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General-Anzeiger
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und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf
Gedruckt und verlegt in der Vuchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 204
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Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.
Montag den 2. September
Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901
Amtliches.
Stadtkreis Dan au.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Ich habe den pensionirten Schutzmann Werner als Hilfsfeldhüter verpflichtet und demselben den Bezirk des Feldhüters Sauritz zugewiesen, p. Werner trägt lediglich Dienstmütze.
Hanau den 30. August 1901.
Der Oberbürgermeister.
vr. Gebeschus. 14279
Städtische Sparkasse.
Die nachbezeichneten Einlaaebücher sind angeblich gestohlen worden:
Nr. 6397 A für Susanne Launhardt,
„ 8070 „ Jean Launhardt und
„ 1822 „ Margarethe Dietz hier.
Der bezw. die Besitzer dieser Bücher werden gemäß § 26 der Satzungen für die städtische Sparkasse aufgefordert, sich zu melden und ihre Ansprüche bei dem unterzeichneten Vorstande geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf von 3 Monaten die Ausfertigung von Duplikatbüchern erfolgen wird.
Hanau den 2. September 1901.
Der Vorstand der städt. Sparkasse. 14278
Städtische Sparkasse.
Das auf den Namen Frau Dorothea Schaffrath, geb. Kuh, hier am 20. April ds. Js. ausgefertigte Einlagebuch Nr. 6133 B ist angeblich abhanden gekommen.
Der etwaige Besitzer dieses Buches wird gemäß § 26 der Satzungen für die städtische Sparkasse aufgefordert, sich 'zu melden und seine Ansprüche bei dem unterzeichneten Vorstände, geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf von 3 Monaten der Verliererin ein neues Einlagebuch ausgefertigt werden wird.
Hanau den 2. September 1901.
Der Vorstand der städt. Sparkasse. 14277
Städtische Sparkasse.
Alle Einlagen, welche am L nnd 2. Werk tage eines Monats gemacht werden, treten sofort in Verzinsung.
Die Ausfertigung der Einlagebücher für neu hinzutretende Sparer erfolgt kostenfrei.
Hanau den 31. August 1901.
Der Vorstand der städt. Sparkasse. 14174
Bekanntmachung.
100,000 Mark StisimiMaPltân sind im Ganzen oder getheilt gegen 41/*o/o auf erste Hypothek auszuleihen.
Näheres Stadtkämmerei, Neustädter Rathhaus, Zimmer Nr. 10. 14173
Lehrschmiede zn Fulda.
Am 7. Oktober d. Js. beginnt ein neuer, ungefähr 3monatiger Kursus. Derselbe schließt um Weihnachten mit einer Prüfung ab, durch deren Bestehen die Befähigung zur selbständigen Ausübung des Hufbeschlaggewerbes erworben wird. Der theoretische und praktische Unterricht ist ebenso wie die Prüfung unentgeltlich. Für Wohnung und Beköstigung haben die Zöglinge selber zu sorgen.
Anmeldungen von Schmieden, die 3 Jahre gelernt haben und unbescholten sind, sind bis zum 15. September d. Js. an den Unterzeichneten schriftlich einzureichen. Gleichzeitig ist die Geburtsurkunde, eine Bescheinigung der Polizei über gute Führung und eine Nachweisung über die bisher erlangte technische Ausbildung vorzulegen.
Fulda den 6. August 1901.
Der Vorstand der Lehrschmiede: Froehner, Königlicher Kreisthierarzt.
Vorstehende Bekanntmachung bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Der Vorstand
der Landwirthschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel:
V 9329 H. E. von Stockhausen.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gesunden: 1 Leihhauszettel Nr. 8882. 1 Portemonnaie mit einer Wochenfahrkarte Niederrodenbach—Hanau und mit 3 Pfg. Inhalt. 1 alte Tasche mit 4 Aufrechnungsbescheinigungen für Ernst Zink.
Verloren: 1 Mundstück.
Hanau den 2. September 1901.
Hus Stadt und £and.
Hanau, 2. Septbr.
* Die Falb'fchert Prognosen für Monat September lauten: Es lassen sich in diesem Monate drei Phasen des Wetters unterscheiden, welche sich nahezu mit den drei Dritteln desselben decken. Das erste Drittel ist reich an starken und ausgebreiteten Niederschlägen. Die anfangs der Jahreszeit entsprechende Temperatur geht zurück, es wird kalt. Das zweite Drittel verläuft anfangs trocken, bringt aber dann starke und ausgebreitete Regen. Die Temperatur ist etwas höher, aber immer noch verhältnißmäßig lief. Das dritte Drittel verläuft sehr trocken, bei theils hohen, theils der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen. 1. bis 10. September: Die Niederschläge, zum Theil von Gewittern stammend, sind ausgebreitet und sehr bedeutend. Die Temperatur geht in den letzten Tagen sehr zurück. 11. bis 18. September: Infolge der vorangegangenen Ausscheidungen großer Mengen von Wasserdampf aus der Atmosphäre wird es jetzt trocken und macht sich der kritische Termin vom 12. (2. Ordnung) nur an den südlichen und westlichen Küsten geltend. Die Temperatur liegt verhältnißmäßig niedrig. 19. bis 23. September: Die Niederschläge nehmen neuerdings an Stärke und Ausbreitung bedeutend zu. Die Temperatur hält sich niedrig. 24. bis 30. September: Wie im vorausgehenden Falle tritt auch jetzt wieder aus derselben Ursache Trockenheit ein, so daß der kritische Termin vom 28. (1. Ordnung) nicht zur Geltung kommen kann. Die Temperatur ist im Steigen begriffen.
