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wieder nach derColumbia" zurück, wo der Generaldirektor Ballin mit einigen Mitgliedern des Nufsichtsrathes derHam- burg-Amerika-Linie" den Grafen Waldersee begrüßte. Dem Marschall waren gestern zahlreiche Begrüßungstelegramme zu­gegangen, darunter ein sehr herzliches vom Reichskanzler Grafen Bülow. Graf Waldersee begibt sich zunächst nach Homburg v. d. H., um an der Trauerfeier für die Kaiserin Friedrich Theil zu nehmen und gedenkt am 12. d. Mts. in Hannover einzutreffen. Den ihm von der Stadt Hannover angebotenen festlichen Empfang hat der Marschall vorläufig abgelehnt.

Bremevhafert, 7. August. Heute Mittag traf der DampferGlückauf" mit den von derGera" übernommenen Rekonvaleszenten hier ein. Abends trifft der Dampfer Sachsen" mit ungefähr 300 Rekonvaleszenten hier ein.

DasMilitär-Wochenbl." schreibt: In diesen Tagen wird nach beinahe einjähriger Abwesenheit der hochverdiente Oberbefehlshaber in Ostasien wieder heimischen Boden betreten; mit ihm kehren die Kameraden zurück, die seinen Stab bildeten und die getreulich in Freud und Leid und Letzteres ist ge­rade dem Oberkommando wahrlich nicht erspart geblieben ihm zur Seite standen. Wie wir stolz darauf waren, daß nach den Ereignissen in China, die unsere Herzen in patriotische Er­regung versetzten, gerade deutschen Händen das Oberkommando anvertraut wurde, so sind wir auch stolz auf die Art, wie dieses seine Aufgabe gelöst hat. Freilich lag sie bei der eigen­artigen Gestaltung der chinesischen Wirren nur zum Theil auf rein militärischem und operativem Gebiet. Viel schwieriger wohl war der andere Theil: die auseinandergehenden In­teressen so vieler verbündeter Nationen zu vereinen, Reibungen zwischen den verschiedenen Truppen und Führern zu verhindern. Wie schwer das oft gewesen sein mag, welche Anforderungen an nie versagenden Takt und unermüdliche Arbeitskraft dort gestellt wurden, das wird im Einzelnen erst eine spätere Generation erfahren, wenn einmal die diplomatische und mili­tärische Geschichte jener merkwürdigen Zeit geschrieben sein wird. Wir Alle aber wissen schon jetzt, daß thatsächlich die nach Lage der Dinge gesteckten Ziele erreicht wurden, daß sich daneben ein freundliches und kameradschaftliches Verhältniß selbst mit solchen Truppen herausgebildet hat, die uns anfäng­lich wohl mit Mißtrauen und Abneigung gegenüberstanden. Das dankt mit dem Allerhöchsten Kriegsherrn und mit den fremden Staatsoberhäuptern auch unsere Armee dem Feld­marschall, der in soldatischer Frische und Rüstigkeit zurückkehrt, wie ec hinauszog, um trotz vorgerückten Lebensalters freudig dem Rufe des Kaisers und seiner hohen Verbündeten zu schwerer, verantwortungsvoller Thätigkeit zu folgen. So be­grüßen wir in Ehrerbietung den Feldherrn, in kameradschaft­licher Herzlichkeit seine Begleiter wieder in der Heimath, die sie leider in tiefer Trauer finden. In Wehmuth gedenken wir Derer, die nicht mehr unter ihnen sind, die ihr Leben ließen im Dienste des Vaterlandes, mit freudiger Anerkennung aber aller der Anderen, die in schwierigen und oft undank­baren Verhältnissen ihre Pflicht gethan, wie unser Kaiser und Herr es von ihnen erwartet hatte.

politische Rundschau.

