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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die igcj-alieue Kacmaod- zeile »der deren âmn, für AuSr»äriS 15 4>
Zugleich
Im NektamentheS die Zeile ^.^ ft, AiiSwârtS 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feièrtuge, mit belletristischer Beilage.
Nr. 255
Mitwech SK 31. Ollobn
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Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 43.
Amtliches.
^awMww ^anau.
BârmtMachrmM des Königlichen LandrKthsKMtes.
Auf dem Hofgute Praunheim (Kreis Frankfurt a. M.) ist die Schweinescuche ausgebrochen.
Hanau den 30. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
V 10169 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Die Herren Bürgermeister und Gutsosrsteher des hiesigen Kreises mache ich auf meine Verfügung vom 20./8. 93 — P 8232 — aufmerksam, wonach die Berichterstattungen über die Lage der Industrie an mich bis spätestens den 15. November S. Js. einzureichen sind. Ich ersuche um pünktliche Einreichung der Berichte, sowie um genügende Erörterung der in der erwähnten Verfügung gestellten Fragen.
Hanau den 3®. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
P 9494 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Grenzen der Heimath nur nach der Sceseite hin vor sich gehen konnte.
Mit Stolz nimmt jeder national empfindende Deutsche wahr, wie der deutsche Handel, auf eine blühende Schifffahrt gestützt, seine Geltung in der Welt von Jahr zu Jahr zu steigern verstanden hat. Güter im Werthe von Milliarden schwimmen auf allen Meeren; kein Land gibt eS, wo nicht Deutsche für die heimathlichen Interessen wirken; der deutsche Kolonialbesitz nimmt stetig an Umfang und Werth zn und verspricht, dereinst wenigstens einen Theil der überschüssigen Bevölkerung aufzunehmen und unserm Volksthum zu erhalten. Dies ist ein mit zwingender Nothwendigkeit sich vollziehender Hergang, dem nur auf die Gefahr eines wirthschaftlichen und sozialen, politischen und nationalen Zusammenbruchs Einhalt geschehen könnte. Nie hat die Weltgeschichte ein Volk gesehen, welchem auf irgend einer Stufe der Entwicklung Stillstand geboten ist, ohne daß es bem Untergang verfallen wäre.
Neben diesen, aus dem gesunden Mark des deutschen Volkes heraus wirkenden Kräften, die unser Ansehen in der Welt immer mehr erhöht haben, sind von Deutschland unabhängig in den letzten Jahren eine Reihe neu Umständen her- vorgetreten, deren Erscheinen auf der politischen Wcltbühne
kannten, kurzum, bereit einzige Parole hieß: Hier wollen wir stehen bleiben und siegen, oder — sterben ! Ich möchte gerade dieses unentwegte Auâharren in bitterster Todcsnoth an einer Reihe von Beispielen schildern, aber — jemehr' ich darüber hörte und vernahm, desto bestimmter fühlte ich auch heraus, das kann nur Jemand, der Schulter an Schulter mit diesen Helden inmitten des tollen Kugelregens stand, so gebe ich denn einem dieser Mitkämpfer selbst das Wort, der Tag für Tag in seinem sorgfältig geführten Tagebuch die durchlebten Ereignisse eintrug. Es ist einer aus der kleinen Heldenschaar — sein Name thut nichts zur «Liehe. Wir beginnen bei den Aufzeichnungen über den 21. Juni, dem Tage nach der Ermordung Frhrn. v. Kettelers:
2t. Juni. Unsere Feldwache wurde heute von Boxern und von chinesischem Militär angegriffen; sie jagte aber die Chinesen zurück und tödtetc vierzehn. Von allen Seiten wird heftig ins Gesandtschaftsmertel hineingeschossen; doch gehen die Kugeln durchweg zu hoch und pfeifen über unsere Köpfe hin. Wenn die Befrcinngstruppcn nicht bald kommen, kann die Geschichte hier heiter werden, zumal anzunehmen ist, daß die Herren Chinesen nächstens ihre Artillerie mitwirken lassen. Dann ist ein langes Halten unsererseits ausgc-
cMaöt&rew ^att^t.
Bekanntmachungen des Oberbürgermersteramtes.
Gekänntmachnttg.
