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Erstes Blatt

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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

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Amtliches GrM für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr :

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.

Nr. 178.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98.

Freitag den 2. August.

P Amtliches.

Landkreis Dan au.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Geflügel des Landwirths Jakob Heinrich Wilhelm Buchenhorft und des Metropolitans v. Starck zu Bergen ist die Gestügelcholera ausgebrochen.

Hanau den 1. August 1901.

'Der Königliche Landrath.

.1 V 8328 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

--

Der zur vorübergehenden Beschäftigung auf der Domäne G r o n a u e r h o f zugelassen gewesene ausländisch-polnische Ar­beiter Albert Drozdowski, geboren am 23. April 1876 zu Mierzyie, Kreis Wielun in Rußland, ist am 28. d. Mts. aus dem Preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden.

Hanau den 31. Juli 1901.

Der Königliche Landrath.

V 8267 v. Schenck.

Handelsregister.

1. Bei der Firma: Verein für gemeinnützige Zwecke, Aktiengesellschaft in Hanau, ist eingetragen worden: Der Stadtbaurath a. D. Thyriot in Hanau ist zum Vorsitzenden des Aufsichtsrathes bestellt worden.

2. Gelöscht ist die Firma Wilh. Arnold in Hanau. Hanau den 29. Juli 1901.

Königliches Amtsgericht 5. 12500

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Verloren: 1 Wagendecke.

3 «'gelaufen: 1 Dachshund.

Hanau den 2. August 1901.

Hus Stadt und Land.

Hanau, 2. August.

Neue internationale Frachtbriefe. Das am 16. Juni 1898 in Paris abgeschlossene Zusatzübereinkommen zum internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfracht­verkehr vom 14. Oktober 1890 ist, einer amtlichen Mit­theilung in derZeitschrift für den internationalen Eisenbahn­transport" zufolge, am 10. d. Mts. ratisizirt worden und wird demnach am 10. Oktober d. Js. in Kraft treten. Den Eisenbahndirektionen wurde hiervon mit dem besonderen Auf­trage Kenntniß gegeben, dafür zu sorgen, daß, sobald die Veröffentlichung des Zusatzübereinkommens erfolgt sein wird,

Feuilleton*

Die kleine» Planeten.

Ein Jahrhundert ist seit der Entdeckung des ersten steinen Planeten verflossen. Am 1. Januar des Jahres 1801 fand Piazzi die Ceres. Mit dieser Entdeckung schien bie unver- hältnißmäßig große Lücke, die bisher zwischen den Bahnen des Mars und des Jupiter vorhanden war, ausgefüllt zu sein. Der Planet, den man dort vermuthet hatte, war gefunden worden. Freilich mußte seine geringe Größe Bewunderung erregen. Die ihm benachbarten Planeten erschienen als Sterne erster Größe ober noch Heller, Ceres dagegen erreichte die sechste Größe kaum. Dieser Umstand schien aber seine Erklärung zu finden, als in rascher Aufeinanderfolge noch drei kleine Planeten entdeckt wurden, deren Bahnen zwischen der des Mars und der des Jupiter lagen: die Pallas 1802 von Olbers, Juno 1804 von Harding und Vesta 1807 wieder von Olbers. Man nahm nun an, daß ein ursprünglich größerer Planet zersprungen sei und daß wir die Bruchstücke desselben in den gefundenen vier Planetoiden vor uns hätten.

38 Jahre vergingen dann, bis ein neuer dieser kleinen Körper entdeckt wurde; dann häuften sich aber die Entdeckungen der Planetoiden so, daß seit 1847 kein Jahr verging, ohne daß ihre Anzahl vermehrt wurde. Bis zum Jahre 1850 zählte man 10, bis 1860 schon 57. Bei Beginn des Jahres 1870 waren 109, bei Beginn des Jahres 1880 bereits 211 Planetoiden bekannt. In den achtziger Jahren wurden 76, in den neunziger Jahren 165 Planetoiden aufgefunden. Das Jahr 1900 selbst hat uns dann noch 11 der kleinen Planeten kennen gelehrt, so daß wir vom 1. Januar 1901, hundert Jahre nach der Entdeckung des ersten dieser kleinen Körper, nicht weniger als 463 Planetoiden zählen.

die durch letzteres abgeänderten Frachtbriefformulare rechtzeitig hergestellt und aufgelegt werden. Außerdem sollen die Eisen­bahndirektionen schon jetzt in ausgiebigem Maße durch die Presse und durch Mittheilung an die größeren Versender so­wie durch Anschlag an den Güterabfertigungsstellen bekannt machen, daß mit dem 10. Oktober d. Js. neue internationale Frachtbriefe zur Einführung gelangen und die bisherigen dem Uebereinkommen über den internationalen Frachtnerkehr vom Jahre 1890 entsprechenden Formulare nur noch bis zum 9. Oktober 1902 (einschl.) zugelassen sind. Hierbei ist zum Ausdruck zu bringen, daß der letztgenannte Zeitpunkt unab­änderlich ist.

