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Erstes Blatt

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

?T. 289. BeKIS-KciMredmMliiß Nr. 98. Mittwoch den 1 1. Dezember. BezirkS-FernsPrechmMuß Nr. 98. 1901

Amtliches

Stadtkreis Danau.

BekaMmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Nachdem da? Ersatzmitglied der Handelskammer zu Cassel, Metzgermeister Karl Grobe zu Hanau, verstorben ist, muß für denselben alsbald eine Neuwahl stattfinden.

Gemäß § 6 der Wahlordnung für die Handwerkskammer zu Cassel und ihren Gesellenausschuß liegt das Verzeichniß der im hiesigen Stadtkreise vorhandenen H^dwerker-Fnnungen vom 12. bis einschließlich 19. d. Mts. auf Zimmer 20 des Rathhauses während der Dienststunden zur Einsicht der Betheiligten offen. Etwaige Beschwerden gegen die Richtigkeit des Verzeichnisses sind binnen 14 Tagen vom Tage der Offen­legung an gerechnet bei der unterzeichneten Behörde schriftlich oder mündlich anzubringen.

Hanau den 9. Dezember 1901.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus._______ 20469

Die Polen-Interpellation.

Die polnischen Interpellanten in der W r eschener Schul­angelegenheit und ihre Mitunterzeichner aus dem Zentrum holten sich in der gestrigen Sitzung des Reichstages, auf deren Tagesordnung dieses Sensationsstück stand, eine empfindliche Abweisung. Daß man sich im Voraus bewußt war, eine solche zu finden, ließ schon die vorsichtige, absichtlich gemäßigte Behand­lung der Sache seitens des Begründers der Interpellation, des Fürsten Radziwill erkennen. Der Reichskanzler Graf von Bülow lehnte es kategorisch ab, sich im Reichstage über die Wreschener Vorgänge als eine rein preußische Angelegen­heit interpelliren zu lassen. Sollte die Sache im preußischen Lanotage zur Sprache gebracht werden, so werde er nicht ver­fehlen, dort Rede und Antwort zu stehen; an einer Erörterung im Reichstage aber werde er sich nicht beiheiligen, und er lehne es ab, mit dem Vorredner über die von ihm vorgebracklen Einzelheiten zu diskutiren und sie richtig zu stellen. Als Reichskanzler habe er nicht nur die Aufgabe, die verfassungs­mäßigen Rechte des Reiches und seiner Organe im vollen Um­fange zu wahren, sondern eben io die ein Eingreifen von In­stitutionen des Reichs in die den Einzelsiaalen verfassungs­mäßig vorbehaltene Selbständigkeit zu bindern. Er müsse gegen jeden Versuch, am bundessiaatlichen Charakter des Reiches zu rütteln, entschiedene Vermahlung einlegen. Dagegen beant­wortete der Herr Reichskanzler die Interpellation und deren Begründung insoweit, als darin auf die Beziel ungen zum Aus­lande Bezug genommen war, mit einer Reihe bemerk nswerther und entschiedener Erklärungen. Davon, daß die Wreschener Vorgänge dem Ansehen des Deutschen Reiches im Auslande Abbruch gethan hätten, wie die Jntervellation behauptete, sei ihm nicht das Mindeste bekannt geworden. Den Anstiftern der Exzesse in Galizien und Warichau möge allerdings die Absicht vorgeschwebt haben, ein Moment der Unruhe in das Verhältniß zwischen dem Deutschen Reiche und den beiden Nachbarmächlen hereinzutragen. Wenn aber in dieser Richtung irgend eine Beiorgniß bestehen sollte, so könne er sie vollkom­men zernreuen. Die Haltung sowohl der österreichisch-ungari­schen wie der russischen Regierung habe den berechtigten Er­wartungen der deutschen entsprochen und diese habe keinen Grund zur Beschwerde gehabt. Der Reichskanzler legte die bezüglichen diplomatiichen Kundgebungen der Nachbarregierungen näher dar und bemerkte mit besonders nachdrücklicher Beto­nung: die Solidarität, die seit länger als ein Jahrhundert Preußen und Rußland gegenüber den nationalpolnischen Selbst­ständigkeitsbestrebungen verbinde, habe sich auch diesmal be­währt, und sie sei schwerer zu erschüttern, als dieser oder jener vielleicht glaube. Der Reichskanzler schloß mit dem Ausdrucke seines Erstaunens, daß der Vorredner auch nur einen Auaen- blick habe annehmen können, die Regierung würde sich durch die ausländische Beurtheilung inländischer Vorgänge irgendwie impressioniren lassen. Ausländische Stimmungen oder Demon­strationen können weder den Gang unterer inneren Politik, noch die Haltung des leitenden Ministers im Reiche bestimmen. Für ihn könne nichts Anderes maßgebend sein, als das Inter­esse des Landes und die Pflicht gegen das Deutschthum. Er werde dieser Pflicht treu bleiben und alles thun, um zu ver­hüten, daß das Deutschthum im Osten unter die Räder kommt. Diese mit energischer stimme abgegebenen Erklärungen wurden von der Rechten mit lebhaftem Beifall ausgenommen und machten aus das Haus starken Eindruck. Die alsdann auf Antrag des Zentrums beschlossene Besprechung der Interpellation blieb ein Relchstagsmonoloa, da der Reichskanzler mit den übrigen Bundeârathsmitgliedern den Saal verließ. Im Ver­

