Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postanfschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EmrückungsgcLühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Nr. 130

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. ©OHHCrftCtg bCH 6. AMU Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98. 1901

MMauamrtMtlPtMini flamm» ireic«Utfci.iaidHiglU^afa!ä8aM»MiaSS3aBjgn?a>W8WfBWhWS»MS»M«iaSBas>fflBtRMt1«aaJ5Eaa^^

Amtliches.

Candkreis Ranau.

BelaMtmachuNgen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Königlichen Beschäler werden am 28. Februar auf Station Wilhelmsbad eintreffen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises mache ich darauf aufmerksam, daß die Abfohlungsergebnisse in die Ihnen s. Z. zugehenden Deckregister recht genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni d. I. an die betr. Stations­wärter zurückzusenden sind. Die Züchter sind daran zu er­innern, die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an die Stationswärter zu zahlen.

Hanau den 20. Februar 1901.

Der Königliche Landrath. 1

V 6001 v. Schenck.

AMene Mit

WWM k!l.

Gefunden: 1 goldener, breiter Ring mit rothem Stein. 1 Bund Schlüssel (2 große und 1 Schlinke.) 1 Legitimations­karte der Hanauer Ortskrankenkasse für Valentin Herbert.

Verloren: 1 Fixirportemonnaie mit 4 Mk. Inhalt und mehreren Freifahrtscheinen; abzugeben gegen Belohnung in der Erpedition dieses Blattes. 1 Portemonnaie mit 1,97 Mk. und einem Messingschlüssel. 1 Sparkassenbuch.

Hanau den 6. Juni 1901.

Hus Stadt und Eand.

Hanau, 6. Juni.

* Verliehen. Dem Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Rothe, ist der Charakter als Wirklicher Ge­heimer Rath mit dem Prädikate Excellenz vom Kaiser verliehen worden. Herr Rothe war zunächst Regierungspräsident in Danzig, dann seit März 1887 Regierungspräsident in Cassel. Als solcher wurde er im Jahre 1893 als Nachfolger des zum Staatssekretär des Reichsjustizamtes ernannten Dr. Nieberding zum Direktor der ersten Abtheilung des Reichsamts des Innern und nach dem Ausscheiden des Herrn von Rottenburg, des jetzigen Kurators der Universität Bonn, im Februar 1896 zum Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern ernannt. Wenn er auch in der Oeffentlichkeit weniger bekannt ist, so hat er doch bei den mannigfachen Beziehungen, diedasRcichs- amt des Innern mit den verschiedensten Berufskreisen in unserem Vaterlande zu unterhalten hat, reiche Gelegenheit gehabt, sich als ebenso gediegenen, wie kenntnisreichen und feinsinnigen Beamten zu bewähren. Namentlich bei unseren parlamen­tarischen Fraktionen erfreute er sich durch sein liebenswürdiges Entgegenkommen und durch seine klaren und bestimmten Dar­legungen des besten Ansehens.

* Freiwillige für Kiautschou. Im Frühjahr 1902 muß die gegenwärtige Besatzung in Kiautschou abgelöst werden. Die Ablösungsmannschaften werden bereits im Herbst dieses Jahres eingestellt. Ausreise Frühjahr 1902, Heimreise Früh­jahr 1904. Die Marinebehörden suchen nun noch tropen- dienstfähige Dreijährig-Freiwillige. Bevorzugt werden bei der Einstellung Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner u. s. w.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider u. s. w.). Die Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung und Verpflegung eine Theuerungszulage, und zwar: a) Dienst­pflichtige 50 Pf. täglich, b) Unteroffiziere als Nichtkapitulanten und Gemeine als Kapitulanten 1,50 Mk., und c) andere Unteroffiziere sowie Sergeanten nach Maßgabe der Dienstzeit im Schutzgebiet 2 bis 3 Mk. Ortszulage täglich. Bewerber von kräftigem Körperbau und mindestens 1,67 Meter groß, welche vor dem 1. Oktober 1882 geboren sind, haben ihr Einstellungsgesuch mit einem dreijährigen durchlaufenden Melde­schein entweder dem 1. Seebataillon in Kiel zum Diensteintritt für das 3. Seebataillon oder dem 2. Seebataillon in Wil­helmshaven zum Diensteintritt für das 3. Seebataillon und die Marinefeldbatterie oder der 3. Matrosenabtheilung in Lehe zum Diensteintritt für die Matrosenartillerie, Abth. Kiautschou (Küstenartillerie), einzureichen.

