Erstes Blatt.
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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg-, für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Poßaujjchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: <8. Schrecker in Hanau.
Nr. 229 Bezirks-Fernsprechanschlnß Nr. 98.
Dienstag den 1. Oktober
BezirkS-Ferns-rechanschlnß Nr. 98. 1901
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanan.
Bekimntmachmlg.
Während des Baues der Eisenbahnunterführung durch die südliche Rampe der Offenbacher Straßenbrücke wird die £ Zufahrt-Rampe auf eine Breite von 10 Meter unterbrochen.
Um den Verkehr während der Bauzeit aufrecht zu erhalten, wird die Baustelle mit einer provisorischen Brücke, von einer Tragfähigkeit bis zu 100 Zentner Nutzlast, überspannt werden.
Wir ordnen demgemäß an, daß während der Bauzeit der Fuhrverkehr über die Mainbrücke nur mit Wagen im Gesammtgewicht bis zu 100 Zentner gestattet ist.
Offenbach den 25. September 1901» Großherzogliches Kreisamt Offenbach.
v. Hombergk.
Vorstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht.
Hanau den 28. September 1901.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 8391 v. Schenck.
Kreissparkaffe Hanau.
Paradeplat; Nr. 1.
Der Zinsfuß für Spareinlagen beträgt 38/4°/q.
Die Kreissparkasse nimmt Einlagen von 1 Mk. bis zur unbeschränkten Höhe an und gewährt Rückzahlungen auch in größeren Beträgen ohne vorherige Kündigung.
Laut Beschluß des Kreisausschusses vom 12. d. Mts. werden die vom L bis 3. Kalendertage eines Monats eingezahlten Gelder vom 1. des betr. Monats ab verzinst und neue Einlagebücher kostenfrei ausgefertigt.
Für die Sicherheit der der Kreissparkasse anver- trauten Gelder haftet der Landkreis Hanau mit feinem Vermögen und feiner Steuerkraft.
Hanau den 20. September 1901.
Der Vorstand der Kreèssparkasse. 15510
Hus Stadt und Cand.
J Hanau, 1. Oktober.
© Sonntagskarten gibt es von jetzt ab nur noch von Hanau-West nach Aschaffenburg, Dettingen und Kahl; ferner von Hanau-Ost nach Gelnhausen, Bad-Nauheim, Aschaffenburg, Dettingen und Kahl, endlich vom Nord bahn Hof nur noch nach Bad-Nauheim. Bestehen sind geblieben die Sonntagskarten nach Hanau von folgenden Stationen: Frankfurt (von sämmtlichen Bahnhöfen), Friedberg, Gelnhausen.
* Maittkur oder Fechenheim? Die Gemeindebehörde zu Fechenheim hat kürzlich beschlossen, an zuständiger Stelle vorstellig zu werden, daß die bisherige Station Mainkur in Zukunft die Bezeichnung „Station Fechenheim" erhalten möge. Ein diesbezügliches, an die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. gerichtetes Gesuch hat die wärmste Unterstützung des hiesigen Kgl. Landrathsamtes gefunden.
* Ostmarken-Verein. Seit einer Reihe von Jahren besteht hier in Hanau eine Ortsgruppe des Vereins zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken. Dieser Verein, welcher sich seit 1899 „Deutscher Ostmarken-Verein" nennt, hat es sich zur Aufgabe gesetzt, das Deutschthum in der mit polnischer Bevölkerung durchsetzten Ostmark des Reiches durch Hebung und Befestigung deutschnationalen Empfindens, sowie durch wirthschaftliche Stärkung der deutschen Bevölkerung zu kräftigen und zu sammeln. Der deutsche Ostmarkenverein läßt es sich angelegen sein, Deutsche für den Erwerb ländlicher und städtischer Liegenschaften, sowie deutsche Handwerker, Gewerbetreibende, Kaufleute, Aerzte, Rechtsanwälte u. s. w. heranziehen, den deutschen Mittelstand in Stadt und Land zu kräftigen, ihm die Kundschaft sicher zu stellen und in Nothfällen Kredit zu gewähren. Durch Bewilligungen von Stipendien an Lehrlinge, junge Landwirthe, Fachschüler u. s. w. ist er bestrebt, auch einen deutschen Nachwuchs heranzuziehen. Der deutsche Ostmarkenverein, der ein völlig unpolitischer Verein ist und idem bereits über 20,000 deutsche Männer jeder Parteirichtung und Konfession angehören, wird aber seine großen Ausgaben nur dann lösen können, wenn das ganze deutsche Volk ihn in seiner vaterländischen Arbeit unterstützt und jeder Deutsche sich dessen bewußt wird, daß die bedrängten deutschen Brüder im Osten nicht nur um ihre eigene nationale Existenz, sondern auch um die Zukunft des ganzen deutschen Vaterlandes kämpfen. Um Mitte Oktober wird der Geschäftsführer des deutschen Ostmarken-Vereins, Herr Dr. Bovenschen in Berlin, hier einen
Vortrag halten über: „Die Polengefahr und die Bestrebungen des deutschen Ostmarkenvereins." Hierdurch wird Jedem treffliche Gelegenheit geboten, sich über die ganze Polenfrage zu unterrichten. Wir weisen schon jetzt auf diesen Vortrag, über welchen das Nähere rechtzeitig in unserer Zeitung veröffentlicht werden wird, besonders hin.
