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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deS verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Geukral-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und FandKrtis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 9.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Mit dem 1. Janrrav d. I. greifen die für Arbeiterinuku und jugendliche Arbeiter geltenden Schutzvoisckriftku für eine Reihe von Betrieben Platz, für die sie bisber nicht galten. Es sind dies die Werkstätten mit Motorbetrieb. Die Regelung richtet sich nach den Vorschriften der Kaiserlichen Verordnung betreffend die Inkraftsetzung der im § 154 Absatz 3 der Gewerbeordnung getroffenen Bestimmung vom 9. Juli 19( 0 und der Bekanntmachung betreffend die Aus- führungsbestimmungcn des Bundesraihs vom 13. Juli 1900 (R.-G.-Bl. S. 565 ff.)
Unberührt bleiben d ejenigen Werkstätten mit Motor betrieb, in welchen der Arkli'gcber ansfchlieszLich ZN seiner Familie gehörige Personen beschäftigt.
Ausgenommen von Len Borschriften sind die Motor- werkstätten der Kleider- und Wäsche-Konfektion. Für sie bleiben die Bestimmuncen der Verordnung vom 31. Mai 1897 (N.-G.-Bl. S. 459) bestehen. Ausgenommen sind ferner die Bäckereien und Konditoreien, die mit Motoren betrieben werden ohne daß sie als Fabriken angesehen sind. Für diese gelten, abgesehen von einigen neuen Bestimmungen, die Vorschriften der Bekanntmachung vom 4. März 1896 (R.-G.-Dl. S. 55). Cs sind schließlich ausgenommen die mit Motoren arbeitenden Getreidemühlen, soweit sie nicht als Fabriken gelten und keine Dampfkraft verwenden. Bezüglich dieser Getreidemühlen behalten, abgesehen von einigen neu in Kraft getretenen Bestimmungen, die Vorschriften der Bekanntmachung betreffend den Betrieb von Getreidemühlen vom 26. April 1899 (N.-Gr-Bl. S. 273) ihre Giltigkeit.
Tie erforderlichen neuen Aushänge können seitens der Werkslattbesitzer von der Druckerei des hiesigen evangelischen Waisenhauses bezogen werden.
Tie Orispolizeibehördcn werden darauf hingewiesen, daß die neuen Vorschriften nebst dem zur Ausführung derselben ergangenen Erlaß des Herrn Ministers sür Handel und Gewerbe vom 6. Tezember 1900 in der Sonderbeilage zum Regierungs-Amtsblatt vom 28. Dezember v. I. zur Veröffentlichung gelangt sind. Dieselben wollen dafür Sorge tragen, daß die beteiligten Kreise alsbald über die Bestimmungen fl matt unterrichtet, und daß Letztere überall durchgejührt werden.
Hanau den 7. Januar 1901.
Ter Königliche Landraih und Polizei-Direktor.
V 12992 „ v. Schenck.
Feuilleton.
Hn der Schwelle des Jahrhunderts.
6 ine chronologische Betrachtung.- Von O. 21., Hanau.
Nun sind wir glücklich im neuen Jahrhundert drin, find Zeitgenossen zweier Jahrhunderte. Wir in Mittel- und Westeuropa wenigstens. Unsere slavischen Nachbarn drüben, die Russen, und die übrigen Bekenner der orthodoxen Kiräe freilich sind um volle 13 Tage zurück *); wie so vieles Andere, liegt bei ihnen auch der Kalender sehr im Argen: sie rechnen noch heute nach dem alten, dem julianischen Stil, gleich als ob ein Gregor XIII. nie gelebt hätte. Freilich, es sind nicht viel mehr als 300 Jahre her, seit die katholischen, und gerade 200, seit die meisten protestantischen Völker die segensreiche Kalenderreform des Papstes Gregor angenommen haben; für Alle aber ist unser Kalender heute Gemeingut, selbstverständliches geistiges Eigenthum geworden, an dem Niemand zu rütteln gedenkt, es müßte denn sein, daß Jemand den alle 100 Jahre wiederkehrenden Streit um den Beginn des neuen Jahrhunderts für mehr als ein kindisches Spiel mit Zahlen hält. So geläufig uns nun heute auch unsere Zeitrechnung ist, der Weg, auf dem die europäische Menschheit zu ihr gelangte, war weit und mühsam ; nur allmählich wurden die Schwierigkeiten überwunden, die sich auch auf diesem Gebiet dem gesunden Fortschritt entgegenstellten.
