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Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
ANllichts Organ für Stadt- nnd Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Vit» 258 Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Montag den 4. November
Bezirks-Fernshrechanschlnß Nr. 98. 1901
Amtliches.
Stadtkreis Dan au.
BekamrtmaAinqeN des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Nach dem Beschlusse des Landes-Ausschusses vom 26. September^ d. Js. soll von der Erhebung einer Viehseuchen-Abgabe für Pferde, Fohlen, Esel rc. auch für 1902 abgesehen, dagegen eine doppelte Abgabe für Rindvieh — 10 Pfg. für jedes Stück — erhoben werden. Die Abgabe wird erhoben nach dem Bestände vom 2. November d. Js., welcher gegenwärtig ausgenommen wird.
Das Verzeichniß über den Viebbestand ist zur Einsicht der Betheiligten vom 6. bis einschl. 19. November d. Js. auf dem Rathhans, Zimmer 18, ausgelegt; Anträge auf Berichtigung sind, bis zum 20. November d. Js. bei der unterzeichneten Behörde, etwaige Reklamationen gegen deren Entscheidungen bis einschließlich 29. November d. Js. bei dem Königlichen Negierungs-Präsidenten zu Cassel anzubringen.
Hanau den 2. November 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 18422
Bekanntmachung.
Zum Ausbau eines Kuszwe^es am Grünen Weg vor den Gebäuden der gemeinnützigen Baugesellschaft sind 140 cbm Anffüllboden erforderlich, deren Lieferung öffentlich verdungen werden soll.
Verdingungsunterlagen sind auf dem Stadtbanamt, Abth. II, werktäglich in den Vormittagsstunden von 10—121/» Uhr einzusehen. Ebendaselbst sind auch Angebotsscheine erhältlich.
Die Angebote sind bis Montag den 1L November d. Js., vormittags 11 Uhr, verschlossen und versiegelt mit der Aufschrift „Bodenlicfèrung Grüner Weg" versehen, auf genanntem Amt abzngeben, woselbst um diese Stunde die Eröffnung derselben im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt. Hanau den 1. November 1901.
____Stadtbauamt.___18419
Bekanntmachung.
Am Montag den 1L November d. Js., nachmittags SVa Uhr, sollen im hiesigen Gerichtslokal ca. 30 Cenlner unbrauchbare, zum Einstampfen bestimmte Akten öffentlich meistbietend gegen gleich baare Bezahlung versteigert werden.
Langenselbold den 22. Oktober 1901.
Königliches Amtsgericht. 18424
Feuilleton.
Stadt-Theater in Hauan.
(„Die Jugendfreunde" von Ludwig Fulda.— „Ueber unsere Kraft" von Björnson.)
Hanan, 4. Novbr.
Mit zwei aufeinanderfolgenden Novitäten erfreute die Stadttheater-Direktion das theaterbesuchende Publikum. Am Freitag wurde Ludwig Fulda's vierakliges Lustspiel „D ie Jugendfreunde" gegeben, das mit seiner harmlosen und doch erfrischenden Handlung einen vollen Erfolg erzielte. Die Darstellung war eine in jeder Weise vorzügliche. An erster Stelle ist der geschätzte Gast, der kgl. Hofschauspieler Herr Radius aus Wiesbaden, zu nennen, der uns mit seinem „Dr. Martens" eine prächtige Leistung vor Augen führte. Auch der Maler Hagedorn des Herrn Möbius konnte befriedigen. Die Damenrollen waren.sâmmtlich gut besetzt. Vor allem verstand es Frl. Hannewald, die Parthie der Amelie Siebert ebenso interessant wie anziehend zu gestalten, eine Leistung, die der jungen Künstlerin alle Ehre machte. Die übrigen Damenrollen, in denen Frl. Gypen, Frl. Haas und Frl. Leoni beschäftigt waren, befii d'gten ebenfalls.
Der gestrige Abend brachte uns nun die Erstaufführung des ersten Theils von Björnion's Schauspiel „Ueber unsere Kraft", ein Werk, das unmittelbar zu fesseln weiß und tief erschüttern muß. Mit Gewalt zwingt der Dichter den Zuschauer in seine Gedanken ganz hinein, er zwingt ihn aber auch, das Widerstreitende der angeregten Fragen selbst abzuwägen, ohne einen geistigen Ruhepunkt in der spannenden und aufregenden Handlung zu gewähren. Der erste Akt führt uns an ein Krankenbett. Die Frau des Pastors Adolf Sang liegt schwer krank, scheinbar gelähmt, darnieder, umgeben von ihrer aus Amerika herbeigeeilten Schwester. Durch die Unterhaltung
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 schwarzes kleines Handtäschchen mit einem Metermaß.
Verloren: 1 braune wollene Kuhdecke, gez. H. W. 1 Reisedecke auf dem Wege Marköbel-Hanau. 1 braunledernes Portemonnaie mit 24—25 M.; Wiederbringer gute Belohnung. 1 Portemonnaie mit 20 Mk. auf dem Wege Hanau—Klein- Steinheim.
Zugelaufen: 1 junger schwarzer Foxterrier m. Geschl.
