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Erstes Blatt

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Äle einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ey. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- «nd Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrnckungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Nauru, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Jit. 286 Bezirks -Fernsprechanschluß Nr. 98.

Samstag den 7. Dezember

Bezirks-Fernsvrechanschluß Nr. 98.

1901

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Polizeiverordnung,

betr. die Einfuhr thierischen Stintes.

Unter Aufhebung der Polizeiverordnung vom 24. August 1901 wird auf Grund der W 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltunq in den neu erworbenen Landes­theilen vom 20. September 1867 und der N 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltunq vom 30. Juli 1883 mit Zustimmung des Magistrats der Stadt Hanau nachstehende Polizeiverordnung für das Gebiet der Stadt Hanau erlassen:

§ 1.

Die Einfuhr thierischen Blutes von auswärts ist verboten.

Ausgenommen von diesem Verbot ist nur das nachweislich aus dem Schlachthof zu Frankfurt a./M. stammende Blut, wenn eS in Kannen mit doppelten Wänden, deren Zwischen-

räume mit Eis zu füllen sind, versandt wird und auf dem Schlachthof zu Frankfurt a./M. amtlich worden sind.

die Kannen verschlossen

§ 3.

Unberührt von dieser Polizeiverordnung bleibt

das nach-

weislich zur Bereitung medizinischer Präparate (Hämatogen u. dergl.) bestimmte Blut.

§ 4.

Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Polizei-

verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder

Haft bis zu 3 Tagen bestraft, soweit stimmunaen des Strafgesetzbuchs oder höhere Strafe eintritt.

nicht nach den anderer Gesetze

mit Be- eine

Diese Polizeiverordnung tritt mit kanntmachung in Kraft.

Hanau den 27. November 1901.

dem Tage ihrer

Be-

Königliche Polizei-Direktion.

P 9571 I. V.: Valentiner, Reg.-Assèssor.

S"st dem 18. Auaust d. Zs., nachmittags 2'/, Uhr, ist die Gierige Else Kassel, Tochter des Kutschers Kassel hierselbst, Roscherstraste Nr. 6 part. wohnhaft, verschwunden.

Sie ist zur genannten Zeit auf die Straße gegangen um zu spielen und nicht wieder zurück rek-hrt. Da das Kind sehr aufceweckt ist und Namen wie Wohnung deutlich anzugeben vermag, so must angenommen werden, daß das Kind ver­schleppt, von Zigeunern entführt ist, oder sonst von anderen Personen festgehalten wird.

Bes ch re ib un g:

Größe: Statur: Haare: Augenbrauen: Auwn: Zäbne: Gesicht: Sprache :

ca. 1 m, schlank, bellblond, lockig, blond, grau, gesund, voll, rund, rothe Backen, deutlich,

Best Kennzeichen: in der linken Hand eine Warze.

Bekleidung: blau und weißes, hellkarrirtes Wasch­kleid mit kurzen Aermeln, blau und weiß gestreifte Schürze, bellbrauner Unterrock, schwarze Strümpfe, schwarze Knopfstiefel, keine Kopfbedeckung.

Es wird ersucht, Erhebungen nach dem Kinde anzustellen und gegebenenfalls von dem Auffinden der Vermißten hierher Mittheilung zu machen.

Hannover den 15. November 1901.

Am Archive 3.

Der Regierungs-Präsident.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 30. November 1901.

Königliche Polizei-Direktion.

J. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

günstige. Sie diene dem Gesammtwohl der Nation, indem sie die deutsche Landwirthschaft erhalte und die nationale Arbeit schütze. Die bayrische Regierung befinde sich in vollster Uebereinstimmung mit der Erklärung des Reichskanzlers, daß der vorgelegle Tarif keine Abkehr von der Politik der Handelsverträge bedeute, daß aber der Abschluß von Handelsverträgen nicht unter Preisgebung vitaler Interessen der Nation erfolgen solle. Uebertrie- ben hohe Getreidezölle allerdings würden sowohl vom Stand­punkte der Volksernährung als von dem der Handelsvertrags­politik den größten Bedenken unterliegen und auch der Land­wirthschaft auf die Dauer nicht vortheilhaft sein. Daß aber die Behauptungen der Gegner der Vorlage nicht zutreffen, be­weise die Thatsache des wirthschaftlichen Aufschwungs und der Verbesserung der Lage der Arbeiter seit der Einführung eines mäßigen Getreidezolls. Die gegenwärtige Krisis werde sich nur verschärfen, wenn die Regelung der Handelsbeziehungen hinausgeschoben würde, und Zeiten der Arbeitslosigkeit seien jedenfalls für die Arbeiter empfindlicher, als die Wirkung der vorgeschlagenen Getreidezölle. Diejenigen, welche die Erledigung der Vorlage verzögerten, würden dies den deutschen Arbeitern gegenüber zu verantworten haben. ©Her letztere Hinweis richtete sich gegen die freisinnig- demokratisch-sozialdemokratische Opposition, die aus den bis­herigen Verhandlungen wie gestern der Abo. Payer zugab, sich überzeugt hat, daß die Mehrheit auf der wesentlichen Grund­lage des Entwurfs gestchert ist, und die nun ihre Taktik darauf richtet die Abgg. Richter und Bebel haben es angekündigt die Berathung zunächst in der Kommission und dann im Plenum, mit allen Mitteln zu verschleppen. Daß man auf der anderen Seite entschlossen ist, dieser Verschleppung mit allen Mitteln der Geschäftsordnung zu begegnen, erklärte gestern der zweite Redner des Zentrums, der Abgg. Speck Den Gegenstand einer mehr häuslichen Differenz zwischen dem Minister und dem bayerischen Zentrumsredner bildet die Frage des Gerstenzolls, den der Abg. Speck erhöht wissen wollte, während Herr v. Riedel dem im Interesse der Brauindnstrie entgegentrat. Die Ausführungen des württembergischen Staaisministers v. P i s ch e k gingen von dem Interesse der fast ausschließlich kleinbäuerlichen Landwirthschaft Württembergs aus und gipfelten in der warmen Empfehlung der eine rich­tige Mittellinie einbaltenden Vorlage. Den württembergischen Volkëparteiler Payer erinnerte der Minister daran, daß ein Theil der württembergischen Volkspartei im Landtage sich für eine wesentliche Erhöhung der Getreidezölle erklärt hat. Den klaffenden Zwiespalt in der sozialdemokratischen Partei hielt am Schlüsse der Sitzung der Abg. Frhr. v. Heyl dem Abg. Bebel vor Augen, den er an das jedes Wort seiner vor­gestrigen Deklamationen lügen strafende Referat des Ab­geordneten Calwer auf dem Mainzer Parteitage erinnerte. Bei der Verlesung der betreffenden Sätze: daß das am-rikanische System Deutschland zur Abwehr heraus­fordere, daß der Arbeiter sich besinnen sollte, nicht blos «ron'ument, sondern Produzent zu sein, daß er theuere Lebens­mittetpreise eher ertragen könne, als Mangel an lohnender Arbeit oerh eiten sich die sonst so lauten Herren auf den Bänken der äußersten Linken auffallend still. Auch bei der Frage des Redners, ob sie gegenüber dem Sinken des Lohns der Konfek'ionsarbeiterinnen infolge der amerikanischen Kon­kurrenz (von 2 50 auf 1,50 Ma'k) die Beseitigung der Schutzzölle gerechtfertigt finden, blieb Alles still. In wie weit die Hoffnung des Redners, daß die eigenen wirthschaftlich m Interessen bei den deutschen Arbeitern mehr Gewicht haben werden, als die demagogischen Phrasen des Herrn Bebel, sich bestätigen wird, muß allerdings nach allen Erfahrungen erst abzewartet werden. Die Berathung wird heute fortgesetzt.

Vom Zolltarif.

In der gestrigen Sitzung des Reichstags ergriffen die anwesenden Minister von Bayern und Württemberg zur Z 0 l l t a r i f v 0 r l a q e das Wort, um die volle Ueber­einstimmung der verbündeten Regierungen in dieser wichtigen

Hus Stadt und Cand.

H »nau, 7. Dezbr.

* Offenhalten der Verkaufsläden. Bekanntlich ist morgen Sonntag ein Offenhalten der Verkaufsläden bis abends 7 Uhr gestattet. Wie uns nun der Vorstand des Detaillistenvereins mittheilt und uns auch von maßgebender Stelle bestätigt wird, ist ein Schließen der Verkaufsläden nur während der Zeit des Vormittags-Gottesdienstes erforderlich, ein ununterbrochenes Offenhalten der Läden also während des ganzen Nachmittags gestattet.

* Truppenübungsplatz. Ueber den geplanten neuen Truppenübungsplatz für das 18. Armeekorps, für den im

Angel-genheit nachdrücklich zu bekräftigen. Der bayrische Militäretat für 1902 die Kosten der vorläufigen Verhand- Fmanzminister Frhr. v. Riedel legte Verwahrung gegen die hingen und der Entwurfsbearbeitung zur Erwerbung und Her- Behauptung ein, daß die Vorlage einseitige Interessen be- richtung eines neuen Uebungsplatzes ausgenommen worden sind,

