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«Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Lie einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger.

EinrücklUlgsgcbühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- md Landkreis Sanas.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

:lv. 259 Btzlrls-FernlVrechanlchluß Nr. 98.

Dienstag den 5. November

B ezirkS-FernsPrech anschlnß Nr. 98. 1901

eMtagjUMMsaMagcra

Amtliches

Bekanntmachung.

Der Königliche Rentmeister Lotze in Hanau hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Ge­nehmigung seinen Privatgehilfen Ludwig Frischkorn zur Ertheilung von Quittungen über Zahlungen an die Königliche Kreis- und Forstkasse zu Hanau bevollmächtigt.

Cassel den 1. November 1901.

Königliche Regierung,

Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten A.

V 11868 Rudolph.

Stadtkreis Dan au.

Bekanntmachung.

Der am 24. Januar 1853 zu R o t enb urg a./Fulda geborene Schreiner Franz Polykarp Riemenschneider hat sich am 14. März 1900 unter Zurücklassung seiner Familie in hilfsbedürftiger Lage von hier entfernt.

Es wird ersucht, nach p. Riemenschneider zu fahnden und im Betretungsfalle mir Mittheilung zu machen.

Hanau den 2. November 1901.

Königliche Polizei-Direktion.

P 9270 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 12 Jnvalidenmarken, davon 8 â 36 Pfg., 3 â 30 Pfg. und 1 zu 24 Pfg. 1 silbernes Armband. 1 kleiner Mülleimer.

Verloren: Auf dein Wege Niederdorfelden Hanau 2 große und 1 Gebund kleine Schlüssel und 1 Taschenmesser.

Zugeflogen: 2 Kanarienvögel.

Zugelaufen: 1 Schäferhund.

Vom Wasenmeister am 4. d. Mts. eingefangen:

1 schwarzer Bastard mit rothen Abzeichen m. Geschl.

Hanau den 5. November 1901.

Bus Stadt und Cand.

.Harsau, 5. November.

Vom landgräflichrn Hofe. Der von uns am 31. v. M. aus Lütjenburg i. Holst. gemeldete Unfall, von dem angeblich Se. Königl. Hoheit der Landgraf von Hessen betroffen worden sein soll, bestätigt sich glücklicherweise nicht in der ge­gebenen Fassung. Wie von zuverlässiger Seite aus Schloß Panker gemeldet wird, trug sich dort wohl ein leichter Wagen­unfall ^h. bei dem der Kutscher und ein Lakai leichte Haut-

Feuilleton.

Die Schöpfung* von Haydn.

(Orientirende Besprechung für die Konzertbesucher.)

Die Thatsache, daß es der Oratorienverein unternommen hat, in seinem diesjährigen I. Abounememskonzerck Haydns populäres, ewig jugendfnsckesOratoriumDie Schöpfung" dem kunstverständigen Publikum unserer Vaterstadt ^darzubieten, läßt es wohl angebracht erscheinen, daß an dieser Stelle einige erläuternde Darlegungen zur Orientirung der Konzertbesucher über dieses Werk Play finden.

Haydn schrieb dasselbe trotz hohen Alters in jener kindlich­naiven und religiösen Gemülhstiefe, die allen seinen Werken innewohnt. Er selbst erzählt darüber:Erst als ich zur Hälfte in meiner Komposition vorgerückt war, merkte ich, daß sie gerathen wäre; ich war auch nie so fromm als während der Zeit, da ich an derScköpümg" arbeitete, täglich fiel ich auf meine Kniee nieder und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte ^" Sein Werk bedeutete aber auch eine ganz neue selbständige Kunsterscheinung, wenn auch der Einfluß Händels nicht zu verkennen ist. Die Art und Wecke, wie einzelne Chöre (z. B.Vollendet ist das große Werk", am Schluß des 2. Theils) in Fülle und Wirkung aufgebaut sind, entspricht ganz Händelscher Auffassung. Doch übertrifft Haydn durch größere Beweglichkeit und die Kunst, Sologesang mit Chor zu vereinen. Den Text zu seinem Werk, ursprünglich für Händel bestimmt, brachte Haydn von seiner zweiten Reise nach London, wo er Händels" Kunst an der Quelle kennen lernte, mit. Er war von dem Engländer Lidley nach MiltonsVerlorenem Pa­radies" verfaßt; Haydn ließ ihn von seinem Freunde van Swieten in Wien ins Deutsche übersetzen und zur musi­kalischen Verwerthung eiurichten. -

