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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

Nr. 190. Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. Freitag dkN 16. AUgUst. Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Verloren: Am 15. d. Mts. von der Nußallee am kleinen Main nach der Badeanstalt 1 schwarze Ouyxbrosche; Wiederbringer gute Belohnung.

Hanau den 16. August 1901.

Hus Stadt und Cand.

[Hanart, 16. August.

* Trlegraphert-Hilfösieüert. In den Orten Alten­mittlau, Horbach und Ber nbach werden am 16. August Telegraphen-Hilfsstellen mit Fernsprechbetrieb, Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit treten.

* FeLmprech-Verkehr. DerReichsanzeizer" meldet: Ab 26. August wird im Fernsprechverkehr zwischen Berlin Hamburg, BerlinFrankfurt et. M., FrankfurtKöln, FrankfurtHamburg und HamburgKöln Nachtdienst ein­gerichtet.

* Aus China zurück. Eine Kompagnie China- Freiwilliger (Württemberger) traf heute mit dem Frühzug am Ostbahnhof ein. Die Soldaten, deren Aussehen ein vorzüg­liches war, begaben sich in die Stadt und setzten dann nach mehrstündigem Aufenthalt die Reise fort.

* Prüfung von Mittelschullehrern und Rek­toren. Zu dem erwähnten Erlaß des Kultusministers in Bezug auf die Prüfung von Mittelschullehrern und Rektoren wird derVoss. Ztg." noch geschrieben :Betreffs der Prüfung der Lehrer an Mittelschulen besteht die wichtigste Aenderung in einer beträchtlichen Vermehrung der Fächer, in denen der Be­werber nach eigener Wahl sich prüfen lassen kann, und in einer Erhöhung der in jedem einzelnen Wissensgebiet gestellten Anforderungen, namentlich in den naturwissenschaftlichen Fächern. Für die Prüfung der Lehrer an Mittelschulen sind fortan stets zwei der nachbezeichneten Fächer zu wählen: 1. Religion (evangelische oder katholische); 2. Deutsch; 3. Französisch;

14. Englisch; 5. Geschichte; 6. Erdkunde; 7. Mathematik;

8. Botanik und Zoologie; 9. Physik und Chemie nebst Mine­ralogie. Im unterrichtlichen Interesse sind die in der Prüfungsordnung besonders genannten Verbindungen von je zwei Fächern zu berücksichtigen. Die Prüfung darf in den­selben Fächern nur einmal und zwar frühestens nach Ablauf eines Jahres wiederholt werden. Die Prüfung im Lateinischen tritt nicht mehr an die Stelle eines anderen Prüfungsgegen­standes, jedoch ist Bewerbern, die eine Lehrbefähigung im Lateinischen zu erlangen wünschen, die Gelegenheit dazu ge­boten. Die Prüfungsgebühr ist von 12 auf 20 Mark erhöht worden. Die Erhöhung der Gebühren gilt auch für die Ord­nung der Prüfung der Rektoren, die im Uebrigen nur Neue­rungen untergeordneter Art aufweist."

* Sein 25-jähriges Arbeits-Zubiläum als Mühl­arzt in der Karl Peter Fuß'schen Papierfabrik dahier feiert heute der 62jährige Victor Kreß in voller Rüstigkeit.

* Sommerfest. DieTurnge sellschaft" hat für nächsten Sonntag auf dem TurnplätzeZum deutschen Schützen" ein Wett turnen für ihre Zöglinge mit später folgendem Sommerfest imDeutschen Haus" festgesetzt. Das Wettturnen nimmt morgens 7 Uhr und das Sommerfest nachmittags 4 Uhr seinen Anfang. Die Vorbereitungen zu dieser Festlichkeit sind in vollem Gange und die Vielseitigkeit des Programms verspricht den hoffentlich sehr zahlreichen Be­suchern einen genußreichen Nachmittag. Der Garten, bei un­günstiger Witterung der Saal, wird geschmückt sein, turnerische Uebungen werden mit Gesangsvorträgen des Gesangvereins Germania" abwechseln, die Stadtkapelle wird ihre Weisen ertönen lassen und den Tanzlustigen wird durch Arrangirung eines Tänzchens Rechnung getragen, auch Kinderspiele mit Preisvertheilung, sowie Tombola werden für weitere Unter­haltung sorgen.

