Birrtetjährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg.. für au«. Bärtige Äboiintnlkn mit dem betreffenden Postaufschlag. Bie einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Einrücknngsgebühr :
Für Stadt- pnd Landkreis Hanau 10 Pfg Me fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg* im Rrkiamentheil die Zeile 25 Pfg,, für Auswärts 85 Pfg.
^Amlt und »erlegt in der Buchdruckerri bei verein. «.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Aanaa.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mÜ belletristischer Beilage
Derantwortl. Redakteure G. Schrecker in Hanau.
Nr. 2.
Donncrstag den 3. Januar
1901
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
B.ka«ntmachuugcu des Oberbürgermeisteramtes.
Jedem Militärpflichtigen, welchem über seine Dienstpflicht eine endgiltige Entscheidung der Ersatz-Bekörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis znm L Februar d. I. bei dem hiesigen stâdtis hm Meldeamie (Langstraße 41 part. rechts) zur Rekrntivnngssiamm- rolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze ange- iro^ci* Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brododer Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze augedrohten Nachtheile.
Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1881, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standesamt des Geburtsortes für diesen Zweck gebührenfrei ausgestellt wird, vorzu legen.
Hanau den 2. Januar 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 212
Mißliche BckiultmachiW.
Steuerveranlagung für das Stenerjahr 190L
Auf Grund des § 24 des Einkommen Heuer- gesetzeS vom 24. Juni 1891 wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige in der Stadt Hanau aufgefordert, MC Stciierciklaning über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der seit vom 4. Januar bis 21. Januar 1901 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind.
Die obenbezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein besonderes Formular nicht zugegangen ist.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittelst Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden im Nathbaus, Zimmer Nr. 16 — während
Feuilleton*
6rziehung zur 6b e.
(Nachdruck verboten.)
Jahr sâr Jahr vermindert sich die Zahl Derer, die dem Grundsätze huldigen, daß jedes erwachsene Mädchen mir nichts dir nichlS zur Ehe taugt. Die praktische Erfahrung hat in die weitesten Kreise auch der gebildeten Familien die Erkenntniß getragen, daß es nicht mehr zeitgemäß ist, junge Mädchen Jahres des Müßigganges im Elternhause verbringen zu lassen, damit sie, wenn irgend möglich, sich verheiraihet. Man ist zu der Erkenntniß gekommen, daß die Schulung für einen festen Beruf auch beim Mädchen die beste Schulung für die Ehe bedeutet. Dadurch wird endlich der Klage des National- Oekonvmen Lorenz von Stein die Spitze abgebrochen, daß unsere deutschen Töchter nur zum Heirathen und nicht für die Ehe erzogen werden. Ein schweres Hinderniß der weitern günstigen Entwicklung dieser neuen Bewegung liegt allerdings noch in der grundver fehlten Meinung, die außerhäusliche Be- rufsbilduig der Mädcken dürfe erfolgen, bevor die inner häusliche, hauswirthschaftliche gründlich vollendet ist. Die Gefahr dieses Uebelstandls wird noch wesentlich erhöht durch die Abneigung der meisten Mütter, ihre Töchter selbst im Hauswesen anzuleiten und auszubtlden.
Nicht oft und nicht ernstlich genug kann diese Trägheit der deutschen Mütter gerügt werden. Hat doch selbst Friedrich Nietzsche in dem Punkte mit Jean Paul und K. v. Raumer übereiugestimmt, daß er das Mädchen bedingungslos von seiner Mutter erzogen wissen wollte. In den allermeisten Haushaltungen scheuen aber die Mütter die geringen Störungen des hâußliaen Betriebes, die vom Anlernen der Töchter unzertrennlich sind. Infolge dessen wird nur allzuoft die Berufsbildung der Tochter viel zu früh in Angriff genommen, und wenn uns nicht rechtzeitig noch die Erkenntniß der darin
der Stunden Don 10—12/, Uhr vormittags — zu Protokoll en' gegengenommen.
Die Versäumung der obigen Frist hat gemäß § 30 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes den Verlust der gesetzlichen Rechtsmittel gegen die Einschätzung zur Einkommensteuer für das Steuerjahr zur Folge. Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im § 66 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Zur Vermeidung von Beanstandungen und Rückfragen ersuche ich, die den Angaben der Steuererklärung zu Grunde liegenden Berechnungen auf den Seiten 3 und 4 der Steuererklärungs-Formulare mitzutheilen.
Für Unterhaltung und Abnutzung der Gebäude, und zwar für beides zusammen kommt wieder wie in den Vorjahren höchstens l°/o des Feuer- versicherungs-Toxwerthes in Abzug.