abschürfilngen erlitten, Se. Königl. Hoheit der Landgraf selbst befand sich jedoch nicht in dem betreffenden Wagen.

* Ordensverleihung. Oberleutnant Arnold im Jnf.-Regt. Nr. 166, bisher im 2. ostas. Jnf.-Regt., erhielt den Kronenorden 4. Klasse mit Schwertern.

* Kontrolversammlung. Mittwoch den 6. Novbr., vormittags 9 Uhr, in Langenselbold (Kirchplatz): Langen­selbold mit Bruderdiebacher- und Baumwieserhof, Oberrodenbach und Niederrodenbach; vormittags 11 Uhr: Hüttengesäß, Langen­diebach mit Neuserhof, Neuwiedermuß, Ravolzhausen, Rückingen und Wolfgang. Zu erscheinen haben: Sämmtliche Reservisten (Jahresklassen 18941900), die zur Disposition der Ersatz­behörden entlassenen Mannschaften, sowie diejenigen Wehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1889 eingetreten sind.

* China Fonds des deutschen Flottenvereins. Aus den von dem deutschen Flottenverein aus Anlaß der chinesischen Wirren gesammelten Unterstützungsgeldern von rund 155000 Mk, ist ein besonderer Fonds mit der Bezeichnung China-Fonds des deutschen Flottenvereins" gebildet worden. Dieser Fonds bezweckt, solchen Personen bei nachgewiesener Würdigkeit und Bedürftigkeit Unterstützungen zu gewähren, die wäbrend der chinesischen Wirren in den Jahren 1900 und 1901 als Angehörige der Kaiserlichen Marine in China dienstliche Verwendung gefunden haben und denen die Dienst­zeit während ihrer Theilnahme an der Expedition als Kriegs­zeit in Anrechnung kommt. Auf die Wohlthaten des Fonds haben Anspruch: Offiziere, Sanitätsoffiziere, Beamte, Deck­offiziere und Mannschaften, desgleichen Angehörige und Hinter­bliebene von Chinakämpfern. Somit können mit Unter­stützungen bedacht werden: a) Invalide China-Kämpfer, b) China-Kämpfer, deren Invalidität zwar nicht anerkannt, bei denen aber anzunehmen ist, daß das bestehende, ihre Erwerbs­fähigkeit aufhebende oder einschränkende Leiden mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die bei der China-Expedition erduldeten Strapazen zurückzuführen ist, c) Hinterbliebene von während oder infolge der Expedition gefallenen oder verstorbenen China- Kämpfern, d) Hinterbliebene bezw. Angehörige der zu a und b aufgeführten China-Kämpfern ; ausnahmsweise, falls es die Mittel gestalten, auch Hinterbliebenen von verwundet gewesenen China-Kämpfern, e) China-Kämpfer, die in ihrer Erwerbs­fähigkeit beschränkt oder die in eine wirthschaftliche Nothlage gerathen sind, auf die Dauer dieses Zustandes, f) ausnahms­weise falls es die Mittel des Fonds gestatten China- Kämpfern, welche der Kaiserlichen Marine noch aktiv angehören, zur Kräftigung ihrer Gesundheit. Die Unterstützungsgesuche sind an das Präsidium des deutschen Flottenvereins in Berlin zu richten. Bestimmte Fristen zur Einreichung der Gesuche besteben n:$t. Einstweilen sind 9000 Mk. jährlich für Unter-

