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EH-s Blatt

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau.

(T. 285. Bezirks-Fernlvre^aMluß Nr. 98. ^mtM d?N 6. Dezember. Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901

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Amtliches.

Landkreis Ran au.

Betanntmachiinlieii ves KöniqI. Vaiibrnt,,5nmtt6.

Der Handelsmann Salomon Siranst II. in Wachenbuchen ist zum zweiien (weiteren) Gemeinde- Aeltesten der dortigen Synagoqengemeinde auf die Dauer von 3 Jahren bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 3. Dezember 1901.

Der Königliche Landrath.

7 V 12929 v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 brauner Krimmerbandschuh mit Lederbesatz.

1 Gumm'rerfen von einem Kinderwagen. 1 blaue Kinder-Kittel­schürze mit weißem Brunein'atz. 1 Klosetbürste. 1 fast neuer schwarzer steifer Herren Filzbut. 1 schwarzer steifer Damen-Filzhut.

1 Bild; die Enthüllungsfeier des Grimmdenkmals darstellend. 1 kleines längliches Portemonnaie mit 2 Pfg. 1 kleines gelbes Kinderporiemonnaie mit 22 Pfg. und einer 5 Pfg.-Marke. Hanau den 6. Dezember 1901.

Den vierten Tag der Rcilhstagsdcbatte über den Zolltarif leitete der preußi che Handelsminister Möller mit sehr bemerkenswerthen, von hervorragender Sach­kunde getragenen Darlegungen ein, die er an die Reden der vorangeqanqen Tage anknüpfte. Bezüglich der Grundsätze des neuen Tarifs wies der Minister darauf hin, daß für die darin enthaltenen Zollerböhungen wesentlich auch die Berücksichtigung des Arbeitsinhalts maßgebend gewesen sei, für welche erst die Produktionsstatistik die Grundlagen geschaffen habe. Unter diesen Gesichtspunkt fallen namentlich die erhöhten Zölle für Maschinen. Die Unparteilichkeit und Gründlichkeit der Vor­bereitung des Tarifentwurfs verdiene das höchste Lob. Die Reden der Linken zeigten, daß man sich auch dort der Macht der Verhältnisse beuge. Selbst der Abgeordnete Richter scheine anzuerkennen, daß ohne Schutzzölle nicht auszukommen sei, und wenn der Abgeordnete Gothein sich auf die Grundlage des bisherigen autonomen Tarifs stelle, handle es sich ja nur noch um einen quantitativen Unterschied, nicht mehr um einen prinzipiellen Gegensatz. Die Behauptung, daß erhöhte Ge­treidezölle den Anschluß von Handelsverträgen unmöglich machen würden, sei auf die Erfahrungen von 1891 nicht zu gründen. Damals sei der ermäßigte Getreidezoll weniger eine Konzession an Oesterreich-Ungarn, als vielmehr eine inner­politische Maßregel infolge der ungewöhnlich gesteigerten Ge­treidepreise gewe en. Das in den folgenden Jahren wiederum zufällig eingetretene starke Sinken der Preise habe die agrarische Bewegung, den Konflikt hervorgerufen, für den ein Staatsmann einen Ausgleich suchen müsse. Die Politik der Freisinnigen sei eine chimärische. Sie würden eine Mehrheit für ihren Standpunkt im Reichstage auch im Falle einer Auflö'ung nicht erlangen können. Als Gegen­wirkung ihrer Haltung werden auf der agrarischen Seite Forderungen erhoben, die auch für die Regierung unan­nehmbarfeien. Das Programm könne nur lauten: Schutz der Landwirt hschaft bis an die Grenze, daß die Handelsvertrags- politik aufrecht erhalten werden kann. Aus dem Hause sprachen gestern von der Rechten der antise- milische Abg. Vogel und der Abg. Rissen, Letzterer mit volkstümlicher Beredtsamkeit vom Standpunkte des süddeut­schen Bauern, für einen möglichst weitgehenden Schutz der landwirthschaftlichen Produktion. Hiernach schüttete der Abg. Bebel das Füllhorn der vomVorwärts" zusammenge­tragenen Gründe gegen den Zolltarif nicht nur über diesen, und diebegehrlichen Junker", sondern auch über die Regie- rungspolitik und die ganze Geiellschafisordnung aus. Eine tumultnaritche Szene entstand, als er in seiner Polemik gegen denBrodwucher" von einem Knaben erzählte, der im Him­mel zu sein wünschte, um keinen Hunger mehr zu haben. Ein Zwischenruf, der wobl andeuten sollte, daß der Fall nicht typisch und für das Thema nicht beweisend sei, wurde vom Redner und seiner Partei eifrig aufaefangen und wird voraussichtlich zum eisernen Bestände der sozialdemokratischen Demagogie geschlag-n werden. Der Abg. Bebel, der triumphirend die in dem Hwi'chenrufe liegende Infamie" undGefühlsroheit"annage'te", erhielt einen Ordnungsruf. Gras Arnim erläuterte darauf seinen Zwischenruf dahin daß er habe fragen wollen, ob der Vaier des Kindes getrunken habe, doch ließen sich die Sozialdemokraten dadurch nicht hindern, den Tumult fortzusttzen. In später Stunde nahm der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben das Wort, um aus der eindcingenden Kenntniß der wirth-

