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druckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau,

Nr. 235

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Dienstag den 8. Oktober

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

Scsuildeile und verlorene Gegenstände re.

Gesund en: 1 Ortskrankenkassenbuch für Georg Zwörner.

Henkelkorb ohne Deckel. 1 Portemonnaie mit 1,80 Mark fnhalt.

Verloren: Am Samstag auf dem Wochenmarkt stehen eblieben 1 Herren-Regenschirm. 1 Trauring, gez. H. K., 4. 12. 1900. 1 goldener Damenring mit Türkisstein ge- lßt; gegen gute Belohnung abzugeben. 1 grüne Smaragd- Zorstecknadel.

Vom Wasenmeister am 7. d. Mts. eingesangen: . schwarzer Bastard mit weißen und gelben Abzeichen w. Geschl.

Hanau den 8. Oktober 1901.

politische Rundschau.

In den Ruhestand. Der Unterstaatssekretär des steichspostamts Fritsch reichte sein Abschiedsgesuch ein, >as vom Kaiser unter Verleihung des Prädikats Exzellenz be­willigt wurde.

Zolltarif. Das Gesammtkollegium der württembergischen Zentralstelle für Landwirthschaft hat zum Zolltarif für Roggen, Weizen und Hafer einen Minimalzoll von 6 und für Gerste einen solchen von 5 Mk. angenommen. Der badische Finanz­minister Dr. Buchenberger ist in Stuttgart zu Besprechungen mit dem Finanzminister v. Zeyer eingetroffen.

KauffinannsWiederwahl vom Oberpräsidenteu abgelehnt! Die Bestätigung des Stadtraths Gustav Kauff­mann zum Bürgermeister von Berlin ist abermals versagt. Dieser Bescheid ist am Montag dem Oberbürgermeister Kirschner vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zugegangen. Weder der Minister des Innern noch der König sind zum zweiten Male mit dieser Frage befaßt worden. Vielmehr er­achtet der Oberpräsident die Ablehnung der Wahh seitens der Regierung bereits für eine endgiltige; er beruft sich hierbei auf den bereits früher mitgetheilten § 33 der Städteordnung, in dem es u. A. heißt:Wird die Bestätigung versagt, so schreitet die Stadtverordneten-Versammlung zu einer neuen Wahl. Wird auch diese Wahl nicht bestätigt, so ist die Regierung berechtigt, die Stelle einstweilen auf Kosten der Stadt kommissarisch verwalten zu lassen. Dasselbe findet statt, wenn die Stadtverordneten die Wahl verweigern oder den nach der ersten Wahl nicht Bestätigten wieder erwählen sollten." Bald nach Empfang des Entscheides berief Oberbürgermeister Kirschner den Magistrat zu einer außerordentlichen Sitzung zu­sammen, in der er das Dokument bekannt gab. Es wurde beschlossen, dem Oberpräsidenten mitzutheilen, daß eine Ver­tretung des Bürgermeisters nicht nothwendig erscheine, und es wurde ferner beschlossen, den in dieser Frage mit der Regiâung gepflogenen Schriftwechsel im Druck am nächsten Donnerstag den Stadtverordneten zugehen zu lassen.

Die Debatte über den Zolltarifgefetzentwurf wurde gestern in der bayerischen Abgeordnetenkammer fortge­setzt. Casselmann (lib.) rechtfertigte die Politik der Liberalen. ' Diese erkennten den landwirthschastlichen Nothstand an, müßten aber die einseitige agrarische Jnteressenpolitik ablehnen, weil es außer den landwirthschastlichen noch andere Erwerbsstände in Deutschland gebe. Aichbichler (Ztr.) vertrat energisch dir Jn- teressen der Hopfenbauern. Beckh (kons.) führte aus, die v»er- : tägigen Verhandlungen hätten ergeben, daß die überwiegende Mehrzahl des Hauses für einen die Landwirthschaft begünsti­genden Zolltarif sei. Der vorliegende sei aber ungenügend, es seien Minimaltarise für alle landwirthschastlichen Produkte ' nöthig. Minister v. Feilitzsch erklärt, er werde im Interesse der wirklich schwer nothleidenden Hopsenbauern und Tabak­bauern im Bundesrath eine Erhöhung der Zolltarissätze für Hopfen und Tabak beantragen. Der ganze Zolltarif verfolge den Zweck, die Lage der einheimischen Landwirthschaft besser zu gestalten, zu erreichen, daß die Höhe der Erträge der Höhe der Produktionskosten entspreche. Im Großen und Ganzen sei die Höhe der industriellen Zölle verschwindend gegenüber der Höhe der landwirthschastlichen Zölle. Die Erhöhungs­grenze der letzteren bilde das Interesse der übrigen Stände. Die Regierung müsse die allgemeinen Interessen des Landes verfolgen und werde deshalb bemüht sein, einen Ausgleich der Interessen herbeizuführen. Pichler (Ztr.) betonte, seine Partei sei stets für die Interessen der Landwirthschaft eingetreten, sie bedauert, daß die bayerische Regierung im Bundesrath nicht die Wünsche der Landtagsmehrheit bezüglich der Gerstenzölle zur Geltung bringe. Weiterberathung. morgen.

