Erstes Blatt.
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WerteljLhrlich IM Ws, monatlich 60 Wg., für auS- w*tige Äb»nnmt«i mit km Betreffender Pasiausichklg. Die »injctne Nummer testet io Pfg.
Einrücknngsgcbiihr t
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg die fünf» gespaltene Petttzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Psz^ im Reklanientheil die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kasan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G Schrecker in Hanau.
|l Nr. 106.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Marköbel nach Rüdigheim und in Rüdigheim von km 7,i bis km 5,67 liegt bei dem Postamte in Hanau aus.
Cassel den 2. Mm 1901.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Hoffmann. 7716
Stadtkreis Ranau.
Das unterm 27. April d. J. — P 3482 — in Nr. 10 der Amtlichen Beilage des „Hanauer Anzeigers" veröffentlichte Ausschreiben gegen den Taglöhner Joseph Schreibmeier aus St. Georgen, welcher von der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Bayreuth als wichtiger Zeuge gesucht wurde, ist erledigt.
Hanau den 6. Mai 1901,
Königliche Polizei-Direktion.
P 3825 v. Schenck.
Stadtkreis Ranau,
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Eine Auzahl Konditoren und Pfefferküchler hat bei mir die Errichtung einer Zwangsinnung für alle Diejenigen, welche in dem Bezirke der hiesigen Handwerkskammer mit Ausschluß des Fürstenthums Waldeck die genannten Handwerke als stehendes Gewerbe selbständig betreiben, gleichviel, ob dieselben der Regel nach Gesellen und Lehrlinge halten oder nicht, beantragt.
Ich habe daher auf Grund des §100 Absatz 1 der Reichsgewerbeordnung in der Fassung des Gesetzes vom 26. Juni 1897 (R.-G.-Bl. S. 663) den Herrn Stadtsyndikus Vr. Brunner hier zu meinem Kommissar zur Ermittelung, ob die Mehrheit der betheiligten Handwerkstreibenden im Bezirk der geplanten Zwangsinnung der Einführung des Beitrittszwangs zustimmt, bestellt. (A. II. 3844).
Cassel den 18. April 1901.
Der Regierungs-Präsident.
Trott zu Solz.
Wird hierdurch zur Kenntniß der Betheiligten gebracht.
Hanau den 2. Mai 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebes chus.7717
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Handelskammer in Hanau.
Oeffentliche Plenarsitzung der Handelskammer
am Mittwoch den 8. Mai 1901, nachmittags 4^2 Uhr,
im Sitzungssaale der Handelskammer.
Tagesordnung:
1. Ministerialerlasse.
2. Mittheilungen.
3. Die Fortsetzung der Mainkanalisirung.
4. Die Verbesserung der Handelswerth-Ermittelungen.
5. Die Weingesetz-Novelle.
6. Der Verkauf von Waaren nach dem Nettogewichte.
7. Beweis der Vertretungsbefugniß des Wechselzeichners im Wechselprozesse.
8. Erhebungen über die Entwickelung von Rabatt-Sparvereinen.
9. Zutheilung der mit einem Handelsgewerbe verbundenen Betriebe zu bestehenden Berufsgenossenschaften oder die Bildung besonderer Berufsgenossenschaften dafür.
10. Die Arbeiter- und Lohnnachweisungen für Berufsgenossenschasten.
11. Die Lohnzahlungsbücher für Minderjährige.
12. Die Bildung von Stipendienfonds für gewerbliche Fachschulen.
13. Der Begriff des Handwerks nach der Gewerbeordnung und dem Handelsgesetzbuche.
14. Die Umrechnung der Tarife für die Hanauer Güter- bahnhöse.
15. Die Erhebung von Werthzöllen in den Niederlanden.
16. Vertrauliche Sitzung.
Die Handelskammer.
W. Fu es.
7739 Der Sektretâr : Steller.
Dienstag den 7. Mai
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 zehn Liter-Milchkanne. 1 leere Säure- flasche. 1 weißes Kinderjäckchen. Am Samstag auf dem Wochenmarkt 1 Fünf und 1 Zehn Gramm-Messinggewichtstein.
Verloren: 1 Damenregenschirm. 1 Damenportemonnaie mit über 20 M. Inhalt.
Hanau den 7. Mai 1901.
Hus Stadt und £and.
Hana«, 7. Mai.
* Die größte Landgemeinde im Reg.-Bez. Cassel ist, wie die vorläufigen Ergebnisse der Volkszählung vom Dezember 1900 darthun, unser benachbartes Fechenheim mit 6408 Einwohnern, dann folgt Rothenditmold im Landkreise Cassel als zweitgrößte Landgemeinde mit 5012 Einwohnern, dann Bergen-Enkheim mit 4393 Einwohnern, Langenselbold mit 4276 Einwohnern, Großauheim mit 4245 Einwohnern. — In verschiedenen kurhessischen Blättern wird erzählt, daß Langenselbold, welches früher als größtes Dorf in Hessen gegolten habe, nunmehr von Rothenditmold überholt worden- sei. Fechenheim wird also scheinbar von dem Statistiker dieser Blätter als nicht zum Bezirk Cassel gehörend betrachtet! Langenselbold hat auf die Genugthuung, als größte Landgemeinde zu fungiren, schon früher Verzicht leisten müssen, denn die Volkszählung 1895 ergab schon für Fechenheim eine Einwohnerzahl von 4359, dann folgte Rothenditmold mit 4003, Bergen-Enkheim mit 3915, Langenselbold mit 3805 Einwohnern. Wir sehen, daß also Fechenheim schon lange Zeit die Ehre hat, als größte Landgemeinde des Reg.- Bez. Cassel zu fungiren.