Hanau den 10. Dezember 1900.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Stadtkreis Hanau.
Dr. Gebesch us. 128
Bekanntmachung.
Wir ersuchen, die Rechnungen für Forderungen aus L-eferunaen für die Stadt stets 14 Tage nach dem Viertcljahresschlufse einzureichen.
Die Rechnungen für die Zeit bis Ende Dezember 1900 ersuchen wir bis 15. d. Mts. einzureichen.
Hanau den 2. Januar 1901.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 157
Die Erhebung der Brandstettern für das Jahr 1901 — 18 Pfg. von je 100 Mk. Umlage-Kapnal — findet für die Stadt Hanau in der Zeit vom 9. bis 15. d. Mts., von vormitiags 8'/» bis mittags 1 Uhr im Leihbank- gcbäude statt.
Landes-Renterei. 161
Gcfundcuc und vcilvrcue Gcgcnslände etc.
Gefunden: 3 Manschten gez. E. J.
Verloren: 1 Nerzboa.
Zugelaufen: 1 weißer Bernhardinerhund mit röth- lichen Ohren.
Hanau, 3. Januar 1901.
liegehben Gefahr ausdämmert, können wir gewärtig sein, daß in Kurzem in den gebildeten Ständen genau dieselben Mängel fühlbar werden, die schon jetzt das Elend der arbeitenden Klassen so sehr verschlimmern. Es wird an Frauen fehlen, die befähigt sind, einen eigenen Haushalt zu leiten. Gewiß, es fehlt schon jetzt daran, denn der hergebrachte Schlendrian, der mit der Erziehung zur Heiralh zufrieden war, ohne an eine Erziehung zur Ehe zu denken, hat dafür gesorgt, daß nicht annähernd jede Frau des gebildeten Mittelstandes auch eine tüchtige Hausfrau und Mutter zu sein versteht.
Unmögliches würde man fordern, wollte man verlangen, daß jede Mutter ihre Töchter auch selbst unterrichten soll. Sicher ist auch, daß sich das Unterrichten nicht vom Erziehen trennen läßt. Und es ist nur gut und wünschenswerth, daß Lehrer und Lehrerinnen neben der Mutter einigen Einfluß auf das Heranwachsende Mädchen ausüben. Der Haupt-Einfluß aber soll und muß immer von den Eltern ausgehen, und es liegt auf der Hand, daß die Mutter vermöge ihrer bleibenden Anwesenheit im Hause einen stärkeren Einfluß ausübt, als der Vater, den sein Beruf fernhält. Es ist ganz sicher, daß die Erziehung eines Mädchens mißlingt, wenn nur weiblicher Einfluß dabei zu Geltung kommt, aber ebenso sicher mißlingt sie mehr oder weniger, wenn der Einfluß der Mutter fehlt, und auch bei verwaisten Mädchen ist es die wichtigste Frage, den bestmöglichen Ersatz für die Mutter zu schaffen.
Mit Vorliebe vertraut man die Töchter, wenn sie die Schule verlassen, einem Pensionate an. Neuerdings sind Haus- haltungs -Pensionate beliebter geworden, als sogenannte wissenschaftliche Pensionate. Das „Bißchen Französisch" ist unbeliebt geworden, und es hat sich gewissermaßen die Vorstellung verbreitet, ein Jahr „Wirthschaftlernen" bedeute eine hinreichende Erziehung zur Ehe. Das ist ein sehr mißlicher Irrthum, den uns die Bequemlichkeit der Mutter groß gezogen hat. Es ist für jedes Mädchen unbedingt nöthig, im Älter von 15 bis 18 Jahren ununterbrochen im Elternhause dem Einfluß ihres Vaters und ihrer Mutter ausgesetzt zu sein und im Haushalt
politische Rundschau.
Die Neujahrsansprache des Kaisers. Wie der „Börsen-Courier" hört, hat der Kaiser in seiner Neujahrs- Ansprache an die Generale mit scharfem Bedauern sein Mißfallen darüber ausgesprochen, daß sich die Offiziere gegen die Vorschrift vielfach in Civilkleidung bewegten.
Die Budgetkommission des Reichstages wird ihre Berathungen voraussichtlich am 9. ds. wieder aufnehmen und zunächst den Rest der China-Vorlage durchberatben.
