Erstes Blatt.
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Vierteljährlich
60
Verantwortl. Nedakteur: G. Schrecker in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
VeIngdprerI;
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Nr. 210
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Montag den 9. September
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
1901
aM^’Kg'SaütM
Amtliches.
Candkreis Danau.
BekKUktmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Schulstelle in Neuwiedermuß wird infolge Pensionirung ihres jetzigen Inhabers am 1. Oktober er. frei.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Wohnung 1150 Mark und der Einheitssatz der Älterszulagen 130 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 2 Wochen dem Herrn Lokalschulinspektor Pfarrer Bär in Hüttengesäß einreichen.
Hanau den 5. September 1901.
Namens des Schulvorstandes.
Der Königliche Landrath.
V 9609 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Notizbuch mit dem Namen Maier Hirschmann, Großkrotzenburg. 1 silbernes Armband. 1 Maschinentheil.
Verloren: 1 Jnvalidenkarte und Krankenkassenbuch für Peter Schultheis.
Vom Wasenmeister am 9. d. Mts. eingefangen:
1 schwarzer Spitz m. Geschl.
Hanau den 9. September 1901.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 9. Septbr.
8* Personalien. Der Regierungsrath Korth zu Cassel ist von Anfang Oktober d. J. der Königlichen Regierung zu Wiesbaden zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden.
* MissionsstUNÄe. Heute Abend 8 Uhr findet Missionsstunde in der Kapelle des Althanauer Hospitals statt.
* Zur Haftpflicht der Lehrer schreibt man aus Marburg: Herr Professor Lehmann, hervorragender Dozent der Jurisprudenz und allgemein geschätzte Autorität auf diesem Gebiete, hält — wie er in einem Vortrage vor Mitgliedern der Stadt- und Schulbehörde und vielen Lehrern in Marburg ausführte — die vielfach auftretendeen Befürchtungen der Lehrer betr. Haftpflicht und die aus denselben entstandenen Weigerungen zu Schulspaziergängen u. s. w. zum Mindesten für sehr übertrieben, da es nach seiner Meinung nie möglich ist, daß falls der Lehrer seiner Aufsichtspflicht ordnungsmäßig genügt, eine Verurtheilung wegen Haftung eintreten kann. Es ist dem Lehrer seiner Ansicht nach dadurch leicht möglich, daß er fast stets eine größere Anzahl von Kindern um sich hat, unter Umständen den Beweis zu liefern, seine Aufsichtspflicht ausgeübt zu haben. Nach Mittheilung der Verwaltung des Zoologischen Gartens zu Berlin erwies sich der Bericht — er machte auch seiner Zeit in der Presse die Runde —, nach welchem ein Lehrer haftbar gemacht werden sollte, weil ein Schüler gelegentlich einer Unterweisung im Zoologischen Garten eine werthvolle Ente durch einen Steinwurf getödtet haben sollte, als „wirkliche Ente". In den Gebieten des Deutschen Reiches, in welchen die noch schärferen Haftpflicht-Bestimmungen des französischen Rechtes bestanden, ist in den letzten 20 Jahren — Lehmann hatte â einschlägigen Urtheile gewissenhaft nachgesehen — kein einziger Fall vorgekommen, in dem der Lehrer haftpflichtig gemacht wurde. Die Stadt Marburg will für die Fälle, in benen die Lehrer kein gröberes Verschulden trifft, die Haftpflicht übernehmen. — In der „Monatsschr. f. d. Turuwesen" weist der Berliner Turnwart Heinrich Schröer auf die besondere Verantwortung hin, die den Turnlehrern durch das Turnen der Schüler an Geräthen auferlegt wird, und auf die Gefahr der Schadenersatzpflicht, die ihnen aus etwaigen Unfällen erwächst. Er schlägt daher vor, daß, bis die Auftraggeber der Lehrer sich etwa entschließen, die Deckung des Turnlehrers gegen die Haftpflichtbestimmungen zu übernehmen, inzwischen der Deutsche Turnlehrerverein zur Selbsthilfe greife, indem er seine Mitglieder gegen Haftansprüche versichert, die aus Unfällen der Schüler beim Turnunterricht hervorgehen können, ebenso gegen diejenigen Ansprüche, die gegen den Lehrer geltend gemacht werden könnten, wenn beim Schwimmen oder Spielen unter feiner Aufsicht oder bei Turnfahrten ein Unglück geschieht. Wie sehr die Besorgniß, für Unfälle haftbar gemacht zu werden, unter den Lehrern Platz gegriffen hat, geht daraus hervor, daß in einer rheinischen Anstalt der Turnunterricht aus die Freiübungen beschränkt iporden ist, weil keiner die Gewähr übernehmen wolle, daß die Turngeräthe unbedingt sicher seien.
