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Tonblüthe" stattfindet, wird sich zu einem feierlichen, vor Allem aber höchst interessanten Festakt gestalten. Die.im Jahre 1897 hier stattgehabte ZOOjähr. Jubelfeier der Gründung der Neustadt Hanau hat dem Verein bei seiner Gründung Veranlassung gegeben, demselben den NamenHanovia" beizulegen um diesen Namen würdig vertreten zu können, die Farben unserer Stadt am Hute zu tragen. Diese Idee darf als eine sehr gute bezeichnet werden, die der Verein darin noch weiter ausbaute, indem bei der Frage der Ausstattung des Banners kein Zweifel entstehen konnte, auf demselben das Bildniß der Hanovia mit den In­signien des Alt-. und Neustädter Wappens anzubringen, um somit den historischen Ereignissen unserer Vaterstadt eine blei­bende Erinnerung zu schaffen. Die Zeichnungen zu dieser Darstellung sind unter freundlicher Mithilfe des Herrn Prof. M. Wiese sowie anderer hiesiger Künstler in vortrefflichster Weise gelungen und wurde die Bonner Fahnenfabrik in Bonn mit der Anfertigung des Banners beauftragt, die der Sache auch ungetheiltes Interesse entgegenbrachte. Das Banner, welches aus eigenen Mitteln des Vereins, der rein sportliche und lokalpatriotische Interessen vertritt, beschafft und ein Kunst­werk darstellen wird, gereicht demselben zur hohen Ehre. Wünschen wir dem Verein, der es verstanden hat, innerhalb 2 Jahren auf die Höhe zu kommen, in Anerkennung seiner guten Eigenschaften, durchdrungen von einem freundschaftlichen und kameradschaftlichen Geiste, daß er recht bald eine große Schaar gleichgesinnter Sportsfreunde um sein Banner ver­einigen kann und somit jemehr in die Lage kommt, die Farben der Stadt bei allen Konkurrenzen mit aller Ehre vertreten zu können. Nach erfolgtem gemeinsamen Mittagstisch wird der Preiskorso, der eine starke Betheiligung auswärtiger und hiesiger Vereine aufweist, um 21li Uhr am Zollamt (West­bahnhof) Aufstellung nehmen, um sich präzis 3 Uhr in Be­gleitung der gesammten Ulanenkapelle (Leitung Königl. Musik­dirigent Urbach) in Bewegung zu setzen. Derselbe führt über Kanalplatz, Krämerstraße, Heumarkt, Römerstraße, Lindenstraße, Franz. Allee (West- und Südseite), Schützenstraße, Schnur­straße, Nürnbergerstraße, Hirschstraße, Salzstraße, Marktplatz (Nordseite), Krämerstraße, Steinheimerstraße, Langstraße, Ham­merstraße, Paradeplatz (Westseite), Marktstraße, Metzgerstraße, Hospitalstraße, Vorstadt, Kleine Hainstraße, Hainstraße, Wil­helmstraße nach dem Festplatz (Kaiserhof), woselbst großes Militärkonzert der gesammten Ulanenkapelle, das an und für sich einige Genüsse bietet, wie wir aus dem Programm, aus welchem wir die einzelnen Fanfarenmärsche besonders heroor- heben, ersehen, mit Reigenfahren, turnerischen Aufführungen und Volksbelustigungen aller Art einander abwechseln. Wir richten schon heute an die Bürgerschaft die höfliche Bitte, die Straßen, die der Korso passirt, zu Ehren der auswärtigen Sportskameraden beflaggen zu wollen. An der Hand des Programms haben wir die Ueberzeugung gewonnen, daß uns ein Sportsfest ersten Ranges bevorsteht, andererseits, daß der Bicycle-Club Hanovia, ungeachtet aller Kosten, eifrig thätig ist, seinen Grundsätzen gerecht zu werden und wünschen wir demselben zu dieser Veranstaltung, an welcher wohl die ge­summte Bürgerschaft berechtigtes Interesse haben wird, bestes Gelingen.

* Im heutigen Nachmittagskonzert in Wilhelms­bad, das um 5 Uhr beginnt, bringt die Jnfanteriekapelle, wie schon mitgetheilt, das große Saro'sche Schlachten-Potpourri zur Aufführung.

* Kellerfest. Das für heute Abend auf derSchönen Aussicht" stattfindende zweite diesjährige Kellerfest verspricht, von der Gunst der Witterung getragen, einen prächtigen Ver­lauf zu nehmen. Wir machen angelegentlichst darauf auf­merksam.

* Sommerfest. Für das nächsten Sonntag am ,/Forst- Hause" stattfindende Sommerfest der Turngemeinde hat der Turn-Ausschuß ein hochinteressantes turnerisches Programm aufgestellt. Hiernach findet zunächst von 3 Uhr ab ein Wett­turnen für Schüler statt, alsdann folgen Stabübungen, Barren­turnen, Stabhoch springen, Turnspiele u. s. w. Auf die mannig­fachen Darbietungen welche der Vergnügungs - Ausschuß bringen wird, kommen wir noch in den nächsten Tagen zu. sprechen.

* Beck's Felsenkellee. Kommenden Freitag Abend steht auf Beck's Felsenkeller ein eigenartig schöner Kunstgenuß zu erwarten, indem bei dem Konzert der Jnfanteriekapelle da­selbst auch der GesangvereinTonblüthe" mitwirken wird.