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Amililhes ®w für Mt- M AMms Sm«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau«
Nr. 209 BczirkSHcrnsMchanschlnk Nr. 98.
Samstag den 7. September
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Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
AmLüches.
Candkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 80 Nr. 1 und 2 der Anweisung vom 6. Juli 1900 „Zu- und Abgänge bei der Einkommen- und Ergänzungssteuer betreffend", veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Einkommen- und Ergättzungsftener-Zrr- und Ab gangslèsten für das I. Halbjahr 1901 bis spätestens den 20. September K Js. an mich einzureichen.
Die Listen sind nach den diesseits geprüften und vervollständigten Auszügen aus den Zu- und Abgangskontrollen aufzustellen und mit den Belägen, welche gehörig geordnet und geheftet sein müssen, zu versehen.
Die Aufstellung der Listen hat getrennt für die Steuerpflichtigen mit einem veranlagten Einkommen von über 3000 Mark und für die mit einem geringeren Einkommen zu Verfolgen.
In Spalte 14 der Zugangs- und Abgangslisten ist der Zeitpunkt des Zuganges 'bezw. Abganges anzugeben.
Die im Berufungsverfahren entstandenen Steuer-Ermäßigungen und Freistellungen, welche durch Auszüge aus der Berufungsnachrichtung bereits mitgetheilt sind, sind in den Abgangslisten unter Beifügung dieser Auszüge nachzuweisen.
Als Termin für den ^Abschluß der Zu- und Abgangslisten bestimme ich den 15.- September d. J. Alle bis zu diesem Termin noch nicht geregelten Zu- und Abgänge sind in die Listen vom II. Halbjahr 1901 aufzunehmen.
Hanau den 5. September 1901.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den
r Landkreis Hanau.
J. St. 3084 I. V.: V a l e n t i n er, Reg.-Assessor.
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Nächste Versammlung Samfiag den 14. September er., nachmittags S1^ Uhr, im Gasthaus „zum goldnen Löwen" dahier, Vorstadt Nr. 1.
Tagesordnung:
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Vortrag des Herrn v o n S ch ü tz von der landwirthschaftl. Versuchsstation in Zoppot über: „Welche Bedeutung und Zukunft hat der technische (denaturirte) Spiritus für die gelammte deutsche Land-
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Danauer Stimmungen.
Schriftsteller der nachgoethischen Periode brauchten oft den Ausdruck: „die Feder ist zu schwach, das zu schildern" imb wenn man das prüft, was die Feder nicht zu schildern vermochte, so waren es immer Stimmungen und Empfindungen. Die realere, fast allein aufs Konkrete, ich möchte sagen Dramatische gerichtete Belletristik war noch nicht Meisterin der Sprache genug, um etwas rein Seelisches darzustellen. Heute gilt der als ein schlechter Musikant, der nicht alles zu schildern vermag, ja die Sprache hat schon ein ganzes Lexikon neuer Worte hervorgebracht, mit denen auch weniger begabte Autoren das auszudrücken vermögen, was sie bei begabten gelesen haben.
Es gibt aber Stimmungen und Empfindungen, die so fein und flüchtig, so unfaßbar und undesinirbar jinb, daß man in Versuchung kommt, die Eselsbrücke der verflossenen Litteratur- periode zu benutzen: Ich meine die Stimmungen und Empfindungen, die ein Besuch in Hanau nach längerer Abwesenheit in der Großstadt auslöst.
Hanau hat einen eigenthümlichen Reiz, der zum großen Theil in dem Konservatismus seiner Bürger liegt. Man schreitet in großen Zügen mit der Zeit fort und bleibt im Kleinen beim Alten. Der feine Duft eines hochentwickelten Kunstsinnes schlägt einem überall entgegen. In den Anlagen wird man unwillkürlich an Fausts Spaziergang erinnert. Die alten Stadtthore, der Stadtgraben mit den feinsinnig gepflegten Gärten, den sauber geschnittenen Bouquets, den schattigen
Platanen; alles, alles das ist noch wie es zn unserer Kinderzeit war, und doch hat sich, so Manches geändert. Schon der „Hanauer Anzeiger" ist ganz anders geworden, er hat sich
wirihschaft, für die JrMtstr'èe und in Volks wirihschaftlicher Beziehung."
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die obige Bekanntmachung des landwirthschaftl. Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt ortsüblich bekannt zu machen.
Hanau den 6. September 1901.
L 94
Der Königliche Landrath, v. Schenck.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 7. Septbr.
* Kirchliches. Der Gottesdienst in der Johanneskirche findet nicht, wie irrthümlich unter den kirchlichen Nachrichten im dritten Blatt steht, um IOV2, sondern wie gewöhnlich um 9 ’/a Uhr statt.