FC. Kriegsgericht der 21. Division. In der Samstags-Sitzung hatte sich zunächst ein „falscher Quartiermacher" zu verantworten. Am 26. Juli o. J. sattelte der
Husar Friedrich Oswald von der 2. Eskadron 13. Husaren- Regiments (Frankfurt a. M.) nicht das königliche Dienstpferd, das ihm zugewiesen war, sondern einen „Brennabor", den er der Fahrradfirma Friedrich Seip dahier unter dem Vorgeben, er solle ihn seinem Rittmeister zur Probe bringen, abgeschwindelt hatte, und fort gings in die weite Welt. Zunächst nach Osfenthal bei Langen. Dort bestellte der radelnde Husar für 68 Mann Quartier, ließ sich die Quartierzettel aushändigen und bezog selbst Quartier im Wirthshaus, allwo es nie an Speise und Trank fehlte. Beides mundete dem Reitersmanne vortrefflich. Am andern Morgen erklärte er dem Wirth, er müsfe jetzt seiner Schwadron entgegen, sattelte seinen „Brennabor", und Roß und Reiter sah man niemals wieder. Das Gleiche spielte sich in Langen ab, wo Oswald einen Wirth auch noch dadurch schädigte, daß er für 14 Offiziere Essen bestellte. Der Quartiermacher wird zu insgesammt 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Auch wird ihm zum 2. Male während seiner dienstlichen Laufbahn die Konkarde abgeschnitten. — Der Musketier Friedrich Vetter gen. Schwarz von der 1. Komp. 87. Jnf.-Regts. (Mainz) hat sich am 4. August von seinem Truppentheile entfernt, hat hier seine Uniform gegen eine Ziviljacke vertauscht und am Obermain Arbeit als Sandschipper genommen. Ein Kollege verrieth ihn, und 2 Schutzleute holten ihn ab. Dabei widersetzte er sich aufs Heftigste und mußte gefesselt werden. Auf dem Revier nannte er sich Hogel und wies auch auf diesen Namen lautende Papiere vor, die er Tags zuvor gegen die seinigen eingetauscht hatte. Der Angeklagte gibt an, er habe am 14. in die Kaserne zurückkehren wollen. Ein Zeuge hat jedoch in der Voruntersuchung ausgesagt, Vetter habe erklärt: „Morgen fahre ich nach Holland". Da es sich möglicher Weise um Fahnenflucht handelt, tritt wegen der Entfernung Vertagung ein, um diese Zeugenaussage pro- tokolliren zu lassen. Wegen Widerstands wird auf 3 Monate Gefängniß, wegen der falschen Namensangabe auf 14 Tage Mittelarrest erkannt. — Die Husaren Ruppert, Frischkorn, Michel, Weger l, Filiponi und Horn von den 13ern, die dem Husaren Götz das Fell gegerbt haben, weil er 2 Tage über Urlaub geblieben war und darunter der ganze Beritt leiden sollte. Sie haben bei der Exekution Lederriemen verwendet. Da aber das Gericht in dem Riemen ein gefährliches Werkzeug nicht erblicken kann und wegen einfacher Körperverletzung kein Strafantrag gestellt ist, erfolgte Freisprechung. — Zum Schluß kommt noch eine Schlägerei, die sich in der Sylvesternacht in der Vockenheimer Husarenkaserne abspielte, zur Verhandlung. Der „alte Mann" Martin gab in der betreffenden Nacht dem Rekruten Weis von der 5. Eskadron allerlei Befehle, die dieser nicht ausführte. Schließlich holte er ihn aus dem Bette und versetzte ihm Faustschläge. Nunmehr ergriff Weis seinen Säbel und versetzte dem Martin zwei Hiebe mit der Säbelscheide. Letzterer holte sich dann noch einige „ältere Leute" zu Hilfe, und nun versetzte der Rekrut seinem Peiniger einen Stich. Er ist deshalb wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, wird aber freigesprochen, da das Gericht Nothwehr annimmt.