schaftlichen Verhältnisse seines früheren rheinischen Verwaltungs­bezirks und gestützt auf die Ergebnisse der preußischen Steuer­veranlagungen der Behauptung entgegenzutreten, daß der Zoll­schutz, dessen die deutsche Landwirthschaft bedarf, die Interessen der Industrie schädige und die Lebenshaltung der industriellen Arbeiter Herabdrücke. Insbesondere wies er darauf hin, daß die Belastung an direkten Steuern in Preußen und indirekten im Reiche geringer ist, als in allen anderen Staaten. Indem er einerseits die Wichtigkeit des Jnlandsmarktes auch für die Industrie betonte, erkannte er anderseits an, daß die Möglichkeit des Abschlusses von Handels­verträgen unbedingt offen gehalten werden muß. Dies ge­schehe durch die Vorlage, welche die richtige Diagonale der Interessen darstelle. Das Letztere erklärte auch der sächsische Staatsminister v. M e tz s ch in einer Entgegnung auf einen Angriff des Abg. Bebel für die Ueberzeugung der sächsischen Regierung, die in dieser Fraae nicht ein partikulares, sondern das nationale Gesammtinteresse im Auge behalten habe. Daß ein Nothstand der industriellen Arbeiter zur Zeit bestehe, be­stritt der Redner. Die Berathung wird heute fortgesetzt.

Hus Stadt und Land.

Hrnau, 6. Dezbr.

* Der Expretzzug im Wartesaal 2. Klasse. Im Hauptbahnbofe zu Frankfurt a. M. ereignete sich heute Morgen ein glücklicherweise noch ohne Verlust von Menschen­leben abgelaufener Eisenbahnunfall. Wir erhalten hierüber folgende Telegramme:

W. Frankfurt a. M., 6. Dez. Der heute früh 3.33 Uhr hier fällige Orientexpreßzug Ostende- Wien, der mit IVa Stunden Versvätung hier eintraf, fuhr mit voller Fahrgeschwindigkeit durch die Schranken, den Querbahnsteig, rannte die massive Steinmauer nieder und stürmte bis in den südlichen Wartesaal 2. Klasse hinein. In dem Zuge selbst befanden sich außer dem Postpersonal nur 68 Passagiere, die sämmtlich mit dem Schrecken davonkamen. Der Schaden am Bahnhofsgebäude ist bedeutend. Der Unfall ist ver­muthlich durch Verlagen der Bremse hervorgerufen worden.