Wie so Vieles, geht auch unsere Zeitrechnung zurück auf die Römer, die sich ihrerseits auch in dieser Beziehung an
*) Dor einem Jahre etwa berichteten russische Blätter, in Petersburg trage man sich mit dem Gedanken einer Kalenbeneform. Nikolaus II. und Reform I Die Sache verlief natürlich im Saud. So kommt es, daß das Jahr 1900 für die Russen ein Schaltjahr war und sich ihr Kalender ton dem unjrigen um einen weiteren Tag entfernt hat.
grdtaa dm 11. Januar
Milizheer und Krieg.
Als am Beginne des südafrikanischen Krieges die Buren Erfolge über Erfolge erzielten, konnte sich die Sozialdemokratie gar nicht vor Freude über die durch diese Erfolge angeblich bewiesene Uebertegenheit des Milizwesens über das stehende Heer fassen. Als darauf aber vom letzten Frühling ab bis in den Herbst hinein der Erfolg sich auf die Seite der Engländer zu neigen schien, verstummten die sozialistischen Hymnen auf die allein selig machende Methode des Milizwesens. Jetzt, wo sich das Blatt wiederum gewendet hat und die Buren wieder eine Anzahl von Erfolgen aufzuweisen haben, wird die Verherrlichung des Milizwesens aufs Neue betrieben. So schreibt u. a. dir „Sächsische Arbeiterzeitung" : „In Südafrika sehen wir, daß eine europäische Großmacht in fünf Vierteljahren nicht einmal ein Völkchen hat völlig überwinden können, das kaum so viel Seelen zählt, wie England ihnen Söldner über den Hals geschickt hat. Nun, Volkswehr kämpft dort gegen stehendes Heer. Der zehnfachen Uebermacht der nni- formirten und gedrillten Söldnerschaar en ist es zwar gelungen, einige Landstriche in den beiden Republiken zu besetzen, aber.." An einer anderen Stelle heißt es: „Führen doch die Buren einen Freiheitskrieg gegen uniformirte Räuber banden und haben nicht einmal Respekt vor dem Marschalls stab."
Zunächst wird die Auffassung des sächsischen Sozialisien- blaties am besten dadurch widerlegt, daß ein recht erheblicher Theil der in Südafrika kämpfenden Engländer gar nicht aus „uniformirten Söldnern" besteht. Da sind viele Tausende von Ieomanry, Volunteers, Milizen, Freiwilligen aus Australien, Kanada und anderen Kolonien, ferner Freiwillige aus der Kapkolonie und Natal u. s. w. Alles Leute, die mit den Buren das gemeinsam haben, daß sie ad hoc in den Krieg gezogen sind, ohne irgendwie durch militärische Ausbildung gestört zu sein. Dieser Bestandtheil des englischen Heeres in Südafrika ist sicherlich doppelt so stark, als die Zahl der Buren; wenn also das Mrlizwesen allein über den Erfolg entschiede, so müßten doch diese Leute schon allein der Buren Herr werden können.