Zolltarif und Handelsverträge. DieBerliner Korrespondenz" schreibt: Durch die Erhebungen und Verhand­lungen des wirtschaftlichen Ausschusses, welche dem kürzlich veröffentlichten Entwurf zum neuen Zolltarif vorausgingen, ist ein so reichhaltiges thatsächliches Material zu Tage gefördert, daß von einer allgemeinen Anhörung der amtlichen Handels- Vertretungen abgesehen werden kann. Der Handelsminister beabsichtigt aber die einzelnen Punkte, hinsichtlich deren ihm noch eine weitere Aufklärung erwünscht erscheint oder infolge der veränderten Lage der Industrie eine von der früheren ver­schiedene Beurtheilung Platz greifen kann, unter Zuziehung einer beschränkten Zahl von Vertretern der entgegenstehenden betheiligten Interessen mündlich zu erörtern. Als Zeitpunkt hierfür ist die zweite Hälfte des September in Aussicht ge­nommen.

wir wieder hin. Es ist einfach wunderbar. Und den dritten Tag sahen wir uns die Wachsfiguren noch einmal an, und dann war es Zeit, nach Hause zu kommen". Schreckliche Flitterwochen verlebten Mr. und Mrs. Eagar, die vor der Belagerung dersremden Teufel" in Peking in der Gesandt­schaftskapelle getraut wurden. Sie konnten die Stadt nicht verlassen und hätten bei einem Versuche, es zu thun, fast oas Leben verloren. Im vorigen Sommer unternahm ein bekannter Radfahrer mit seiner jungen Frau eine Hochzeitsreise zu Rad nach Konstantinopel; aber vielleicht die glücklichste allerexen- trischen" Hochzeitsreisen unternahm der junge Benedick aus Devonshire, der einen Wagen und zwei Pferde miethete, den Wagen prächtig ausstattete und mit seiner jungen Frau einen Monat lang durch die lieblichsten Gegenden Devonshires fuhr.

Schloß Friedrichshof, in dem die Kaiserin Friedrich zur ewigen Ruhe hinüberschlummerte, ist in den Jahren 1889 bis 1894 durch den Hofbaurath, Geheimrath Ihne, erbaut worden. Die Bauformen sind die der deutschen Renaissance, wie man sie von Anfang des sechzehnten Jahrhunderts am Rhein und Main an Rathhäusern, Schlössern und Gehöften gebraucht hat. Der Reiz ist in den Linien und in der feinen Detaillirung der Bauglieder gesucht; eigentlicher Schmuck ist sehr sparsam, nur an Pointen, wie dem Portal, den Giebeln und Säulenhallen, hinzugefügt. Die Südfront, die nach dem Park zu liegt, entwickelt sich sehr einfach, eine vorgelegte Terrasse betont ihre gerade Linie, die nur durch eine Halle, über der sie hinter einem Altan zurückspringt, unterbrochen wird. Um so bewegter ist die Nordfront. Ein vorspringender Giebelbau enthält das Vestibül; ihm ist eine säulengetragene Unterfahrt vorgelegt. Links schließt sie mit einem ragenden Thurm ab, in dem sich die Haupttreppe befindet, und der dem Ganzen den Charakter des Schlosses gibt. Daran schließen sich links die Küchenbauten , die, niedriger und im Fachwerkstil ausgebildet, sich als bescheidene, dienende Glieder gegen den stolzen Haupt­bau absetzen. Im Park liegen kleinere Häuser vertheilt, eine

Donnerstag

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Der Krieg in Südafrika. In einem Schreiben an denManchester Guardian" tritt, wie aus London berichtet wird, der greise Feldmarschall Neville Chamber­lain der jüngst von dem Liberalen Edward Grey aus­gedrückten Ansicht, daß der Krieg in Südafrika im Einklänge mit den anerkannten Regeln der zivilisirten Krieg­führung geführt worden sei und werde, entschieden entgegen. Durch das Niederbrennen der Burenfarmen, die Wegführung der Viehheerden, die Vernichtung von Lebens­mitteln und die unfreiwillige Jnternirung von Frauen und Kindern hätte die englische Regierung den anerkannten Regeln der internationalen Kriegführung zuwider gehandelt. Der alte Soldat fügt hinzu, es scheine vergessen worden zu sein, daß die unter den Waffen stehenden Buren niemals aufgehört haben, die Rechte von Kriegführenden zu besitzen; sie kämpften nach wie vor als tapfere Patrioten für ihre Unabhängigkeit.

Hue psah und fern.

Bad Sooden a. d. Werra, 6. August. Der sich hier zur Kur aufhaltende Kaufmann Lehmann aus Leipzig, der bei dem Leipziger Bankkrach ca. 70000 M. verloren haben soll, ist infolge dieses Verlustes irrsinnig geworden. L. machte mehrere Mal den Versuch, seine Frau und Kinder zu ermor­den. Gestern warf er sich auf die Eisenbahnschienen und konnte nur mit knapper Noth nor einem daherbrausenden Zuge gerettet werden. Bald danach brachte der unglückliche Mann sich gräßliche Wunden am Halse bei. Nach Anlegung eines Nothoerbandes schaffte man ihn in die Irrenanstalt nach Göttingen.

