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Rr 40. Samstag den 16. Februar
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1901
Amtliches. Handelsregister.
1. Neu eingetragen ist die Firma Gebr. Gäck in Großauheim und als ihre Inhaber der Kaufmann Robert Gäck und der Sattler und Tapezierer Emil Gäck daselbst. Offene Handelsgesellschaft. Die Gesellschaft hat am 1. Oktober 1900 begonnen.
2. Bei der Firma Jean Klitg in Hanau ist eingetragen worden: Das Geschäft ist auf den Kaufmann Heinrich Gabel in Hanau übergegangen, der es unter der Firma Heinrich Gabel vormals Jean Klug sortführt.
3. Bei der Firma Joseph Adler & H. P. Noll in Großkrotzenburg ist eingetragen worden: Die Gesell- • schaff ist aufgelöst. Die Firma ist erloschen.
4. Bei den Firmen Hörner & Michel und Seiffert & Burkhardt in Hanau ist eingetragen worden: Die Liquidation ist beendet.
5. Gelöscht ist die Firma W. Jodrh in Hanau.
6. Die Firma C. Krähling in Hanau soll von Amtswegen gelöscht und bei den Firmen M. I. Fleischmanns Wwe. & Comp., Cisemann & Tnteur und Becker & Nikolaus in Hanau soll die Beendigung der Liquidation non Amtswegen eingetragen werden. Die Inhaber oder deren Rechtsnachfolger haben einen Widerspruch hiergegen bis zum 1. Juni 1901 geltend zu machen.
Hanau den 14. Februar 1901.
Königliches Amtsgericht 5. 2854
Der Gärtner Joseph Thyriot von Hanau, Kleinegasse 5, ist durch Beschluß vom 14. Februar 1901 entmündigt.
Hanau den 14. Februar 1901.
Königliches Amtsgericht 2. 2887 LanillvirthschMcher irttëötrtin, Hm«.
Der landwirtschaftliche Kreisverein hält am Sonntag den 24. Februar cr., nachmittags 3 Uhr, in Bischofsheim im Gasthaus „zur Krone" eine Wanderversammlung ab. Hierbei wird der Herr Obergärntner Huber im Pomologischen Garten in Cassel einen Vortrag über „Obstbau" halten, zu welchem die Vereinsmitglieder, sowie die Landwirthe von Bischofsheim und den umliegenden Ortschaften eingeladen werden.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister in Bischofsheim, Hochstadt, Wachenbuchen, Fechenheim, Bergen, Gronau, Nieder- und
Feuilleton*
Die Cinde.
Von W. L.
(Nachdruck verboten.)
Der Wanderer, dem die endlose, staubige Baumallee entsetzlich werden kann, die er müde durchschleicht, lebt auf und wird heiter, wenn ein schöner Wald ihn aufnimmt. Fragen wir nach der Ursache dieses Waldeszaubers, so finden wir als solchen hauptsächlich die Waldfreiheit, die unendliche Abwechslung in den Waldscenen und der Bäume, in der Stellung, Größe und Gestalt. Kein Baum gleicht dem andern, kein Schritt zeigt dem Auge dasselbe, was es vorher sah, und wenn es zurückblickt auf denselben Gegenstand, die verlassene Stelle, so ist Alles anders wie im Momente vorher. Im Walde ist nur der Wechsel beständig und nur der Wechsel im Walde wirkt befriedigend und beseligend auf das menschliche Gemüth. Wie bei einer schönen, einheitlichen Musik, etwa bei einer Symphonie, die Seele trotz immerwährender Abwechslung der Töne und Harmonien in einen beruhigenden, beseligenden Zustand kommt, aus dem sie nur durch grelle Uebergânge und unbefriedigtes Abbrechen von Melodien herausgestört wird, so bringt auch ein schöner Wald, gerade wegen seines ewigen Wechsels, Beruhigung und Frieden in das menschliche Gemüth. Wo fänden wir noch eine ähnliche Abwechslung wie im Laubwalde ? Kein Stamm gleicht dem andern, das Ende des Waldes ist nirgends zu erkennen, die Beleuchtung ist unendlich schön verschieden. Kommt dazu noch Berg und Thal, dann erhöht sich der Reiz der Abwechslung noch bedeutend, und wo in glücklichen Lagen noch Steinparthien, Felswände und zu Thal brausende Wasserfälle die Scenerie beleben, da erreicht die Schönheit des Waldes ihre höchste Vollkommenheit. Und wie verschieden sind oft die Baumarten, welche solche Wälder des Zufalls bilden.
Oberdorfelden wollen obige Bekanntmachung des landwirth- schaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise mit dem Hinzufügen bekannt machen, daß alle Landwirthe in der Versammlung als Gäste willkommen sind.
Hanau den 15. Februar 1901.
Der Königliche Landrath.
L 34 v. Schenck.
politische Rundschau.