* Die neuen Lehrpläne für die höheren Schu­len Preußens. Man schreibt: Nachdem die neuen, mit Beginn des bevorstehenden Sommerhalbjahres in Kraft treten­den Lehrpläne der höheren Schulen Preußens soeben amtlich veröffentlicht worden sind, ist ein kurzer Ver­gleich derselben von Interesse. Zu Grunde liegt diesem Ver­gleich die Zahl der Stunden, die wöchentlich in sämmtlichen neun Klassen der Lehranstalten für diè einzelnen Unterrichts- gegenstände ausgeworfen sind. Es sind bestimmt: für den Unterricht in der Religion in Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealichule übereinstimmend 19 Stunden; kür den

Unterricht in Deutsch und Geschichtserzählungen im Gymnasium 26, im Realgymnasium 28, in der Oberrealschule 34 Stunden; für den Unterricht in Latein im Gymnasium 68, im Realgymnasium 49, in der Oberrealschule 0 Stunden; für den Unterricht im Griechischen allein im Gymnasium 36 Stunden; fürjdcn Unterricht im Französischen auf dem Gym­nasium 20, auf dem Realgymnasium 29, auf der Oberrealschule 47 Stunden; für den Unterricht in der Geschichte auf Gymna­sium und Realgymnasium 17, auf der Oberrealschule 18 Stunden; für den Unterricht in der Erdkunde auf dem Gymnasium 9, auf dem Realgymnasium 11, auf der Oberrealschule 14 Stun­den ; für den Unterricht in Rechnen und Mathematik auf dem Gymnasium 34, auf dem Realgymnasium 42, auf der Oberrealschule 47 Stunden; für den Unterricht in den Naturwissenschaften aus dem Gymnasium 18, auf dem Realgymnasium 29, auf der Oberrealschule 36 Stunden; für den Unterricht im Englischen auf dem Gymnasium 8 Stunden (wahlfrei von Untersekunda ab), auf dem Real­gymnasium 18, auf der Oberrealschule 25 Stunden; für den Unterricht im Schreiben auf Gymnasium und Realgym­nasium 4, auf der Oberrealschule 6 Stunden; für den Unter­richt im Zeichnen auf dem Gymnasium 8, auf Realgym­nasium und Oberrealschule 16 Stunden. Der T u r n u n t er- richt wird auf allen drei Anstalten übereinstimmend in 27, der Unterricht im Singen gleichfalls übereinstimmend aus allen drei Anstalten in 4 Stunden ertheilt, mit der Maßgabe, daß die für das Singen beanlagten Schüler von Quarta an aufwärts zur Theilnahme am Chorsingen verpflichtet sind. Für Schüler mit schlechter Handschriftist, ebenfalls übereinstimmend, auf den drei Anstalten in Quarta und Tertia besonderer Schreibunterricht einzurichten. Eine Abweichung vom Lehrplan ist insoweit zulässig, als in den drei obersten Klassen an Stelle des obligatorischen Unterrichts im Französischen der Unterricht im Englischen mit je 3 Stunden treten kann, während das Französische wahlfreier Lehrgegenstand mit je 2 Stunden wird. Ueber den Unterricht im Polnischen enthalten die Lehrpläne keine Bestimmungen.

