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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, cv.

Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AWilihks Gr-an für Stadt- md Landkreis Sm».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 212 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Mittwoch den 11. September

BkKlS-FernsPrcchanschluß Nr. 98. 1901

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Amtliche Beilage" Sie. ZI.

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Amtliches

Handelsregister.

Neu eingetragen ist die offene Handelsgesellschaft in Firma Döring & Hüning mit dem Sitze in Hanau.

Persönlich haftende Gesellschafter sind:

der Lithograph Carl Döring in Hanau,

2. der Fabrikant Alexander Huning in Hanau.

Die Gesellschaft hat am 21. August 1901 begonnen.

Hanau den 7. September 1901.

Königliches Amtsgericht 5. 14932

Deutsche Ergebnisse in China.

Mit der Unterzeichnung des Pekinger Friedensprotokolls durch China und die Mächte hat unsere Diplomatie einen be­deutungsvollen Abschluß ihrer ostasiatischen Arbeit erzielt. Der Weg war lang und überreich an Schwierigkeiten. Für eine rückschauende Betrachtung ergibt sich aber, daß die Ziele, die Graf Bülow zuerst in seinem Rundschreiben an die deutschen Bundesregierungen, dann wiederholt im Reichstage für eine den realen Interessen Deutschlands förderliche China-PMik entwickelt hat, auch erreicht worden sind. Der Kanzler ist jeder abenteuernden Neigung, jedem uferlosen Plane fern ge­blieben. Die Grenzen unserer Aufgabe wurden kühl und nüchtern abgesteckt. Innerhalb dieser Grenzen aber hat sich Graf Bülow stets zu einem gemäßigten Optimismus bekannt, der sich durch keine Hindernisse und es gab deren genug entmuthigen ließ. Die Erfolge haben seiner unverdrossenen Arbeitsamkeit Recht gegeben.

Das Pekinger Protokoll vom 7. September 1901 enthält neben Bestimmungen, die sofort ausführbar und zum Theil auch schon ausgeführt sind, eine Reihe von Forderungen, die nach der Natur der Sache erst allmählich oder zu ausdrücklich festgesetzten künftigen Zeitpunkten erfüllt werden können. Dieses gilt jedoch in erster Linie nur für die Rückzahlung der durch die militärischen Expeditionen nach Petschili den Mächten erwachsenen Kosten. Es ist aber eine solche Rück­zahlung nicht bloß im Allgemeinen ausbedungen, sondern der Tilgungsplan für die neue Schuld Chinas bis ins Einzelne ausgearbeitet, die Verzinsung durch bestimmte Einkünfte festge­setzt und für den richtigen Eingang der Theilzahlungen eine besondere internationale Behörde in Tientsin errichtet worden. Kurz: die Entschädigung der Mächte und namentlich Deutsch­lands durch China ist so umfassend gesichert, wie überhaupt durch diplomatische Kunst in einer feierlichen, von vielen Staaten garantirten Urkunde irgend etwas gesichert werden kann. Auf keinen Fall ist das deutsche Reich in der Ent­schädigungsfrage oder in anderen Punkten ungünstiger gestellt als die andern Mächte.

Im Gegentheil. Wir mürben z. B. nach den bereits ins Werk gesetzten Befestigungen unserer Gesandtschaft in Peking und unserer Niederlassung in Tientsin einem neuen Aufruhr in Petschili, an den aber im Ernst kein Sachkundiger glaubt, weit ruhiger entgegensehen können als diejenigen Län­der, die, was für uns nicht der Fall-ist, im Innern dieser Hauptprovinz Chinas besondere Interessen oder Menschen­leben zu schützen haben. Für die Vertheidigung unserer Stellung in S ch a n t u n g aber stehen uns jederzeit auch ohne neue größere Aufwendungen die nöthigen Mittel zu Ge­bote. Uebrigens haben wir es verstanden, gerade von Schan- tung die Boxerhorden fernzuhalten. Es herrscht dort Ruhe, und die deutschen Unternehmungen, namentlich die Eisenbahn- Bauten können sich ungestört weiter ausdehnen. Tschingtau ist schon heute ein Platz, um den uns Mancher im Stillen beneidet.

