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Rr. 36.
General-Anzeiger.
Amtliltzts Organ fit Stadt- and FaMrns Kams.
Eichamt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Dienstag den 12. Februar
Vermttroo«!. Redakteur: ®. Schrecker in Hanau.
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1901
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Ausschreiben.
Am 31. Januar l. Js. wurde bei Offenbach die Leiche einer weiblichen Person in mittleren Jahren gelandet.
Die Leiche, welche schon sehr in Verwesung übergegangen, war unbekleidet, nur mit 1 Paar dunkelgewirkten Tuchschuhen mit Lederkappen, sowie 1 Paar grauwollenen Socken bekleidet, ca. 1,60 m groß, eine Hand fehlte, und kann mindestens schon 2 Monate im Wasser gelegen haben.
Es wird um Nachforschung nach der Identität der fraglichen Leiche und um eventl. Nachricht hierher ergebenst ersucht H im Ermittelungsfalle.
Darmstadt den 6. Februar 1901.
Großh. Staatsanwaltschaft.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 9. Februar 1901.
Königliche Polizei-Direktion.
P 1267 v. Schenck.
Candkreis Ranau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
An der katholischen Volksschule in Großkrotzenburg ist die neu gegründete 4. Schulstelle mit einer geprüften Lehrerin zu Ostern d. Js. zu besetzen.
Das Grundgehalt beträgt 1000 Mk., der Einheitssatz der Alterszulagen 100 Mk. für eine definitiv angestellte Lehrerin. Außerdem wird eine Miethsentschädigung von 120 Mk. gewährt.
Bewerberinnen wollen ihre mit den erforderlichen Zeugnissen versehenen Gesuche innerhalb 2 Wochen an den Königlichen Orisschulinspektor Herrn Pfarrer Krämer in Großkrotzenburg einreichen.
Hanau den 8. Februar 1901.
Der Schulvorstand.
Für denselben:
Der Königliche Landrath.
V 1409 v. Schenck.
Landwirth Andreas Litzmann in Langendiebach ist zum Feldhüter der Gemeinde Langendiebach bestellt und ver- pflichiet worden.
Hanau den 7. Februar 1901.
Der Königliche Landrath.
V 1474 v. Schenck.
Feuilleton.
Die Reform des Zeichen- Unterrichts.
Wer außerhalb der Schule steht, ist nur wenig davon unterrichtet, welch frisches Leben gerade jetzt in ihr pulsirt und hat keine rechte Vorstellung davon, daß die Lehrkräfte wetteifern,-um den Unterricht immer anschaulicher, anregender, eindringlicher zu gestalten, ihn auf immer gesündern Grundlagen aufzubauen, die in der Natur der Kindesseele selbst dargeboten werden. Die verschiedensten Zweige des Unterrichts, die Unterweisung in der Muttersprache sowohl als in fremden Sprachen, der Rechen-Unterricht, der Geographie- und Geschichts-Unterricht haben sich eine Reform gefallen lassen müssen, nun verlangen auch die Zeichenlehrer gebieterisch nach einer solchen. Reform ist nichts anderes als Umgestaltung. Etwas Altes, Abgelebtes soll umgestaltet werden, damit etwas Neues und, die Reformer hoffen es, Besseres entstehe. Daß der Zeichen-Unterricht einer solchen Umgestaltung bedürfe und worin sie zu bestehen habe, war der Inhalt eines Vortrages, den Herr Zeichenlehrer Götze aus Hamburg, vom Verein für das deutsche Kunstgewerbe dazu berufen, im Festsaal des Berliner Künstlerhauses hielt.
Der Redner ging davon aus, daß die Schule in inniger Verbindung mit dem Leben stehen müsse, welches in jeder neuen Generation, also etwa alle 30 Jahre, neue Aufgaben stelle. Der Zeichen-Unterricht, wie er jetzt noch in der Mehrzahl der Schulen ertheilt würde, fei- vor etwa 30 Jahren zuerst eingeführt worden. Er hätte sich entwickelt aus den Anregungen, die die europäischen Völker auf der ersten Weltausstellung, die in London stattfand, empfangen hatten. Vor dieser Zeit war der Unterricht im Zeichnen überhaupt mehr nur ein Einzel- und Privat-Unterricht und wurde ohne System
Bktr. Bclampmg her Blutlaus.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 12. November v. Js., Y 11019, Nr. 45, 46 u. 47 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger", veranlasse ich die Herren Bürgermeister, die Baumbesitzer rc. durch ortsübliche Bekanntmachung auf die Vertilgung der Blutlaus nochmals hinzuweisen.
Hanau den 7. Februar 1901.
Der Königliche Landrath.
V 1153 v. Schenck.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
In diesen Tagen wird eine Kommission bei den hiesigen Pferdc beschern die für das kommende Jahr im Mobilmachungs- falle freihändig anzukaufenden Pferde einzeln aussuchen.
