Erstes Blatt.
General-Anzeiger
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Nr. 88
Bczirks-Fcrnsprech-nschluß Nr. 98. DikNstag dkN 16. April
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BczirkS-Ferusprechmschluß Nr. 98.
1901
Amtliches.
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindvieh des Gutspächters Vetteirhätlfsr zu Leisenwald, Kreis Gelnhausen, sind innerhalb 8 Tagen 2 Fälle von Milzbrand vorgekommen.
Hanau den 13. April 1901.
Der Königliche Landrath.
V 3906 v. Schenck.
In Wächtersbach, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 13. April 1901.
Der Königliche Landrath.
V 3873 v. Schenck.
An der katholischen Volksschule in Oberrodenbach ist eine mit Kirchendieirst verbundene Lehrerftelle zu besetzen.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Wohnung 1150 Mark, der Einheitssatz der Alterszulagen 130 Mark und die Kirchendienstvergütung 190 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 10 Tagen dem Herrn Lokalschulinspektor Kuratus Bergmann in Oberrodenbach einreichen.
Hanau den 13. April 1901.
N mens des Schulvorstandes:
Der Königliche Landrath.
V 3980 v. Schenck.
Die Herren israelitischen Gemeiyde-Aeltesten werden an die baldige Einreichung der Synagogen-G.meinderechnung für 1900 erinnert.
Hanau den 12. April 1901.
Der Königliche Landrath.
V 3941 v. Schenck.
In diesem Jahre können wiederum auf Kreiskosten 15 Kinder hilfsbedürftiger Eltern aus dem Landkreise Hanau zu einer ^wöchentlichen Badekur in der Kinderheilanstalt Orb zugelassen werden.
Etwaige Anträge, zu denen die vorgesckriebenen Formulare hier erhältlich, sind bis spätestens den 21. April d. Js. durch Ermittelung der Herren Bürgermeister, welche zuvor die Hülfsbedürftigkeit.zu bescheinigen haben, bei mir anzubringen.
Bei der beschränkten Zahl der ^ur Verfügung stehenden Stellen können nur besonders hülfsbedürftige Kinder Berücksichtigung finden.
Die Herren Bürgermeister wollen für geeignete Verbreitung dieser Bekanntmachung Sorge tragen.
Hanau den 10. April 1901.
Der Königliche Landrath.
A 1818 o. Schenck.
In unser Genossenschaftsregister ist eingetragen zu Nr. 1 — Vorschußverein Langenselbold, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Langenselbold —
Der Fabrikant Ludwig Müller zu Langenselbold ist an Stelle des zum Kassirer gewählten bisherigen Direktors Hermann Lehr zum Direktor auf 6 Jahre gewählt worden.
Langenselbold den 11. April 1901.
Königliches Amtsgericht. 6402
Gesu»dellt und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Kinderregenschirm mit braunem Stiel und braunem Griff, 1 Stab Schmiedeeisen, auf der Straße von Niederdorfelden nach Gronau; Empfyngnahme bei Herrn Bürgermeister Hofmann in Niederdorfelden.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 5,90 Mark.
Hanau den 15. April 1901.
Hue Stadt und Land.
Hanau, 16. April.
* Tarife der Hanauer und Frankfurter Bahn- HKfe. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die schriftlichen Vorstellungen der Handelskammern Hanau und Frankfurt auf Beibehaltung der jetzigen Tarifiechnnng — Gleichstellung aller Hanauer und Frankfurter Frachtsätze nach der kürzesten Entfernung im Verkehr mit einem Frankfurter oder Hanauer Bahnhof — ablehnend beschieden. Der Minister hält an der grundsätzlichen Umrechnung aller Tarife nach der wirklichen Streckenlänge fest und ein wirthichaftliches Bedürfniß zur dauernden Beibehaltung der jetzigen abweichenden Be
rechnung, welche, wie wir seinerzeit mittbeilten, aus den Zeiten der Konkurrenz mit der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn herrührt, nicht für nachgewiesen. Die Umrechnung soll bekanntlich am 1. Januar 1902 in Kraft treten.
* Ein tapferer Hanauer Ulan. Es freut uns, mittheilen zu können, daß ein früherer Angehöriger unseres Thüringischen Ulanen-Regiments der als Freiwilliger in China Kriegsdienste thut, sich vor dem Feinde so ausgezeichnet hat, daß ihm von seinem Regimentskommandeur großes Lob zu theil geworden ist. Der "junge Mann heißt Adolf Graf, gehörte vor Zusammensetzung der Chinaexpedition zur 5. Esk. des Thür. Ulan.-Regts. Nr. 6 und ist der Sohn eines Mitkämpfers von 1870/71, der infolge der Kriegsstrapazen lange Jahre krank war und frühzeitig gestorben ist. Seine Mutter, Wittwe Marie Graf, geb. Schnarch, wohnt in Heidelberg. Das nachfolgende Schreiben des Regimentskommandeurs gibt nähere Auskunft über das tapfere Verhalten des jungen Kriegers.