Die badischen Wahlmännerwahlen für die hälftige Erneuerung der Zweiten Kammer haben wichtige Verschiebungen nicht gebracht, mit Ausnahme der Rückeroberung ^der zwei sozialdemokratischen Mandate für Karlsruhe (das dritte, im Besitz eines Demokraten, stand nicht zur Wahl) durch die Liberalen. 2>*t den 420 Wahlmännern bekam die

nationalliberal-freisinnige Liste 240, die sozialdemokratisch­demokratische 180. Vor vier Jahren brachten die Oppositions­parteien 223 Wahlmänner auf, gegenüber 197 Nationalliberalen. Urwählerstimmen wurden dieses Mal abgegeben 5384 für die sozialistisch-demokratische Liste und 5661 (also 277 Stimmen mehr) für die nationalliberal-freisinnige. Das letzte Mal hatte die oppositionelle Liste eine Mehrheit von 353 Stimmen zu verzeichnen: 4944 gegen 4591. Die Oppositionsstimmen haben demnach zugenommen um 440 Stimmen, die national­liberalen um 1070.

Dänemarks Staatsfinanzen zeigen für das Jahr 1900/1901 eine bedeutende Unterbilanz. Der soeben ver­öffentlichte Staats-Rechenschaftsbericht weist einen Ueberschuß von 78000 Kronen auf, ein Resultat, das indessen nur da­durch erreicht werden konnte, daß 8*/, Millionen Kronen, welche zu Eisenbahn-, Hafen- und Telegraphen-Anlagen aus­gesetzt waren, nicht gebraucht worden sind. Die Eisenbahnen haben nur einen Betriebsüberschuß von/i Millionen Kronen gegen reichlich 2^2 Millionen in dem vorhergehenden Finanz­jahre ergeben, und diese x/4 Million repräsentiren die Zinsen von 247 Millionen Kronen, welche in den Staatsbahnen an­gelegt sind. Die Zolleinnahmen waren in dem vorigen Finanz­jahr zu 40 Millionen Kronen angesetzt, ergaben aber über 43 Millionen; in diesem Jahre erreichten sie nur 423At Millionen. Das Post- und Telegraphenwesen hat anstatt eines Ueberschusses im vorigen Jahre von 93549 Kronen eine Unter­bilanz von 56327 Kronen in diesem Jahre ergeben. Das Kriegsministerium erscheint mit einer Mehrausgabe von 448 000 Kronen, welche hauptsächlich durch erhöhte Ausgaben für die Naturalverpflegung, Krankenpflege, für Pferde und Dislo- kations- nebst Miethsausgaben entstanden stand. Die Staats­kasse weist einen Rechenschaftsbehalt von 20 Millionen Kronen auf, da aber von diesen 9 Millionen in Westindien stehen, kann man nur mit elf Millionen rechnen; ein paar Millionen Rückstände mitberechnet, sind also im Ganzen nur an 13 Millionen Kronen in der Staatskasse. Von diesen sind 4 Millionen zinstragend angelegt, während 9 Millionen auf Kontokorrent in den Banken des Landes stehen. Aus dem Bericht ersieht man ferner, daß die westindischen Inseln das Schmerzenskind für Dänemark sind. Die dortigen staatlichen Plantagen, von denen man einen Ueberschuß von 18000 Kronen erwartete, zeigen ein Defizit von 11000 Kronen. Der Reservefonds des Staates beträgt 18 Millionen Kronen, die gesammte Aktiva ca. 62 Millionen und die Schulden ca. 217 Millionen Kronen.