laufe dieser Besprechung, die das Bild der üblichen Polende­batten gewährte, gestanden die Interpellanten, daß die Sache deshalb in den Reichstag gebracht worden war, weil man dort ein dankbareres Auditorium zu finden hoffte, als im Abgeord­netenhaus. Gleichwohl muß der Effekt stark hinter ihren Er­wartungen zurückgeblieben sein. Einige polnische Redner, wie der Vertheidiger im Wreschener Prozesse, der Abgeordnete von Dziembowski-Pomian, fanden Gelegenheit, die tenden­ziösen Darstellungen, welche die polnische Presse von den Vor­gängen gegeben hat, nochmals vorzutragen und der Abgeordnete Roeren erklärte als Redner der Zentrumspartei jene Vor­gänge für denBankerott der hakatistischen Polenpolitik". Von der anderen Seite führten die Abgg. Limburg und Sattler die Dinge auf das Maß des Thatsächlichen zurück und zollten der vom Reichskanzler gekennzeichneten Regierungs­politik lebhafte Anerkennung. Daß, wie Graf Limburg sagte, nach innen und nach außen hin deutlich gezeigt worden ist, daß hinter dem Deutschthum im Osten eine starke Regierung steht,die sich nicht an den Wagen fahren läßt," darf in der That als das Ergebniß dieser völlig fehlgeschlagenen parla­mentarischen Aktion bezeichnet werden. Man vertagte die De­batte in später Stunde, doch steht auf der heutigen Tagesord­nung wieder der Zolltarif.

Hus Stadt und Land.

Hanau, 11. Dezbr.

* Ordensanlegung. Dem Oberleutnant Arnold im Infanterie - Regiment Nr. 166 (früher im ostasiatischen Expeditionskorps) wurde die Erlaubniß zur Anlegung der ihm verliehenen Kaiserlich Königlich österreichischen Kriegs-Medaille ertheilt.

* Der hiesige Sprechverkehr ist auf Gembloux (Gruppe Brüssel) ausgedehnt worden. Gesprächsgebühr: 3 Mark.

* Pulverfabrik Hanau. Unter den einmaligen Aus­gaben für bte Bauausführungen der Verwaltungen des Reichs­heeres befindet sich in dem Etat für 1902 der Betrag vou 190,000 Mk. als zweite Rate für den N e u b a u der Nitriranlagen in den Pulverfabriken Hanau und Spandau unter Mitbenutzung verwendbarer Einrichtungen der bisherigen Anlagen. Gesammtkostenbetrag 560 000 Mk.

* Ferdinand Mehler t* Infolge eines Schlagan­falls ist der langjährige Vorsitzende des Weins'schen Gesang­vereins, Herr Privatier Ferdinand Metzler, in verflossener Nacht ver'chieden. Der Entschlafene war ein eifriger Förderer des Gètanaslebens unserer Stadt.