Pferdebesitzer werden hiervon in Kenntniß gesetzt.
Hanau den 9. Februar 1901.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 2582
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 2 weiße Taschentücher. 8 Gebund kleine Schlüssel.
Verloren: 1 Hundertmarkschein. 1 Portemonnaie mit 3 Mk. Inhalt.
Entflogen: 1 Paar blau und weiße Hühnertauben mit schwarzen Binden.
Vom Wasenmeister am 11. d. Mts. eingefangen:
1 schwarzer Spitz w. Geschl.
Hanau den 12. Februar 1901.
politische Rundschau.
Nationalliberale Prehstimme über die Frankfurter Protestversammlung. Das nationalliberale „Franks. Journ." schreibt in seiner Montogsnummer über die Piotrstoersammlung am Sonntag wie folgt: Die gestrige Protestversammlung gegen die Erhöhung der Getreidezölle hat den vorauszusehenden Verlauf genommen : Nach einigen Reden, die neben vielen auffallenden Uebertreibungen mit besonders heftigen Ausfällen gegen die „Agrarier" und „Hochschutzzöüner" gespickt waren, wurde eine bereits gedruckt vorliegende Resolution angenommen. Daß der von der hiesigen Ortsgruppe des Handelsvertragsoereins veranstalteten Kundgebung eine besonders politische Bedeutung nicht zukommt, das wird wohl von keinem aufmerksamen Beobachter des öffentlichen Lebens
ertheilt. Hübsche Bildchen nach Vorlagen kopiren war sein Ziel. Die Bildchen wurden ganz mechanisch nachgezeichnet, ja, wenn sie nur malerisch waren, brauchten sie nicht einmal eine wirklich existirende Landschaft darzustellen. Die Kinder der Ebene zeichneten und schattirten schäumende Wasserfälle, kühne, romantische Felsen, Mühlen und rauschende Gebirgsbäche, die sie nie gesehen hatten, und bei denen sie sich nichts denken konnten.
Da kam die Londoner Weltausstellung: sie gewährte der Masse des Publikums zum ersten Mal einen Blick in die Geheimnisse des Kunstgewerbes; man erkannte, daß das Zeichnen kein Luxuskönnen sei, ein Spiel für müßige Stunden, nur für jene von Werth, die über müßige Stunden verfügen; man sah ein, daß auch der einfache Mann, der Handwerker, etwas vom Zeichnen verstehen müsse, um in dem kunstgewerblichen Wertlauf, den die europäischen Völker begonnen, nicht den kürzern zu ziehen. Das Zeichnen erhielt einen praktischen Werth, der von nun an das künstlerische Interesse überwog. Im Kunstgewerbe herrschte das Ornament, Ornamentzeichnen wurde die Losung. Das Ornament, vor Allem das geometrische, setzt sich aus Linien zusammen, deshalb begann der Unterricht mit der geraden Linie. Es kam auch noch etwas anderes hinzu, gerade diese Art des Unterrichts zu begünstigen. Es fehlte an Zeichenlehrern; man wollte jeden Lehrer, auch solche, die gar nicht zeichnen konnten, befähigen, Zeichen- Unterricht zu ertheilen. Darum mußte der Unterricht sich auf mathematische Gesetze gründen und sich verstandesmäßig konkurriren lassen. In Frankreich wurde eine Kommission ernannt, die einen streng mathematischen Lehrgang ausarbeitete.