* Hessischer Städtetag. Der offizielleFestplan" für die am 7. und 8. Juni 1901 in Hanau statisindende XII. Versammlung desHessischen Städtetags" lautet: Donnerstag den 6. Juni 1901, von abends 8 Uhr ab: Freie Vereinigung in den Räumen des Bürgervereins. Konzert. Freitag den 7. Juni 1901, vormittags 9 Uhr: Verhandlung im Saale des Stadtschlosses mit folgender Tagesordnung: 1. Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Oberbürgermeister Müller- Cassel. 2. Geschäftliche Mit­theilungen, insbesondere Erstattung des Kassenberichts durch den Rechnungsführer, Herrn Bürgermeister Schöffer-Geln­hausen. 3. Neuwahl für die nach den Statuten ansscheidenden Vorstandsmitglieder. 4. Rückblick auf die Entwickelung und die bisherigen Verhandlungen des Hessischen Städtetags. Be­richterstatter: Herr Stadtkassenrath B oedicker-Cassel. 5. Errichtung einer Ruhegehaltskasse für Gemeindebeamte, in Ver­bindung mit einer Kasse zur Versorgung der Wittwen und Waisen derselben im Regierungsbezirk Cassel. Berichterstatter: Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda. 6. Das Gesetz betr. die Anstellung und Versorgung der Kommunalbeamten vom 30. Juli 1899. 1. Berichterstatter: Herr Bürgermeister Strauß-Hersfeld. 2. Berichterstatter: Herr Stadtkassenrath B o e d i ck e r - Cassel. 7. Das getrennte Entwässerungssystem in seiner Anwendung für mittlere und kleinere Städte und der gegenwärtige Stand der Abwässerreinigung. Berichterstatter: Herr Regierungsbaumeister S ch m i ck - Frankfurt a. M. Nach Schluß der Verhandlungen: Besichtigung der Sehens­würdigkeiten der Stadt sowie verschiedener industrieller An­lagen. Nachmittags 7 Uhr: Festmahl im Saale zumDeut­schen Haus." Samstag den 8. Juni 1901. (Beginn der Verhandlungen im Saale des Stadtschlosses, vormittags 8 Uhr.) 1. Oeffentliches Badewesen. Berichterstatter: Herr Stadtbaurath Höpfner-Cassel. 2. Wahl des Ortes für die nächste Hauptversammlung des Hessischen Städtetags. Nach Schluß der Verhandlungen: Ausflug mit Wagen in das Freigericht.

* Sommer-Theater. Im Sommer-Theater auf Beck's Felsenkeller gibt es diese Woche eine interessante Vorstellung. Am Freitag Abend tritt der A u s b r e ch e r k ö n i g Alfredi M o u r d i n i auf, eine Berühmtheit auf dem Gebiete der Spezialitäten-Künstler. Von den zahlreichen auswärtigen PreßstimmcN, die über ihn vorliegen, geben wir nachstehend eine Rezension desUlmer 'Volksboten" wieder:Ulm 31. Januar. Der Ausbrecherkönig Mourdini kommt! Ein gefähr­licher Mensch! Und doch thut er Niemanden ein Leid an. Nur einen Fehler hat er: Er kann es nicht über sich bringen, in Fesseln zu bleiben; deshalb schüttelt er auch die ihm an­gelegten Fesseln in der größten Gemüthsruhe ab. Wie er dies thut, sahen wir gelegentlich einer Seporatvorstellung. d'e Mr.

Moucdini gestern Nachmittag auf Veranlassung der Direktion des Apollotheaters für die Vertreter der Presse und der Polizei gab. Ein ordentlicher Schreck befiel uns, als wir die schweren Ketten re. vor uns sahen. Mourdini ließ sich auf alle mög­liche Weise binden und fesseln, an Händen und Füßen, selbst die schwersten Verbrecherketten, wie sie Luccheni trägt, ließ er sich anlegen, aber nach einer knappen Minute lagen sie auch schon am Boden. Die Schlösser waren unversehrt und M. war frei. Daß das Abstreifen der Handketten, wie sie z. B. die Gendarmerie hat, nicht so leicht geht, konnten wir aus den tiefen Striemen und Eindrücken, welche sie an den Gelenken zurückließen, sehen. Jedenfalls beansprucht die Sache allge­meines Interesse." Zahlreiche ähnliche uns vorliegende Berichte geben uns Veranlassung, auf diese Vorstellung besonders empfehlend hinzuweisen.