Jesberg, 7. August. Der bei hiesigem Amtsgericht an- gesteUt gewesene Gerichtsdiener Pörschke hat sich vergangene Nacht in seiner Behausung entleibt. Zerrüttete Familien- und auch Vermögensverhältnisse sollen den Unglücklichen in den Tod getrieben haben. Pörschke hinterläßt eine zahlreiche Familie.

St. Frankfurt, 7. August. Oper, Orpheum und Hippodrom-Variete sind bis über den Tag der Beisetzungs- Feierlichkeiten der Kaiserin Friedrich geschlossen. Im Palmen- und Zoologischen Garten fallen ebenso lange die Konzerte aus. Das für morgen angesetzt gewesene Benefiz-Konzert des Herrn Kapellmeisters Kaempfert im Palmengarten ist auf Donnerstag den 15. d. M. verschoben.

Hd. Frankfurt a. M., 7. August. Von der hiesigen Strafkammer wurde heute der Schlosser Friedrich Simon, der am 22. Juni in der Westendsiraße den Rentier Klei-Hof in seinem Schlafzimmer überfallen und schwer verletzt hatte, zu zehn Jahren Gefängniß verurtheilt.

[J Offenbach, 7. August. Das Missionsfest des evang. Dekanats Offenbach wird am Sonntag, den 1. September er., nachmittags 3 Uhr, in der Kirche zu Rumpenheim gefeiert. Als Festredner wurden die Herren Pfarrer Correvon und Missionar Flad aus Frankfurt a. M. gewonnen.

Offenbach a. M., 7. August. Laute Nebelhornsignale, die in der letzten Nacht stundenlang aus der Richtung von Oberrad her ertönten, verkündeten unseren Bewohnern, daß in jener Gegend Feuer ausgebrochen war. Unsere Dampfspritze rückte sofort an die Brandstätte. Es war dies die Strauß'sche Schuhfabrik in Oberrad, in der um Mitternacht im Dachstuhl ein Brand entstanden war, durch welchen das Hauptgebäude völlig zerstört wurde. Die Feuerwehren konnten wegen des großen Wassermangels Oberrad hat bekanntlich noch keine Wasserleitung nur eine sehr beschränkte Thätigkeit entfalten, da das Wasser in den Brunnen der Umgebung zur nachdrück­lichen Bekämpfung des Feuers nicht ausreichte. Man sah sich sogar gezwungen, den reichlich herniederströmenden Regen in den Straßenrinnen anzustauen und als Löschmittel zu benutzen, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Gegen 4 Uhr morgens waren die Flammen soweit gedämpft, daß die Offen­bacher und die übrigen auswärtigen Feuerwehren wieder ab­rücken konnten. Eine Frau aus Oberrad, die in der Dunkel­heit in einen aufgedecklen Brunnen gefallen war, wurde durch