* Gendarmerie. Der Gendarm Buschmann in Hüttengesäß wurde nach Lippoldsberg (Kreis Hofgeismar), der dortige Gendarm nach Hüttengesäß versetzt.
* Bauernregeln für Oktober. Kälte im Oktober soll einen milden Winter vorhersagen: (Bringt der Oktober viel Frost und Wind, So sind Jänner und Hornung gelind.
— Wenn's im Oktober friert und schneit, Bringt der Januar milde Zeit; Wenn's aber donnert und wetterleuchtet, Der Winter dem April an Launen gleichet. — Ist der Oktober naß und kühl, Milder Winter werden will. — Ist der Oktober kalt und rauh, Ist der März dann mild und lau. — Oktober rauh, Januar flau. — Ist der Oktober freundlich und mild, Ist der März dann rauh und wild. — Warmer Oktober, Kalter Februar. — Im Oktober schon Frost und Wind, Macht den Januar und Februar gelind). Andere Prophezeiungen für den Oktober sind: Hat der Oktober viel Regen gebracht, Hat er die Gottesäcker bedacht. — Ist der Oktober kalt, So macht er für's nächste Jahr dem Raupenfraß Halt. — Viel Regen im Oktober, Viele Winde im Dezember. — Nordlichter im Oktober künden, Daß du wirst harten Winter finden. — Oktober-Nordlicht, glaube mir, Verkündet harten Winter dir! — Oktober-Himmel voller Sterne Hat warme Ofen gerne. — Wenn im Moor viel Irrlichter steh'n, Bleibt das Wetter lange schön. — Halten die Krähen Convivium, Sieh nach Feuerholz dich um! — Fällt der erste Schnee in Dreck, Ist der ganze Winter ein Geck. — Bringt der Oktober noch Gewitter, Ist der Winter nur ein Zwitter. Oktober-Gewitter Sind Leichenbitter. — Gewitter, die im Oktober kommen, Werden sicher Niemand frommen. — Ist im Oktober das Wetter hell, So bringt er Wind im Winter schnell. — Fette Vögel und Dachse, Pfeift im Winter die Axe. Der Dachse und Vögel Fettigkeit Deutet auf gar kalte Zeit. — Sitzt das Laub noch fest am Baum, Fehlt ein strenger Winter kaum. — Wenn Bohnenfrüchte gerathen wohl, Nuß- und Eichbäume hängen voll, So folgt ein harter Winter drauf Und fällt der Schnee mit großem Hauf'. — Herbstnebel deuten auf einen schneereichen Winter hin. — Kraniche, die niedrig zieh'n, Deuten auf warmes Wetter hin. — Oktober und März Gleichen sich allerwärts. — Kriegen die Eichhörnchen bald zu Nest, Wird der Winter hart und fest. — Baut die Ameise sehr in die Höh', Deutet's auf viel Eis und Schnee. — Wie es im Oktober wittert, so wittert es auch im nächsten März. Die kritischen Tage sind nach den Bauernregeln der 2. Oktober (Fällt das Laub vor Leodegar, So ist das nächste ein fruchtbar Jahr), der 16. (An Sankt Gall Bleibt die Kuh im Stall. — Am Sankt Gallus-Tag Den Nachsommer man erwarten mag. — Am heiligen Gallus Der Apfel vom Baume muß. — Am Sankt Gallus-Tag Muß jeder Apfel in seinen Sack. — Regnet's am Sankt Gallus-Tag nicht, Es dann im nächsten Frühjahr an Regen gebricht. — Sankt Gallen Läßt den Schnee fallen. — Ist Sankt Gallus naß, Jst's für den Wein kein Spaß. — Sankt Galluswein Ist Bauernwein), der 21. (An Ursula muß das Kraut herein, Sonst schauen Simon-Juda d'rein), der 28. (Sankt Simon, der Jüd', Bringt den Schnee unter die Lüt'. — Simon und Judä Bringen den ersten Schnee. — Wenn Simon-Judä vorbei, Rückt der Winter herbei. — Von Simon-Judä an Den Winter man erwarten kann. — Wenn Simon-Judä zuschaut, Pflanze Bäume, schneide Kraut!) und der 31. (Wolfgang Regen, Verspricht ein Jahr voll Segen).