* Jubiläum. Das in unserer gestrigen Nummer bereits erwähnte 25jährige Geschäftsjubiläum des Herrn Heinrich Brüning bot den Beamten und der Arbeiterschaft der Firma Heinr. und Aug. Brüning Veranlassung zu einer imposanten Ovation. Nachdem Herr Brüning in das durch reichen Blumenflor festlich dekorirte Komploir eingetreten war, brachte eine ca. 40 Mann starke Sängerschaar, die sich aus dem Arbeiter-Personal gebildet hatte, den Chor: „Hör uns Gott Herr der Welt" in vorzüglicher Weise zu Gehör, worauf die Beamten ihre Glückwünsche darbrachten unter Widmung eines durch Herrn Maler W. Schultz künstlerisch ausgeführten Diplomes. Alsdann überreichte eine Deputation der Arbeiter eine kunstvolle Adresse mit einer vorzüglich ausgeführten Widmung, die von Herrn Maler R. Joost hergestellt worden ist. Nachdem der Sängerchor noch das Lied: „Du schöner Maientraum" vorgetragen hatte, dankte Herr Brüning, der freudig überrascht und sichtlich bewegt war, für diese Beweise des guten Einvernehmens zwischen ihm und seinen Arbeitern, und betonte, daß ein solches zu pflegen er stets bestrebt war, und daß ihm der heutige Tag das Vertrauen gebe, daß dieses schöne Verhältniß auch in Zukunft bestehen werde.
* Das große Loos der preußischen Klassenlotterie, das, wie gemeldet, in die Liebeskind'sche Kollekte in Oels in Schl, gefallen, ist nicht in Oels selbst, sondern auswärts gespielt worden. Das ganze Geld soll einem ohnehin schon sehr begüterten Manne zugefallen sein.
5 Rezitation. Wenn die Natur draußen ihren herrlichen Frühlingsschmuck angelegt, dann werden die Stätten, die an den langen Winterabenden den Menschen geistigen Genuß geboten und an denen so oft Freude und Frohsinn gewaltet, einsam und leer. In dieser Zeit entschließt man sich nur ungern noch einmal dahin zurückzukehren, aber der Einladung eines verdienstvollen Mitgliedes unserer Bühne, der Frau Margarethe Hantke, zu einem Rezitationsabend, den sie im Verein mit ihrem Töchterchen Elly in dem kleinen Saale der „Centralhalle" arrangirte, hatte man doch gestern in stattlicher Anzahl Folge geleistet. Besonders die Damenwelt hatte mit dem Bemühen der Dame ein Einsehen und hatte sich zahlreich eingefunden. Das Programm war recht hübsch zusammengestellt und hatte eine Anzahl von leichten, gefälligen, poesievollen Gaben unserer beliebtesten Schriftsteller aufzuweisen. So fand Baumbachs reizendes Märchen vom „Wasser der Jugend", Seidel's humorvolle Dichtungen „Die Musik der armen Leute" und „Die Versetzung", in der gefälligen Vortragsweise der Frau Marg. Hantke lebhaften Beifall. Ihr Töchterchen Elly brachte ebenfalls ein hübsches Märchen von Baumbach „Die Teufel auf der Himmelswiese" mit guter Hervorhebung der Pointe zum Vortrag; außerdem erntete das kleine Fräulein mit einer stimmungsvollen kleinen poetischen Gabe von Ernst v. Wildenbruch „Die Thräne" und dem Vortrag eines Gedichtes älteren Ursprungs „Das Erkennen", freundlichen Beifall. Zum Schluffe machte sich die kleine Hantke noch zur Interpretin zweier kleinen Humoresken in Odenwälder Mundart von^Herrn Georg Volz in Offenbach, aus denen ein ge-
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
sunder prächtiger Humor spricht und die von der kleinen Dame mit glücklicher Festhaltung des Dialektes wirksam zum Vortrag gebracht wurden.
* Thierschutz. Auf die Tagesordnung des 8. Kongresses der deutschen Thierschutzvereine ist u. a. auch die Besprechung des vom Hanauer Thierschutzverein eingeführten Verfahrens, die Hunde durch Einathmen von Kohlensäure zu tödten, gesetzt worden.