* Königlich preußische KlaffeuloèLeâ. Am Dienstag, 10. Sept, läuft die Erneuerungsfrist für die Loose der dritten Klasse 205, Lotterie planmäßig ab.
* Ein gefährlicher Mitbewerber der deutschen Goldstücke ist jetzt in Verkehr gegeben worden. Es handelt sich um die neuen österreichischen 10- und 20-Kronenstücke, die in Gold geprägt sind und wegen ihrer Ähnlichkeit in Größe und Ausstattung mit den deutschen Goldstücken sehr leicht verwechselt werden können. Da aber das 10-Kronenstück nur einen Werth von 8.55 Mark, das 20-Kronenstück einen solchen von 17.10 Mark hat, muß bei Annahme von Goldstücken noch mehr als bisher Vorsicht geübt werden, zumal gewissenlose Leute die österreichischen Goldstücke zu Betrügereien benutzen werden.
* Achtzig Jahre alt ist ^cire unser Mitbürger Herr Georg Friedrich Schmidt dahier geworden. — Es ist ihm vergönnt, dieses seltene Geburtstagsfest in voller Rüstigkeit im Kreise seiner Angehörige:! zu feiern. Herr Schmidt war bis zu seinem 60. Lebensjahr als Goldarbeiter thätig und versah dann von 1886 ab noch 14 Jahre lang die Stelle als Accis-Einnehmer am Kanalthor, wo er in dem allen Hanauern bekannten rothen Häuschen seines Amtes gewissenhaft waltete. Wir wünschen ' dem ehrenwerthen Herrn recht herzlich, die Wiederkehr seines Wiegenfestes in der seitherigen Lebmsfrische noch oft zu begehen.
* ttebrmg des Steigerkorps. Gestern Morgen hielt das Steigerkorps der Freiwilligen Feuerwehr eine Uebung im Stadttheater ab, bei welcher insbesondere die ganze Loscheinrich- tung einer Probe unterzogen, ebenso bic wachtthueude Mannschaft genau informirt wurde über das Verhalten bei eventuell ausbrechendem Brand im Theater, sodaß man auch in bicjer Saison beruhigt im Theater seinen Platz einnehmen kann.
* Kurze Freude. Das im Vestibül des Ostbahnhofs stehende Fahrrad des beim dortigen Bahnhofsrestaurateur bediensteten Hausburschen erregte am Samstag Nachmittag das Verlangen eines dort sich aufhaltenden Fremden. Schnell entschlossen sprang er auf das Rad und wollte eiligst davonsausen. Die Bahnsteigschaffner aber hatten das Thun desselben beobachtet und kaum hatte der freche Fahrraddieb sich aufgesetzt und sich zur Flucht angeschickt, als er auch schon ergriffen und der Polizei übergeben werden konnte. Es war ein Dienstknecht Nicolaus Nix aus Gersfeld»
* Jubiläum. Heute feiert der Goldarbeiter Herr Jakob Warst bei der Firma Voltz & Bier das Jubiläum seiner 25- jährigen Thätigkeit. Welch gutes Einvernehmen bei dieser Firma zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrscht, zeigt der Verlauf des festlichen Aktes aus Anlaß des Jubiläums. Dem Jubilar übermittelte die Prinzipalität herzliche Glückwünsche mit entsprechendem Geschenk, die Mitarbeiter gratu- lirten ebenfalls in herzlicher Weise und überreichten als Jubiläumsgabe sechs Stühle. Die Poliseusen übermittelten gleichfalls ein sinniges Geschenk.