Auf deutschen Schulen wurde ein ähnlicher Lehrgang eingeführt. Das Kind zeichnete Vierecke und Dreiecke nach Vorlagen, die an der Tafel oder Wand befestigt waren. War eine Anzahl von Ornamenten gezeichnet, so ging man zum Körperzeichnen über, d. h. zum Kopfzeichnen, das auch wieder nach Vorlagen geschah. Hier und da sprach man davon, nach der Natur zeichnen zu lassen, aber es blieb bei guten Vorsätzen,
bestritten werden. Eine mäßige Erhöhung der Zollsätze wird erfolgen, daran ändern alle Proteste des Handelsoertrags- vereins nichts. Ist es doch charakteristisch für die Lage, daß selbst der deutsche Handelstag die berufene Vertretung des deutschen Kauf mannsstandes, nur mit geringer Mehrheit sich gegen eine Erhöhung der Getreidezölle ausgesprockeu hat. Die innige Verbrüderung der Vorkämpfer des Handelssertragsvereins mit der Sozialdemokratie wie sie gestern auch hier in die Erscheinung trat, hat weite Kreise des national- und monarchisch-gesinnten Theiles des deutschen Bürgerthums stutzig gemacht, wie wir glauben mit Recht. Wenn Angehörige der Ordnungèparteien „Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie kämpfen," so ist dies ein böses Zeichen, das der einfache Mann instinktiv herausfühlt. Von maßloser Heftigkeit waren die Angriffe, die der zweite Redner, Herr Baumann, gegen die „Agrarier" richtete. Wenn Herr Baumann sagt, „das deutsche Volk müsse die Argrarier und ihre Familien ernähren, dann spricht er eine Behauptung aus, die nur auf Gemüther Eindruck machen kann, deren Urtheil durch keine Sachkenntniß getrübt ist. Wenn weiter der Vorsitzende des Handelssertragsvereins, Herr Dr. von Siemens, erklärte, der Handelsvertragsverein bringe die Meinung des deutschen Volkes zum Ausdrck, so ist das eine Einstellung der Tha fachen, die nicht gut übertroffen werden kann. Uebrigens machte derselbe Redner einen für unseren Geschmack wenig zusagenden Vergleich, wenn er meinte an die Märe von der Noth der Laudwirthschaft habe man sich gewöhnt, wie man sich an einen Schnupfen gewöhnt habe. Dieser Ton scheint doch ganz auf eine sozialdemokratische Volksversammlung gestimmt zu sein; gestern war er unseres Erachtens wenig am Platze. Nach allem kann nicht zweifelhaft sein, daß auch diese Versammlung nur den Wenh einer De- monstraiion hat, welche die Entwickelung der Dinge nicht aufhalten wird.
Die Niederlattde nnd Portugal. Der diplomatische Konflikt zwischen Holland und Portugal hat einen für Holland günstigen Ausgang genommen. Der portugisiesche Minister des Auswärtigen hatte in einer Note an den niederländischen Minister des Auswärtigen erklärt, er habe durchaus nicht die Absicht gehabt, Holland Unannehmlichkeiten zu bereiten, Portugal wolle im Gegentheil mit Holland die freundlichsten Beziehungen unterhalten. Der Minister des Aeußern de Beaufort erwiderte in einer Unterredung mit dem portugiesischen Gesandten v. Selix, daß er die Vertheidigung der portugiesischen Regierung nicht als völlig genügend anerkennen könne, daß er aber die freundlichen Gesinnungen der portugiesischen Regierung den Niederlanden gegenüber zu schätzen wisse und im Interesse der freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder geneigt sei, den Zwischenfall als erledigt zu betrachten, jedoch unter der aus- auf einmal war die Schulzeit beendet. Das Kind trat hinaus ins Leben und mochte zusehen, wie es mit den zeichnerischen Aufgaben fertig wurde, die dieses an es stellte. Sofern diese Aufgaben nicht mehr verlangten, als getreues und gewissenhaftes Nachzeichnen gegebener Ornamente, mochte die auf dem Wege jenes Unterrichts erworbene zeichnerische Fähigkeit auch genügen. Von charakteristischer Auffassung oder gar von eigener Erfindung war jedoch nicht die Rede, besonders krankte das Farben Verständniß, das Gefühl für Farben-Ueber- einstimmung und Farben-Gegensatz. Ein solcher Unterricht und ein solches Unterrichts-Ergebn'ß entspricht nicht mehr den Bedürfnissen unserer Zeit; denn unser Leben ist ein anderes geworden : es verlangt gebieterisch die Rückkehr zur Naiur.
Nachdem so der Redner die Nothwendigkeit einer Reform begründet hatte, führte er aus, wie er sich dieselbe denke. Das Großstadt Kind soll wieder Freundschaft und Bekanntschaft schließen mit den einfachsten Nalurdingen, mit Blatt und Blume, mit Frucht und Same, mit dem Kleingethier und Gestein unserer Wälder und Felder; es soll diese Dinge betrachten, sie in die Hand nehmen, nicht einmal, sondern viele Mal, damit sich Form und Farbe ihm einprägen, und kann es nicht hinaus in die Natur, so soll sie zu ihm in die Schule gebracht werden durch den Lehrer; er sei der Vermittler zwischen ihr und dem Kinde, er lehrt das Kind sehen. Das Kind kommt ihm auf halbem Wege entgegen: denn Kinder sind scharfe Beobachter. Das Kindesauge erfaßt sehr oft das Charakteristische an den Dingen, und die Kindeshand versteht es darzusteUen, freilich in unbeholfener Weise. Das unbefangene Kind zeichnet, was es sieht oder vielmehr gesehen hat; denn es zeichnet immer aus dem Kopf. Sobald es einige Zeit mit vor sich auf den Tisch gelegten Händen stramm und steif in der Schule gesessen, ändert sich das. Es zeichnet nicht mehr, was es sieht, sondern was es weiß. Man hat in Hamburg die Kinder einer Schule Bäume zeichnen lassen, die Zeichnungen, etwa 600 an der Zahl, wurden dann nebeneinander an die Wand gehängt und verglichen. Es stellte sich