Erstes Blatt.
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
EinrüSungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg.^ im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
AMiches Grgm für Stadt- md FaadKrtls Samn.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
Nr. 137 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Samstag den 15. Juni
Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
1901
EjSwaagHS'ss
Amtliches. Bekanntmachung.
Postanweisungsverkehr mit den Karolinen Inseln (Ponape.)
Fortan sind im Verkehre mit der Postagentur in Ponape (Karolinen) Postanweisungen bis zum Meistbetrage von 800 M. zugelassen. Die Taxen sind dieselben wie für Postanweisungen innerhalb Deutschlands.
Berlin 66 den 6. Juni 1901.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
Kraetke.
Bekanntmachung.
In Fes, Alkassar und Meknes (Marocco) sind deutsche Postagenturen eingerichtet worden. Die Postagenturen in Alkassar und Meknes befassen sich lediglich mit der Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen und eingeschriebnen Briefsendungen; die Thätigkeit der Postagentur in Fes erstreckt sich außerdem auf den Zeitungs- und Postanweisungsdienst sowie auf Nachnahmen bei eingeschriebenen Briefsendungen.
Für die neuen Postanstalten gelten dieselben Versendungsbedingungen wie für die übrigen deutschen Postanstalten in Marocco.
Berlin W. 66 den 8. Juni 1901.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
Kraetke.
Stadtkreis Danau.
Bei einem verendeten Schweine des Iulius Väth zu Seligenstadt ist Schweineroèhluus festzestellt worden. Gehöftssperre für die Stallungen wurde angeordnet.
Hanau den 14. Juni 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 5098 v. Schenck.
(Landkreis ßanau.
BekaMtmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Entwürfe für das in der Hainstraße dahier zu erbauende Kreishaus sind bis zum 30» d. Mts. im Sitzungssaal des Kreisausschusses (Landrathsamlsgebäude) während der üblichen Bureaustunden zu Jedermanns Einsicht ausgestellt.
Hanau den 13. Juni 1901.
. Der Königliche Landrath.
A 2719 v. Schenck.
Stadtkreis Danau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Heberolle über die von den Unternehmern land- und forstwirthschaftlicher Betriebe des Stadtkreises Hanau zu zahlenden Beiträge für das Jahr 1900 liegt in der Zeit vom 17. bts ein sch L> 29. Juni d. Js. zur Einsicht der Betheiligten bei der hiesigen Stadihauptkasse aus.
Gleichzeitig findet die Erhebung der Beiträge auf Grund §8 111 ff. des landwirthschaftlichen Unfall-VersicherungsGesetzes vom 30. Juni 1900 statt.
Hanau den 14. Juni 1901.
Der Oberbürgermeister,
II. 2029 L. Dr. Gebeschus. 9770
Grnndstürksverpachtnng.
Die domänenfiskalischen Grundstücke Kartenblatt G-Gr Nr.
und — von zusammen 0,4057 ha Acker, „im 24, 04, bl) neuen Mühlfeld" der Gemarkung Hanau, sollen vom 1. Januar 1902 ab auf 12 Jahre anderweit öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Termin hierzu wird auf Montag bin 17. d. Mrs., vormittags 11 Uhr, in das Geschäftszimmer des Domänen- Rentamts, Frohnhof 4 hier selbst, anberaumt.
Pachtbewerber werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß aus angemessene Pachtgebote der Pachtzuschlag sogleich erfolgen wird.
Hanau den 12. Juni 1901.
Reinhardt, Domänen-Rentmeister. 9684
In das hiesige Genossenschaftsregister ist bei Nr. 1 „Spar- und Leihkasse zu Niederdorfelden, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht" eingetragen:
„An Stelle des am 29. April 1901 verstorbenen Vorstandsmitgliedes Wilhelm Holhorst von Niederdorfelden ist Ackermann Philipp Schäfer V. zu Niederdorfelden zum Vorstandsmitglied bestellt.
Wind ecken den 29. Mai 1901.
Königliches Amtsgericht. 9787
kesMene nnii Mlottne Vrzeilßmiie etc.
Gefunden: 1 Kneifer mit schwarzer Schnur. 1 goldenes Armband. 1 Regenschirm. 1 kleiner Kinderschuh.
Verloren: 1 goldene Damenuhr nebst Kette, Kugel und Medaillon, gez. K. GL, zwei Photographien im Medaillon.
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzbraunen Abzeichen, m. Geschl.
Hanau den 15. Juni 1901.
Hus Stadt und £and.
Hanarr, 15. Juni.