richtung eines neuen Uebungsplatzes ausgenommen worden sind,

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltuugsblatt 2L Seite«

kann derGieß. Anz." folgende näheren Mittheilungen machen; Bekanntlich kommt dafür das Gelände der Orte Rüddings- hausen im Kr. Gießen und Wermertshausen im Kreise Mar­burg in Betracht. Das Terrain bildet eine wellige Hochfläche von 340400 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Der wichtigste Theil des Operationsfeldes würde wohl die Ge­markung Rüddingshausen sein. Sie faßt beinahe 3000 Morgen und ist erst kürzlich bereinigt worden. Durch die Feldbe­reinigung, die einen Kostenaufwand von ungefähr 60 000 Mk. verursachte, ist der Preis des bisher billigen Feldes erheblich gestiegen. In Rüddingshausen haben die Herren v. Nordeck zur Rabenau einen Pachthof mit über 500 Morgen Land. Wermertshausen ist kleiner als Rüddingshausen (W. etwa 300, R. etwa 700 Einwohner) und hat etwa 800 Morgen Feld. Die ganze Fläche ist mit ausgedehnten Waldungen umgeben. Auf preußischem Boden findet man Staatswald, auf hessischer Seite Freiherrlich-Rabenau'schen und etwas Gemeindewald (zu Rüdingshausen gehörig). Zum Platz, auf den die Baracken zu stehen kommen sollen, ist der guellenreiche Strich zwischen Wermertshausen und Roßberg in Ausficht genommen. Wäh­rend die Gemeinde Rüddingshausen amtlicherseits noch keine Nachricht von dem Projekte hat, ist Wermertshausen, wie ge­meldet , bereits benachrichtigt worden. Das Landrathsamt Marburg hat den dortigen Bauern den Vorschlag gemacht, nach dem Schafhof bei Ziegenhain überzufiedeln. Dieser ist preußisches Staatseigenthum und hält etwa 1100 Morgen. Wie man hört, sind die meisten Bewohner des Dorfes damit einverstanden. Wenn die Wermertshäuser das fruchtbare Land des Schwalmgrundes gegen das ihrige eintauschen können, haben sie gewiß nichts verloren. Das Gelände des projek- tirten Uebungsplatzes ist im Frühjahr von Kriegsminister v. Goßler und einigen Herren des preußischen Generalstabes, die meist in Zivil erschienen, besichtigt worden.

* Wettspiel. Das am vergangenen Sonntag in Frank­furt stattgefundene Wettspiel zwilchen der I. Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899" und der I. Mannschaft desFrankfurter Fußballsportvereins" endigte mit einem Siege Hanaus zu 3 : 2 Goal.

* Als nächste Bolksvorftellttng wird am nächsten DienstagDie rothe Robe" gegeben, worauf wir unsere Leser an dieser Stelle noch besonders aufmerksam machen.

* Stadttheater'. Anzengrubers stets gern gesehenes VolksstückDer Pfarrer von Kir chfeld" mit Herrn Radius als Gast in der Titelrolle ist für morgen angesetzt. Den Wurzelsepp spielt Herr L i n d e n l a u b, die Anna Frâul. Haas, den Schulmeister Herr Monato. Bei der unge­wöhnlichen Beliebtheit des volksthümlichen Stückes dürfte die Neueinstudirung ungeschwächte Zugkraft ausüben.

* Die Parolemusik fällt Morgen aus und findet da­für Dienstag den 10. d. M., mittags von halb 12 Uhr ab statt.

* Militär-Streich-Konzert. Auf das morgen Abend im Saalbau zumDeutschen Haus" stattfindende Militär- Streich-Konzert der gesammten Kapelle unseres Ulanen-Regi- ments verfehlen wir nicht, hiermit noch besonders hinzuweisen.

* Krause-Soiree. Die gestern angekündigte Experi- mental-Vorstellung des Suggestors Herrn Alb. Krause findet, wie im Anzeigentheil ersichtlich, kommenden Dienstag den 10. d. Mts., von abends 8V4 Uhr ab imDeutschen Hause" statt, worauf wir ganz besonders Hinweisen. Den Vorverkauf der Eintrittskarten haben die hiesigen beiden Hofbuchhandlungen übernommen.

4 Mar. Jünglingskongregation. Wie in früheren Jahren, so begeht auch dieses Mal wieder unser Verein sein Titu^ar- und Slistungssest, das XVIL, in solenner Weise. Die kirchlichen Feierlichkeiten finden nächsten Sonntag den 8. Dezember um VslO Uhr und nachmittags um 1/a3 Uhr statt. Sonntag den 15. Dezember, abends 7 Uhr, ist in den Sälen der Centralhalle große theatralisch-musikalische Abendunterhaltung. Das Programm, in jeder Hinsicht ein sorgfältig ausgewähltes, ist so beschaffen, daß es jeden Besucher befriedigen kann. Da nur eine bestimmte Anzahl Karten verausgabt wird, so daß eine Ueberfüllung, wie im vergangenen Jahre ausgeschlossen ist und außerdem die'es Jahr nur eine Aufführung statt­findet, werden Freund und Gönner unseres Vereins gebeten, sich alsbald mit einer Eintrittskarte zu versehen.

* VarivtvStadt Bremen". Der überaus gute Besuch während der letztwochentlichen Vorstellungen kann wohl als Beweis dafür gelten, daß sich dieses Vergnügungsetablisse- ment in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits recht viele Freunde beim hiesigen Publikum erworben hat, als Beweis auch dafür, daß die Darbietungen durchweg gediegener Art waren und allgemein befriedigt haben. Auch für die Vor­stellungen dieser Woche ist ein recht nettes und unterhaltendes Programm vorgesehen, so daß sich dieselben sowohl in Bezug