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit einem schwarzen Fleck auf dem Rücken und schwarzem Kopf m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 2. d. Mts. ein gefangen:
1 rehbrauner Zwergspitz w. Geschl.
Hanau best 4. November 1901.
Hue Stadt und Cand.
Hanan, 4. November.
* Kontrolversammlnngen. Dienstag den 5. November, vormittags 9 Uhr, in Hanau (Paradeplatz): Stadt Hanau, Reservisten der Jahresklassen 1898 bis 1900, sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften; außerdem Reservisten aller Jahresklassen (1894 bis 1900) und die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften, sowie diejenigen Wehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1889 eingetreten sind, der Gemeinden bezw Gutsbezirke Kesselstadt mit Philippsruhe, Wilhelmsbad, Wilhelmsbaderhof und Neuhof; aus allen übrigen Ortschaften unb Gutsbezirken haben zu erscheinen: Sämmtliche Reservisten (Jahresklassen 1894—1900), die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften, sowie diejenigen Wehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1889 eingetreten sind und zwar: Dienstag den 5. November, nachmittags 3 Uhr, in Groß-Auheim (Schulhof): Groß-Auheim, Groß-Krotzenburg und Pulverfabrik.
* MifstonsfiUttde. Heute Abend um 8 Uhr findet Missionsstunde in der Kapelle des Althanauer Hospitals statt.
* Diensteinkommen. Um hervorgetretene Ungleichheiten zu beseitigen, haben der Finanzminister und der Minister des Innern gemeinsam bestimmt, daß alle den einzelnen Beamten neben der Besoldung gewährten Dienst-, Stellen-, Orts- oder Theuerungszulagen allgemein als „Diensteinkommen" im Sinne des § 27 des Zivil-Pensions-Gesetzes vom 27. März 1872 anzusehen bezw. anzurechnen sind.
* Die neue Ordnung der Reifeprüfungen an den höheren Schulen ist, wie die „Kreuzzlg." erfährt, vom Unterrichtsminister nunmehr vollzogen worden. Sie wird demächst im Verlage der Buchhandlung des Waisenhauses
der beiden Frauen erfahren wir eine Leidens- und Wundergeschichte, wobei der Dichter in eigenartig zu nennender Form, kunstvoll aufgebaut, auf das Erscheinen des Pastors Sang vorzubereiten versteht. Dieser Pastor Sang, der in einer einsamen Küstengemeinde im Lande der Mitternachtssonne sein Amt ausführt, ist ein Mann mit dem reinsten und stärksten christlichen Glauben, der sich hierin stark genug fühlt, allen göttlichen Vorschriften in Bezug auf Wohlthätigkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe nachzukommen. Sein großes Vermögen hat er dahingegeben, ohne Ansehen der Person, dem Guten wie dem Schlechten. Was von ihm ailsgeht, ist Segen, ist Hilfe dem Bedrängten, Rettung dem Verlorenen. Die Kraft seines Gebetes thut Wunder, Kranke werden geheilt, ja anscheinend Todte zum Leben erweckt. In der ganzen Gegend glaubt man fest an die Stärke der Wunderkraft, die im Gebete ruht, wie er selbst von biefent Glauben durchdrungen ist. Doch daheim hat sein Berge versetzender Glauben sich bisher machtlos erwiesen, denn seine Gattin Klara, die sich trotz ihrer Bemühungen zu der reinen Höhe seines Glaubens nicht auf- schwingen kann, ist unter der ständigen Sorge um sein Leben, das der Kinder und das tägliche Brod schließlich zusammengebrochen und liegt ohne Schlaf und ohne Hoffnung auf Genesung schon lange auf dem Krankenbette, ihr kann Sang nicht helfen, da sie seinen Glauben nicht so theilt, nicht so wie es nöthig ist mit ihm leben kann. Um ihr nun doch Heilung zu verschaffen, hat er die beiden erwachsenen Kinder heimberufen, damit sie mit ihm eine Gebetskette um die Mutter bilden und so das Wunder bewirkt werde. Doch die zurückgekehrten Kinder, Sohn und Tockter, haben in dem Getriebe derStadt sich nicht mehrdenGlauben ihres Vaters erhalten. Erschüttert vernimmt Sang dieses Bekenntniß, doch vermag auch dieses nicht sein Selbstvertrauen zu erschüttern, er geht allein zur Kirche und nimmt sich vor, nicht eher aus ihr herauszukommen, bis er aus Gottes Händen Schlaf und Genesung für die Gattin empfangen hat. Und als die Glocke läutet, vollzieht sich der erste Theil des Wunders, die Kranke
der Fränkischen Stiftungen in Halle als besondere Druckschrift erscheinen.
