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General-Anzeiger.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Organ für Stadt- und FandKreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
'lr. 293
Bezirks-Fernsvrechanschluß Nr. 98.
Moutaa den 16. Dezember.
B ezirks-F ernsprechanschluß Nr. 98.
1901
Amtliches
Stadtkreis Ran au.
Der Stadtausschuß hat für das Jahr 1902 gemäß § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betr. die Ausführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen aus den sachverständigen Eingesessenen des Stadtkreises Hanau nachstehende Personen gewählt, welche zu dem Amte eines Schiedsmannes zur Abschätzung von an Seuchen gefallenen Thieren zugezogen werden können:
Rentner Philipp Föll,
Landwirth Heinrich Seitz I und
Metzgermeisler Andreas Schindler.
Hanau den 12. Dezember 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 12061 v. Schenck.
Nach einer Mittheilung des Grokherzoalichen Kreisamtes zu Offenbach a./M. ist unter dem Geflügelbestande des Kaufmanns Conrad Hang zu Offenbach, Gustav Adolfstraße Nr. 28, die Geflügelcholera festgestellt worden- Gehöftsperre wurde anaeordnet.
Hanau den 13. Dezember 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 12026 v. Schenck.
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Candkreis Ran au.
Bekavntmachunqen des Kmnql. Landrathsamtes.
Des Königs Majestät haben mittels Allerhöchsten Erlaffes vom 16. Oktober d. Js. zu genehmigen geruht, daß die im Kreise Hanau belegenen domänenfiskalffchen Gutsbezirke Wilhelmsbaderhof und Wilhelmsbad zu einem domänenfiskalischen Guisbezirk mit dem Namen
„Wilhelmsbad" vereinigt werden.
Hanan den 12. Dezember 1901.
Der Königliche Landrath.
A 5296 v. Schenck.
Unter dem Viehbestand des Landwirths Michael Rttppel V. in Mittel buchen ist die Maul- und Klauenfettche ausgebrochen. Ueber das Gehöft des Genannten wurde die Sperre verhängt.
Hanan den 14. Dezember 1901.
Der Königliche Landrath.
v. Sckenck. maaTMWMTiBgims^^ u ..................
Kleines Feuilleton.
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 16. Dezbr.
„Debo r ah."
„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen". Diese ewige Wahrheit, die Schiller seinem edlen Allinghausen im „Tell" in den Mund gelegt, behauptet ihr Recht auch in der dramatischen Kunst. Stücke der früheren Zeit, die einst von der Gunst des Publlkums getragen wurden, verblassen bedenklich, wenn sie heute dem grellen Lampenli ht der Bühne auf einige kurze Stunden ausgesetzt werden. Auch Mosentha^s vieraktiges Schauspiel „Deborah", das gestern nach längerer Pause wieder einmal über unsere Bretter ging) ist diesem Schicksal verfallen. Die Handlung des Stückes weiß uns bekanntlich von der Liebe des Dorfri -terssohns Joseph zu der vertriebenen Jüdin Deborah zu berichten und wirft grelle Streiflichter auf die Verhältnisse einer vergangenen Zeit. Aber Art und Weise, wie uns diese Vorgänge in dem verwandlungsreichen Stücke vor Augen geführt werden, halten der prüfenden und ernsten Betrachtung von heute keinen Stand mehr und die geschilderten Leidenschaften, so inan deren Ursache und Wirkung nachspürt, erweisen sich als flackerndes Strohfeuer, mühsam erhalten für den kurzen Theaterabend. Die Aufführung verlief, abgesehen von einer kleinen Störung des ersten Aktes, befriedigend. Frl. Haas entwickelte in der Rolle der Deborah die bekannten Vorzüge ihrer scharf und treffend gestalteten Kunst, die sich besonders in solch leidenschaftlichen Aufgaben bewährt. Fast mochte man an die Wahrheit ihrer Deborah glauben, so überzeugend standen ihr die Töne der Leidenschaft, der Liebe und des Hasses zu Gebote. Namentlich aber die feine Charakterifirung einzelner herrlichen^Züge verlieh dem verblaßten Schauspiel in manchen Momemen den Schein der Wahrheit. Gelang es so Frl. Haas, die alten Formen mit etwas frischem Blut zu füllen, so läßt sich dieses von ihrem Partner Herrn Kron weniger behaupten. Der junge Darsteller konnte als Joseph von einem gewissen hochgeschraubten Deklamationston nicht loskommen. Trügt auch der Dichter mit der unwahren und schwulstigen Zeichnung dieses Charakters die Verantwortung, so stehen dein fähigen Darsteller genug Mittel zur Verfügung, hier mildernd zu wirken, und Herr Kron hat uns vor kurzem als Melchthal eine Jo prächtige Natürlichkeit in Sviel und Sprache erkennen lassen, die wir an seiner Leistung, gestern sehr vermißten. Von den übrigen Trägern größerer Rollen seien noch
Gefundene und verlorene Gegenstände h.