* Der Kaiferbesuch in Mainz. Zu dem bereits gemeldeten Besuch des Kaisers in Mainz am 14. August, der jetzt offiziell bestätigt wird, erfährt der „Mainz. Anz.", daß König Eduard von England, der sich zu derselben Zeit in Homburg v. d. H. aufhält, vom Kaiser eingeladen ist, der Truppenschau beizuwohnen. Der König hat die Einladung angenommen und wird mit dem Kaiser am 14. August in Mainz eintreffen. Großherzog Ernst Ludwig wird ebenfalls für diesen Tag in der Stadt weilen und auch den Kaiser und den König als Gäste bei sich im Schlosse begrüßen. An der Truppenschau werden außer der Mainzer Garnison noch die von Wiesbaden, Frankfurt a. M., Offenbach, Homburg v. d. H., Worms, Hanau, Hofgeismar und die Unteroffizierschule Biebrich betheiligt sein.
* Brigadeexerzieren. Das Brigadeexerzieren der 42. Infanterie-Brigade (Regimenter 166, 80 und 81) findet in diesem Jahre ganz in unserer Nähe, nämlich bei Jügesheim, statt und bildet den Anfang der diesjährigen Herbstmanöver, die sich bekanntlich über die Provinz Starkenburg, Theile von Rheinhessen und des Regierungsbezirks Wiesbaden erstrecken.
* Regimeutsexerzieren. Am 14. August rückt das hiesige Infanterie-Regiment Nr. 166 zum Regimmtsexerzieren nach Mainz ab. Am 27. August erfolgt die Rückkehr.
* Landwehrkompagnien. Zum 27. d. Mts. sind beim hiesigen Infanterie-Regiment Landwehrleute zu einer 14tägigen Uebung einberufen worden. Diese Uebungspflichtigen werden zu zwei Landwehr-Kompagnien formirt.
* Mainkanalisation. An den Konferenzen über die Mainkanalisation, die gestern Vormittag in Frankfurt a. M. zu Ende geführt worden, nahmen nach der „F. Ztg." folgende Vertreter theil: Preußen: Geh. Oberregierungsrath Dr. Christ, Geh. Oberregierungsrath Dr. von der Hagen, Geh. Oberfinanzrath Dombois, Geh. Oberregierungsrath Peters, Geh. Oberregierungsrath Szyskowitz, Geh. Baurath Röber, sämmtlich aus Berlin, Regierungsrath Schickert-Wiesbaden, Baurath Hahn-Frankfurt a. M.; Bayern: Negierungsdirektor v. Hauck, Ministerialrath Frauendorfer, Oberregierungsrath Schreiber, Geh. Legationsrath von Lössel, Regierungsrath Hensel, Bauamtmann Bösheuß,Bauassessor Dr. Casimir;Baden: Oberbaudirektor Geh. Rath Honfill, Ministerialrath Straub, Geh. Rath Frhr. v. Marschall; Hessen: Geh. Staatsrath Krug v. Nidda, Ministerialrath v. Biegeleben, Geh. Oberbau- rath Jmroth, Baurath Schmitt. Gestern Nachmittag begaben sich die Vertreter der an den Rheinabgaben interessirten Staaten nach Schlierstein zu einer Besichtigung der dortigen Hafenanlagen und zur Berathung über die Hafenabgaben, deren Höhe den betheiligten Kreisen Anlaß zu lebhaften Klagen gegeben hat.
O Die freie kirchlich-soziale Konferenz, die für Freitag den 21. Juni, abends 8 Uhr, alle evangelischen Männer und Frauen des Hanauer Oberlandes zu einer Versammlung nach Schlüchtern in den „Deutschen Kaiser" einlädt, ward auf Veranlassung des Hofpredigers a. D. Stöcker, der aus dem einst von ihm geschaffenen, weitschichtig angelegten evangelisch-sozialen Kongreß ausgeschieden war, am 27. u. 28. April 1897 zu Cassel begründet. In ihr vereinigen sich religiös gleichgesinnte und gleichgestimmte Männer, die als Ziel der Konferenz setzen den „Zusammenschluß aller lebendigen Kräfte der Reformationskirche zu praktischer und wissenschaftlicher Arbeit für Kirche und Volk". „Kirchlich" nennt sich zuerst die Konferenz und steht
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltuugsblatt 14 Seiten.