FC. Glaubenswechsel Aus der alten Bischofsstadt Fulda kommt die Kunde, daß die verwittwete Landgräfin Anna von Hessen, geb. 1836 als Tochter des Prinzen Karl von Preußen, Schwester des verstorbenen Feldmarschalls Prinzen Friedrich Karl, zum katholischen Glauben übergetreten ist. Für Personen, die der landgräflichen Familie näher stehen, kommt die Nachricht keineswegs überraschend. Die Landgräfin ver­kehrte seit längerer Zeit, besonders wenn sie im Sommer ihre Residenz in dem Schlosse der einstigen Fürstäbte von Fulda, im Schloß Fasanerie, auch Adolphseck genannt, aufgeschlagen hatte, vornehmlich mit katholischen Geistlichen und sonstigen frommen Katholiken. So war aus diesem Grunde der ver­storbene strengkatholische General v. Amelunxen ein gern ge­sehener Gast auf Schloß Adolphseck. In aller Stille ist vor einigen Tagen der Glaubenswechsel der Fürstin in Fulda voll­zogen worden, nachdem sie Vorbereitungsunterricht bei den Professoren an dem Fuldaer Priesterseminar Richter und Leim­bach erhalten hatte. Als Tauf- und Firmpathin fungirje die verwittwete Fürstin Marie zu Jsenburg-Birstein, eine geborene Erzherzogin von Oesterreich.

* Landwirtschaftliches. Das Proviantamt in Hanau kauft auch im Monat August gut gewonnenes, grünes Pferdeheu, Roggen-Flegel - wie auch Roggen- Maschinenstroh frei Scheune Hanau. Beide Stroh­sorten müssen gesund, trocken, gut gebunden, ohne Abfall, Ge- müll oder Spreu sein. Schnelle Abfertigung und sofortige Bezahlung wird zugesichert. Bei gutem Wetter kann jeden Tag geliefert werden und ist rege Zufuhr erwünscht. Bei Bahnsendungen ist die Adresse für den Frachtbrief: Hanau Bahnhof Nord. Die Abfuhr von der Bahn kostet 15 Pfg. pro Centner. Frachtkosten und Rollgelder werden in Hanau verauslagt. Hat keine besondere Preisabmachung stattgefunden, dann gilt als Vergütung der Tagespreis des Proviantamts. Weitere Auskunft ertheilt mündlich wie schriftlich das er­wähnte Amt.

* Erhebliche Niederschläge hatten wir hier in ver­flossener Nacht zu verzeichnen. Die Niederschlagsmenge er-

Erschienen schon die zuerst aufgefundenen recht klein und winzig, so sind Lie übrigen doch noch bedeutend kleiner und daher auch lichtschwächer. Die größten wurden doch unter Umständen noch so hell, daß sie einem scharfen Auge auch ohne optische Hilfsmittel sichtbar wurden, die Mehrzahl der übrigen und namentlich die in den letzten Jahren ent-- deckten sind dagegen so klein, daß schon ein großes Fernrohr dazu gehört, um sie sichtbar zu machen.

Den größten Antheil an der Auffindung der kleinen Planeten haben die französischen Sternwarten, nicht weniger als 172 Planetoiden sind auf ihnen entdeckt worden. In zweiter Linie kommt Deutschland mit 93, in dritter Oesterreich mit 84, in vierter Linie Amerika mit, 79 Planetoiden-Ent- deckungen. In den übrigen Ländern ist die Anzahl der ent­deckten kleinen Planeten verschwindend. In den letzten Jahren kommt aber der Hauptantheil der Entdeckungen auf Deutsch­land. So sind von den 11 neuen Planeten des vorigen Jahres nicht weniger als 10 in Deutschland und zwar in Heidelberg aufgefunden worden.

Die Methode der Planeten-Entdeckungen ist eine ganz andere geworden als früher. Jetzt wird kaum noch ein Planetoid anders als durch die photographische Platte entdeckt. Beim Anblicke unterscheidet sich nämlich solch ein Körperchen von den Fixsternen um ihn herum gar nicht; man erkennt ihn nur daran, daß er seinen Ort verändert. Dies geschieht aber so langsam, daß während einer Beobachtung, die doch nur wenige Minuten dauert, noch nichts davon wahrzunehmen ist. Auf der photographischen Platte aber, die so bewegt wird, daß die Bilder der Fixsterne sich stundenlang auf dem­selben Flecke erhalten, macht sich ein Planet, der gegen die Fixsterne seinen Ort wechselt, von selbst bemerkbar, indem scm Bild nicht als rundes Scheibchen erscheint, wie das der Fix­sterne, sondern sich als längere oder kürzere Linie darstellt, je nach der Geschwindigkeit, mit der sich der Körper am Himmel bewegt.

Bezirks-Fernsprechanschluß Nr. 98. 1901 reichte in der Zeit von 2 bis 6 Uhr morgens eine Höhe von 30 mm, was gleichbedeutend ist mit 30 Liter pro Quadrat­meter. Derartige Niederschläge müssen dem Kgl. meteoro­logischen Institut in Berlin direkt gemeldet werden. Daß der ergiebige Regen unseren Fluren sehr zu Statten gekommen ist, bedarf wohl kaum näherer Begründung.