Gefunden: 1 graues Knabenrädchen. 1 gelber Damenhandschuh (linker) mit 3 grünen Knöpfen. 1 grauer Shawl.
Verloren: 1 silberne Geldbörse mit 10 Mk. Inhalt.
Hanau den 16. Dezember 1901.
Hus Stadt und Cand.
Hsnau, 16. Dezbr.
♦ Landes-Berftcherungsanstalt. Dienstag den 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, findet in Cassel eine Sitzung des Ausschusses der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau statt. Auf der recht reichhaltigen Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag über den Neubau eines Verwaltungsgebäudes und ein solcher über den ministeriellen Erlaß vom 3Ö. Oktober 1901, betreffend die Hingabe von Darlehen aus den Beständen der Versicherungsanstalt an Gemeinden und weitere Kommunal- verbände.
* Wandernde Handwerksgesellen. Ueber die Bewegung der „Stationsgäste" im Jahre 1900 in den Ver- pflegungsorten des hessen-nassauischen und hesfen-darm- städtischen Verbandsgebietes gibt eine amtliche Tabelle genauen Aufschluß. Es verkehrten im I. Bezirke (umfassend die Kreise Hofgeismar, Witzenhausen, Eschwege, Cassel-Stadt, Wolfhagen, Fritzlar und Waldeck mit 9 Stationen) 21,662, im II. Bezirk (umfassend die Breite Ziegenhain, Kirchhain, Marburg, Homberg, Hersfeld, Fulda, Rotenburg und Frankenberg mit 12 Stationen) 16,396, im III. Bezirk (umfassend die Kreise Frankfurt-Stadt, Schlüchtern, Hanau-Stadt, Gelnhausen und Usingen mit 7 Stationen) 18,768, im IV. Bezirk (umfassend die Kreise Wiesbaden, Rbeingau und Limburg mit 3 Stationen) 6719, im V. Bezirk (umfassend die Kreise Dillenburg, Biedenkopf, Weilburg, Westerburg und Wetzlar mit 6 Stationen) 6808, im VI. Bezirk (umfassend die Kreise Gießen und Friedberg mit 6 Stationen) 14,389, im VII. Bezirk (umfassend die Kreise Darmstadt, Bernsheim, Dieburg, Erbach, Großgerau, Heppenheim und Offenbach mit 11 Stationen) 27,612 und im VIII. Bezirk (umfassend die Kreise Mainz, Bingen, Oppenheim, Worms und Alzep mit 6 Stationen) 18,375 Handwerksburschen, macht für alle 60 Verpflegungs- staiionen in der Provinz Hessen-Nassau, Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen die Summe von 130,729 Stationsgästen im verflossenen Jahre und im gesammten Verbandsgebiete.