* Missiousfest. Morgen, nachmittags 2V» Uhr, findet für unsere Gegend in O b e r i s s i g h e i m das jährliche Missionsfest statt, für welches diesmal namhafte Prediger gewonnen worden sind. Es werden predigen der Inspektor der osiafrika- nischen Mission Pastor Michaelis von Berlin und der Herausgeber des bekannten evangelischen Wochenblatts „Licht und Leben" Pastor Dammann von Eisenach früher in Essen. Letzterer wird auch abends 8^2 Uhr in der Kirche predigen. Wir machen auf dieses Fest aufmerksam, zu welchem alle Freunde der Mission und des Wortes Gottes eingeladen werden.
* Sanitätsrathtitel und Stempelsteuer. Der „Reichsanz." veröffentlicht nachstehenden Erlaß des Kultusministers: Die Vorschrift unter Nr. 60 Litt, e des Tarifes zu dem Stempelsteuergesetze vom 31. Juli 1895 (Ges.-Samml. S. 413), welche „für die Verleihung von Titeln an Privatpersoven" einen Steuersatz von 300 Mk. vor sieht, ist bisher auch bei der Verleihung des Titels „Sanitätsrath", „Geheimer Sanitätsrath" an nicht beamtete Aerzte zur Anwendung gebracht worden. Die Stellung, welche der ärztliche Stand und seine Mitglieder nach der neueren Gesetzgebung in gesundheitlichen Fragen einnehmen, das erhöhte Maß, in welchem sie an der Lösung der Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege gegen früher betheiligt werden, sowie eine Reihe öffentlich- rechtlicher Befugnisse und Verpflichtungen, welche ihnen in Bezug auf die Ermittelung und Bekämpfung der ansteckenden Krankheiten auferlegt sind, rechtfertigen es, auch die nicht beamteten Aerzte nicht mehr als Privatpersonen im Sinne des Stempelsteuergesetzes anzusehen, sondern anzunehmen, daß sie auf dem Gebiete der Gesundheitspflege, wie die Rechtsanwälte auf dem der Rechtspflege, eine eigenartige Stellung öffentlich- rechtlichen Charakters bekleiden. Auf Grund der vorstehenden
vergrößert, hat sogar Rotationsdruck, dabei ist er aber immer noch derselbe geblieben in Tendenz und Stimmung.
Und nun kommt etwas sehr Wehmüthiges. Für mich sind Hanau und die Hanauer der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht gewesen, es hatte sich eine holde Verklärung um jedes Haus gewoben in meiner Erinnerung, ich sah die alten Freunde alle noch in Jugendfrische und Thatkraft, die Männer im Vollbesitz ihres Könnens, die Greise in der Ehrwürdigkeit ihrer weißen Haare. Man fühlt an sich kaum die fortschreitende hungrige Zeit, die Geschlecht um Geschlecht verschlingt, nur an den Andern zeigen sich die Bilder des unabänderlichen Vergehens.
Die Greise ruhen draußen hinter der Ehrensäule in unabsehbaren Reihen, umrauscht von Lebensbäumen, umkost von süßem, schwerem Blumenduft. Die Männer sind Greise geworden, der elastische Gang schlottert, die Bärte sind weiß und tiefe Furchen sind auf Stirn und Wange eingegraben — und endlich die Freunde und die Mädchen, vor denen man crröthend die grüne Mütze zog, wo sind sie?! Verstreut, verweht in alle vier Winde. Einzelnen noch begegnet man, das trauliche Du schlägt an unser Ohr, das man im Geräusche der Großstadt fast verlernt hat zu gebrauchen, aber sie sind arau, die Freunde, und das junge Geschlecht begleitet sie schon. Draußen im kühlen Main mit seinen schnellen Fluchen und süßem erfrischenden Bad trifft man sie Alle, mit denen man Arm an Arm in der Kompagnie gestanden, mit denen man aus einem Feldkessel gegessen? Aber sie haben die elastische Schlankheit ' verloren, ein behagliches Emboupoint und eine blanke Glatze zeigen, daß es ihnen gut geht. Im Bad mit seiner verjüngenden Kraft finden sie sich Alle zusammen, die noch da sind, die Welt und Zeit nicht verschlungen haben. Viele aber fehlen und wenn man fragt, so heißt es, der ist tobt und der ist
todt, man fürchtet sich bald zu fragen.
Nur der alte Main ist derselbe geblieben, er rauscht, schießt und gurgelt noch wie in früheren Zeiten durch die Bozen der
Die heutige Nummer umfaßt außer dem UnLeelmltmrgsbLatt 14 Seiten
Erwägungen bestimme ich im Einverstündniß mit dem Herrn Finanzminister, daß in Zukunft bei der Verleihung des Titels „Sanitätsrath", „Geheimer Sanitätsrath" an nicht beamtete Aerzte von der Einziehung des Stempels der Tarifstelle Nr. 60 Litt. 6 des Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895 abgesehen werde.