* Wettspiel. Sonntag den 18. d. M., nachm. 4 Uhr, findet auf dem Exerzierplätze ein Wettspiel zwischen der 1, Mannschaft des Frankfurter Fußballklubs Hermania und der Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 statt. Da beide Klubs über eine gute Mannschaft verfügen und der Frankfurter Klub sich bis jetzt noch mit keinem Hanauer Klub gemessen hat, so wird der Kampf voraussichtlich ein sehr hart- neckiger werden und ist es sehr fraglich, auf welche Seite der Sieg fallen wird.

* Festkommers. Der Vorsitzende der Frankfurter Fleischer-Innung, Herr Obermeister C. Marx, wurde kürzlich zum Vorsitzenden des Deutschen Fleischer-Ver­bandes gewählt. Aus Anlaß dessen veranstalteten gestern Abend die Mitglieder der Innung im kleinen Saale des Zoologischen Gartens einen Festkommers. Nachdem die Musikkapelle das Fest eröffnet hatte, begrüßte Herr A. Jung- Frankfurt die anwesenden Meister und Gesellen, mit dem Wunsche, daß

das zwischen beiden bestehende gute Verhältniß erhalten bleiben möge. Er gedachte dann des Landesfürsten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es unter seiner Regierung gelingen möge, dem Handwerk den goldenen Boden, den es früher hatte, wieder zu verschaffen. Nach dem Kaiserhoch spielte die Kapelle die Nationalhymne. Herr M. Hees-Frankfurt hielt sodann die Festrede. Die Wahl des Obermeisters zum Vorsitzenden des Verbandes, seine Stellung an der Spitze von 40 000 Männern ist eine Ehre für ihn, eine Ehre für die Frankfurter Innung. Möge er sich den früheren Verbandsvorsitzenden, Herrn Stein, zum Muster nehmen und für den Verband wirken, wie bisher für die Innung. Die Frankfurter Innung hat er mit gegründet; an der Gründung des Bezirksvereins beider Hessen und Nassau nahm er regen Antheil; die Fleischer- Schule in Worms, die Talgschmelze der Frankfurter Innung sind in erster Linie seinem thatkräftigen Eingreifen zu ver­danken. Als Stadtverordneter nahm er stets Gelegenheit, ohne die Interessen der Allgemeinheit zu verletzen, die berech­tigten Wünsche der Metzger zu vertreten. Wie in Rostock ein allgemeines Bravo und Hoch durch den Saal ging, als Marx zum Vorsitzenden gewählt wurde, so stimmte auch die Versammlung kräftig in das Hoch auf den Obermeister ein und ließ in vollen Tönen das von Herrn P. Stein ihm zu Ehren gedichtete Festlied erklingen. Herr Obermeister Karl Marx dankte in längerer Rede für die mannigfachen Ovationen, die ihm von der Frankfurter Innung aus Anlaß der Wahl dargebracht wurden. Er erinnerte daran, wie in trüber Zeit, anfangs der achtziger Jahre, die Innung gegrün­det wurde, wie damals die jüngeren Kräfte einem neuen Geist in dem Gewerbe Geltung verschafften und wie fleißige Arbeit die Frankfurter Innung auf ihre jetzige Höhe hob. Die Kollegen aus der Umgebung begrüßte er mit herzlichen Worten und mit eindringlichen Worten wandte er sich an die Gesellen, die er aufforderte, an dem alten Grundsätze des Handwerks :Meister, Geselle und Lehrling" stets hoch zu halten. Als Festgabe brachte er das genehmigte Nebenstatut der Innung über die Verwerthung der Nebenprodukte. Er schloß mit einem Hoch auf die Frankfurter Fleischer-Innung. Nach dieser offiziellen Einleitung kamen noch manche Reden und Glückwünsche. Herr Ludwig Marx steuerte zur Unterhaltung deklamatorische Vor­träge bei und ließ auch den Humor zur Geltung kommen, als dessen Vertreter die Herren Otto Stricker und Ad. Müller (Müllerche) lebhaften Beifall fanden. Die Liedervorträge des Herrn Gg. Hildmann fanden eine aufmerksame und beifalls­freudige Zuhörerschaft und gemeinschaftliche Siebet trugen dazu bei, die festesfrohe Stimmung zu heben. Von den Reden mögen neben den Begrüßungen aus Marburg, Darmstadt und anderen Orten noch die Ansprache des Vorsitzenden des Metzger- Gesellen-Vereins, Herrn Fleck, erwähnt sein, und der Trink­spruch des Herrn Rud. Ochs auf die Frauen. Mit der vor­schreitenden Stunde wuchs auch die frohe Stimmung und bis nur ein erheblicher Theil Derjenigen zu Wort gekommen war, die im Ernst oder Scherz etwas vorzubringen hatten, war die mitternächtige Stunde längst vorüber. (Fr. N.)