Cottage, eine Meierei, eine Verwaltung, alle in dem Fach­werkstil, den die Theile des Schlosses mit den Wirthschafts­räumen haben. Der Eingang ist an der Nordfront. Er führt durch Vestibül und Treppenhaus zu der großen Halle, die nach Norden liegt und an die sich an der Südseite mit den Fenstern auf den Park hinaus Frühstuckszimmer, Bibliothek, Salon und Speisesaal anschließen, die mit der großen Terrasse in Verbindung stehen. Im Obergeschoß liegen weitere Salons, das Atelier der Kaiserin und Schlafzimmer. Das Treppen­haus ist ganz weiß und in einfachen Formen gehalten; eine schwere getäfelte Holzdecke schließt es oben ab. Es öffnet sich unten mit einem großen thürlosen Bogen auf die Halle, oben in einem kleineren auf einen gewölbten Korridor, während ein zweiter Korridor sich als offene Arkade vordie Seitenwand desTrep- penhauses legt. Namentlich der Durchblick in die Halle mit ihrem Schmuck an alter Kunst ist sehr reizvoll durch den Kontrast der Formen- und Farbenfülle drinnen, gegen die Einfachheit draußen. Dieser Schmuck der Halle hebt sich von weißen Wänden ab; die Decke ist in Holz, sie wird von kunstlosen Balkenlagen gebildet. Eine große Truhe trägt schöne Vasen, die Wand schmückt ein prächtiger Gobelin, Bilder und Büsten hängen und stehen daneben. Die Möbel sind behaglich und anspruchslos. Wie schon hier, so sind auch in den reicheren Jnnenräumen alte Möbel und Kunstarbeiten in reicher Fülle verwendet, so dak man, trotz mancher englischen Eigenthümlichkeiten, im Innern so ipenig wie außen eigentlich vom englischen Stil sprechen kann. Namentlich reich ist derrothe Salon," der Renaissancearbeiten enthält. Dergrüne Salon", der als Musiksaal gedacht ist, schließt . sich an Nokokoformen an und hat eine reizvolle Deckendekoration von angelragenem Stuck. Ein anderer Salon ist im Stil Louis XVI. gehalten, ohne daß in den Möbeln geradezu Nachahmung angestrebt ist. Be­sonders prächtig wirkt der Speisesaal, in dem Anklänge aus Baroke sich finden. Die Decke ist reich, der untere Theil der Wand einfach getäfelt. Ueber der Kredenz, die in die Täfelung einbezogen und mit Gerüchen reich besetzt ist, befindet sich ein

8. August die Feuerwehrleute mit Leitern wieder herausgeholt; sie hatte anscheinend keine nennenswerthen Verletzungen davongetragen.

Q) Seligenstadt, 7. August. Bei der auf hiesigem Nachhause vollzogenen Wahl der Beisitzer zur Kammer Se­ligenstadt des Gewerbegerichts wurden von den Arbeitgebern gewählt die Herren Schuhmachermeister Adam Joseph Altmann, Cigarrenfabrikant Wilhelm Dreßler, Wagnermeister Franz Lotz, Schuhmachermkister Gabriel Rachor, Drehermeister Franz Schmitt, sämmtlich von Seligenstadt, und Ziegeleibesitzer Martin Wen­zel von Hainstadt. Seitens der Arbeitnehmer wurden gewählt die Herren Diamantschleifer Adam Malsy-Seligenstadt, Gold­arbeiter Wendelin Reising und Cigarrenmacher Peter Matthäus Wissel, beide von Hainstadt, Schlosser Joseph Kaspar Winter aus Klein-Auheim, sowie die Cigarrenmacher Andreas Nikolaus Winter und Kaspar Weih I. von Klein-Krotzenburg.

Aschaffenburg, 6. August. Der Kreis-Feuer- weh rtag für Unterfranken ist glänzend verlaufen. Zu Hunderten brachte die Eisenbahn die Gäste, auch aus Hanau, Gelnhausen, Offenbach, Frankfurt und Umgegend, Darmstadt, Dieburg und vielen anderen Orten jenseits der bayerischen Grenze. Erwähnung verdient, daß alle Gemeinden Unter­frankens jetzt freiwillige Feuerwehren, zusammen etwa 5000 Mann, haben und damit an der Spitze nicht nur Bayerns, sondern ganz Deutschlands stehen.

Hue aller Melt.

Begnadigung. Der Großherzog von Oldenburg be­gnadigte anläßlich der glücklichen Geburt der Prinzessin den Dr. Busch-Schwartau, der wegen fahrlässiger Morphiumgabe an ein krankes Kind zu Gefängniß verurtheilt worden war.

Selbstmord eines Defraudanten. In Wüste- Waltersdorf erschoß sich gestern früh der Kassirer des dortigen Vorschußvereins, Kaufmann H. Hoffmann, im Augenblick als er verhaftet werden sollte. Bedeutende Unterschleife von Spar­geldern man spricht von über 100000 Mk. - sind der Grund. Die Sparer trifft kein Verlust, da der Verein eine Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung ist.