Was aber den anderen Theil des englischen Heeres, die „gedrillten Söldnerschaaren" anbetrifft, so ist es eine absichtliche Fälschung, wenn man in dieser Hinsicht England als eine „europäische Großmacht" heranzieht. Denn England ist gerade die einzige europäische Großmacht, die das Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht noch nicht acceptirt hat, und deshalb kann man die Erfolge cder Mißerfolge englischer Truppen durchaus nicht damit vergleichen, was etwa unter denselben Verhältnissen deutsche oder französische Soldaten leisten würden. Der deutsche und französische Soldat kämpft für sein Vaterland, der englische Soldat, der sich
die Griecheu unlehnten, außerdem semitischem Einfluß zugänglich waren. Als Zeitmaß benutzten die Römer den Tag, gemessen von Mitternacht zu Mitternacht; 29,s oder besser gesagt, 29 und 30 solche Tage bildeten je einen Monat, während die den meisten orientalischen Völkern längst bekannte Woche von 7 Tagen erst durch die Syrer oder die Juden nach Italien gekommen ist. Das älteste römische Jahr war ein Mondjahr von 304 Tagen. Es umfaßte 10 Monate, 6 zu 30, 4 zu 31 Tagen, und begann in ganz natürlicher Weise mit dem 1. März, dem Frühlingsanfang; so erklärt es sich, warum ursprünglich der September als der siebente, der Ob ober als der achte, der November als der neunte und der Dezember als der zehnte Monat bezeichnet wurde?) König Numa, nach andern Tarquinius Priskus, soll zwei weitere Monate, Januar und Februar, hinzugefügt haben. Sie wurden als die letzten Monate des
2) W>r bedienen uns heute fast ausnahmslos der römischen Mo- nalsbezeichnungen, hinter denen die deutschen Monatsnamen, auch die von Karl dem Großen ein geführten (wintarmânoth, bornunc, lenzin- mânoth, ostarmânotb, wiuimmânoth, brâcbmânoth, hewimânoth, aranmânoth, witumânoth, windumemânoth, berbistmânoth, heilag- mânoth) völlig zurückgetreten sind. Der Januar hat seinen Namen von dem altitalischen Sonnengott JanuS, dem Gott der Anfänge, der Eingänge und Thore, den man mit doppeltem Gesicht darzuslellen pflegte; der Februar von dem römischen mensis februarius, dem Reinigungsund Sühnemonat, in dem, als dem ehemals letzten Monat im Jahre, dem etruskischen Gotte Februns, der ähnlich wie Pluto in der Unterwelt gebot, Opfer dargebracht wurden; der März von dem Kriegsgott Mars; der April von operire—öffnen (von den Knospen und Blüthen) oder durch Buchstabenversetzung entstanden aus pariiis oder palilis, d. h. zur Göttin Pales gehörig, der zu Ehren am 21. April, dem Gründung slage Roms, das Fest der Palil.m gefeiert wurde; der Mai von majüs —grob, hehr oder von Maja, der Tochter des Atlas und der Plejone, der M utter des Merkur ; der Juni wohl von Juno, der Gemahlin Jupiters, nach der sich auch die gens Junia (z. B. C. Junius Brutus) genannt haben dürste; der Juli (bei den Römern früher Qnintilis — der Fünfte genannt) von E. IuliusEäfar; der August (früher Sextilis = ber Seifte) von dem Kaiser Augustus; der September von septem = sieben; bet Oktober von oeto —acht; der November von noTem = neun; ber Dezember von âecem — zehn.
1901
lediglich aus der Hefe des Volkes retrutirt/ kämpft für seinen Sold und stellt d.shalb Betrachtungen an, ob nicht die Strapazen für die Höhe des Soldes zu groß sind. Daß bei einer solchen Gesinnung die Erfolge leicht ausbleiben, liegt auf der Hand. \
Liegen nun aber auch bei dem südafrikanischen Kriege die Chancen für eine Milizarmee so günstig, wie in keinem anderen Falle, so hat trotzdem der Krieg dem objektiven Beobachter noch Gelegenheit genug gegeben, sich über die zahllosen Mängel des Milizwesens klar zu machen. Denn wenn die Buren vom März bis zum September Schlappe auf Schlappe erlitten haben, und wenn sie in den ersten Monaten des Krieges zwar Erfolge erzielt, aber dieselben niemals ausgenutzt haben, so lag dies nicht zuletzt an den Mängeln des Milizwesens: an dem vollständigen Fchlen jeder Disziplin, an der daraus hervorgehenden Uneinigkeit der Führer untereinander und mit ihren Mannschafieu, an dem Mangel an Kontrolle über die Thätigkeit des Einzelnen, an der Drückebergerei Tausender, die, wenn sie eine soldatische Schulung hinter sich gehabt hätten, sicherlich ihre Pflicht vollauf gethan hätten. Wenn aber jeder Bur sich gestatten dürfte, seinem Kommandanten dreinzureden, und wenn der Kommandant einfach hifllos war, wenn die Mehrzahl seiner Leute einen von ihm gefaßten und vielleicht vortrefflichen Plan verwarf, so waren große Erfolge ausgeschlossen.