* Elcktro-Motoreu. Nach dem Jahresbericht des

städtischen Elektrizitätswerkes betrug am 1. April d. J. die Gesammtzahl der vorhandenen Elektro - Motoren 111 mit 351,87 P. S. Dieselben vertheilen sich auf folgende Betriebe:

44 Stück

für Bijouterie- u. Kettengeschäfte

37,79 P. 8.

9

Ventilation

5,43

7

Bäckereien

12,00

1

Gelatinfabrik

0,05

2

Kaffeebrennerei

4,00

6

Buchdruckereien =

33,50

1

Kupferschmiede =

1,25

9 ,

Metzgereien

23,00

4 ,/

II Auszüge =

23,50

1 II

Piansfortefabrik =

0,10

4 II

Silberwaarenfabrik

6,25

2 II

Stein- u. Marmorschleifereien

2,00

5 II

Uhrgehäusefabriken

l,2o

1 1/

£ ''uhwaarenfabrik

0,05

II

£ augeschäft

1,00

1 II

Gewürzmühle

2,00

7 ,/

Luftpumpe =

4, /U

Diamantschleifereien

21,00

Schreinereien

8,00

1 II

Metalldrückerei

4,00

1 u

Wäschereibetrieb

0,50

2 u

Musikwerke

0,50

4

Pumpstation

160,00

111 Stück

mit zusammen

351,87 P. 8.

Außerdem sind noch aufgestellt: 5 diverse

Heiz- bezw.

galvanoplastischen Zwecken dienende Apparate.!

H. Groß-Auheim, 16. August. (Kirchenbau- angelegenheit). Die hiesige evangelische Gemeinde hat abermals eine große Freude in ihrer Kirchenbavangelegenheit erfahren. Nachdem erst in voriger Woche der Hessische Haupt­verein des Gustav Adolf-Vereins dem Baufonds 550 Mk. überwies, hat vorgestern der Hanauer Bezirksverein des Gustav Adolfs-Vereins gelegentlich seines Jahresfestes in Langendiebach ebenfalls 500 Mk. zu gleichen'. Zwecke gütigst bewilligt. Der ferneren Unterstützung und Fürsorge des segensreich wirkenden Gustav Adolf-Vereins darf die hiesige ev. Diaspora-Gemeinde versichert sein.

6 Langenselbold, 16. August. (Kirchweih.) Nächsten Sonntag den 18. und Mittwoch den 21. I. M. findet hier- selbst die Kirchweihfeier sogenannte,Kerb", statt. In sechs Gasthöfen findet Tanzbelustigung statt; außerdem wird ein großes zweistöckiges Karussell nebst vielen anderen Schau­buden zur Aufstellung kommen. Die hiesigen Gastwirthe wer­den es sich angelegen sein lassen, für gute Speisen und Ge­tränke Sorge zu tragen und werden auch bestrebt sein, den Aufenthalt den Gästen am hiesigen Orte bequem zu machen, damit jeder Besucher sagen kann, heute war ich auf der Sel- bolder Kerb, da war es aber schön. Am Sonntag den 25. l. M. findet Nachkirchweih statt.