Zum Befinden des Großherzogs von Weimar. Ueber das Btsinden des Großherzogs sind weiter folgende Bulletins ausgegeben worden: 1. Januar, 6 Uhr abends: Im Laufe des Tages hat der Schwächezustand von neuem zugenommen. Der Großherzog hat viel im Halb chlummer gelegen. Der Fieberzustand dauert an. Keine Aihemnoth und keine Schmerzen. 2. Januar, 8 Uhr morgens: Die Nacht brachte ruhigen, durch Husten kaum gestörten Schlaf. Die Körperwärme war noch nicht gestiegen. Die Athemzüge sind von 34 am 1. Januar, morgens, auf 22 bis 30 am 2. Januar früh zurückgegangen. Das Bewußtsein ist heute wenig getrübt. Der Kräftezustand ist scheinbar etwas gehoben. Nahrungsaufnahme gering. Der Großherzog zeigt Interesse und Fürsorg".
Ankunft der Geretteten vom „Gneisenau". Die „Gneisenau"-öesatzung ist, wie aus Wilhelmshaven voms2.d.M., nachmittags 2 Uhr, gemeldet wird, soeben gelandet und zwar in Zwilkleidung, spanischen Mützen usw. Sie wird alsbald dienstlich neu eingekleidet werden. Die „Andalusia" hatte im Ganzen 406 Gerettete an Bord und zwar 14 Offiziere, 7 Deckoffiziere, 53 Seekadetten und 332 Mann Bemannung, zu welcher die Schiffsjungen gehören. — Nach der Landung der geretteten Mannschaften des „Gneisenau" fand um halb 12 Uhr im Exerzierschuppen der 2. Matrosendioision ein Begrüßungsappell statt, an den sich eine gottesdienstliche Feier anschloß, bei welcher Marineoberpfarrer Goedel die Predigt hielt. Das Aussehen der Mannschaften ist gut. Elf Kranke wurden auf Tragbaren nach dem Lazareth geschafft, die Leichtverwundeten, unter denen sich auch die beiden Schiffsärzte befinden, konnten sich zu Fuß dorthin begeben. Die gesunden Mannschaften wurden in den Kasernen untergebracht.
Die detttsch-engiischen Beziehungen. In einem Artikel über die internationale Lage bespricht der Londoner „Daily Telegraph" auch die deutsch-englischen Beziehungen und führt aus: Kaiser Wilhelm hat dadurch, daß er den Generalmajor Swaine mit einer besonderen Einladung zu dem Leichenbegängniß des Generalfeldmarschalls Grafen v. Blunenthal beehrte, wieder einmal den Beweis gegeben, daß er entschlossen ist, die Beziehungen der beiden Reiche auf der Grundlage friedlichen Verkebrs, gegenseitigen Zugeständnisses
ihrer Eltern Alles, was in b>r Wlrihfhafl vor gehr, müzuerteben. Erst das achtzehnjährige Mädchen ist reif genug, um die Ausbildung für einen Beruf in Angriff zu nehmen. Durchschnittlich wird ihre Ausbildung bis zum einundzwanzigsten Jahre vollendet sein, und wenn sie dann bis zu ihrem vierundzwanzigsten Jahre ihren Beruf ausübt, ist sie zum Heirathen immer noch jung genug, für eine glückliche Ehe nicht zu alt.
Hus Kunst und Ceben.
Teslas Versuche mit drahtloser Telegraphie. Teslas hat den Marinebehölden, wie aus New-Aork berichtet wird, Versuche mit seiner Telegraphie ohne Draht angeboten, die der Marconischen bedeutend überlegen sei.
Die „Affäre Sternberg" ist bereits dramatisch verwerthet worden, wird aber voraussichtlich das Licht der Bühne nicht erblicken dürfen. Wie aus Hamburg berichtet wird, hat sich die Direktion des dortigen Zentral-Theaters entschlossen, das Sittengemälde „Bankier Sternberg", das demnächst hätte zur Aufführung kommen sollen, nicht auf die Bühne zu bringen. Die Zensurbehölde hatte zwar das Stück freigegeben, jedoch Herrn Direktor Drucker den Rath gegeben, die Aufführung nicht stattfinden zu lassen.
Wie die Menschen vor 6000 Jahren lebten. Wie aus New Aork berichtet wird, ist Professor Hilprecht von der Universität Pennsylvania nach Amerika zurückgekehrt, nachdem er in Mesopotamien die ältesten Spuren menschlicher Kultur in mehreren vergrabenen, über einander ruhenden Städten ausgegraben hat. Unter einer Reihe von Schichten stieß er auf den Tempel Sargons i. I. 3800 v. Chr. und schließlich auf die Ruinen des alten Calush, das in der Genesis erwähnt wird. In dem Schutt lagen Gegenstände aus der Zeit von Lugalzaggisi, der etwa 4500 v. Chr. lebte. Auf dem Altar lag noch die Asche des letzten Opfers mehrere Zoll dick, dann fand man Opfers rüge und einen Schlußsteinbogen. Beim weiteren Graben stieß man auf Anzeichen von Häusern und