4. Mai.
Hanauer Anzeiger
Sett 15
den Erlaß eines besonderen Honiggesetzes sprechen. — Abg. Wurm bestreitet entschieden, daß seine Freunde die Verfälschungen in Schutz nehmen. Beim Margarine- uud Wein- gesetz hätten sie das Gegentheil bewiesen. In Dresden habe der Milchring den Fettgehalt der Milch herabgesetzt, von der Verfälschung der Milch walle er gar nicht reden. — Abg. Ledebur (soz.): Es gibt kein Mittel, die Verfälschung von Honig schnell zu erkennen. Die »orgeschlagenen Mittel sind selbst gesundheitsschädlich. Wir werden stets gegen Lebensmittelverfälschung sein. — Abg. Schrempf: Wenn der Fettgehalt der Milch vermindert wird, so ist das kein
Attentat auf die Konsumenten. Ich freue mich, daß auch die Sozialdemokraten von nun an gegen die Lebensmittelverfälschung Stellung nehmen werden. — Abg. Gaebel (Antis.) tritt für die Interessen der Bienenzüchter ein und bittet, den Antrag Semler auf Ueberweisung zur Berücksichtigung anzunehmen. — Präsident Graf B alle st r e m macht darauf aufmerksam, daß Herr Gaebel als
Referent für den Antrag der Kommission, als Abgeordneter für den Antrag Semler eingetreten sei. (Heiterkeit.) — Abg. Dr. R ö s i ck e - Kaiserslautern (B. d. Landw.) spricht über den Fettgehalt der Milch, der nicht immer das Zeichen für deren Güte sei. Es komme dabei auch auf die Rasse und Konstitution des Viehes an. Nach einigen Bemerkungen des Abg. Wurm schließt die Erörterung. — Der Antrag Dr. Semler wird angenommen. Nach Erledigung noch einer Petition wegen Gewährung von Ruhegehalt tritt Vertagung ein. — Präsident Graf Balle st rem theilt mit, daß drei
Interpellationen eingegangen sind: 1. des Abg. Herold (Ztr.) betreffend Vormusterung von Pferden während der Saatzeit. 2. des Abg. Singer (soz.) betr. Außerachtlassung der Vorschriften ffür den Betrieb chemischer Fabriken bei der Fabrik in Griesheim. 3. des Abg. Freiherrn von Hoden- b e r g (Welfe) betr. die Befreiung der in Südafrika in englischer Gefangenschaft befindlichen deutschen Missionäre. Die Interpellationen sollen in der nächsten Woche verhandelt werden. — Nächste Sitzung: Samstag, 1 Uhr: Dritte Lesungen der Gesetzentwürfe betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und Unfallfürsorge für Beamte und Militärperssnen. Petitionen. Schluß nach halb 6 Uhr.
Hus aller «leit.
Schwere Gewitter am Oberrhein haben vorgestern mehrfach Unglücksfälle im Gefolge gehabt. Oberhalb Remagen wurde auf freiem Felde ein Wanderer vom Blitzstrahl getroffen und rechtsseitig gelähmt. Unweit Andernach in der Nähe von Nickensch wurde ein Geschwisterpaar, das mittelst Wagen nach der Stadt fuhr, vom Gewitter überrascht und durch zwei kurz aufeinanderfolgende Blitzschläge getroffen, Beide starben sofort.
Eine Explosion fand gestern Abend in Köln in dem Geschäft für Jagdausrüstungen von Clever an der Burgmauer, in nächster Nähe des Doms, durch im Keller lagernde Patronen statt. Ein Büchsenmacher wurde lebensgefährlich verletzt. Zwei Lehrjungen erlitten Brandwunden.
Fünf Ochsen sind zwischen den Stationen Groß-Behnitz und Rathenow (Strecke Berlin—Stendal) während der Fahrt aus dem Wagen gesprungen; zwei davon wurden vom Zuge überfahren und getöotet, die drei anderen Thiere werden noch vermißt. Die Thiere wurden in einem unbedeckten Güterwagen transportirt.
Durch einen Revolverschuß hat sich gestern in einem Hotel in Karlsruhe ein angeblich aus Luckow stammender Arzt tödtlich verwundet.
Zu drei Jahren Gefängniß wurde vom Kriegsgericht in Kiel der Matrosenartillerist Krüger verurtheilt, weil er seinem Vorgesetzten, dem Unteroffizier Dingelstadt, einen .Faustschlag ins Gesicht gegeben.