& Langendiebach, 16. August. (Gustav-Adolf- Verei n.) Am Mittwoch hatte unsere Gemeinde die Ehre und Freude, das Bezirksfest des Gustav-Adolf-Vereins der Diözesen Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern feiern zu dürfen. Trotz drängender Erntearbeiten hatte sich eine zahlreiche Fest­gemeinde in dem schön geschmückten Gotteshaus eingefunden und gab dadurch in erfreulicher Weise kund, daß im Gegensatz zu einigen ganz unkirchlichen und zahlreichen kirchlich gleich- giltigen Gemeindegliedern in vielen Häusern und Herzen unsrer Einwohnerschaft doch noch reges Interesse lebt für die Kirche und Sache Jesu Christi. Die Festpredigt hielt der Vorsitzende des Bezirksoereins, Herr Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt, über Nehemia 4,17. Mit trefflichen, bei ihm gewohnten packenden Worten schilderte er die Doppelaufgabe des Gustav-Adolf- Vereins, die da bestehe im Kämpfen und Arbeiten. Die Art des Kampfes, die Feinde und die zu gebrauchenden Waffen wurden anschaulich vorgeführt. Mit einem warmen Appell, den um Hilfe rufenden Brüdern in der Zerstreuung zu helfen, schloß die bis zum letzten Augenblick fesselnde Predigt. Nach­dem der Schüler-Chor der Oberklasse die Kern'sche MotetteHoch thut euch auf rc." unter Leitung des Herrn Lehrers H ofm ann mit anerkennenswerthem Geschick zum Vortrag gebracht hatte, erstattete Hr. Pfr. Fritsch-FechenheimdenJahresbericht imAnschluß an das WortJohs.13,35. Mit Dank gegen Gott durfte er aufGrund der immer höher werdenden Kollekten-Erträge die zunehmende Opfer­freudigkeit der evangel. Gemeinden anerkennen. ' Herzlichst und dringend unter sichtlichem Eindruck auf die Zuhörer mahnte er, des Vereins Devise:Lasset uns Gutes thun an Jedermann, zumeist an des Glaubens Genossen" nicht zu vergessen, sondern fortzusahren in thätiger und betender Liebesarbeit. Im An­schluß an diesen Hauptgottesdienst, der einen Kollektenertrag von 66,20 Mark ergab, fand gemäß der Statuten die General­versammlung statt, in welcher der Kassirer des Vereins, Herr Fabrikant Bang-Hanau, zunächst über den Stand der Kasse referirte. Recht erfreulich war seine Mittheilung, daß im ab­gelaufenen Jahre roieberum eine beträchtliche Vermehrung der Einnahmen zu verzeichnen wäre. Die von den Gemeinden Großauheim, Salmünster, Bad Orb, Salzschlirf, Bieberstein u. A. eingereichten Unterstützungsgesuche wurden genehmigt und ihnen je nach Bedürftigkeit bis zu 600 Mk. bewilligt. Herr Pfarrer H u f n a g e l-Birstein, der als Deputirter den Ver­handlungen des Casseler Hauptvereius in Schmalkalden bei­gewohnt hatte, erstattete alsdann Bericht über die dortigen Fest­tage. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus Zum Schwanen", an dem sich außer den auswärtigen Festgästen auch Mitglieder des hiesigen Gemeinde- und Kirchen- Vorstandes betheiligten, wurde im D ü ck h a r d t 'schen Garten eine Nachversammlung gehalten, bei welcher Gesänge und Ansprachen miteinander abwechselten. Herr Pfarrer Reich -Hochstadt hielt eine Ansprache, in welcher er Gründung, Ausbreitung und Zweck des Gustav-Adolf-Vereins recht lebendig und übersichtlich veranschaulichte und die vielfachen Verfolgungen und Anfeindungen der evangelischen Glaubensbrüder unter Hervorhebung von deren Glaubenstreue in bewegten Worten schilderte. Herr Pfarrer B ä r-Hüttengesäß schilderte dann, ausgehend von Rosegger's BuchDer Gott-Sucher", mit hin­reißender Beredsamkeit in gewaltigen Worten die Oede, Leere und Unseligkeit des Menschen ohne Gott und gab der Zu­versicht Ausdruck, daß unser deutsches Volk, weil in ihm doch noch der gute Kern der Wahrheit liege, genesen müsse. Die letzte und Schlußansprache hielt der Festprediger, Herr Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt. Aus Grund seiner jüngsten Reise­erlebnisse im Tyrolerland legte er ein erfreuliches Zeugniß ab