Zu der Lage in China. Auf den zeitweisen Stillstand in den diplomatischen Verhandlungen in Peking soll nun, sofern auf englische Quellen Verlaß ist, ein gewaltiger Rückschlag folgen. Di: Frage der Todesstrafe für die schuldigen Beamten und Generale, die erste, welche die fremden Gesandten mit Li Hung-Tschang und dem Prinzen Tsching zur Entscheidung bringen wollten, ist infolge der ablehnenden Haltung des Hofes immer noch eine offene, und jetzt sollen plötzlich Zweifel an der Korrektheit der chinesischen Unterschriften unter dem Friedensprotok.ll entstanden sein! Ein Londoner Telegramm meldet:
London, 15. Februar. Nach einer Meldung des „Standard" aus Tientsin werde die Lage wieder verwickelt. Die Unterschriften der chinesischen Bevollmächtigten unter die Friedensbedingungen sollen nicht korrekt sein, der britische Gesandte sei für entschiedenes Vorgehen, Waldersee soll ein Ultimatum an den Kaiserhof gesandt haben. Chinas Hartnäckigkeit scheine nur aktive Rüstungen für neue Feindseligkeiten im Frühling zu verdecken.
Man wird wohl hoffen dürfen, daß für die Vertreter der Großmächte die Korrektheit der chinesischen Unterschriften, die mit dem kaiserlichen Siegel auf das feierlichste beglaubigt wurden, nach wie vor außer Zweifel stehen wird. Bis auf Weiteres ist es vielleicht auch nicht zu gewagt, wenn man die chinesischen Unterhändler einer so scandalösen Handlungsweise, wie sie hier von ihnen behauptet wird, nicht für fähig halten möchte. Schon deshalb nicht, weil sonst das umständliche Parlamentiren mit den Gesandten, für das die Herren Chinesen ja eine begreifliche Vorliebe besitzen, ein jähes Ende finden müßte. In Berliner gut unterrichteten Kreisen ist denn auch von Schwierigkeiten der von dem Londoner Blatt angedeuteten Art nichts bekannt geworden, ebensowenig wie von dem angeblichen Ultimatum des Grafen Waldersee.
Krise im spanischen Kabinet. In Spanien ist eine wenn auch nur partielle Miuisterkrisis früher eingetreten als man allgemein erwartete. Der Unterrichtsminister Garcia Alix, früherer Vizepräses der Kammer, und Arbeitsmiuister Sanchez Toca, ehemaliger Maire von Madrid, eine bei der bürgerlichen Bevölkerung der Hauptstadt sehr beliebte Persönlich- lllll will «Wir ,, 'iMTW BIWl'IWBMTWraWWMMWKKaMaM»
Wie gerne würden wir bei ästhetischen Betrachtungen des Waldes überhaupt verweilen, und doch wollen wir heute aus dem Walde leider scheiden, denn wir wollen einem Baum der näheren Betrachtung unterziehen, der für gewöhnlich nicht in unsren heimischen Wäldern größere Bestände bildet, und nur hier und da höchstens am Waldessaume eine ungewohnte, vorübergehende Keimstätte gesunden hat. Wir wollen heute den Baum schöner Parkanlagen und den Baum der Linden- wirchin in den Kreis unserer Betrachtung ziehen, und die oft mißhandelte, aber trotz aller körperlichen Verunglimpfung stets heitere Linde, als sogenannte Dorflinde, von verschiedenen Seiten beleuchten.
Zwar ist die Eiche die erhabenste Baumaestalt unserer nordischen Landschaft, und sie kann aus vielen Gründen das Recht beanspruchen allen andren Bäumen vorgezogen zu werden. Aber die Linde ist des Volkes Liebling, die vertraute Freundin seiner Leiden und Freuden, und unter ihrem Schatten im Dorfe spielt die Jugend, und an lauen Sommerabenden hat sie, die Altvertraute, Verschwiegene, so manchen echten aber auch manchen falschen Liebesschwur mit angehört. Auch Mancher hat schon unter der Linde schlafend das Rauschen ihrer Zweige vernommen, . als riefen sie ihm zu: „Komm' her zu mir, Geselle, hier find'st Du Deine Ruh'."
Kein Baum ist in den deutschen Landen so volksthümlich wie die Linde. Mögen auch die Dichter die Eiche als den national-deutschen Baum besingen, und sie die „deutsche Elche" nennen, das Volk weiß weniger von ihr, und die Linde ist und bleibt des Volkes Liebling. Davon zeugt ihre heutige Anpflanzung, davon zeugen die Volkslieder aller Zeiten und nichts ist wohl geeigneter die innigen Beziehungen des Menschen zu seinen äußeren Beziehungen zu bezeichnen. Die Dichter des Mittelalters konnten keinen Frühling besingen, ohne der Linde Erwähnung zu thun. In vielen Volksliedern und Balladen steht die Linde im Vordergrund und selbst die neuesten Dichter vergessen sie nicht. Uhland nennt die Linde am häufigsten. Die Linde ist des Volkes Freund und Nach
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattuugsbtatt 16 Seiten
keit, gaben ihre Demission. Vermuthlich wird Uzcarraga deren Portefeuille einstweilen unbesetzt lassen. Die Ressortminister spielen überhaupt jetzt eine untergeordnete Rolle, Wepler und Azcarraga theilen schon die Macht und Verantwortung. Der unbemittelte Theil der vorstädtischen Bevölkerung ist trotz namhafter Geldspenden der Königin und des Prinz-Gemahls mißvergnügt, weil ein Verbot des Konfetti- und Serpentinenwerfens während der Karnevalswoche beabsichtigt ist. Der Ausfall des Verkaufs dieses Buntpapiers würde diesen Kreisen empfindlich sein. — Die Vollmachten, die der Belagerungszustand in Madrid den Militärbehörden gibt, werden von dieser namentlich im Theater- und Zeitungswesen mit größter Energie gehandhabt. Wie man aus Madrid telegraphirt, sind auch bie Regierungsblätter und sogar aus dem Ministerium des Innern herrührende Nachrichten der Zensur unterworfen worden. General Wepler-sandte an die Redaktionen ein Rundschreiben, in dem er ihnen streng verbietet, die von der Zensur gestrichenen Stellen in ihrem Blatte offfn zu lassen. Das Blatt Heraldo füllte die Lücken mit Annoncen aus.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 15. Februar.