-K. Museum des Geschichtsvereins. Auf einem Grundstück des Herrn Gastwirths Stein in Eichen, der sich für römi'che Alterthümer und Ausgrabungen in sehr dankenswerlher Weise intereifirt, sind werthvolle römische Funde gemacht worden. Sie bestehen aus einer großen wohlerhaltenen doppelhenkeligen Amphora und ver­schiedenen Gegenständen aus Eisen, darunter eine Glocke, die ebenfalls vollständig erhallen ist. Die Ausgrabungen wurden von Herrn Bausch-Windecken mit gewohnter Umsicht vorgenommen. Sämmtliche Fundstücke sind vom hiesigen Alterthumsmuseum erworben worden.

* Wohlthätigkeits-Konzert. Wie bereits bekannt, findet morgen Donnerstag, abends 7 Uhr, in derCentral­halle" ein Wo'sithätigkeitskonzert des Vaterländischen Frauen­vereins statt, das sich hoffentlich eines recht guten Besuches zu erfreuen haben wird. Das für dasselbe aufgestellte und schon wiederholt veröffentlichte Programm enthält eine Reihe hervorragender Darbietungen auf musikalischem Gebiete und dürfte den Besuchern, zumal die Mitwirkenden durchweg Künstler von gutem Rufe sind, einen überaus genußre chen Abend bereiten. Da das den Haupttheil des Programms vermittelnde Gesangs­quartett, bestehend aus den Damen Anni Wiegand und Gertrud Peiper sowie den Herren Oskar Nosi und Th. Gerold, in Hanau theils nicht, theils wenig bekannt sein dürste, so möchten wir über dasselbe einige erläuternde An­gaben machen. Ausgebildet sind alle 4 Künstler in der Ge­sangsschule von Prof. Jul. Stock ausen. Frl. Wiegand hatte erst kürzlich in. mehreren Konzerten, sowie in eigenen Liederabenden, die sie in Frankfurt a. M. und in Hamburg gab, schöne Erfolge, Herr N o ë hat sich sowohl in Frankfurt als in Berlin und München als Solist ausgezeichnet und e enso hat Frl. P eipes wiederholt mit Erfolg gesungen. Herr Gerold ist seit mehreren Jahren als Gesangslehrer an der Schule von Prof. Stockhausen thätig. Das vorzügliche harmonische Zusammenwirken des Quartetts zeigte sich in ver­schiedenen gemeinsamen Veranstaltungen in Frankfurt und auswärts. Für Januar sind die vier Künstler nach Paris engagirt. Außer einer Anzahl gemeinsam zu singender, durch­weg reizender Lieder wird Frl. Wiegand auch als Solistin

Die heutige Nummer umfußt außer dem Unterhaltuugsblatt 12 Seiten.

mit einer Schubert'schen Komposition die Besucher erfreuen. Wie aus dem Programm ersichtlich, liegt auch der instrumen­tale Theil in durchaus bewährten Händen und es bürgen die hierbei mitwirkenden, in unserer Stadt schon rühmlichst be­kannten einheimischen Kräfte für ein gutes Gelingen, sodaß, wie schon bemerkt, das Konzert einen wirklichen Kunstgenuß vermitteln wird.

** Obstbauverein Langenselbold. Nachdem schon am Dienstag den 3. d. Mts. von mehreren Landwirthen und Obstzüchtern der Grund zu einemObstbauverein Langenselbold" gelegt worden war, hatten sich am verflossenen Montag wieder­um verschiedene Mitglieder, deren Zahl während der 8 Tage schon auf ca. 40 gestiegen ist, aufGasches Felsenkeller" in Langenselbold versammelt, um den von Herrn Lehrer Andrö zusammengestellten Statutenentwurf zu besprechen und zu der Wahl des Vorstandes für den zwar jungen, aber lebenskräftigen Verein zu schreiten. Nachdem der Statutenentwurf mit einigen kleinen Zusätzen einstimmig als giltig für den Verein ange­nommen worden war, wurde der Vorstand wie folgt auf Vor­schlag aus der Mitte der Versammlung gewählt: Herr Post­verwalter Blum als Vorsitzender, Herr Bürgermeister Kindler als dessen Stellvertreter, Herr Georg Gasche als Schriftführer und Herr Lehrer Siemon als dessen Stellvertreter, Herr Lehrer A n d r é als Rech­nungsführer und als Beisitzer die Herren Landwirth Fr. Basischer jun., Baumwärter Hch. Mohn, Kunst- und Handelsgärtner Wilh. Gönner, Landwirth Herm. Lehr jun. und Landwirth Adolf Schweinsberger. Der Schriftführer Herr Gg. Gasche las dann noch den Entwurf zu einem Rundschreiben an die hiesigen Grundbesitzer vor; derselbe soll in jeder Lagenselbolder Wirthschaft aufgelegt und damit ein recht zahlreiches Beitreten von Mitgliedern und besonders große Be­stellungen von Obstbäumchen angestrebt werden. Mögen dieser wohlgemeinten Anregung recht Viele Folge leisten, damit das mit so viel Thatkraft und guter Grundlage angefangene Werk zum Wohl der guten Sache und der Gemeinde wachse, blühe und gedeihe. Der Termin der nächsten Versammlung, zu welcher sich hoffentlich recht viele Theilnehmer einfinden werden, wird imLangenselbolder Anzeiger" bekannt gemacht werden.