D Gefährdet. Aus Langenselbold, 1. August, wird uns geschrieben: Durch den Zusammenbruch des Gerüstes an einem in der Nähe des neuen Schulhauses befindlichen Neu­baues war ein Menschenleben gefährdet, welches die an dem Neubau ebenfalls beschäftigten. Zimmerleute sogleich bemerkten und den sich an einen Balken fest anklammernden Maurer von seiner gefährlichen Lage befreiten.

* Frequenz der städtischen Badeanstalt

im Monat Juli 1901»

Verabreicht wurden:

81 Bäder Kl. I.

200 Kl. II.

787 Kl. III.

36 Douchebäder.

22 Römisch-Irische Bäder.

Sa. 1126 Bäder.

Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 97 am 13. Juli.

Die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder betrug 10 am 23. Juli.

* Doppelkonzert zu Gunsten der Errichtung der Bismarcksäule. Am 10. August wird im Restaurant Kaiserhof" ein großes Doppelkonzert stattfinden, dessen Er­trag dem Fonds zur Errichtung einer Bismarcksäule zufließen soll. Die Musik wird von den beiden hiesigen Regiments- Kapellen ausgeführt werden, welche von ihren Regimentern für diesen Zweck in liebenswürdiger Weise kostenlos zur Ver­fügung gestellt sind. Da auch der Weins'sche Männergesang- Verein in einem außerordentlich warm gehaltenen Schreiben seine Mitwirkung bei dem Konzert freudig zugesagt hat und einige geeignete Chöre zum Vortrag bringen wird, so wird den Besuchern ein außerordentlicher Kunstgenuß geboten sein. Der Eintrittspreis soll trotzdem möglichst niedrig gehalten werden, um recht Vielen unserer Mitbürger Gelegenheit zu bieten, an der Veranstaltung, die zugleich einen patriotischen Charakter trägt, theilzunehmen. Das Programm wird in einigen Tagen veröffentlicht werden.

** Metzger Innung. Gestern Abend fand eine Ver­sammlung der Gesellen behufs Vornahme von Wahlen statt. Anwesend waren 28 Mitglieder, darunter 13 Wahlberechtigte. In den Gesellen-Ausschuß wurden gewählt Oswald Bieberstein als Mitglied, Jean Hämmerling als Ersatzmann. In den Prüfungs-Ausschuß wurden als Beisitzer gewählt Martin

Kunst und Leben.

Hundsiagsgeschrchten. In der Zeit der sauren Gurke ruhen Politik und Gesellschaften. Wenn der Mensch vom Menschen nichts zu erzählen weiß, dann kommt die Thier­welt an die Reihe. In diesem Sommer erleben die Freunde des lieben Viehs am meisten mit einer Gattung Thierchen, die in gekochtem Zustande ebenso appetitlich, wie in rohem unappetitlich sind: Die Ferkel. So ist durch die ganze reichs­ländische Presse ein Schwein aus Gundlingen gewandert, das elf Junge bekommen hatte, aber nur zehn ernähren konnte. Der überzählige Kostgänger wurde einer Katze übergeben, die auch gerade Junge geworfen, sie aber auf tragische Weise verloren hatte. Und siehe da, die Katze war mit dem Erfolg zufrieden. Sie schloß ihren Pflegling mit zärtlicher Liebe und mütterlicher Sorgfalt in ihre Pfoten und nährte das Ferkel sechs Wochen lang aus ihrer Milch. Das Merkwürdigste aber war, wie gut die Nahrung anschlug. Der Besitzer erhielt nämlich beim Verkauf für dieses Katzenschweinchen 5 Mark mehr als für die andern Ferkel. So was also passirt in unseren guten deutschen Reichslanden, kein Wunder, daß sich in Amerika, dem Lande der großen Dimensionen, noch ganz andere Dinge ereignen. Der Farmer und Constabler Wester- vell in Oradell besaß eine Kuh, ein wahres Prachtexemplar, auf die er bis vor Kurzem ungemein stolz war. teilte Kuh gab nicht nur mehr und bessere Milch, als die seiner Nachbarn, sondern sie betrug sich auch im Stall und auf der Weide so musterhaft, daß Westervell von Allen um seineBetsy" be­neidet wurde. Doch plötzlich ging mit dem Mustervieh eint entsetzliche Veränderung vor: sie gab keine Milch mehr. Wester­vell war außer sich. Da er aber eher von den Menschen als von seiner Kuh Böses erwartete, beschloß er, genau aufzupassen, ob nicht seineBetsy" etwa auf der Weide von Unbefugten gemelkt werde. Unbemerkt schlich er sich eines Abends auf seine Wiese und sahBetsy" im Grase liegend ihre Kauwerk­zeuge bewegen, als hätte sie schon eine Woche gehungert. Er