* Nach den endgiltigen Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1900, die vom „Reichs- anzeiger" soeben veröffentlicht werden, zählt das Königreich Preußen 34 472 509 Einwohner, davon 16 971425 männliche einschließlich 361232 aktiver Militärpersonen und 17 501084 weibliche. Auf die Provinz Hessen-Nassau entfallen 1897 981 Einwohner, wovon 923 959 männliche einschließlich 15 593 aktiver Militärpersonen und 974 322 weibliche sind, während der Regierungsbezirk «affet insgesammt 890142 Einwohner zählt und zwar einschließlich 9333 aktiven Militärpersonen 430354 männliche und 459 788 weibliche. Nach den Religionsbekenntnissen eingetheilt befinden sich in Preußen 21817577 . Evangelische, 12113670 Katholische, 139127 andere Christen und 392 322 Juden, in der Provinz Hessen-Nassau 1308016 Evangelische, 530 541 Katholiken, 10 611 andere Christen und 48105 Juden, im Regierungsbezirk Cassel 723 277 Evangelische, 145 488 Katholische, 3 736 andere Christen und 17483 Juden. Angehörige anderer Religionen und Personen, deren Religionsbekenntniß unbekannt ist, sind in Preußen 9813, in Hessen- Nassau 708 und davon im Regierungsbezirk Cassel 158.
* Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung. Man schreibt uns: Noch in diesem Monat finden die Ergänzungswahlen für unsere Stadtverordnetenversammlung statt. Für die 1. und 2. Klasse ist dieser Aktus ziemlich bedeutungslos, da die vorgeschlagenen Kandidaten in der Regel ohne Gegenkandidaten gewählt werden. Nicht so ist es in der 3. Klasse, in der die Mandate von 2 Parteien, den vereinigten bürgerlichen und den Sozialdemokraten, heftig umstritten werden. Für die bürgerlichen Wähler der 3. Klasse sind die Chancen durch die von den städtischen Körperschaften beschlossene Zwölfteleintheilung insofern ungünstiger geworden, als dadurch ein großer Theil der Bürger, die früher in der 3. Klasse gewählt haben, jetzt in der 2. Klasse wählen, während die Sozialdemokraten nichts unterlassen haben, was die Zahl ihrer Wähler vermehren konnte. Es muß deshalb an alle unsere Bürger die dringende Mahnung gerichtet werden, von ihrem Wahlrechte Gebrauch zu machen und den Kandidaten der vereinigten Bürgerparleien zum Siege zu verhelfen.
* Reichsbank. In Jena wird am 8. b. M. eine Reichsbanknebenstelle eröffnet.
* JagdkalenÄer. Im Monat November ist mit Ausnahme. der Nehkälber alles Wild jagdbar. Für weibliches Rehwild tritt mit dem 15. Dezember wieder Schonzeit ein.
* Eis. Der Winter kommt gegangen und zwar hat er iu diesen Nächten erstmalig leise angeklopft. Vorgestern, gestern und heute Nacht konnten nämlich die ersten Eisbildungen im
verfällt in den lange vermißten Schlaf und selbst der furchtbare Donner eines Bergsturzes, der wie ein zweites, an Pastor Sang selbst vollzogenes Wunder an der Kirche hart vorbeibiegt, vermag sie nicht zu wecken. So betet Pastor Sang zwei Tage lang. Am Abend des zweiten Tages fühlt er, daß sein Gebet erhört, mit einem Hallelujah bricht er ab und kommt, begleitet von der sich angesammelten Gläubigenmenge, in sein Haus. Dort tritt ihm seine Gattin entgegen, die sich im Nachtgewand von dem Krankenbette erhoben hat, und sinkt ihm in die Arme. Doch es war nicht Genesung, sondern das Aufraffen der letzten Lebenskräfte und ihr Zu- sammcnbrechen der erlösende Tod. Von der furchtbaren Enttäuschung übermannt, sinkt Pastor Adolf Sang, vom Herzschlag getroffen, ebenfalls todt an der Leiche der Gattin nieder und das letzte Wort des sterbenden glaubensstarken Mannes war ein „oder?", ein Wort des Zweifels. Die Aufnahme eines solchen Theaterstückes wird stets eine getheilte sein, doch ist in demselben Alles dazu angethan, um eine tiefe Antheilnahme zu begründen, wie es auch gestern bei der hiesigen Aufführung vor ausverkauftem Hause der Fall war; namentlich wenn die Hauptrollen, wie hier, in vorzüglichen Händen ruhen. Der Johannesnatur des Wunderpastors mit seinem offenen Wesen und der kindlich-reinen Glaubenszuversicht wurde der Gast des Abends Herr Hofschauspieler Rodius, voll und ganz gerecht, er konnte auf wohlseile Mittel, um Effekt zu erzielen, verzichten. Eine schwierige Rolle war auch Frl. B r a n d o w als Frau Klara, der Gattin des Pastors Sang, zu theil geworden. Von ergreifender Wirkung war die Schilderung ihres Lebens an der Seite des Gatten, an dem sie mit inniger, alles besiegender Liebe hängt, dem sie Bewunderung entgegen bringt, wobei das körperliche und seelische Leiden zurücktreten muß. Wir sahen eine Leistung, die die schon ost gerühmten darstellerischen Vorzüge der Künstlerin in ein neues Licht stellte, ihren Erfolgen ein weiteres Lorbeerreis anfügte. Die Kinder fanden in Frl. Hannewald und Herrn Rink el angemessene Vertretung. Namentlich die Szene, in der der