Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
1901
Mittwoch den 7. August
Bezirks-Fernsprcchanschluß Nr. 98.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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LezugsPrelS:
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Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in derVuchdruckerei des verein, ev.
Waisenhauses in Hanau.
Nr. 182
Bezirks Fcrnsprechanschlnß Nr. 98.
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanan.
Atts Anlaß des HLnscheidens Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich sink bis zrrm Ablauf des Tages der Belseßrmgöferer alle öffentlichen Lustbarkeiten und Schau- spielvorstellttngen einzustellen.
Hanau den 6. August 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
J. D.: V a l e n t i n er, Reg.-Assessor.
Erledigung.
Unsere Bekanntmachung vom 29. Juli d. Js., betr. die Auffindung von Silbergegenständen in der hiesigen städtischen Anlage nehmen wir als erledigt hiermit zurück.
Darmstadt den 2. August 1901.
P 6771 Großherzogliches Polizeiamt.
Gefundene n. verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Aluminium-Armband mit Münze, gez. Gr. L. 30. 7. 1900. 1 kleines, gelbes Portemonnaie mit 73 Pfg. Inhalt und mit folgendem beschriebenen Zettel: Möhring, pr. Ad. Herrn Kanzleirath Ferdinand Bußmann in Gardelegen, Bahnhofstraße. 1 schwarzes, kleines Portemonnaie ohne Inhalt. 1 gelber Leder-Damengürtel, das Schloß einen Steigbügel darstellend. 2 einzelne Kinderschuhe. 2 Hundemaulkörbe. 1 Kinder-Regenschirm mit Horngriff. 1 Damen- Regenschirm mit kleinem weißlichen Horngriff. In der Langstraße 1 Taschentuch mit ca. 15 M. eingewickelt.
Verloren: 1 goldene Brosche.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 6. d. M. e i n g e f a n g e n:
1 Ulmer Dogge, m. Geschl.
Hanau den 7. August 1901.
Das Ableben der Kaiserin Friedrich.
SechswöchrrrMche Landestraner.
Der „Deutsche Reichs- und Preußische Staatsanz." veröffentlicht in einer Extra-Ausgabe nachstehenden die Landestrauer betreffenden Königlichen Befehl an das preußische Staatsminister i u m:
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich, Meine innigstgeliebte Mutter, ist nach Gottes uner- forschlichem Ratschluß heute verschieden. Ich bestimme, daß um die Verklärte eine mit dem morgigen Tage beginnende Landestrauer von sechs Wochen cintritt. Oeffentliche Musik, Lustbarkeiten, und Schauspiel-Vorstellungen sind bis zum Ablauf des Tages der Beisetzungs-Feier einzustellen. Das Staats-Ministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen.
Schloß Friedrichshof, den 5. Ang. 1901.
Die Trauer für höhere Zivil-Beamte.
Der „Reichs-Anz." vom Dienstag bringt folgenden Königlichen Befehl:
Im Verfolg Meiner telegraphischen Ordre vom heutigen Tage über die Landestrauer um Ihre hochselige Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich, bestimme ich hierdurch Folgendes : Während der ersten vier Wochen tragen die höheren Zivilbeamten zur Uniform besserte Achselstücke bezw. Epauletten, Agraffe und Kordons, be- flortes Portepee, Flor um den linken Oberarm, dunkle Beinkleider und schwarze Handschuhe, dagegen in den letzten zwei Wochen Flor um den linken Oberarm, dunkle Beinkleider und weiße Handschuhe. Bei offiziellen Veranlassungen, bei welchen die vorgenannten Beamten in Zivilkteiduug erscheinen, tragen dieselben während der ersten 4 Wochen schwarze Beinkleider, schwarze wollene Westen, schwarze Handschuhe und Flor um den linken
Erstes Blatt
Änliches Grgsn für Stadt- md Landkreis Samu.
Oberarm, in den letzten zwei Wochen hingegen schwarze Beinklleider, schwarzseidene Westen und graue Handschuhe. Alle übrigen Zivilbeamten trauern in einem Flor um den linken Oberarm. Schloß Friedrichshof, den 5. August 1901. Wilhelm R. Für den Präsidenten des Staatsministeriums : von Thielen.
Das Glockettlättten.