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In derLidley'ichen" Dichtung wird die Schöpfungs­geschichte durch drei Engel, Gabriel, Uriel und Raphael, er­zählt. In einer Reihe von Bildern ziehen die sechs Tagewerke vorüber, bald nur kurz skizzirend, bald ausführlich beschreibend oder an die Schilderungen wie Betrachtungen und Dankes­worte gegen den Schöpfer knüpfend. Charakteristisch und über­aus logisch ist im 1. und 2. Theile des Werkes der Abschluß eines jeden Tagewerkes durch Chöre der himmlischen Heerschaaren. Außerdem enthält der 2. Theil eine Steigerung des Schöpfungs­werkes, das in der Erschaffung des Mannes und seiner Gattin mit der bekannten ArieMit Würd' und Hoheit angethan", 2c. seinen Höhepunkt erreicht und nicht allein durch die treffliche Musik, sondern auch durch seine edle, poetische Sprache alle Phasen des Gemüths packt. Der dritte Theil bildet einen Anhang; er zeigt uns, wie Adam und Eva, das beglückte Paar, im Paradiese vor dem Sündenfalle lustwandeln.

Wenn auch die DichtungLidleys" manchen Tadel erfahren haben mag, so war sie doch für Haydn wie geschaffen ; konnte er doch, auf dieselbe gestützt, seiner sprudelnden musikalischen Phantasie freien Lauf lassen. Die Tonmalerei, die er hier geübt, war für den nachfolgenden Stil der dramatischen und sratorischen Kompositionen von hohem Einfluß.

Es sei nun in Folgendem versucht, die Konzertbesucher auf die Schönheiten und musikalischen Eigenthümlichkeiten in dem Meisterwerke aufmerksam zu machen.

Haydns Meisterschaft ist vor Allem in der Instrumental- komposition zu suchen. Davon zeugt die Einleitung des 1. Theils; sie ist der tiefsinnigste und genialste Zug des ganzen Tongemäldes. Sie enthält die Vorstellung des Chaos; zwei Motive durchziehen diesen Theil des Werkes; das eine düster wirkend, die Geister in Unordnung und Untätigkeit gebannt charakterisirend, das andere freudig jauchzend, da auf Gottes Geheiß die Lebensgeister geweckt wurden.

An diese überaus wirkungsvolle Einleitung reiht sich nun die Schöpfungsgeschichte. Die drei Engel lösen einander in der Erzählung ab; zuweilen ergänzen die Chöre dieselbe.

stützungen vorgesehen. Im Bedarfsfalls kann auch im ersten Jahre schon eine höhere Summe, bis zu 12000 Mark ver­wendet werden. Alle Zuwendungen werden für die Dauer eines Jahres bewilligt und werden im Allgemeinen in zwei gleich hohen Theilbeträgen ausgehändigt, können aber nach Befinden der auszahlenden Orts-Ausschüsse von diesen auch in anderen Raten oder auf einmal gezahlt werden. Die jähr­liche Zuwendung an einen China-Kämpfer, bezw. an dessen Angehörige oder Hinterbliebene darf höchstens 500 Mark be­tragen. Die Zuwendungen sollen jedoch derart bemessen werden, daß sie nicht ein Almosen darstellen, sondern als wirkliche Unterstützung empfunden werden. Die Geschäftsstelle des deutschen Flotten-Vereins in Cassel ist zu weiterer Aus- kunftsertheilung gern bereit.

* Obsibaumwärter. Der Landwirth Heinr. Mohn in Langenselbold ist nach Absolvirung dreier Kurse am Pomo-. logischen Institut zu Cassel als Obstbaumwärter ausgebildet worden. Da noch Mittel zur Ausbildung weiterer Obstbaum­wärter zur Verfügung stehen, können sich geeignete Personen, die gewillt sind, im Jahre 1902 drei Kurse am Pomologischen Institut zu Cassel durchzumachen, bei dem Bürgermeisteramts ihres Ortes melden.