8. Fürsorge für entlassene Gefangene. Es ist eine bekannte Thatsache, daß Leute, welche mit den Strafgesetzen in Konflikt gekommen sind und eine Freiheitsstrafe verbüßt haben, oft, trotz besten Willens, mit großen Schwierigkeiten kämpfen müssen, um nach ihrer Entlassung aus der Strafanstalt wieder Arbeit und Unterkommen zu finden. Um diesen Leuten zu helfen, haben sich zahlreiche Fürsorgevereine gebildet. Auch hier in Hanau besteht ein solcher. Alle Freunde dieser guten Sache und überhaupt Alle, welche sich für diese hochwichtige Angelegenheit interessireu, möchten wir auf die am 19. und 20. September d. J. zu Cassel stattfindende satzungsmäßige Verbandsversammlung des Verbands der deutschen Schutzvereine für entlassene Gefangene aufmerksam machen. Männer, die eine große Erfahrung in den einschlägigen Punkten hinter sich haben, werden in dieser Versammlung auftreten und verschiedene Zweige der Fürsorge einer Besprechung unterziehen. Die Sorge für unschuldig verhaftete und wieder entlassene Untersuchungsgefangene, für die bereits verwahrloste oder gefährdete Jugend, für die Familien der Sträflinge, die Sorge für jene Entlassenen, welche unter den Härten der so häufigen Ausweisung aus den Großstädten zu leiden haben, alles dies wird in den Kreis der Berathungen gezogen werden. So verspricht die Versammlung nach ihrem Programm sehr interessant und lehrreich zu werden und wird hoffentlich den so wichtigen Fürsorgevereinen neue Anhänger zuführen. Möge sie auch aus unserer Gegend recht zahlreichen Besuches sich erfreuen 1 Möge sie aber ganz besonders durch Verwirklichung ihrer praktischen Vorschläge besonders für jene Unglücklichen, die noch nicht im Bösen verhärtet sind, sondern einen besseren Lebenswandel erwarten lassen, von reichem Segen sein.
* Obftdnrchfchnittspreife. Wie die Frankfurter Centralstelle für Obstverwerthung mittheilt, stellten sich die Obstdurchschniltspreise der Centrale am 31. August wie folgt: Frühäpfel 9 — 18 Mk., Frühbirnen 10—25 Mk., Mirabellen 91/» Mk., Reineklauden 7'/s Mk., Pfirsiche 15-30 Mk., Pflaumen 5 Mk., Zwrtschen 5 Mk., Trauben 20-25 Mk.
* Kranzniederlegung. Eine Deputaliondes Veteranenvereins legte gestern Nachmittag am Kriegerdenkmal eine Kranzspende nieder. — Ein ähnlicher Akt vollzog sich heute Mittag seitens des Kriegervereins, der die Kriegergräber auf dem Fried- Hofe mit Kränzen schmückte.
* Sommerfest des Hanauer Kriegervereins. Am gestrigen Sonntage, dem großen Ennnerungsfeste an die deutsche Heroenzeit, dem stolzen Ehrentage der wackeren Kämpfer aus jener großen bewegten Zeit, feierte der Hanauer Kriegerverein auf dem Forsthause ein Sommerfest, um in Freude und Dankbarkeit der Zeit zu gedenken, die uns Kaiser und Reich gab, ohne die wir jetzt nicht in sturmfreier Fahrt den Kiel des Reichsschiffes zu neuen Zielen richten könnten. Auch der Himmel machte ein freundliches Gesicht zu der Ver
anstaltung, sodaß sich auf dem weiten Platze des Forsthauses ein nach vielen Hunderten zählendes Publikum einfand, um das Fest in entsprechender Weise zu begehen. Würdig wurde dasselbe eingeleitet durch eine die Bedeutung des Tages darlegende zündende Ansprache des zweiten Vorsitzenden des Kriegervereins, Herrn Amtsrichter Bohns, der dieselbe gipfeln ließ in einem dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser, das begeisterte Aufnahme fand. Nunmehr war die Bahn frei für die unterhaltenden Darbietungen des Festes. Unermüdlich kon- zertirte die Jnfanteriekapelle, für die Kinder waren auf der Wiese am Waldesrande Spiele mannigfacher Art arrangirt, deren Leitung sich zwei Lehrerinnen und zwei Lehrer in liebenswürdiger und dankenswerther Weise unterzogen hatten. Daß, Dank einer reichlichen Vorsorge des Komitee's, alle an den Spielen theilnehmenden Kinder sogar mit Preisen, die aus nützlichen Spielsachen bestanden, bedacht werden konnten, erhöhte naturgemäß die Freude der kleinen Welt. Als dann ein Lampionzug die Theilnehmer des Festes nach der Stadt zurücksührte, hatte man die Gewißheit, eine harmonisch verlaufene Veranstaltung mitgefeiert zu haben. Für alle Theilnehmer war jedoch das Fest noch nicht zu Ende, denn in der „Centralhalle" fand noch eine kleine Nachfeier statt, bestehend .aus Unterhaltung und Tanz, die sich in ungezwungener Weise bis gegen 12 Uhr erstreckte.