Nachdem durch Allerhöchsten Erlaß vom 5. d. Mts. eine mit dem heutigen Tage beginnende Landestrauer auf die Daner von sechs Wochen angeordnet worden, sind nach dem Trauerreglement vom 7. Oktober 1797 in sämmtlichen Kirchen des Landes die Glocken vierzehn Tage lang mittags von zwölf bis 1 Uhr zu läuten. Die dieserhalü erforderlichen Anordnungen sind getroffen worden.
Ein Nachruf des Landraths v. Meister.
Cronberg, 6. August. Dem tiefen Schmerze der Bewohner Cronbergs und Umgebung gibt ein soeben vom Landrath v. Meister versandtes Zirkular Ausdruck. Landrath v. Meister ist mit seiner Familie von der Kaiserin Friedrich ständig durch hohes Vertrauen ausgezeichnet worden, er ist daher die berufenste Persönlichkeit, der hohen Frau einen würdigen Nekrolog namens der Kreisbewohner zu schreiben. Das Schriftstück, welches der Eigenart der Heimgegangenen gchecht wird und besonders ihre Thätigkeit in einer dem Staate neu zuge- sührten Provinz schildert, hat folgenden Wortlaut:
„An die Bewohner des Ober-Taunuskreises. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich hat ein sanfter Tod von schweren Leiden erlöst. Tief trauert der Ober-Taunuskreis um seine hochverehrte Kreiseingesessene. Einunddreißig Jahre sind es her, seitdem diè edle Fürstin als Kronprinzessin zum ersten Mal ihren Einzug in Homburg gehalten, um hier während des großen Krieges durch eine in mustergiltiger Weise von Allerhöchstderselben ins Leben gerufene Pflege der Verwundeten und Kranken die Wunden zu heilen, die das Kriegsschwert geschlagen. Zu wiederholten Malen hatte Ihre Majestät späterhin und vielfach an der Seite ihres hohen Herrn Gemahls Homburg und den Kreis besucht und stets Beweise ihrer Huld und Gnade bei Arm und Reich zurückgelassen, bis Allerhöchstdieselbe schließlich im Jahre 1888 in Cronberg durch die Erbauung des Schlosses Friedrichshof sich eine zweite Heimath bei uns gegründet hat. Welcher Segen von dort aus über den Kreis und seine Bewohner ausgegangen, liegt sichtbar vor unserer Aller Augen! Mit Wehmuth und Schmerz bedauern wir, daß es der Kaiserin nicht vergönnt sein sollte, all die Früchte, die ihr warmes Herz, ihr reicher Geist, ihr hohes Wissen und Können und ihr Sinn für das Edle und Schöne in unserem Kreise gezeitigt, auch zu genießen. Es wird berufener Seite zu überlassen sein, die große Bedeutung Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich für das deutsche Volk in gebührender Weise zu würdigen. Wir Bewohner des Ober-Taunus-Kreises, die wir das Glück hatten, unter dem unmittelbaren Zauber ihres Geistes unsere Wohlfahrt pflegen zu dürfen, werden der Nur allzufrüh dahingeschiedenen hohen Freundin unseres Taunuslandes und der mächtigen Förderin unserer Jnterèssen bis auf unsere Kindeskinder unauslöschliche Dankbarkeit bewahren. Zum Zeichen dessen haben wir dafür Sorge zu tragen, daß der Geist Ihrer Majestät in Uns lebendig bleibe und fort und fort neue Früchte trage, unserer unvergeßlichen Kaiserin Friedrich zum würdigen Denkmal.
Homburg v. d. H. den 6. August 1901.
Der Königliche Landrath v. Meister."
Beisetzungs-Feierlichkeiten.
Cronberg, 6. August, Für die Beisetzungs-Feierlichkeiten sind dem Vernehmen nach folgende Bestimmungen getroffen: Am Donnerstag findet int Schloß eine Familienandacht statt,an der nur die Angehörigen, der Hofstaat und die Schloßdienerschaft theilnehmen. Samstag abends halb 10 Uhr wird die Leiche mit Fackelbegleitung nach der Cronberger Stadtkirche übergeführt. Am Sonntag nachmittags 4 Uhr soll in der Stadtkirche eine Feier abgehalten wer-
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den. Das Kaiserpaar reist noch an demselben Abend nach Potsdam ab. Montag Abend wird die Leiche nach Potsdam befördert, wo am Dienstag den 13. ds., vormittags, die Beisetzung im Mausoleum der Friedenskirche stattsindet.