Wenn die Buren jetzt wieder Erfolge erzielen und vielleicht dauerndere als die ersten waren, so liegt dies daran, daß die jetzt noch fechtenden Leute sich seit fünf Vierteljahren im Kampfe befinden, nrteinanber und mit ihren Führern engere Fühlung bekommen haben und dadurch einigermaßen zu Sol- da en geworden sind. Ob aber jetzt noch die jn Folge des Milizsy'tems entstandenen schweren Nachtheile wett gemacht werden können, ist sehr die Frage. In jedem Falle ist der südafrikanische Krieg nur ein erneuter und sehr drastischer Beweis dafür, daß das Milizwesen das sicherste Mittel ist, der Selbstständigkeit eines Volkes den Untergang zu bringen.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 10. Januar.)
Am Bundesrathstische: Graf Bülow, Posadowsky.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Etats, zunächst des
Spezialetats des Reichskanzlers.
Es liegt hierzu die Resolution der Abg. Gras Klinkow- stroem und Genossen vor: beim Abschluß eines neuen Handels- verirages mit Rußland in diesem die Bestimmung zu treffen, daß die billigen russischen Getreive-Tarife in der Richtung nach
Jahres (erst zur Zeit der Dezemoirn, im Jahre 450, begann man das Jahr mit dem Januar) nach dem Dezember eingeschoben und hatten zusammen 51 Tage; zu diesen 51 Tagen kamen dann später noch 6,-den alten Monaten zu 30 Tagen weggenommene Tage hinzu, so daß nun auf den Januar 29, auf den Februar 28 Tage entfielen. Aber auch dieses neue Jahr von 355 Tagen war im Vergleich mit dem sogenannten Sonnenjahr, d. h. der Zeit eines einmaligen Umlaufs der Erde um die Sonne, das allein die Grundlage der irdischen Zeitmessung bilden kann, namentlich aber im Hinblick auf die damit zusammenhängende allmähliche Verschiebung der an bestimmte Jahreszeiten gebundenen Feste zu kurz. Man schob daher alle zwei Jahre einen Schaltmonat ein, der auf den 23. Februar folgte und abwechselnd 22 und 23 Tage halte; die 5 verbleibenden Tage des Februar wurden entweder als Zusatztage ohne Monatsnamen auf den 1. März bezogen') ober aber kurzer Hand zu dem Schaltmonat hinzugerechnet. Dieses verbesserte Jahr nun war, abgesehen davon, daß es nicht mehr als Mondjahr gelten konnte, durchschnittlich um einen Tag zu lang; der Jahresanfang mußte daher nach und nach alle Jahreszeiten durchwandern, wodurch eine heillose Verwirrung in dem römischen Kalenderwesen einriß, um so mehr, als Jahrhunderte lang der nothwendige Ausgleich mit der Sonnenzeit der Willkür der hierfür durchaus unzulänglichen höheren Priesterschaft überlassen war.
Da erstand in dem genialen C. Julius Câsa r auch dem Kalender ein Reformator. Um die eingeriffemn Wirren zu beseitigen und die einzelnen Monate wieder in Uebereinstimmung mit den Jahreszeiten zu bringen, bestimmte Cäsar, dem zwei Gelehrten, Sosigenes und M. Flavius, hülfreich zur Seite standen, daß das Jahr 708 nach der Gründung Roms, _____________ »
') Die Römer bezogen das jeweilige Datum stets auf feste Ausgangspunkte : die Kalenden (bte Monatsersten), Nonen (im März, Mai, Juli und Okrober der 7, in den andern Monaten der 5.) und Iden (der 15. oder 13. jeden MonatS), und zwar wurde von dieje« Tagen rückwärts gerechnet.