* Suggeftions - Soiree. Die gestern Abend von Herrn Alb. Krause imDeutschen Haus" veranstaltete Suggestions-Vorstellung erfreute sich leider nicht eines derartig guten Besuches, wie er in Anbetracht der wirklich ausgezeich­neten Produktionen des Suggestors zu wünschen gewesen wäre. Aeußerst interessant waren vor Allem die Darbietungen auf dem Gebiete der reinen Suggestion, wobei die Versuchspersonen bei vollem Bewußtsein und in der festen Absicht, Widerstand zu leisten und den Einflüsterungen des Suggestors nicht nach­zugeben, doch nicht die Kraft dazu besaßen und Alles thaten, was ihnen von Jenem anbefohlen wurde oder umgekehrt, nach des Suggestors diesbezüglicher Voraussage nicht zu thun ver­mochten, zu was sie aufgefordert wurden. Zum Beispiel waren sie, so lange Herr Krause noch nicht die den Bann brechende Bewegung machte, trotz der sichtbar großen Anstrengungen unfähig, sich vom Stuhle zu erheben, die Beine von der Stelle zu bringen, den erhobenen Arm zu senken, den zurückgelegten Kopf zu erheben, die auf irgend einen Gegenstand gelegte Hand zu entfernen u. s. w., wenn der Suggestor dies wünschte, dermaßen waren sie schon in diesem völlig wachen Zustande ihrer freien Willensbestimmung beraubt und dermaßen vermochte der Suggestor durch bloßes Berühren der Gliedmaßen der Suggestirten starke Muskelattraktionen herbeizuführen. Natür­lich stellt diese ohne jede Hypnose bewirkte Suggestion über­aus hohe Anforderungen an die Beeinflussungskraft des Experimentirenden und da bei der geringen Anzahl der sich meldenden Personen nur zwei vom Suggestor als seinem Ein­flüsse zugänglich befunden wurden, ließ sich freilich durch die große Inanspruchnahme der beiden Herren nicht verhindern, daß allmählich sich deren Bewußtsein trübte und sie in einen völlig hypnotischen Zustand verfielen. Doch auch auf diesem schon mehr bekannten Gebiete leistete Herr Krause wirklich Hervorragendes und übte eine Macht, eine Gewalt über die beiden Hypnotisirten aus, die geradezu staunenerregend war. Hierauf näher einzugehen, erübrigt sich wohl, da derartige Experimente schon öfters gegeben und gesehen wurden. Hervor­zuheben ist nur die Eigenartigkeit der auf Geheiß des Suggestors von den beiden Hypnotisirten vollführten Manipulationen, die die ganze Vorstellung nicht nur höchst interessant, sondern auch sehr humorvoll machten und uns fast an die Aufführungen einer Dileitantenbühne erinnerten, nur daß eben die beiden wie Schauspieler erscheinenden Herren bloße willenlose Marionetten in den Händen des Suggestors waren. Die Vorstellung dürfte, wie der reiche Beifall und die Rufe des Staunens und der Verwunderung bewiesen, auch den höchstgespanntesten Er­wartungen entsprochen haben und läßt wohl die Hoffnung ge­rechtfertigt erscheinen, daß eine von Herrn Krause beabsichtigte