* Sport. In Griesheim a. M. feierte gestern der dortige Radfahrerverein das Fest seiner Bannerweihe, verbunden mit Korsofahren. Die Pathenstelle bei der Bannerweihe hatte der Radfahrerverein „Adler"-Kesselsiadt übernommen, der dem Pathenkind einen Fahnennagel stiftete, während der Griesheimer Verein dem Verein „Adler" einen prächtigen Pokal als Erinnerung an den schönen Festakt überreichte. Bei der Preis- vertheilung wurde folgendes Resultat bekannt gegeben: 1. Abtheilung : 1. Preis Bicycle-Klub Bürgel, 2. Preis Bicycle- Klub Aschaffenburg, 3. Preis Radfahrerverein Sachsenhausen;
2. Abtheilung : 1. Preis Radfahrerverein ^Adler"-Kesselstadt,
2. Preis Radfahrerverein „Germania"-Fecheuheim, 3. Preis Radfahrerverein „Hanovia"-Hanau", 4. Preis Radfahrerverein Idstein. Die übrigen fünf Vereine, die sich in dieser Klasse betheiligten, erhielten Diplome. Am Abend fand zum Abschluß der Festlichkeit ein Ball statt.
* Rudersport. Im Mainpokalrennen, das gestern Vormittag stattfand, siegte Klee-Oberrad gegen Nies- Hanau nach schärfstem Kampfe mit einer knappen Länge. Der Hanauer ruderte mit brillanter Form und Klee konnte nur unter Ausbietung seiner ganzen Kräfte im Endspurt den Sieg an sich reißen. .
^ Sommertheater. Mit einem ungewöhnlich reichhaltigen und durchweg gediegenen Programm präsentiren sich die dieswöchentlichen Vorstellungen auf Becks Felsenkeller. Den Reigen der humoristisch-gesanglichen Darbietungen eröffnete die Chansonette Frl. Micard unter dem Beifall der Anwesenden. Bei ihrem zweiten Auftreten stellte dieselbe eine allerliebste Babyfigur voll reizender Naivetät auf die Bretter. Herr Vogt ist ein Komiker comme il laut und der ihm gespendete reiche Applaus darf als in jeder Beziehung wohl verdient bezeichnet werden. Den stürmischen, nicht endenwollenden Beifall verdankte die Konzertsängerin Frl. Dorin wohl in gleicher Weise ihrer guten stimmlichen Begabung wie der dezenten Grazie und eleganten ungekünstelten Feinheit ihres Auftretens. Glanzleistungen auf dem Gebiete der sorglos- heiteren Vortragskunst können die Darbietungen von Frl. Hedi Alexandra wie auch diejenigen der deutsch-ungarischen Exentric-Soubrette Frl. Gizi Arany genannt werden. Letztere gefiel wohl besonders durch ihr echt ungarisches feurig und temperamentvolles Auftreten in Verbindung mit einem recht netten Aeußern so ungemein gut. Als ganz vorzüglich und voll befriedigend möchten wir schließlich noch erwähnen die urdrolligen Vorträge des Humoristen Herrn Turini, für deren Güte der Umstand beweiskräftig sein dürfte, daß einzelne Strophen durch die intensive, schallende Heiterkeit des Publikums fast unverständlich wurden, sowie die Darbietungen des Charakterdarstellers Herrn Heß, welcher über hervorragende mimische Gestaltung^ und originelle Dialektvortragskunst verfügt. Um den aufheiternden Erfolg des Ganzen vollkommen zu machen, wurde noch ein Kasperle-Theater zur Vorführung gebracht, und es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die Stimmung während beider Abende äußerst gehoben, ja mitunter ausgelassen war. Hoffentlich findet das wirklich ausgezeichnete Programm auch heute Abend wieder die verdiente Würdigung durch ein volles Haus.
* Irr der EentralhaNe finden heute und morgen Abend große Konzerte der Temesvarer ungarischen Knaben- Kapelle (32 Knaben im Alter von 10—16 Jahren) statt. In einem Würzburger Blatte lesen wir folgende Besprechung über das dortige Auftreten der Kapelle: „Das erste Konzert der ungarischen Knabeukapelle, welches gestern Abend im Platz-, schen Garten stattfand, hatte infolge des strömenden Regens nicht den Besuch, den man erwartete und welchen dieses jugendliche Musikkorps verdient hätte. Unentmuthigt begannen sie indeß ihr Konzert und die anwesenden Gäste waren über-