A. Sedanseier. Begünstigt vom schönsten Wetter feierten am verflossenen Samstag die Offiziere, Beamten und Arbeiter der Königl. Pulverfabrik das diesjährige Sedanfest in den Räumen des Kaiserhofs bei Konzert und Ball. Punkt 5 Uhr trafen die Offiziere und Beamten mit Omnibus im festlich geschmückten Garten des Kaiserhofs ein, wonach die Feier ihren Anfang nahm. Leider wurde der Direktor der Pulverfabrik, Herr Major Mießner, im letzten Augenblick verhindert, an der Feier persönlich theilzunehmen. Nach Erledigung des 1. und 2. Theils der Festordnung durch die Zentner 'sche Kapelle, welche für ihre Musikaufführungen und Solostücke volles Lob erntete, war die Dunkelheit soweit eingetreten, daß man zum Abbrennen des Feuerwerks übergehen konnte. Hierin leistete der Königliche Oberfeuerwerker Herr Gustav Hennig Großartiges und übertraf sogar die Erwartungen des betreffs solcher Schauspiele ziemlich verwöhnten Publikums. Ueber- raschung folgte auf Ueberraschung und am Schluffe war sich Alles darüber einig, daß Herr Hennig an diesem Abende Unübertreffliches geleistet habe. Nach dem Feuerwerk begann der |
Tanz und es trat nach und nach unter den Festtheilnehmern eine recht fidele Stimmung ein, die bis zum Schluß des Festes, gegen 1 Uhr, anhielt. Trotzdem die Offiziere und Beamten das Fest ziemlich früh verließen, nahm dasselbe einen sehr schönen Verlauf und keine Störung oder ungeziemendes Wort wurde während der ganzen Zeit wahrgenommen. Dem Leiter der ganzen Festlichkeit, Herrn Revisor S e y f a r t, gebührt für seine große, uneigennützige Mühewaltung und Umsicht ein volles Lob. Schließlich sei noch bemerkt, daß Küche und Keller des Kaiserhofs nichts zu wünschen übrig ließen.
* Stadttheater. Die morgen zur Darstellung gelangende Novität „Der Gro ß k a u f m an n", Volksstück von Walther und Stein, hat überall starken Erfolg gehabt. Gerade in unserer ernsten kaufmännischen Zeit wird die Handlung des fesselnden Stückes, das Ernst und Humor in sehr glücklicher Weise vereinigt, sehr interessiren. Die Hauptrollen werden von den Damen Gypen, Hannewald, Rieger, Leoni, Hantke und den Herren Möbius, Schwarz, Gehrmann und Rinkel dargestellt. Die gesunde volksthümliche Tendenz wird dem Stücke auch hier Freunde werben.