Seine Ehefrau mit einem Messer und dann sich selbst erstochen hat in Michelsdorf der Tischlermeister Kegel, und zwar im Zustande der Geistesstörung, die man schon längere Zeit bei ihm beobachtet hatte. Die Blutthat ge­schah in dem Garten seines Schwagers, des Kaufmanns Paul, wohin sich Kegel abends 9 Uhr mit seiner Frau und seinem 10jährigen Knaben begeben hatte. Ohne jede Veranlassung überfiel Kegel dort plötzlich seine Frau und brachte derselben drei Messerstiche bei. Die Frau lief Hilfe rufend, dem Hause zu, brach aber unterwegs todt zusammen. Kegel wollte hier­auf seinen Knaben gleichfalls niederstechen, doch konnte derselbe noch rechtzeitig entfliehen, worauf sich der Wütherich selber hinter der Scheune die Kehle durchschnitt und nach einer Stunde verstarb.

Im Gerichtösaal zum Fenster hinausge- sprungen ist während einer Verhandlung in Deggendorf (Niederbayern) ein Angeklagter. Der Angeklagte, Bauer Kraus von Schöneck, welcher bereits dreimal wegen Meineidsver­leitung mit l1^ Jahren Zuchthaus vorbestraft war, stand wegen des gleichen Verbrechens abermals vor Gericht und hatte der Staatsanwalt eine weitere Zuchthausstrafe von 2*/* Jahren beantragt. Als sich das Gericht eben zur Be­rathung zurückgezogen hatte, sprang der neben einem Gen­darmen sitzende Angeklagte auf, schwang sich auf das offene Fenster, und ehe es Jemand verhindern konnte, stürzte er sich 12 Meter tief in den Hof hinab. Kraus war auf einen Sandhaufen gefallen und hatte nicht den geringsten Schaden genommen. Schnell erhob sich der waghalsige Flüchtling wieder, um zum Thore hinaus in die goldene Freiheit zu ge­langen, als ihn dort der dienstthuende Gendarm, welcher die Situation sofort erkannt hatte und ebenso schnell die Treppe hinabgeeilt war, wieder in Empfang nahm. Die Affaire hatte sich so schnell abgespielt, daß der Angeklagte, als der Gerichtshof von der Berathung zurückkam, schon wieder auf der Anklagebank saß.

offener Erker in Holz. Die Wand ist weiß, der Kamin in farbigem Marmor. Die Bibliothek verfällt in zwei Theile, den eigentlichen Leseraum mit hohen Fenstern und einen nisch- artigen, der neben dem Kamin die offenen Bücherregale ent­hält. In der Bibliothek befindet sich eine Kopie des berühmten Kölner Altarbildes, des schönsten Werkes, das die rheinische Kunst heroorgebracht hat. Die architektonische Ausgestaltung und die innere Ausstattung des prächtigen Hauses hat die verewigte Kaiserin Friedrich mit ihrem Gemahl zusammen ge­plant. Dem Andenken des Unvergeßlichen ist das Schloß ge­widmet, über dessen Hauptportal die Inschrift steht:Frideriei Memoriae.

Die Ballonfahrt über die Alpen. Kapitän Spel- terini ist im Oberengadin eingetroffen, um die Vorbereitungen für die bevorstehende Ballonfahrt über die Alpen zu treffen. Zum Transport des Wasserstoffgases, das zur Füllung des Ballons verwendet wird, sind 360 Stahlzylinder nothwendig, die insgesammt ein Gewicht von 20,000 Kilogramm haben. Diese Stahlzylinder und Ballon werden bis 22. August im Engadin eintreffen und die Fahrt soll Ende August oder in den ersten Tagen des September stattfinden.

Der Blumenhandel an der Riviera. Nach dem Jahresbericht des österreichisch-ungarischen Konsulats in Nizza werden die Lieserungsverträge der Blumenzüchter mit den Agenten der großen Blumenhändler sowie der Parfümeriefabriken von Grasse zumeist auf mehrere, häufig sechs Jahre geschlossen, wonach die Preise auf lange Zeit gebunden werden. Die Menge der produzirten Blumen läßt sich nur schätzungsweise ermitteln; der Gesammtwerth der verkauften und größtentheils exportirten Blumen wird auf 15 Millionen Francs geschätzt. Die Preise sind in den letzten Jahren bedeutend gestiegen, wird doch dem Bauer für das Dutzend Rosenknospen vom Händler ein Franc gezahlt; für ein Kilogramm Orangenblüthen 85 Centimes u. s. w. In den Parfümeriefabriken von Graffe wurden angeblich verarbeitet: Rosen 2,000,000 Kilogramm, Orangenblüthen 2,500,000 Kilogramm, Jasmin 150,000