Hd. Frankfurt a. M., 6. Dezbr. Heute Vor­mittag kurz nach 5 Uhr fuhr der Luxuszug Nr. 54 Ostende-Wien mit 85 Minuten Verspätung im Einfahrts- Geleise Nr. 3 hier ein, über die starke Kiesschüttung und den asphaltirten Weg, zerstörte den Prellbock und eine da­stehende Bude des Bahnhof-Buchhändlers und fuhr in den Wartesaal 2. Klasse. Die Lokomotive und der halbe Tender stehen in dem Wartesaal, der erste Schlafwagen steht auf dem Querperron. Von den Reisenden wurde Niemand verletzt. Die wenigen Personen, welche zur Zeit im Wartesaal sich befanden, konnten sich ohne jede Ver­letzung retten. Ein zufällig im Wartesaal anwesender B e- amter erlitt eine unbedeutende Kontusion am Unter­leib. Die Ursache ist auf zu schnelles Einfahren zurück­zuführen. Herren der Direktion und der Vorstand der Be­triebs-Inspektion waren sofort zur Stelle. Untersuchung ist eingeleitet. Die Unfallstelle wurde sofort durch Bahnbeamte, Polizei und Militär abgesperrt.

* Kirchenchor der Johanniskirche. Die Haupt­probe für die Gelänge, die bei der ant nächsten Sonntag im Vormiltags-Gottesdienste stattftnbenben Einführung des Herrn Pfarrers Bär zum Vortrag gelangen, findet nicht am Samstag sondern heute Abend präcis/<8 Uhr in der Kirche statt. Allseitiges Kommen seitens der Mitglieder dringend erwünscht.

88 Wohlthätigkeitsfest des Schulvereins. Der Besuch des gestern in derCentralhalle" stattgefundenen Wohl- thätigkeitsfestes der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Schulvereins ließ nichts zu wünschen übrig, denn der Saal war bis ins entfernteste Eckchen fast lückenlos besetzt. Da ferner auch die Darbietungen ebenso gediegen waren, als sie tadellos durchgeführt wurden, so dürfte wohl der Doppelzweck des Festes, den Besuchern einige vergnügte Stunden zu be­raten und gleichzeitig für hiesige Wohlthätigkeitsanstalten und die guten Zwecke des Vereins wesentliche Mittel zu beschaffen, als voll und ganz erreicht betrachtet werden können. Einen recht guten Eindruck machte schon das Aeußere des «Saales, der durch prachtvolle Dekoration und reizende Buffets aufs Enizückmdste ausgeschmückt war und einen vorzüglichen, ge­schmackvollen Rahmen für den hübschen Damenflor darstellte.

Von den Bühnenaufführüngen sei vorerst erwähnt die einaktige Szene mit GesangKurmärker und Picarde", die uns eine an drolligen Momenten reiche Situation vor Augen führte, nämlich einen deutschen Landwehrmann, einen echten, unver­fälschten Kurmärker, in französischer Einquartierung. Der den Spielern gespendete lebhafte Beifall darf als verdiente Aner­kennung der von jenen gebotenen Leistungen bezeichnet werden. Die herrlichste und effektvollste Darbietung des Abends war aber entschieden die nächste Nummer, eine Pantomime mit Ge­sang und Tanz, betiteltIm Puppenladen". Es ist dies ein glänzendes Ausstattungsstück ersten Ranges und erzielte seinen überaus wirkungsvollen Eindruck wohl nicht zum geringsten Theil durch die Pracht der Toiletten und Kostüme sowie die feenhaft schöne Ausschmückung der Bühne. Doch auch die Handlungen der mitwirkenden Damen und Herren vermochten von Anfang bis zu Ende zu fesseln, vor Allem die verschie­denen, theils recht interessanten Tänze, wovon der Geisha-Tanz, der spanische Tanz und die Gavotte besonders gut gefielen, sowie einige in das Ganze verflochtene Liedersoli, deren Wieder­gabe eine geradezu vollendete war und stürmischen Beifall hervorrief. Als effektvollen Abschluß des unterhaltenden Theiles wurde ein Schlußbild gegeben, dessen berückende Schönheit die Anwesenden veranlaßte, durch tosenden Applaus das Heben des Vorhangs immer und immer wieder zu verlangen. Für angenehme Ausfüllung der Pausen und gleichzeitig für die nöthige Abwechselung sorgten eine Reihe durchweg vorzüglich ausgeführter Mustkpiecen und so darf die Veranstaltung, wie schon eingangs erwähnt, eine völlig gelungene genannt werden, weshalb die Hoffnung, daß die für heute Abend mit demselben Programm angesetzte Kindervorstellung im Saale der Centralhalle" ebenso gut besucht sein wird, wohl durchaus gerechtfertigt ist. Daß übrigens am gestrigen Abend die schon ohnehin recht animirte Stimmung durch das nachfolgende Tanz­vergnügen noch wesentlich gehoben wurde, braucht wohl nicht noch besonders betont zu werden.