Atts China. Wie aus Shanghai gemeldet wird, ist der kaiserliche Hof von Singanfu nach Kaifengfu aufgebrochen. Prinz Tschun ist in Port Said eingetroffen.

Die Neuwahlen zur portugiesischen Kammer scheinen eine große Mehrheit für das Kabinet ergeben zu haben. Die Cortes werden am 2. Januar 1902 zusammen­treten.

Emir von Afghanistan t» Das Wolff'sche Bureau meldet aus Kalkutta: Der Emir von Afghanistan ist am 3. Oktober gestorben. Der Emir von Afghanistan war seit längerer Zeit erkrankt. Am 28. September ordnete sein ältester Sohn Habib Ullah Khan Gebete an und theilte mit, daß sein Vater morgens um 3 Uhr gestorben sei.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 8. Oktober.

* Landwege-Unterhaltungskosten. Auf die vom Landkreise Hanau im Jahre 1900 gezahlten Landwege-Unter­haltungskosten von 68832 Mk. bewilligte der Landesausschuß in seiner letzten Sitzung einen Zuschuß von 14959 Mk.

* Stadttheater. Die Rollen in Jordan's reizendem VerslnstspielDurchs Ohr" werden durch die Damen Gypen und Hannewald und die Herren Sch war zünd Kron dargestellt. Das prächtige, graziöse Stück hat in Homburg bei gleicher Besetzung im Sommer ganz besonderen Erfolg gehabt. In der darauffolgenden PosseHohe G ä st e" werden die Soubrette Frl. D e l,l m a r, die sich gestern so sehr günstig einführte, und die Herren Gehrmann und M o n a t o hervorragend wirken. Hübsche Gesangs-Einlagen werden dem tollen Scherz besonderen Reiz geben.

* Kofchatliedcr-Quintett. Wie nicht leicht die eines anderen, haben sich Koschats Kärntner Lieder im Fluge die Welt erobert. Soweit die deutsche Zunge klingt, wo immer das deutsche Lied einen Hort hat, dort ist auch Koschats Name, dort sind auch seine Lieder bekannt. Kein Wunder, daß da­her das Auftreten des Damhofer'schen Quintetts, das sich die Pflege der Koschat'schen Lieder besonders angelegen sein läßt, am Samstag und Sonntag demDeutschen Haus" jedes­malig einen vollen Saal erbrachte. Nur am gestrigen Abend zeigten sich viele Lücken, trotzdem bot das Quintett wiederum

mk bestem Können und Gelingen eine Anzahl prächtiger Vor­träge. die stets nicht endenwollenden Beifall entfachten.