* Hessischer Bezirksverbaud deutscher Frrseur- und Perrückenmacher - Innungen. Am Montag Mittag tagte in Hersfeld der hessische Bezirksverband deutscher Friseur- und Perrückenmacher-Jnnungen. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes, Herr Obermeister Kittenberg-Cassel, eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßungsansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Nachdem Herr Müller-Cassel das Protokoll der letzten Sitzung verlesen hatte, wurde die Jahres­rechnung vorgetragen. Dieselbe wurde von einer aus 3 Herren bestehenden Kommission geprüft und für richtig befunden, worauf dem Rechnungsführer Entlastung ertheilt wurde. Herr Nesselroth-Cassel theilte sodann die Ergebnisse des Bezirks­nachweis-Bureaus mit, die sehr günstig lauteten. Nachdem man sich noch über die Gehilfenfrage ausgesprochen hatte, wurde zur Wahl des Bezirksvorstandes geschritten, der von jetzt ab nicht mehr aus drei, sondern aus vier Personen bestehen soll. Die seitherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt und als viertes Vorstandsmitglied der jeweilige Vorsteher des Be­zirksnachweis-Bureaus bestimmt. Der Vorsitzende dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versprach, auch ferner- hin für das Wohl des Verbandes zu arbeiten. Von der Wahl eines Delegirten für den Verbandstag in Danzig wurde Abstand genommen, jedoch zur Prämiirung von Lehrlings­arbeiten gelegentlich des Verbandstages 10 Mk. bewilligt, ferner zum gleichen Zweck für die Ausstellungen in Cassel und Marburg 20 Mark. Nachdem noch einige geschäftliche Mit­theilungen gemacht worden, wurde zum letzten Punkt der Tagesordnung geschritten, welcher die Berathung der neuen Statuten über die Alters- und Jnvalidenversorgung der Prinzipale betraf. Der Vorsitzende, Herr Kittenberg, erläuterte dieselben in leicht verständlicher Weise und es wurde beschlossen, den Entwurf dem nächsten Verbandstag vorzulegen. Als Ort für den nächsten Bezirksverbandstag wurde Cassel bestimmt. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und die Sitzung wurde vom Vorsitzenden geschlossen.

* Von der Hitze Der Direktor der Wiener Zentral­anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, Professor Dr. Perntner, äußert sich über die Hitzwelle, die Mitteleuropa in den letzten Wochen heimgesucht, u. A. wie folgt:Ebenso wie im Winter infolge der vorherrschenden Ausstrahlung der Erde intensive Kälte erzeugt wird, werden im Sommer durch die Einstrahlung der Sonne hohe Temperaturen veranlaßt. Wenn nun eine solche Situation im Laufe der Früh­lingsmonate eintritt, so pflegt dies selbst schon im April hohe Temperaturen zur Folge zu haben. Der jähe Wechsel und unvermittelte Uebergang von den kühlen Tagen zur heißen Witterung erzeugt dann den Eindruck, daß wir bereits in die schwülsten Sommertage gerathen seien. Thatsächlich befindet sich augenblicklich die Temperatur 3 bis 4 Grad über der normalen. Für die nächsten Witterungsverhältnisse läßt sich eine zuverlässige Prognose nicht aufstellen; es ist jedoch ganz gut möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß der nächste Einbruch eines Minimums unverhältnißmäßig niedrige Temperaturen zur Folge haben wird und daß wir dann eine Reihe sehr kühler Tage bekommen werden. Die jetzige vorzeitige Sommer­hitze braucht daher durchaus nicht als Beweis zu gelten, daß wir einen sehr heißen Sommer zu gewärtigen haben, denn der nächste Wetterumschlag dürfte wiederum ein tiefes Sinken der Temperatur herbeiführen."

* Zum Mord in Aschaffenburg. Der Mörder heißt mit vollem Namen Andreas Nowicki, geb. 25. November 1880 in Neu-Demanschewo, Provinz Posen; er war zuletzt als Fabrikarbeiter in dem Heddernheimer Kupferwerk vorm. A. Heffer Söhne thätig ; seit dem 29. Mai hat er sich herum­getrieben. Bei der Vernehmung, ebenso bei der Gegenüber- stellung mit der Leiche seines Opfers benahm er sich brutal und zeigte keine Reue. Auf eine Frage, ob ihm die unglück­liche Ermordete nicht leid thäte, erwiderte er:Nein, ich bin Anarchist." Bei der Sektion der Leiche der Ermordeten hat sich ergeben, daß der Mörder seinem Opfer nicht einen, sondern vin Stiche versetzt hat, drei in den Rücken und einen in das