* OraLorèenvereiu. Wie bekannt, wird der Ora­torienverein Dienstag den 12. November Haydn's populäres, ewig jugendfrisches OratoriumDie Schöpfung" zum Vortrag bringen. Wie uns mitgetheilt wird, hat es der Verein weder an Mühe noch Kosten fehlen lassen, um die Aufführung zu einer gelungenen zu gestalten. Wir empfehlen deshalb den Besuch dieses Konzertes auf das Angelegentlichste. Zum besseren Verständniß des Werkes finden die Konzertbesucher einige Dar­legungen im heutigenFeuilleton".

* Gaslichtftäâ. Gaslichtstärke in der Zeit vom 16.

bis 31. Oktober 1901:

Deutsche Vereinskerze.

Hefner Licht.

16.

Oktober

Abends

610

Uhr

21,0

25,20

17.

n

if

620

tt

20,4

24,48

18.

II

tt

6

if

20,5

24,60

19.

if

if

620

tt

20,3

24,36

21.

tt

if

820

11

20,8

24,96

22.

if

if

545

11

21,2

20,9

25,44

23.

II

1/

630

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24.

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6

11

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20,7

24,84

26.

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11

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25,08

28.

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20,6

24,72

29.

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6

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24,96

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31.

II

if

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21,o

25,20

Mithin durchschnittlich

20,8 '

24,92

Raphael beginnt, doch bald gibt er das Wort an den Chor ab, der mit der berühmten StelleUnd es ward Licht" ein­setzt. Ein Vorbild für diese Stelle ist in HändelsSamson" zu finden. Mag nun hier wirklich eine Nachahmung derselben stattgefunden haben oder nicht; Thatsache ist, daß bei Annahme des ersteren Falles die Kopie das Original übertrifft. Die packende Wirkung gerade dieser Takle beruht ferner nicht zum Mindesten auf der Benutzung von großen Gegensätzen; eben noch malt der flüsternde a eapöUu-Chor das Schweben des Geistes Gottes (C-moll), gleich darauf erhebt sich die gewaltige Tonfluth aller Instrumente (C-dur) bei der StelleEs werde Licht!"

Nun folgt Rezitativ- und Arienstoff, dem der Chor den Hintergrund abgibt ; wieder zeigen sich Gegensätze in Dichtung und Komposition. Wie treffend ist das Entfliehen der Höllen- geister gemalt, und wie lieblich hebt sich demgegenüber die einfache, jedes Gemüth erhebende Stelle abUnd eine neue Welt."

Das ganzeWerk enthält überhaupt eineMenge solcher einfachen, kindlich naiven und dadurch populär gewordenen Themen. Gleich die nächste Szene, welche den zweiten Schöpfungstag schildert, schließt wieder mit einer solch einfachen, mehr einer Rund­gesangsstrophe ähnelnden Melodie ab. (Des Schöpfers Lobrc.; das Lob des zweiten Tages rc.)

Bei der Schilderung des 3. Tages sei besonders auf die entzückende Arie des Gabriel aufmerksam gemacht:Nun beut die Flur das frische Grün". Den Abschluß des 3. Tages bildet dann der Chor:Stimmt an die Saiten", der an der Stelledenn er hat Himmel und Erde bekleidet in herrlicher Pracht", fast als reine Fuge auftritt und mit einem vollständig Händel'schen Schluß" endet. Das nachfolgende Recitativ be­schreibt das Entstehen der Gestirne am vierten Tage. Trefflich charakterisirt ist das Aufgehen der Sonne und das Erscheinen des Mondes.

Nun folgt der bekannte ChorDie Himmel erzählen die Ehre Gottes", der mit zu den schönsten im Werke zählt und