Tientsin, 26. 2. 01.
Sehr verehrte Frau Graf! Ihr Sohn, der bei der 3. Ertadron, zur Zeit in Aang-tsun steht, hat sich vor wenigen Tagen durch hervorragende Tapferkeit ausgezeichnet. Er war mit einem Offizier des Regiments, Leutnant Brand, und einem seiner Kameraden in ein Dorf gedrungen, um eine Räuberbande von etwa 150 Mann anzugreifen. Nachdem die Reiter etwa 12 Räuber niedergemacht hatten, bekam ihr Sohn einen Schuß aus einem Hause durch beide Oberschenkel. Leutnant Brand und der andere Reiter hoben ihn aufs Pferd und ritten aus dem Dorfe, um Ihren Sohn zu retten. Es gelang ihnen; Ihr Sohn wurde dann auf einen Karren geladen und nach Dang-tsun gebracht. Er ist im Lazareth des Rothen Kreuzes in allerbester Pflege und war besonders ver gnügt und glücklich, als ich ihm mittheilte, daß die Gnade Seiner Majestät ihm voraussichtlich das wohlverdiente Ehrenzeichen bringen würde. Der Schuß durch beide Oberschenkel sitzt sehr glücklich und eine Gefahr, Krüppel zu werden, ist nach Aussage der Aerzte ausgeschlossen.
Sie können stolz auf diesen tapferen Sohn sein, wie es das Regiment ist, ihn als Reiter zu den Deinigen zu zählen. Er sah bei meinem Besuche wohl aus, war in bester Laune und hatte keine Schmerzen.
Ihr ergebener (gez) v. Arnstedt, Oberstleutnant und Kommandeur des Ostas. Reiter-Regim.
* Oratorienvereitt. Wir kommen gern dem Wunsche nach, die beim nächsten Konzert des Oratorienvereins mitwirkenden Damen und Herren an dieser Stelle auf die im heutigen Jnseratentheile angezeigten Proben aufmerksam zu machen.
* Monatsoper. Um den vielfachen Wünschen des Publikums zu entsprechen, beginnen die Vorstellungen schon ab morgen Mittwoch den 17. April — wo die Premiere der „Geisha" stattfindet — an Wochentagen präzise um 7^2 Uhr, an Sonntagen jedoch wie gewöhnlich um 7 Uhr.
* Monatsoper. Wie von uns bereits in der gestrigen Nummer unseres Blattes nur kurz mitgetheilt, findet die Premiere der allüberall mit so durchschlagendem Erfolge aufgeführten Operette „Die Geisha" morgen Mittwoch den 17. April statt. Wir zitiren einige Berliner Zeitungs-Stimmen über die ersten Aufführungen „Der Geisha". „Berliner Börsen-Courier": Eine geradezu blendende Ausstattung, wunderbare Dekorationen, ein musterhaftes Libretto, eine süße einschmeichelnde, zwar fremdartig klingende, und doch süße Musik. Was will man mehr ? ! Das Haus total ausverkauft! Ein rasender Beifall, der sich von Akt zu Akt steigerte; Resume: Herr Direktor Ferency kann ruhig ein Jahr auf Urlaub gehen, sein Repertoire ist mit „Geisha" gemacht. — „Berliner Tageblatt" : „Geisha", eine japanische Operette — so der Theaterzettel — neue Ausstattung, neue Dekorationen, Tänze, Gruppirungen rc. Wahrscheinlich ein nachgemachter „Mikado", dachten wir, aber wie angenehm wurden wir enttäuscht. Schon das frische Seemannslied, Fairfax, rief einen Sturm von Beifall hervor. Und wahr ist's, schneidig sahen diese Wasserratten aus. — Jede Nummer, und wir können keiner ein Plagiat vorwerfen, ist originell, lieblich! Um nur einige besonders herauszugreifen, „O sing du kleine Geisha du", Lied der Mimosa, mußte 3 mal da capo gesungen werden. Papageien-' lied von Miß Seymore ebenfalls da capo, und als nun gar Sondermann sein Couplet „Chin-Chin Chinamann" sang, ging der Beifall in wüstes Toben über und er mußte immer wieder eine Strophe zugeben. Mit einem Worte, ein Riesenerfolg, wie ihn Berlin nicht leicht gesehen hat. -— Wir haben dem nur noch hinzuzufügen, daß auch Direktor Reimann Alles aufgeboten hat an blendender Ausstattung, an Kostümen und Dekorationen,
so daß diese Novität wohl der „Clou" der Saison zu werden verspricht.