* Zur Frage der Haftpflicht der Lehrer bemerkt die „Nat.-Ztg.", die Ansicht, daß ein Lehrer jetzt in höherem Maße als früher für Unfälle hafte, welche den Schülern beim Turnen, bei einem Schulausflug u. s. w. zustoßen können, sei nichts weiter, als eine subjektive Auslegung eines Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, die bisher in der Rechtsprechung keinen Anhalt habe. Nach Auffassung hervorragender Juristen hat das bürgerliche Gesetzbuch hier, wie in vielen anderen Beziehungen, nur das bis dahin bestehende Recht einheitlich ausdrücken wollen. Eine Verschärfung ist keineswegs herbeigeführt worden.
* SLaLisnsgehilfeu. Schon früher ist vom Minister der öffentlichen Arbeiten bestimmt worden, daß den Gehilfen für den mittleren Eisenbahn dienst sofort bei der Annahme zu eröffnen ist, daß ihre etwaige erste eiats- mäßige Anstellung grundsätzlich nur im Unterbeamtenverhülmiß erfolgen könne. Auch sind bei Deckung des Bedarfs von Gehilfen int mittleren Dienst unter den brauchbaren Bewerbern solche zu bevorzugen, welche sich zur Ausbildung und Anstellung als Unterbeamte von vorneherein bereit finden. Daher sollen bei der Auswahl von Bewerbern für Gehilfenstellungen solche geeignete Personen besondere Berücksichtigung verdienen, welche als Hilfsunterbeamte oder Arbeiter ihre Tauglichkeit und Bereitwilligkeit für die Verrichtungen im Unterbeamtendienste bereits nachgewiesen haben. Im Anschluß hieran hat nunmehr der Minister angeordnet, daß für die Folge lediglich im Dienste erpropte Hilfsunterbeamte und Arbeiter als Stationsgehilfen angenommen werden dürfen. Ausnahmen hiervon sind nur in besonderen Fällen mit Zustimmung der Eisenbahndirektion zulässig.
* KreisrenLmeister. An Stelle des am 1. Okt.,d.J. in den Ruhestand tretenden Kreisrentmeisters Rechnungsrath Kiel in Hanau wurde Kreisrentmeister Lotze von Fritzlar nach Hanau versetzt.
* Wahlen zur Stadtverordneten - Berfamm- lung. Bei den demnächst stattfindenden Ergänzungswahlen zur Stadtverordneten-Versammlung werden wahlberechtigt sein in der 1. Klasse 98, in der 2. Klasse 628, in der 3. Klasse 4276 Einwohner. Bei der Wahl vor 2 Jahren waren wahlberechtigt in der 1. Klasse 65, in der 2. Klasse 313, in der 3. Klasse 4528.
eisernen Brücke, seine Wasser benetzen noch die weidenumsäumten Ufer und lange Flöße treiben mit ihrer eintönigen Farbe und dem eintönigen Holla ho ihrer Fergen dahin. Noch schlängelt sich an seinen Ufern wie ein langes Band der schlecht gepflasterte und von Gras überwucherte Leinpfad bis weit hinauf in die sandigen Hügel der Auheimer Gemarkung, aber_ die Leinreuter sind verschwunden, man sieht nicht mehr ihre Pferde mit den großen Glocken und den flachen Holzsätteln, auf denen der Leinreuter saß und seine lange Peitsche schwang, denn der Schleppdampfer hat sie längst verdrängt, er stößt mit seiner gewaltigen Dampspfeife seine mißtönenden Signale aus, und doch freut sich Jeder im Bade, wenn er kommt, denn er markirt mit seiner rastlos arbeitenden Schraube den Wellenschlag der Nordsee.
Auch Anderes ist geblieben, wie es war. Die traulichen engen Gäßchen mit den niedrigen Häusern, den blanken Fenster- chen, hinter denen man so gern noch das liebe Gesicht sehen möchte, um dessen Willen man vor Zeiten das Gäßchen durchstrich, aber das liebe Gesicht erscheint nicht mehr. Auch die Umgebung der Stadt ist noch die alte, die Wälder stehen noch in ihrer majestätischen Würde, in ihrem wunderbaren zauberischen Dunkel und dem erfrischenden Erdgeruch, der von ihrem Blumen- und Grasteppich aufsteigt. Und d^r Dialekt ist geblieben, der liebe trauliche Ton, der Heimathston, der uns immer wieder unwiderstehlich in seinen Bann zieht.
So ist Hanau eigentlich immer noch das alte Hanau. Die Nähe der Großstadt Frankfurt macht ihren drückenden, ich möchte fast sagen reaktionären Einfluß darauf geltend, nur langsam und mühsam wächst die Einwohnerzahl, wächst der Fortschritt. Und das ist auch gut, wenigstens für die lebende Generation. Es wäre traurig, wenn die brausend vorwärtsstrebende Zeit auch auf unsere Heimath den ändernden Einfluß ausüben würde, wie wir ihn zum Beispiel in der Großstadt finden, wo kein Stein auf dem andern bleibt, wo der Fortschritt seine gierigen Augen bis in die weiteste Umgebung richtet, wo sich Landgüter in Villenkolonien, Seen in Straßen