Wesentlich verbessert und gestärkt geht unsere Stellung in dem über alles andere wichtigen Stromgebiet des Jangtse aus den jüngsten Wirren hervor. Bekanntlich wollte die eng­lische Diplomatie dort eine möglichst ausschließliche Jnteressen- Sphäre für den britischen Handel durchsetzen. Diesmal aber fand sie in Berlin ihren Meister. Mit dem Pangtse-Abkommen vom 16. Oktober 1900 hat Graf Bülow die Gefahr einer englischen Alleinherrschaft auf Chinas bedeutendstem Strom da­durch verhindert, daß er zunächst für Deutschland, mittelbar aber für alle dem deutsch-englischen Noten-Austausch beige­tretenen Mächte, die bisher folgende vertragsmäßige Grundlage für die Gleichberechtigung der fremden Handels-Flaggen gegen­über den britischen Monopol-Ansprüchen schuf. Wenn irgend etwas geeiguet ist, diesen wirklichen und großen Erfolg der deutschen St-mtskunst in helles Licht zu setzen, so sind es die

noch immer fortdauernden Wuth-Ausbrüche der englischen Presse. Die Belassung einer deutschen Garnison in Schanghai, die Förderung der Korrektion des Wusung-Flnsses, die Erweiterung des deutschen Schiffs-Verkehrs auf dem Iangtsee und seewärts von Schanghai aus beweisen, daß wir nicht blos üuf dem Papier, sondern durch die That dort als Ebenbürtige mit Eng­land in Wettbewerb getreten sind.

Eine sehr wichtige Errungenschaft unserer chinesischen Poli­tik ist endlich die vom Reichskanzler trotz aller Gegenströmungen herbeigeführte Neubesiegelung der Freundschaft Deutschlands mit Rußland, der die Zweikaisertage in der Danziger Bucht, der 11., 12. und 13. September ihre volle Weihe geben werden.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 11. Septbr.

* Ordensverleihung. Herrn Baurath Becker- Hanau, nach dessen Entwürfen bekanntlich die stattliche neue evang. Kirche in Rückingen erbaut wurde und der auch den Bau selbst leitete, wurde aus Anlaß der am Sonntag stattge­habten Weihe der Kirche von Sr. Majestät dem Kaiser und König der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen.

* Militärisches. Die fünf Maschinen-Gewehr- Abtheilungen, die am 1. Oktober errichtet werden, sind nunmehr mit Offizieren besetzt worden; jede Abtheilung ent­hält einen Führer und je zwei Leutnants. Die Standorte sind Potsdam, Ortelsburg, Kulm für je eine, für zwei Bitsch. Es steht also eine Maschinen-Gewehr-Abtheilung im Zentrum, je zwei befinden sich an der Ost- und Westgrenze. Eine weitere Vermehrung der Abtheilungen ist in Aussicht genommen. Aus den mit dem 1. Oktober in Kraft tretenden Stellen- b e setzungen ist zu entnehmen, daß das aus den Eskadrons Nr. 2, 3, 4, 5 und 6 bestehende kombinirte Jäger-Regi­ment zu Pferde die vollständige Organisation eines Regi­ments erhält, obschon der Führer und der Major beim Stabe nur aus ihren bisherigen Etatsstellen dorthin abkommandirt werden konnten, weil ein Stab für das Jäger-Regiment zu Pferde nicht auf dem Etat steht. Außer diesem Regiment wird am 1. Oktober noch ein Fußartillerie-Regiment Nr. 13 errichtet; dazu wird das bisherige Fußartillerie-Bataillon Nr. 13 als 1. Bataillon verwandt, während zum 2. Bataillon die Regimenter Nr. 3, 7, 9 und 10 je eine vollständige Kom­pagnie abzugeben haben. Der Stab und das 1. Bataillon erhalten Ulm, das 2. Bataillon Altbreisach, mit einer Kom­pagnie vorläufig in Neubreisach, als Standort angewiesen. Das Pionier-Bataillon Nr. 21 wird aus geschlosse­nen Kompagnien der Bataillone Nr. 3, 8, 9 und 17 aufge­stellt. Das Bataillon erhält Mainz als Standort und tritt zum 18. Armeekorps; das seit seiner Errichtung im Oktober 1866 in Kastel bei Mainz garnisonirende hessische Pionier- Bataillon Nr. 11 verbleibt beim 11. Armeekorps, erhält aber Münden in Hannover als Standort angewiesen, wo bisher noch keine Garnison war. '

* Manöver. Heute Morgen ist die 5. Eskadron des Ulanen-Regiments ins Manövergelände abgerückt, die übrigen vier Eskadrons rücken morgen aus. Das Infanterie- Regiment hat heute Ruhetag, morgen früh erfolgt der Abmarsch ins Manövergelände.