* Glücklicher Schütze. Am 4. Dezember fand in Nieder-Wöllstädier Gemarkung ein Treibjagen statt, bei welchem, wie die „Friedberger Zeitung" schreibt, ein Okarber Schütze einen Hasen so schwer verwundete, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird!!
besonders anerkennend Herr Möbius als Lorenz, Herr Retzbach als Schulmeister und Frl. G Y p e n als Hanna genannt.
Litterarisches.
Worin liegt das Geheimniß litterarischen Erfolges ? In einem Festgewande ist Anfang Dezember die Nummer 1000 des von Clara von Studnitz 1882 begründeten und herausgegebenen Wochenblattes „Fürs Haus" zur Ausgabe gelangt. Das ruft die Erinnerung an den ungewöhnlichen Erfolg zurück, mit dem das Unternehmen vor zwanzig Jahren ins Leben getreten ist, und an die Schule, die es in der periodischen, unsern Hausfrauen gewidmeten Litteratur gemacht hat. Sein sieghaftes Erscheinen war gleichsam das Signal für eine Reihe ähnlicher Unternehmungen, von denen manche zwar nicht minder erfolgreich waren, aber doch keines die Bedeutung seines Vorbildes zu erlangen vermocht hat. Es ist darum, und nicht nur für den Fachmann von Interesse, dem Geheimniß dieses Erfolges nachzugehen und die Bedingungen klar zu legen, denen es nicht allein die Eroberung, sondern mehr noch die Behauptung seiner glänzenden Stellung verdankt. Mir will scheinen, als ruhe dieses Geheimniß in der Person der Herausgeberin des Blattes. Sie hat es verstanden, ihm von dem ersten Federstriche an eine Individualität zu geben, die gerade die Kreise überaus sympathisch berühren mußte, denen sie selbst angehört. Es ist das Leben und die Anschauung der guten Gesellschaft, es sind ihre kleinen Nöthen und Sorgen, die es in ganzer Treue widerspiegelt. Mag auch manches von den: sozialen Kämpfen und Werden der Zeit dahinein dringen, es geht doch nicht so in dir Tiefe, harte Gegensätze auszubilden und in die Er- scheinukg treten zu lassen. So athmet alles in dem Blatte den Grist der christlichen Milde und des liebenswürdigen Empfindens, der unsern lieben Frauen so wohl ansteht. Indem die Herausgeberin ihre Welt in dem Blatte zu geben und zu leben wußte, eroberte sie sich die gleichgestimmte Frauenwelt,
tf Akar. JüngLingskongreßaLion. In der „Centralhalle" feierte gestern Abend der Jünglingsverein sein 17. Stiftungsfest. Bis auf den letzten Platz war das Haus gefüllt. Wie vorher angekündigt, zeigte das reichhaltige Programm nur ausgesuchte Nummern, die durchweg zu großer Zufriedenheit gespielt wurden. Regie und Spieler hatten zusammen gewirkt, sodaß der Abend ein allseitig gelungener und sehr befriedigender war. Lebhaften Beifall fanden die drei lebenden Bilder: Weihnachtsfreuden, Frith's Traum und Triumph. Die großen Anforderungen, die das Stück „Im Glauben standhaft" von Allen erforderte, besonders aber von Frith, dem Liebling des Abends durch sein glänzendes Spielen, Graf Bellamy, Thom und Toppkliff, wurden überwunden und erwirkten tiefen und nachhaltigen Eindruck. Lautlose Stille herrschte, als die dramatische Krisis mit Frith's Traum bevorstand und der Rührung konnten sich Viele nicht mehr enthalten, als Graf Bellamy seine Kinder zum letzten Male im Kerker sah. In der Schlußnummer, „Eine verfolgte Unschuld", kam nun der Humor zu seinem ganzen Recht. Herr „Meyer" mit seinem Diener und die „fremde Dame" mit ihrem heimlich Vermählten waren den ihnen zugedachten Rollen so gut gewachsen, daß sie des Oefteren von lebhaftem Applaus unterbrochen wurden. Die Befriedigung über den Verlauf des Abends war allgemein, was schon daraus hervorging, daß man seinen Platz erst verließ, als die letzte Nummer von der trefflichen Jnfanteriekapelle abgespielt war.
* Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau. In der Samstagssitzung wurde beschlossen, der deutschen Landwirthschaftsgesellschaft als Mitglied beizutreten. Wegen Auswahl der im Frühjahr dem Kreise Hanau zu überweisenden Hengste wurden die Herren Jean Koch und Jung-Butterstadt beauftragt, nach Dillenburg zu reisen und mit dem Landesstallmeister des Landesgestüts Rücksprache zu nehmen. Wie dann weiter Herr Domânenpächter Schwarz mittheilte, hat sich die vom Verein beschaffte und von ihm erworbene Spiritus- Hoflampe sehr gut bewährt. Zum Schluß hielt Herr Kreisthierarzt Co llmann den angekündigten Vortrag über „Neues von der Maul- und Klauenseuche". Der mit Sorgfalt und Ausführlichkeit behandelte Bortrag berührte in interessanter Weise alle in letzter Zeit ausgetretenen Mittel gegen die Seuche und verbreitete sich zum Schluß noch eingehend darüber, wie man sich am besten gegen die Seuche schützt. Er empfahl hierbei eine dieses Thema ausführlich behandelnde, kürzlich erschienene Schrift zur Anschaffung für die Gemeinden. Nach diesem, mit Interesse und Beifall aufgenommenen Vortrag wurden noch einige interne Angelegenheiten verhandelt.
* Maul- und Klauenseuche. - In verschiedenen Orten des Kreises ist in letzter Zeit die Maul- und Klauenseuche wieder aufgetreten.
--------, und indem sie fortfährt, diese Welt zu geben und zu leben hält sie dieselbe an sich gefesselt, wie eine engverbundene Gemeinde. Das ist in unsrer Zeit, in der die Charakterlosigkeit Triumphe feiert, gewiß eine recht wohlthuende Erscheinung.
Kunst und Leben.
Heuschreckenplage auf den Kanarischen Inseln. Aus Soma Cruz wird dem „Daily Expreß" berichtet, daß die Kanarischen Inseln Ende November von einer Heuschreckenplage heimgesucht wurden. Ein Südweststurm brachte die Heuschrecken von der afrikanischen Küste. Auf einer Farm allein vernichteten die Heuschrecken in fünf Minuten Zeit 30 000 junge Tomatopflanzen. Man zündete große Feuer an, um die Heuschrecken durch den Rauch wegzutreiben und die Bevölkerung rasselte mit Steinen in Zinngefäßen und suchte durch Raketen und Abfeuern von Gewehren dasselbe zu erreichen. Alle Mittel zum Wegscheuchen der Thiere erwiesen sich aber als durchaus erfolglos.
Humoristisches.
Ein aufrichtiger Freund. „ . . . Jawohl, meine Braut wäre so ganz nach meinen Wünschen — nur scheint sie kolossal gescheit zu sein und ich — hm — ich habe keine besondere Vorliebe für die allzu gescheiten Frauen!" „Un- nöthige Sorge, mein Lieber! Wird sie Deine Gemahlin, so ist's nicht so weit her mit ihrer Gescheitheit!"
Wie man es nimmt. Kommerzienrath : „Sie lieben also meine Tochter?" Er (arg verschuldet): „Ich kann ohne sie nicht leben!"
Unangenehme Liebenswürdigkeit. „Warum sieht man Dich denn gar nicht mehr im Wirthshaus ?" „Ach, denk' Dir nur die Bosheit meiner Frau! Die ganze Woche ist sie die Liebenswürdigkeit selbst, nur damit ich keinen Grund finden kann, beleidigt aufzuspringen und ins Wirthshaus zu geh'n l"