Ein blutiges Ehedrama hat sich in dem Dorfe Weißapt bei Vetschau abgespielt. Der Arbeiter Krüger hat seine Frau, mit der er noch nicht ein Jahr verheirathet war, durch zwei Revolverschüsse getödtet und sich selbst dann zwei allerdings nur leichte Schußverletzungen beigebracht. Der Mörder behauptet, er habe im Einverständniß mit seiner Frau gehandelt; die bis jetzt ermittelten näheren Umstände lassen aber darauf schließen, daß er seine Frau aus dem Wege räumen wollte und sich selbst nur verwundet habe, um den Anschein des beiderseitigen Einverständnisses zu erwecken.
Der Blitz schlug während eines gestern Nachmittag über Wien und Umgegend niedergegangenen Gewitters in Florisdorf in ein Haus ein und verwundete eine aus sechs Personen bestehende Familie auf das Schwerste.
Seine Veruntreuungen nach Jahren wieder gutgemacht hat ein Defraudant, der seinen Chef, den Inhaber eines Herrengarderobengeschäfts in Berlin, um etwa 10000 Mk. geschädigt hatte. Dort genoß ein Reisender namens B. das volle Vertrauen seines Chefs, von dem er mit den Inkassi bei der auswärtigen Kundschaft betraut worden war. Die Spielleidenschaft brachte B. auf Abwege. Als seine Unterschlagungen entdeckt wurden, flüchtete B. nach Amerika. Sein Chef unterließ mit Rücksicht auf B.'s hochbetagte Mutter eine Strafanzeige. Vorgestern stellte sich B. seinem Chef in seiner Wohnung wieder vor und erstattete ihm die veruntreute Summe auf Heller und Pfg. mit Zinsen zurück. B. hatte in Amerika als Kellner ein neues Leben begonnen und dort vor Kurzem die vermögende Wittwe eines Hotelbesitzers geheirathet, bei dem er lange in Stellung war. Die Hochzeitsreise führte die Neuvermählten nach Berlin, wo der Gatte im Einverständniß mit seiner Frau die „alte Schuld" sofort beglich.
Der Bogelmord in Italien. Obgleich auch in Italien eine starke Propaganda gegen die Jagd auf Singvögel besteht, ist einstweilen noch keine Abnahme des Jagdfiebers zu spüren. Die Zeitungen berichten Ende April im Gegentheil mit der alten Naivetät über den „Beginn der Jagdsaison". So heißt es im Carriere die Napoli:
„Wiederum hat die langersehnte Saison begonnen. Die ersten Wachteln sind in Stifida erschienen. Wenn also das Wetter schön bleibt, können wir eine reiche Beute voraussehen, und unsere Voraussicht und Hoffnung ist um so mehr berechtigt, als die französische Regierung die Jagd mit Netzen an den Küsten von Algier und Tunis dieses Jahr verboten hat."
Der Römische Messaggero schreibt noch anders:
„Längs der tyrrhenischen Küste sind schon zahlreiche Wachtelschwärme eingetroffen, wie sie in gleich großer Zahl in den letzten Jahren nicht beobachtet wurden. Diese Invasion des geflügelten leckeren Bratens hat unsere weitverzweigte Jägerschaar ganz außer Rand und Band gebracht. Das Gewehrfeuer wird in aller Frühe eröffnet und dauert bis gegen zehn Uhr, wo die Jäger allmählch vom Schießen und Tödten müde geworden sind. Weniger start ist das Schießen nach Mittag, doch fallen die armen Wachteln noch zu Hunderten. Glücklich sind die wenigen Thiere, die dem Gewehr entfliehen und sich im Kornfeld verbergen können, wo sie freilich nur bis zum August geschützt sind, denn dann beginnt erst die Hauptschlacht. Es ist wirklich ein unerbittlicher Krieg, der in diesen Tagen gegen die Wachteln geführt wird. Die armen Thiere verlassen bei Sonnenuntergang die afrikanische Küste, bei gutem Wetter vollenden sie ihre Reise in wenigen Stunden, da sie sehr schnell fliegen und durchschnittlich 150 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Freilich gelangen nicht alle ans Ziel; von Müdigkeit übermannt, fallen sie inS Meer, wenn sie nicht das Glück haben, auf irgend einer Insel ausruhen zu können. Die Glücklichen aber, die unseren Strand erreichen, fallen meist dem Blei zum Opfer; denn in dieser Jahreszeit bilden gebratene Wachteln mit jungen Erbsen eins der leckersten Gerichte, und so sehr ich ihr trauriges Loos beklage so lache ich doch grausam und gefräßig, wenn ich sie in Reih' und Glied auf einer Schüssel Risoito ausgebreitet liegen sehe."