* Suggestion. Wer erinnert sich nicht noch der sen­sationellen Vorstellungen, welche der bekannte Suggestor Albert Krause hier im Jahre 1893 vor ausverkauften Häusern in der Centralhalle veranstaltete. Die Leistungen des Herrn Krause bildeten damals das Tagesgespräch unserer Stadt. Jetzt ist derselbe nach mehrjähriger Abwesenheit im Auslande hierher zurückgekehrt, bereichert mit den neuesten Errungenschaften auf dem merkwürdigen Gebiete der sog.reinen" Suggestion (Schwester-Erscheinung der Hypnose), die er uns in einer ein­maligen Soiree demnächst darbieten will. Seine vielen Freunde und Gönner von damals werden sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen, den beliebten Künstler abermals zu be­wundern und die Fortschritte auf dem immerhin noch dunklen Gebiete dieses Theils des menschlichen Seelenlebens kennen zu lernen. Die Eintrittspreise sind mit Rücksicht auf die der­zeitige Geschäftslage wiederum billigst gehalten, so daß sich Jedermann den seltenen Genuß dieser Vorstellung gestatten kann.

* Verunglückt. Im Güterbahnhofe Sachsenhausen ver­unglückte gestern Mittag der Rangirer Friedrich von Oberrad. Derselbe war mit dem Zusammenkuppeln einer Wagenabtheilung beschäftigt, wobei durch den Zusammenstoß der Wagen eine Kopfthüre aufging und Kohlenstücke heraus­fielen. Der genannte Rangirer gerieth hierdurch mit dem lin­ken Fuße auf die Schienen und die Räder quetschten ihm den betreffenden Fuß ab. Der Verunglückte war der Ernährer seiner alten Mutter.

* Ausgestellt. Von dem schon früher in unserem Blatte erwähnten Patent-Beschlag für Bettstellen, wodurch das beschwerliche Herausheben der Matratzen unnöthig wird und die Matratze bequem heraus- und hineingeschoben werden kann, sowie der Beschlag an jeder Bettstelle unsichtbar anzubringen ist, steht ein Modell in dem Schaufenster der Herren M. L. Berlizheimer und Söhne ausgestellt, wovon sich Interessenten überzeugen können. Alleiniger Vertreter für Hanau und Um­gegend ist Herr Ed. Loos, Schreinermeister.

* Kommers. Im Laufe dieses Jahres konnten drei Beamte der städtischen Verwaltung, nämlich die Herren Fried­hofs - Inspektor Bettenhausen, Vollziehungsbeamter B i l d h ä u s e r und Steueraufseher Hock, ihr 25 jähriges Jubiläum im Dienste der Sta^t feiern. Aus diesem Anlaß fand gestern Abend imLöwengärtchen" ein vom hiesigen Ortsverband der Gemeindebeamten arrangirter Kommers statt, der einen recht animirten Verlauf nahm.

Oeffentliche Sitzung der Ktadtverordneleu- versammlung vom 5. Dezember 1901.

Anwesend die Herren: Küstner, Vorsteher-Stellvertreter; Baader, Bailly, Bier, Brüning, Eberhard, Föll, Fritz, Glaser, Dr. Heraeus, Hock, Hoffmann, Jost, Jung, Kehl, Koch, Körner,