Chinavorlage. — PostetaL.
Abg. Bebel (Soz.) fragt an, wie denn jetzt die Angelegenheiten und Verhandlungen in China stehen. Wäldersee müsse sich doch in einer sehr unangenehmen Lage befinden. Daß sich nun schon wochenlang die Verhandlungen darum drehen, wer geköpft werden solle, sei einzig; der Krieg in China, wie man ihn doch nennen müsse, sei eine Treibjagd gewesen. Das Aufgebot ungeheurer Truppen massen habe keinen eigentlichen Feind vorgefunden. Als Redner sagt, seit 200 Jahren habe Preußen keinen beschämenderen Krieg geführt, wird er vom
Präsidenten aufmerksam gemacht, daß er von einem Kriege, den das deutsche Reich führe, das nicht sagen dürfe.
Äbg. Bebel (fortfahrend): Die Strafexpedition hätte jeder Feldwebel ausführen können. Ein Theil der deutschen Truppen nahm bei der Expedition eine Haltung ein, die nicht nur tief zu beklagen, sondern auch schärfstens zu ve> urtheilen sei. Redner verliest alsdann eine Anzahl Soldatenbriefe aus China. Die Rohheit auch unserer Truppen nehme erschreckend zu. Ein Beweis sei, daß die Militärbehörde genöthigt war, eine größere Zahl Verurtheilungen, darunter zu lebenslänglänglicher Zuchthausstrafe, vorzunehmen. Das zeuge vom moralischen Tiefstände der Truppen. Bekannt sei, daß Frankreich, Rußland und Amerika das Oberkommando Waldersees nicht anerkannten. Auf die 1521/s Millionen, die jetzt bewilligt werden sollen, werde in einigen Wochen eine zweite
bar, sein Genosse in Lust und Leid, auf dem Tanzplatze, wie vor dem Friedhöfe. Das Volk hegt und pflegt keinen anderen Baum ohne besonderen Nutzen, nur weil es ihn liebt und schön findet. Wenn der nützliche kleinere Obstbaum zum Hausbaum geworden ist, so ist die mächtige Linde so recht eigentlich der Gemeindebaum, das allgemeine Eigenthum, die Freude aller, die Zierde des Dorfes. Nur auf Burgen und in Klöstern ist die Linde der Hausbaum. Dort wurde der müde Fremdling bewirthet. „Unter dem Baldachin von Zweigen einer alten, umzäunten Linde ward ihm ein Willkommentrunk in einem alten Steinkrug gereicht", schreibt Wolfram von Eschenbach. Unter der Linde wurde gezecht, gespielt und die alte Märchenfrau erzählt die Wunder einer längst entschwundenen Zeit, von Gold und Pracht und Herrlichkeit dem kindlichen Gemüthe unter dem Lindenbaum und thränenichwer hängen die sehnsüchtigen Aeuglein der lieben Kleinen an dem Munde der so Hold Erzählenden. Unter der Linde wurde der reisende Spielmann angehört und die alten Klosterbrüder mögen in frommer Andacht unter derselben auch mehr gezecht, als studirt oder gar gebetet haben und der alte Steinlisch darunter hat wohl manches mit angesehen, wovon in der Klosterchronik wohl nichts verzeichnet steht. In den Klostern war die Linde schon im früheren Mittelalter der Baum der Erholung und des Zeitvertreibs, und, schelmisch könnte man die Frage streifen, ob vielleicht gerade die ^Osterlinde etwas vom Baume der Erkenntniß des tönten und Bosen überkommen hat. _
Auch zum Brunnen, dem besten und größten Schatze jedeo Dorfes, jeder Burg und jeden Klosters gehört stets unzertrennlich die Linde. „Am Brunnen vor dem rhore, da steht ein Lindenbaum." Burgbrunnen und Burglinde, Dorsbrunnen und Dorflinde sind von altersher unzertrennlich und Goethe verlegt in Hermann und Dorothea den Dorfbrunnen ebenfalls unter die Linde. Und wo koste es sich an lauen Sommer- abenderr traulicher, wo wäre es lieblicher, als unter der Linde am Brunnen?