O Garde-Verein. Gestern Abend hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Hilgenberg, einen von sorgfältigem Studium der einschlägigen Litteratur zeugenden Vortrag über die französische Revolution. In klarer, leichtfaßlicher und Io= gischbegründeter Weise führt er uns mit verhältnißmäßig wenig Worten mitten hinein in die geschichtlichen Ereignisse jener denkwürdigen, auch für uns Deutsche bedeutungsvollen und von schrecklichen Folgen begleiteten Zeit. Von der Schilderung der langsam fortschreitenden staatsfeindlichen Gährung in den un=. leren Volksschichten und der Ursachen der Anhäufung des Re­volutionszündstoffes, als da waren die durch die unsinnige Lebensweise der Könige heraufbeschworene Finanznoth, die Weiberwirthschaft an der Spitze der Regierung, die Korruption und Charakterlosigkeit der hohen Staatsbeamten u. s. w., ging Redner auf die damaligen Ständekämpse ein, die sich haupt­sächlich durch die Schwäche des Königs derart zuspitzten, daß ein völliger Bruch der oberen mit den unteren Volksklassen stattfand und die Vertreter der letzteren sich als die alleinigen Volksvertreter erklärten, beleuchtete das traurige Schauspiel einer derartigen Volksvertretung, wie eine Nationalversamm­lung die andere ablöste, und kam dann auf die ersten offenen Feindseligkeiten, die Erstürmung der Bastille durch den aufge­hetzten Pariser Pöbel, die zwangsweise Ueberführung des Königs durch einen Haufen bewaffneter Weiber von Versailles nach Paris und den endlichen mißglückten Fluchtversuch Ludwigs XVI. zu sprechen. Nach der Gefangensetzung der königlichen Familie begann dann bekanntlich jenes fünftägige entsetzliche Blutbad der von bestialischen Führern beherrschten Volksmassen, dem zwölftausend Menschenleben zum Opfer fielen und das seinen Höhepunkt erreichte mit dem schrecklichen Ende des ^Kö­nigs und der Königin auf dem Blutgerüst. Von den Gräuel- szenen in Paris erbittert, zogen nunmehr ca. 50,000 süd­französische Bauern gegen die Revolutionstruppen, unterlagen jedoch nach einigen Siegen und mußten nun fast sämmtlich auf der Guillotine« sterben. Das war der Anfang des blu­tigsten und haarsträubendsten Massenmordens, das je die Welt gesehen, bei dem schließlich durch die Eifersucht der Führer auch diese selbst sich gegenseitig der Guillotine überantworteten, bis endlich auch der allmächtige Diktator und grausamste Revolutionär Robespièrre sein Leben auf dem Blutgerüst endete. Nun streifte der Herr Vortragende noch kurz die Laufzeit Napoleons vom Leutnant zum General, vom Konsul und Oberbefehlshaber zum weltbeherrschenden Kaiser und Despoten und endete mit der Mahnung, stets treu zu Kaiser und Reich zu halten und allen staatsfeindlichen Bestrebungen jederzeit entgegenzutreten, denn nur unter einer geordneten, zielbewußten Regierung könne die Wohlfahrt des Reiches gedeihen. Die französische Revolution zeige, welch schreckliche Folgen das Mangeln jeder Autorität im Staatskörper zeitige und wie schwer die Volksleidenschaft, einmal entfesselt, wieder einzudämmen und zu zügeln sei. Leider war der Besuch nicht derartig, wie er des wirklich gediegenen, von Anfang bis zu Ende gleich fesselnden Vortrages würdig gewesen wäre.

* Stiftungsfest des kath. Kasinos. Den Reigen der Veranstaltung von Winterfestlichkeiten unter den geselligen Vereinen eröffnet in diesem Jahre das kath. Kasino mit der für kommenden Sonntag den 13. d. M. zur Feier des 31. Stiftungsfestes projektirten Abendunterhaltung. Wie stets die früheren Veranstaltungen dieses Vereins, so verspricht auch diese, nach dem vorliegenden, von Kennerhand zusammenge­stellten Programm zu urtheilen, den Besuchern einen genuß­reichen Abend.

* Arbeiterbewegung. Die Etuisarbeiter der Firma Zeh u. Schien dahier sind heute Morgen in der Stärke von 25 Personen, darunter 18 Verheirathete, wegen Nichtbe­willigung der auf Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung des Stundenlohnes hinauslaufenden Forderungen in den Aus- stand getreten. Das anfänglich auch in den anderen Etuis­fabriken geplante Vorgehen scheiterte an der Uneinigkeit der Arbeiter in den einzelnen Betrieben.

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G Dörnigheim, 7. Okt. (Auszeichnung). Dem früheren Bürgermeister unserer Gemeinde Herrn Lapp wurde Allerhöchst dasAllgemeine Ehrenzeichen" verliehen, das ihm gestern durch Herrn Landrath v. Schenck überreicht wurde.

E. Groß-Krotzenburg, 7. Okt. (Kirchliches.) Zwar haben sich unsere Hoffnungen auf einen klaren Himmel am Sonntag nicht erfüllt, dennoch war der letzte Sonntag für unsere Gemeinde ein Tag hoher Freude. Feierliches Glockengeläute verkündete schon am Samstag Abend die Be­deutung des Rosenkranzfestes unseren Bewohnern. Am Sonn­tag früh 7 Uhr fand hl. Messe mit Austheilung der hl. Kom- munion statt. Wohl 300 Gläubige mögen zum Tische beä Herrn gegangen sein. Um 9 Uhr war Predigt mit Hochamt.