* Stiftungsfest. Die Gesellschaft „Heiterer Bund" feierte am Sonntag ihr 8. Stiftungsfest unter so starker Betheiligung, daß die Säle „Zur Harmonie" bis auf das letzte Plätzchen mit Gästen dicht besetzt waren. Das Programm war ein derart gut gewähltes und vorzüglich durch- geführtes, daß die Besucher während des ganzen Abends fast nicht aus dem Lachen herauskamen und die Stimmung bald so animirt und ausgelassen wurde, wie sie bei derartigen Veranstaltungen kaum gehobener denkbar ist. Der größte Antheil am Gelingen des Abends in humoristischer Beziehung gebührt wohl den Herren Gemmer und Jüngling, doch trugen eine recht hübsche Rezitation des Herrn Andr. Peter und ein ebenso flott durchgeführtes als inhaltlich gutes Singspiel „Die Liebe im Schilderhaus" sowie sonstige Darbietungen auch nicht unwesentlich hierzu bei. Außerdem halfen einige prächtige Gesangsvorträge einer Anzahl Mitglieder der „Tonblüthe" das Programm noch bereichern und den Abend interessanter und abwechselungsreicher gestalten.
* Radsahrsport. Am vergangenen Sonntag den 29. er. hielt der Radfahrer-Verband „Maingau" (Sitz Hanau) in Bürgel a. M. seinen Herbst-Verbandstag ab, dessen Arrangement dem „Bicycle-Klub Bürgel a. M." im Frühjahr übertragen wurde. Vertreten sind: Veloziped-Klub Aschaffenburg, Bicycle-Klub „Hanovia"-Hanau, Bicycle-Klub Bürgel a. M., Radfahrer-Klub „Adler" - Kesselstadt und Radfahrer-Verein „Freigericht" - Alzenau mit insgesammt 25 Delegirten nebst dem Vorstande. Infolge Verhinderung des 2. Vorsitzenden Herrn Fr. Bierbrauer eröffnete Herr Wilh. Nader vom Bicycle-Klub „Hanovia" Hanau gegen 9^2 Uhr morgens den Verbandstag und übergibt das Wort zunächst Herrn Michel vom Bicycle-Klub Bürgel, welcher die Anwesenden in kurzer Ansprache herzlich willkommen hieß. Hierauf nahmen die Verhandlungen ihren Verlauf, aus denen neben wichtigen inneren Angelegenheiten zu bemerken ist, daß der Frühjahrs-Verbandstag dem Bicycle-Klub „Hanovia" Hanau übertragen wurde. Die stattgehabte Vorstands-Ergänzungswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Herr Wilh. Nader (Bicycle-Klub „Hanovia"-Hanau), welcher das Amt unter Dank annimmt und sogleich in diese Eigenschaft eintritt. Protokollführer: Herr Franz Wagner (Bicycle-Klub Bürgel), Schriftführer: Herr Schneider (Radfahrer-Klub „Adler" - Kesselstadt). Infolge Austritt des Hanauer Radfahrer-Vereins „Vorwärts" aus dem Verbände scheidet Herr Otto Glöckler aus dem Vorstände aus. Der Vorsitzende, Herr Wilh. Nadek, spricht dem Scheidenden für seine Thätigkeit im Vorstande herzlichen Dank aus und endet mit einem dreifachen „All Heil" auf Herrn Glöckler. Einige Punkte der Tagesordnung nahmen die Interessen der Anwesenden längere Zeit in Anspruch, sodaß die Verhandlungen eingetretener Tischzeit wegen unterbrochen werden mußten, nach gemeinsam eingenommenem Mahle jedoch ihren Fortgang nahmen, um gegen 3 Vs Uhr mittags ihr Ende zu erreichen. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit dem Wunsche auf ein Wiedersehen zu neuer gemeinsamer Thätigkeit im Frühjahr in Hanau und schloß mit einem dreifachen „All Heil" auf das gute Fortbestehen und die Entwickelung des Verbandes, in das die Anwesenden donnernd einstimmten zum Zeichen, daß man das Ende bereits herbeigesehnt hatte. Mit dem Verbandstage war zugleich die Preis- verlheilung anläßlich der am 2. Juni er. abgehaltenen Verbands-Dauerfahrt über 80 Kilometer, sowie die Dokorirung der Vereine durch Diplome, welche sich an den diesjährigen Verbandstouren besonders beteiligten, verbunden, zu welchem Zwecke der Bicycle-Klub Bürgel in liebenswürdiger Weise besondere Vorkehrungen durch Unterhaltung, Gesang und Tanz getroffen hatte. Der Vorsitzende des Verbandes dankte zunächst dem Bicycle-Klub Bürgel für die freundlichen Veran-