* * „Vanernkirmes". Die gestrige Bauernkirmes im „Deutschen Haus" war von feschen Buben und Dirndeln, sowie von lustigen Städtern derart stark besucht, daß man fast von einer Ueberfüllung reden konnte, was aber der „Kerb" absolut keinen Abtrag that, sondern im Gegentheil sie bedeutend interessanter machte. Zum Beginn that der „Ortsdiener" durch die Schelle kund und zu wissen, daß jetzt die Kerb ihren Anfang nehme und daß Jeder sich den Anordnungen des Bürgermeisters zu fügen habe, ansonstem er ins „Spritzenhaus" wandere. Gleich darauf zog der Bürgermeister mit seinen Kerbburschen und Madeln ein und die Kerb begann und zwar eine ganz veritable Kerb, die sich einer Hochstädter oder „Wachebucher." getrost an die Seite stellen konnte. Es war Alles echt ländlich, am meisten der Wirth und die Kellner, nach bekanntem Muster mit Kamisol und Zipfelmütze. Auf dem Juxplatz waren allerlei Buden aufgeschlagen, wie Angelbude, Glücksrad, Kaspertheater, ein „Vogelschießen" rc. Erstere ist nicht zu verwechseln mit einem gewissen Angeln, da dieses Vergnügen nur für Kinder arrangirt war und dazu diente, Spielsachen rc. zu angeln; das Glücksrad war eine Bude, wo man Geld los werden und allerlei nützliche Sachen dafür eintauschen konnte; im Kaspertheater wurden fürchterliche Witze gerissen, wogegen das „Vogelschießen" sehr ernsthaft, ganz ernsthaft betrieben wurde, was aus der Thatsache heroor- geht, daß folgende Kerbbesucher mit Preisen bedacht wurden;
1. Preis 29 Ringe, Fr. Menger,
2. „ 28/ „ Heusohn,
3. „ 22 „ Hasselbaum,
4. „ 20 „ Moser,
5. „ 20 „ Prieger.
Ueberhaupt zeugte das ganze Leben und Treiben auf der Kerb, daß selbige mit viel Geschick unserer ländlichen Umgebung abgeguckt war und daß man im Besitz einiger Phantasie und etlichem Lokalpatriotismus gar nicht erst auswärts zu gehen brauchte. Die erwähnten Buben und Dirndeln tanzten allerlei Tänze, in welche sich keine Städter einzumischen hatten, und fanden damit sehr vielen Beifall. Eine Kinderpolonaise war nach dem Herzen der Kleinen eingerichtet und für die Großen gab es außer der schon erwähnten noch andere Unterhaltung. Die Stadtkapelle, welche den Ohrenschmauß lieferte, spielte nämlich auch zum Tanz auf und daß dem sehr eifrig gehuldigt wurde, braucht der Berichterstatter wohl gar nicht erst ausdrücklich zu versichern. Sonach war es eine in allen Theilen würdig verlaufene Kerb, bei der höchstens das „Raufen" gefehlt hat, wenn man nicht davon absehen will, daß späterhin im Saal manchmal um einen Platz fast gerauft worden wäre.
* Sommeriheater» Die dieswöchentlichen Darbietungen des Sommertheaters auf Beck's Felsenkeller übten gestern und vorgestern ebenfalls eine starke Anziehungskraft aus, was sicherlich nicht verwunderlich erscheint, wenn man bedenkt, daß dort der rechte Ort ist, um nach des Tages Last und Mühe, sich einigen Stunden allen Griesgrams zu begeben. Hervortretende Programmnummern waren die Darbietungen der Soubrette Fräul. Gretchen Reimann, die sich nach starkem Beifall zu mehrfachen Zugaben entschließen mußte, weiterhin das Auftreten der Duettisten Cölestine und Hermann Krauß und die Produktionen des Fräul. Dare mit ihrer dressirten Hundemeute. Um die Palme des Erfolgs in den Darbietungen auf dcm Gebiete der leichtgeschürzten Muse und des Humors rangen noch die Wiener Soubrette Fräul. Santaly, die Tanzsoubrette Fräul. Franzi und der Charakter-Komiker Herr Sch ragel. Wer also heute Abend noch einige Stunden