Es ist ein rechter Gemüthsmensch, der Verfasser dieser Artikels in dem genannten Römischen Blatte. . . .
Folge des Rückfalls. Patientin: „Aber Herr Doktor, Sie sagen mir immer, ich soll mich immer vor allen heftigen Gemüthsbewegungen hüten und dann schicken Sie mir eine solche Rechnung!"
Frech. Madame: „Wie, Helene, sogar eine Flasche Bier geben Sie Ihrem Bräutigam zum Abendbrod ?" — Köchin: „Na, Madame, haben wir hier denn etwa Trockenfütterung?"
Pateut-Ertheilungen.
Nr. 121372. Metall-Bandsäge; Zus. z. Pat. 111371. — W. Hartmann in Fulda, vom 11. Juli 1900 ab. Kl. 49b.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen
Regierung zu Cassel.
Oberrodenbach. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung von Oberrodenbach belegenen, im Grundbuche von Oberrodenbach zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Maurers Andreas Zeller (Georg's Sohn) zu Oberrodenbach eingetragenen Grundstücke, am 22. Juni 1901, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Hanau Abth. II — Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Gebrauchs-Muster.
Nr. 151 012. Von dem Brennrohr geführtes Rohr mit angesetzten Flügeln zur Aufnahme des Zylinders und der Glocke für Glühstrumpfbrenner. A. W o l s j r. & C o. in Frankfurt a. M., vom 13. März 1901 ab. — W. 11 053. Kl. 4a.
Nr. 150 999. Waschapparat für Filtermasse, mit Schleuderrad. Otto Fromme in Frankfurt a. M., Mainzer Landstraße 187—189, vom 11. März 1901 ab. — F. 7449. Kl. 12d.
Ichiffsberichi.
Der Hamburger Dampfer „Christiania" ist am 30. April wohlbehalten in New-Dork eingetroffen.
Hamburg, 30. April. Der Dampfer „Armenia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in Philadelphia eingetroffen.
Bremen, 29. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „König Albert" ist gestern in Colombo und der Dampfer „Königin Luise" vorgestern in New-Dark eingetroffen.
New-Aork, 29. April. Der Dampfer „Potsdam" von der Niederländisch - Amerikanischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft ist gestern hier eingetroffen.
Randel, Gewerbe und Verhebr.
Frankfurt a. M., 3. Mai. sAbendbörse.) Creditaktien 216.20 b. Diskonto-Commandit 191.65 b. Deutsche Bank 205.— b. Slaatsbahn 148.50 b. Lombarden 24.1® b. Anatolische 87.20 b. Gotthard 161.25 b. Nordost 113 75 b. Jura-Simplon 100.35 b. Rordd. Lloyd 118 30 b. Harpener 181.25 b. Concordia 285— b. Westerregeln 223.50 b. Siemens u. Halske 161.— b. Sürther 62.50 b. Westerregeln 222.50 b. Waldhof 245 b. Helios 71 b. Bad. Zucker 81.40 b. Mexikaner 27 b. do 5%ige 43.90—44 b. Portugiesen 26 b. Türken 25 b. do. Loose 115.29 b.
Die Abendbörse hatte ein ruhiges Gepräge. Für fremde Fonds zeigte sich weiter rege Nachfrage. Die übrigen Gebiete waren kaum verändert.
Berlin, 3. Mai. Produktenmarkt. Weizen per Mat 174.75, per Juli 173.—, per September 169.75.
Roggen per Mai 146.—, per Juli 145.25, per September 146.—. H afer per Mai 143.— per Juli 139.75.
Mais amerik. Mixed loco, per Mai 115.50, per Juli 113.—.
Rüböl per Mai 58.20, per Oktober 52.20.
Spiritus, 70er loco 44.40, 50er 52.40.
Amsterdam, 1. Mai. Weizen per Mai —.—, per November —.—.. Roggen per Mai 130.—, per Oktober —.—. Leinöl loco 33s/s, per Juni 327/s, per Juni-August 31?/»,;September-Dezember 29'/«. Banca-Zinn loco 711/». Billiton loco 71'/«.
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