* Der Kunstsalon Hermes, Frankfurt, Goetheeck, bereitet in seinen neuen Sälen für den Monat Mai interessante Sonderausstellungen vor von B r e p p e und G o g l i e l m o Ciardi, Venedig und Askan Lutteroth, Hamburg. Erstere beiden Kollektionen, 35 Gemälde umfassend, kommen direkt von Venedig, um nach der Frankfurter Ausstellung eine Rundreise durch Mittel-Europa anzutreten. Von Max Klinger wird eine Brosecegruppe zu besichtigen sein. Der Besuch in den neuen, bequem gelegenen Lokalitäten ist sehr rege, auch haben viele Verkäufe stattgefunden.
* Bieh markt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.
* Um 800 Mark erleichtert. Der Sohn eines Eisenbahnunterbeamten entnahm der elterlichen Kasse 3 Hundertmarkscheine und verschwand damit.
* Lerhängnitzvoller Wurf. Ein 13jähriger Junge, der angeblich nach einem Hunde werfen wollte, traf mit dem. Stein in die werthvolle, 250 Mark repräsenmende Erkerscheibe eines Hutladens am Markt und zertrümmerte dieselbe.
* Nahezu im Adamskostüm ging gestern Nachmittag ein hiesiger Wirth am Main spazieren zum nicht geringen Entsetzen der Passanten, die irgend welches Vorhaben vermutheten. Glücklicherweise stellte sich der Vorgang als harmlos heraus.
Vereiusnachrichten
kür Dienstag den 16. April.
Oratnrienverein: Abends 7l/a Uhr; Probe für Damen und Herren ohne O chester in der Oberrealschule
Evang. Männer- und Jüngtingsverein: JünglingSverein: Bibelbe» sprechurg; Jungfrauenverein: Flickabend (Ev. Ve'einShauk.)
Kath. Kasino „Eintracht (Vereinslokat: „zum Braustüb'l ): Vereins- abend.
Verein der Bayern: Vereinsabend im „Schwarzen Bären".
Dramatisch - litterarischer Verein „Melpomene' (im Gasthaus «zur Sonne"): Lrseabend.
Turn- u. Fechtklub: Fechten.
Süddeutscher Klub: Klubabend in der Restauration „Sitten ania*.
Zitherverein Hanau: Probe in der Restauration »Aüemaniu .
Athletenklub .Germania' : Riegenstemmen und Musterriecenarbeiten. (Restauration Wogenbach, Paradeplab),
für Mittwoch bett. 17. April.
Hanauer Schützenverein: Nachmittags von 2 Uhr ab: Schießen auf den neuen Schüßständen.
Süddeutsche Edel- und Unedelnetall-Berufsgenoss nsch ft: Nachmittags 3 Uhr: S kuonsoersammlung im rothen Saale des „Bürger- Vereins".
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik emgesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.
An den Schreiber des Dp rech s aal - Artikels vom 13. ds. Mts.
Sie haben sich mit Ihren Ausführungen über die hiesige Wiesenweg-Angelegenheit an eine ganz falsche Adresse gewandt und — von einem fürchterlichen Irrthum befangen — in mir nicht die Person getroffen, welche das „Eingesandt" vom 4. ds. Mts. veranlaßt oder der Redaktion ds. Bl. zur Veröffentlichung übergeben hat.
Es paßt mir aber nicht, die Ihnen gebührende Abfertigung, für welche der Abonnentenkreis des „Hanauer Anzeiger" im Großen und Ganzen auch wenig Interesse haben dürfte, Ihnen in diesem Blatte zu geben, trotzdem werde ich Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben!
Kleinsteinheim, 14. April 1901. J. C. N.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung der Strafkammer I vom 15. April.
Kuhhandel.
Der Bauer K. machte mit dem Viehhändler R. von Ostheim einen Handel. Das heißt, er kaufte dem Handelsmann ein Pferd ab und gab ihm dafür 260 Mk. in Baar und eine Kuh, die auf 140 Mk. bewerthet wurde, in Zahlunz. Der Handelsmann verkaufte die Kuh für 240 Mk. weiter an den Bauer B. und sitzt deshalb auf der Anklagebank wegen Betrugs. Die Kuh hatte nämlich einen groben Fehler, sie blähte, und war schon einmal operirt worden. Dieser Umstand machte natürlich die Kuh sehr minderwerthig und von dem Fehler war dem Handelsmann durch den Verkäufer auch Mit- theilung gemacht worden, er aber verschwieg dieses und brachte das Thier dadurch mit einem hübschen Gewinn wieder an den Mann, der nunmehr der Geschädigte sein soll. Die Dachverständigen sagen aber so verschiedenartig über den Werth der Kuh aus, daß es objektiv gar nicht festgestellt ■ werden kann, ob dem Käufer ein Schaden entstanden ist oder richt mib kommt das Gericht, da es an diesem wesentlichen Thatbestands- merkmal des Betruges fehlt, zur Freisprechung des Handelsmanns.