* EntergmtttgsenLschädignrrg für Wattland. Gemäß Erkenntniß des Reichsgerichts VII. Civilsenat vom 1. März 1901 ist die Höhe der Enteignungsentschädigung für Bauland, welches von einer Fluchtlinienfestsetzung getroffen, aber erst später enteignet wird, nach demjenigen Zeitpunkt zu bestimmen, zu welchem die Fluchtlinienfestsetzuug erfolgt ist. Das Reichsgericht hat in feiner Entscheidung den Grundsatz ausgesprochen, daß von dem Zeitpunkt der Fluchtlinienfestsetzung an die für das künftige Straßenland bestimmten Grundstücks­theile auf Grund der gesetzlichen Bestimmung des § 11 des Fluchtliniengesetzes dauernd die ihnen bisher innewohnende Eigenschaft als Bauland für die Zukunft verloren haben. Es sei daher rechtlich nicht möglich, sie zur Zeit der Enteignung als gegenwärtiges Bauland einzuschätzen, denn sie seien solches gegenwärtig nicht mehr. Sie hätten nur den Werth, den sie als Bauland zur Zeit der Fluchtlinienfestsetzung gehabt hätten.

GE. Zur Reform im AMenweferr. ImLeipz. Tagebl." begegnen wir der Forderung nach vereideten Bücher­revisoren, die den Aufsichtsrüthen als unparteiische Kontrolleure 'zur Seite stehen sollen. Es fehlt die richtige Kontrolle! heißt es dorten. Doch nicht der Aktionäre allein wegen ist eine Kontrolle nöthig, sondern, auch im Interesse des betheiligten Publikums. Wenn auch dem Aufsichtsrath die Geschäftsführung zu kontrolliren unbenommen sein soll, so ist cs doch nöthig, daß von dem Aussichtsrath unparteiische Kontrolleure, die von dem Gewerbeamt oder der Handelskammer zur Leistung

solcher Dienste vereidigt sind, zugezogen werden. Die Frage ist aber die: Gibt es denn überhaupt vereidete Bücherrevisoren für Gewerbetreibende? Und da müssen wir antworten, uns sind solche nicht bekannt. Wohl gibt es vereidete Bücher­revisoren und kaufmännische Sachverständige bei Gericht, aber deren Eid bezieht sich nur auf die gerichtlichen Verhandlungen. Die Zulasfung von vereideten Bücherrevisoren für Privatzwecke ist daher eine Nothwendigkeit und sollte daher von den zu­ständigen Behörden, namentlich von den Handelskammern an- gestrebt werden. Hoffentlich ist der Mahnruf an die Aufsichts­räthe, sich durch vereidete Bücherrevisoren zu ergänzen, nicht umsonst, nur dann wird das alte Vertrauen zurückkehren.

_ © Arrs dem Frankfurter Zoologischen Garten. Für Jäger dürfte es von besonderem Interesse sein, daß jetzt im Vogelhause zwei Tinamu oder Straußhühner eingetroffen sind, eine Art riesiger Feldhühner, die man in letzter Zeit als neue Wildart bei uns einzuführen bestrebt ist. Auch sonst waren die Bereicherungen, die der Zoologische Garten in den letzten zwei Wochen erfahren hat, sehr mannigfacher Art. Von Landsäugethieren wurde ein männlicher Wildesel angeschafft, dessen starker und doch graziöser Bau auch nicht entfernt an die traurige Figur eines Milcheselchens erinnert und uns deut­lich. zeigt, wie eine Thierart durch fortgesetzte schlechte Behänd- lung, y)ie sie die Zugesel erfahren haben, herunterkommen kann. Der Wildesel ist im Gegensatz zum zahmen ein schönes, stolzes und feuriges Thier. Für das Aquarium wurde von Herrn Blansdorf in Oldenburg ein Seehund geschenkt, dessen Fischjagd bei der Fütterung ein amüsantes Schauspiel abgibt. Reich war der Zuwachs von Vögeln, von denen besonders farbenprächtige Individuen angekauft wurden; unter diesen die blaue Mandelkrähe und der vorn rothgoldene Rohrstärling. Am Sonntag den 15. September ist der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Vfg. (Kinder 25 Pfg.) und für das Aquarium auf 20 Pfg. ermäßigt.