als solche „auf dem felsenfesten Grund der evangelischen Wahrheit, wie sie in der heiligen Schrift uns von Gott selber dargeboten und in den Bekenntnissen der evangelischen Kirche uns rein und lauter bezeugt ist." „Sozial" nennt sie sich, weil sie im Namen der Gerechtigkeit, der Billigkeit und Barmherzigkeit „von Staat und Gesellschaft, von Kirche und Schule, von Arbeitgebern und Besitzenden zu Gunsten der Armen und Geringen, der Schwachen und Unterdrückten den sozialen Fort schritt fordert." Ein zur Zeit aus ca. 40 Mitgliedern bestehender Vorstand vertritt die Konferenz. Die Arbeit der Konferenz vollzieht sich in Arbeitskommissionen: 1) für das Gebiet des Bekenntnisses, des Kirchenrechtes und der Kirchenpolitik (Vorsitzender: Hofprediger a. D. Stöcker); 2) Evangelisation und Gemeinschaftspflege (Pfarrer Dammann); 3) die soziale Aufgabe (Geh. Reg.-Rath Dr. Duncker); 4) Presse, Kunst und Litteratur (Pfarrer Lic. Weber); 5) Apologetik, bes. auf dem Gebiet der Naturwissenschaft (Oberlehrer Dr. Dennert); 6) Erziehung und Schule (Gymnasialdirektor Dr. Lüttgert und Lehrer Diehl); 7) Frauenfrage (Pfarrer Burkhardt). Alljährlich finbet eine Hauptversammlung statt, die letzte in der Pfingstwoche in Stuttgart, über deren Verlaus Hofprediger a. D. Stöcker am Freitag Abend berichten will. Zur Verbreitung ihrer Gedanken gibt sie seit Januar 1898 die „kirchlich-sozialen Blätter" heraus (Abonnement jährlich 2 Mk.). Demselben Zweck diente bisher das „deutsch-evangelische Jahrbuch", zusammengesiellt von Pfarrer Lic. Weber, das jetzt mit der bekannten „Neuen Christoterpe" verschmolzen worden ist und künftig von Hofprediger a. D. Stöcker, Pfarrer Samuel Keller, Marineoberpfarrer Christian Rogge und Pfarrer Lic. Weber herausgegeben wird. Außerdem ist kürzlich das „Volks-Universal-Lexikon" sertiggestellt worden, das Oberlehrer Dr. Dennert mit zahlreichen Fachgelehrten bearbeitet hat und das als Nachschlage- und Belehrungsbuch über alle Fälle des täglichen Lebens kurz unterrichten und dazu mithelfen will, eine „festbegründete christliche Welt- und Lebensanschauung" in unserem Volke aufzuerbauen. Das umfangreiche Werk kostet in schönem Einband nur 12 Mk. Die „christliche Welt" schreibt darüber u. a.: „Mit ausgezeichneten Illustrationen, Bildertafeln und Karten versehen, belehrt es in sehr dankenswerther und verständlicher Weise über das große Gebiet des allgemeinen praktischen Wissens vom christlichen Standpunkt, den andere Konversationslexika vermissen lassen." Die kirchlich-soziale Konferenz ist in frischem Wachsthum begriffen. Ende 1897 zählte sie wenig über 100 Mitglieder, Ende 1898 bereits über 550 und Juni 1900 1100 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt 1 Mk., einschließlich der „Blätter" 2,50 Mk. — Im Anschluß an diese kurzen Bemerkungen über die kirchlich-soziale Konferenz seien auch an dieser Stelle alle evangelischen Männer und Frauen zum Besuch der Abendversammlung am Freitag den 21. Juni nach Schlüchtern herzlich eingeladen.
^ Obstbanmzncht. Die anhaltende trockene Witterung hat auch auf viele Obstbäume nachtheilig gewirkt. Mit großer Besorgniß sieht wohl mancher Baumzüchter aus die in großer Anzahl auftretenden Blattläuse und bemerkt, wie diese die jungen Veredelungen in besonderer Weise in der Entwickelung hemmen. In dieser Hinsicht ist die in einem mit weitem Halse versehenen Glase zu sammelnde Tabaksbrühe das billigste und beste Mittel, zumal dasselbe in keiner Weise nachtheilig wirkt. Die Tabaksbrühe ist auf die von Blattläusen befallenen Stellen unter Benutzung einer Gänse- oder Hühnerfeder zu streichen.
* Oberlandesgerichts-Entfcheidrrng. Im Dezember 1895 wurde ein Eisenbahn-Nachtwächter in Hanau von einer Lokomotive gestoßen und fiel zu Boden. Kurze Zeit daraus stellte sich seine Dienstunsähigkeit heraus und er wurde durch eine Verfügung der Eisenbahn-Behörde pensionirt. Der Nachtwächter behauptet nun, seine Dienstunfähigkeit sei durch jenen Unfall verursacht worden, weshalb er eine höhere Rente zu beanspruchen berechtigt sei. In dem dieserhalb bei dem Landgericht angestrengten Prozesse wurden die Hanauer Sachverständigen vernommen. Die Diagnose derselben ging übereinstimmend dahin, daß die Unfähigkeit nicht mit dem Unfall Zusammenhänge. Bei dem Oberlandesgericht wurde auf Grund eines diesem Gutachten widersprechenden Zeugnisses eines anderen Hanauer Arztes beschlossen, neuen Beweis durch weitere Sachverständige zu erheben. Auch diese drei Sachverständigen widersprachen sich sowohl in der Diagnose, als auch in den Gründen für die Dienstunfähigkeit. Schließlich wurde nach einer nochmaligen Verhandlung bei dem Oberlandesgericht eine Einigung dahin erzielt, daß sich die Mehrheit der hiesigen Sachverständigen für eine auf dem Unfall beruhende und durch denselben veranlaßte nervöse Erkrankung aussprach, welche die Dienstunfähigkeit verursachte. Das Oberlandesgericht schloß sich diesem Gutachten an und hat ein Urtheil dahin erlassen, daß dem Kläger die höhere Rente zuzusprechen sei.