A. Änturnen des Maingau Verbandes. Groß- Auheim, 7. Mai. Am Sonntag den 5. Mai fand dahier das Anturnen des Maingau-Verbandes statt. Bei Gelegenheit des letzten Gautages war die Abhaltung dieses Festes dem hiesigen Turnverein übertragen worden. Schon seit Wochen hatte der rührige Verein die Vorbereitungen betrieben und so konnte es denn auch nicht ausbleiben, daß die kleine Feier ebenso würdig als schön verlaufen mußte. Als Festplatz war dem Verein die geräumige und schön gelegene „Lindenau" von der Gemeindebehörde bereitwilligst überlassen worden. Wenn auch einfach und schlicht hergerichtet, so machte das Festplatzterrain mit seinen 2 großen Hallen, den verschiedenen Buden rc. einen recht gefälligen und einladenden Eindruck. Begünstigt durch das herrliche Maiwetter nahm dann auch die Veranstaltung größere Dimensionen an, als man thatsächlich erwartet hatte. Zahlreiche Turner aus den Verbands - Vereinen, die Ortsvereine, die Einwohnerschaft, viele Festgäste aus nah und fern waren erschienen, um das erste diesjährige hiesige „Freifest" mitzumachen. Um 2 Uhr nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch den Ort nach dem Festplatz. Dort angekommen, versammelten sich 72 frische Turner im abgegrenzien Raume zu den Freiübungen. Unter Leitung des Ehrengauturnwartes Herrn Geibel wurden die Uebungen recht exakt ausgeführt. Anschließend an dieselben wurden sodann verschiedene Marschbewegungen gemacht. Zu Ende derselben versammelte Herr Gauvertreter Koburger die Turnerschaar im Kreise um sich, um durch eine kurze Ansprache diese für die edle Turnsache im neuen Turnjahr zu begeistern. Ein kräftiges „Gut Heil" schloß den einleitenden Theil des Festtages. Die nun folgende Festrede hatte Herr L. Raab, Mitglied des Turnvereins, übernommen. Er löste seine Aufgabe, in einer Weise, wie es nicht besser hätte geschehen können. Ausgehend von den edlen Prinzipien, die der Verein während seiner nahezu 41jährigen Thätigkeit befolgt habe, ermahnte er alle Turnbrüder, festzustehen zu den Vereinen an jedem Ort, zu jeder Zeit, ganz besonders zur Stunde der Gefahr, Turnfreunde zu hegen und Turnfeinde zu beseitigen. „Seid bedacht darauf," so rief er den Vereinsvorständen zu, „durch Zucht und Bildung praktische Turner und gesittete Menschen zu erhalten und in Euren Vereinen eine hoffnungsvolle Zukunft zu sichern." Im Weiteren bat er die Festgäste, die kurze Spanne Zeit mit den hochgeschätzten Ortsvereinen und der friedliebenden Bürgerschaft zu theilen. Nachdem Redner sodann seinen Dank ausgesprochen hatte der geehrten Gemeindeverwaltung für die bereitwillige Ueberlassung des Festplatzes, den Ortsvereinen für die Unterstützung, der Einwohnerschaft für die vielen Sympathiebezeugungen, den Turnern und sonstigen Festgästen u. s. w. für rege Theilnahme, brachte er ein begeistert aufgenommenes „Gut Heil" auf das fernere Gedeihen des Maingauverbandes und der deutschen Turnsache aus. Die Zuhörerschaft dankte dem Redner durch ein weitschallendes „Bravo." Der weitere Nachmittag gestaltete sich nun zu einem echten Volksfest aus. Die Turner zeigten ihr Können an den aufgestellten Geräthen, im Stemmen rc. Die Gesangvereine Concordia, Eintracht, Fröhlichkeit und Harmonie ließen ihre Lieder erschallen, die wackere Kleinauheimer Feuerwehrkapelle brachte ihre hübschen Weisen zu Gehör u. s. w., so daß Langeweile nicht auflommen konnte. Der gute Nicolay'sche Stoff begeisterte natürlich auch zur fröhlichen Feststimmung. Auf den Gesichtern war zu lesen, daß der festgebende Verein und die Festgâste über den Verlauf der Veranstaltung vollauf befriedigt waren.
* Fußballsport. Am Sonntag den 5. d. Mts. spielte die 1. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs „Victoria 1894" im Palmengarten in Frankfurt a. M. gegen den besten und ersten Frankfurter Fußballklub. Um 4 Uhr ertönte der Pfiff zum Anfang des Spiels. Hanau hatte den Anstoß und kam mit demselben gleich vor das feindliche Thor, ohne jedoch einen Erfolg zu erzielen. Das Spiel lagerte bis zur Halftime vor dem Goal der Frankfurter und Letztere konnten nur einige erfolglose Vorstöße machen. Mit 0:0 Goal wurden die Plätze gewechselt. Durch das massenhaft anwesende Publikum ermuntert, griffen nun die Frankfurter im rasenden Tempo das feindliche Thor an, aber jeder Versuch wurde von der kaltblütigen Hintermannschaft Victorias abgewehrt. Kurz vor Schluß fing einer der Frankfurter Stürmer den Ball 10 m vor Hanau's Thor mit der Hand auf, ohne daß es der Schiedsrichter bemerkte, und dadurch gab es einen Eckball für