Der Tag der Beisetzung scheint jedoch noch nicht endgiltig festzustehen, wie aus nachstehendem Telegramm hervorgeht:
Vevlkn, 7. August. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Cronberg, es ist nunmehr sicher, daß die L e i ch e n- feier in Cronberg eine öffentliche sein wird. Der Kaiser hat verfügt, daß die Leiche nach der evangelischen Stadtkirche in Cronberg überführt werden soll. Die Leiche wird dann am 13. ds. von Cronberg nach Potsdam zur Ueberführung in die Friedenskirche geleitet. Dort findet die feierliche Beisetzung am 17. ds. statt mit allen der hohen Verstorbenen zustehenden Ehren. Das Kaiserpaar und der Kronprinz verweilten gestern zwei Stunden im hiesigen Schlosse und kehrten dann nach Homburg zurück. Die Eröffnung des eigentlichen Testaments der Kaiserin Friedrich, soweit vermögensrechtliche Bestimmungen in Frage kommen, ist auf den 15. September vorgesehen. Unmittelbar nach der Leichenfeier in Cronberg reist das Kaiserpaar mit dem Kronprinzen nach Berlin. Der Kaiser ist gefaßt, leidet jedoch unter sehr großer Abspannung. Das Hauspersonal erklärt, der Ausdruck des Antlitzes der Verstorbenen sei ein zufriedener. Der Kaiser hat den Aerzten sowohl wie dem Hauspersonal gegenüber seine Genugthuung ausgesprochen über die Diskretion, mit der das Leiden nach Außen hin behandelt wurde. — Nach einem Telegramm aus Posen wird das ganze 2. Leibhusaren- Regiment, dessen Chef die Kaiserin Friedrich war, an der Beisetzungsfeier theilnehmen. Prinzrezent Luitpold von Bayern wird sich, wie dem „Berliner Tageblatt" aus München gemeldet wird, an der Beisetz-ngsfeier durch seinen ältesten Sohn, den Prinzen Ludwig, vertreten lassen. — Die dänische Presse bringt nach einer' Meldung aus Kopenhagen über die Kaiserin Friedrich sehr sympathisch gehaltene Artikel.
Verlitt, 6. August. Das „M il i t är w o che n- bla t t" betont im Nachruf für die Kaiserin Friedrich, die Gestalt der Heimgegangenen sei unlöslich verknüpft mit dem Bilde des Kaisers Friedrich, der als Kronprinz die Armee von Sieg zu Sieg führte, der ein treuer Freund der Armee war und dessen herrliche Soldatenerscheinung den älteren Soldaten noch unvergeßlich vor Augen sei. Die Kaiserin habe sich stets der Armee gegenüber wohlwollend erwiesen und sei besonders ihren beiden Regimentern allezeit ein überaus gnädiger Chef gewesen, sie habe stets mit Stolz und Vertrauen zur Armee aufgeblickt, an deren Kummer wie Freuden sie stets innigen Antheil nahm. Das Blatt schließt mit dem Wunsche, Gott möge den kaiserlichen Sohn trösten.
Köln, 6. August. Die „Köln. Volksztg." meldet: Sofort nach Empfang der Nachricht vom Ableben der Kaiserin Friedrich sprach der Papst telegraphisch dem Kaiser in warmen Worten sein Beileid aus.
Melbourne, 6. August. (Neutermeldung.) Aus Anlaß des Ablebens der Kaiserin Friedrich haben die öffentlichen Gebäude h a l b m a ß t gehißt. Das Parlament von Viktoria nahm eine Beileidsadresse für den König Eduard und eine solche für die deutsche Kaiserfamilie an und vertagte sich alsdann zum Zeichen der Trauer. Die Kammer von Südaustralien vertagte
sich ebenfalls.
London, 7. August. Die königliche Nacht ist nach Port Viktoria abgegangen, um dort den König zu erwarten, welcher heute Morgen London verläßt, um sich nach C r o n b e r g zu begeben. Kurz vorher wird König Eduard noch den Fürsten Nikolaus von Montenegro empfangen, welcher gestern hier eingetroffen ist.
New York, 6. August. Die Piers des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie haben halbmast geflaggt. Alle Blätter besprechen den Tod der Kaiserin Friedrich mit sym-