Q Selbstmor d. Gestern machte in Langenselbold der dortige Einwohner H. seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Er hinterläßt neben seiner Ehegattin fünf unmündige Kinder. Was den Lebensmüden zu diesem Schritte veranlaßt hat, ist nicht bekannt geworden.

* Eine eigenartige Ueberrafchttng erfuhr in ver­flossener Nacht der Wirth des Gasthauses zum Elephanten, dem sein in den Keller zum Aepfelweinzapfen geschickter Kellner die Meldung überbrachte, daß der Keller unter Wasser stehe. In der Frankfurterstraße war ein Wasserrohrbruch erfolgt und das Wasser hatte sich seinen Weg nach dem betreffenden Keller gebahnt. Ein Glück war es, daß noch durch Zufall das Vor­kommniß bemerkt wurde, anderenfalls beträchtlicher Schaden hätte entstehen können. Der herbeigerufene Rohrmeister sorgte für Abstellung der Kalamität. Wir wollen nicht unterlassen, zu bemerken, daß es sich bei ähnlichen Fällen stets empfiehlt, den Rohrmeister zu benachrichtigen.

* Der Afchaffettbttrger Verein der Spessart- frettttde unternahm, wie an dieser Stelle schon mitgetheilt, ant Sonntag einen Ausflug nach Hanau, worüber er wie folgt berichtet: Post nubiia Phoebus, nach Regen Sonnen­schein! Das war die Wetterloosung des verflossenen Sonn­tags.Den allerschönsten Sonnenschein ließ uns der Himmel kosten", als wir auf alterthümlichem und mittelalterlichem Ge­lände an dem Gestade des Mainstromes dahinschritten. Der Marsch durch die Fasanerie, das großherzogliche Schloß in dein mauerumgürteten und thurmgekrönten Groß-Steinheim mit den Wappen verschiedener Kurfürsten erinnerten uns Aschaffen­burger an glänzende Kurmainzer Zeiten, während das Grafen­schloß in der Altstadt Hanau mit dem blumenreichen Stadt­parke, der Kurort Wilhelmsbad mit seinen Empirebauten, das neurestaurirte prachtvolle Schloß Philippsruhe an herrliche Landgrafenzeiten gemahnten. Der Burgfried in Groß-Stein- heim, dieser gewaltige Rundthurm, der nach Schaefer (Kunst­denkmäler Hessens) in Anbetracht der ungewöhnlichen Ab­messungen wie der kraftvollen Formen seines Gleichen auf weit und breit sucht, schaut weit hinaus in die Lande, und man kann unbestritten behaupten, daß von ihm der schönste Aus­blick auf das Spessartgebirge und seine vorgelagerten Gelände besteht. Natur, Kunst und Wetter halfen zusammen, den Tag ja einem recht genußreichen zu gestalten. Aber auch Derjenige, ber in lukullischem Mahle einen Hochgenuß sucht, ist von dem Dargebotenen zufrieden gewesen; um zu zeigen, daß auch jen­seits der blau-weißen Grenzpfähle (drübe im Hessische") gut, reichlich und billig zu leben ist, sei die Speisenfolge des Mittags­mahls im Restaurant Kippert (Mohr) in Hanau an­geführt: Klöschensuppe, Rindfleisch mit Gurkensalat und To­matentunke, Nehbraten mit Rahmtunke, Blumenkohl und Kar­toffeln, Vanille-Creme, zu nur Mk. 1.20. Auch Denjenigen, s die musikalische Genüsse hochschätzten, hätte das Militärkonzert zu Wilhelmsbad Ersatz für gleiche daheim in Aussicht gestellte Unterhaltung geschaffen. So verlief das Programm des Ver-^