Nach Beschluß des Landes-Ausschusses vom 18. v. Mts. soll von der Erhebung einer Viehsenchen-Abgäbe für Pferde, Fohlen, Esel rc. auch für das Jahr 1901 ab gesehen, dagegen aber eine einfache Abgabe für Rindvieh — 5 Pfennig für jedes Stück — erhoben werden.
Zu statistischen Zwecken und zur Festellung der Abgaben ist eine Zählung des Viehbestandes erforderlich und wird solche am 2. November d. Js. bewirkt werden.
Das Verzeichniß über den Viehbestand ist zur Einsicht der Betheiligten vom ß. bis einschl. 19. November d. Js. auf dem Rathhaus, Zimmer Nr. 18, ausgclcgt; Anträge auf Berichtigung sind bis zum 20. November bei der unterzeich
den Rahmen der Staatskunst auch für Deutschland über schlossen. Unser Dienst läßt nichts zu wünschen übrig. Wenn Europa hinaus auf die ganze Erdkugel erweiterten. DaS ein Soldat „nur" jede Nacht auf Wache kommt, kann er ja Eingreifen Japans in das Getriebe der großen Politik stellte zufrieden sein.
Deutschland zum ersten Male vor die Aufgabe, entweder feine 22. Juni. Da haben wir's! Gegen 9 Uhr begannen großen und zukunftsreichen Interessen in einem überseeischen die Chinesen von allen Seiten anzugreifen, und zwar be- Gebiet preiszugeben oder aber sich an den Schritten zu be- warfen sie uns tüchtig mit Granaten vom Griemen aus. theiligen, durch die der plötzliche Umsturz der ostasiatischcn Bald lief von den Amerikanern die Meldung ein, sie wären Verhältnisse zum Nachtheil der europäischen Völker abgemenbet gezwungen, sich nach der englischen Gesandtschaft zurückzn- werden sollte. Seit dem spanisch-amerikanischen Kriege sind ziehen, was für die Oesterrcicher, Italiener, Franzosen und die Vereinigten Staaten als Macht erschienen, welche weit uns das Signal zum gleichen Rückzug war, da wir sonst über die Grenzen des amerikanischen Festlandes hinaus Einfluß gar zu leicht hätten abgcschnitten werben können. So ungern und Geltung beansprucht. wir's thaten — was halfs? l. Alles zog zu den Engländern,
Soll Deutschland in dieser Entwicklung, welche die Aus- wo sich aber sehr bald heransstellte, daß das Ganze auf einem
dehnung der Bühne der weltgeschichtlichen Ereignisse über die | Mißvcrständniß beruhe.
Als Letzter hatte unser Graf Soden die deutsche
neten Behörde, etwaige Reklamationen scheidmigen aber bis einschließlich 29. Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Hanau den 28. Oktober 1900.
Der Magistrat.
gegen deren Ent- November bei dem Cassel anzubringen.
Dr. G e b e s ch u s.
17757
ganze Erde einleitete, die unserm Volke gebührende und seine nationale Zukunft sichernde Stellung gewahrt werden, so muß die deutsche Staatskunst auch mit den überseeischen Verhältnissen in enger Fühlung bleiben. Andernfalls wäre Deutschlands Untergang besiegelt, und Noth und Elend würden die Folgen sein. Eine Ausartung unserer, auf realer Grundlage ruhenden Staatskunst in eine phantastische, Weltpolitik ist nicht zu besorgen. Von dem gesunden Sinn unser- Volkes hoffen wir, daß es über Diejenigen, die seine Zukunft verneinen, zur Tagesordnung übergehen und der kaiserlichen Politik, die schon so große Erfolge errungen hat, auch ferner Vertrauen entgegenbringen wird
Bekanntmachung.
Von den Steuerstellen kann der im Finanzministerium angefertigte Nachtrag I zu den Ausführungsbestimmungen des Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895 zum Herstellungspreise von 35 Pfennigen für das Exemplar bezogen werden. Der Preis der amtlichen Ausgabe des Stempelsteuergesetzes nebst Ausführungsbestimmunaen, Sachregister und .Nachtrag I, stellt sich auf 1 Mk. 60 Pfg.
Hanau den 30. Oktober 1900.
Königliches Haupt-Steueramt. 17802
ne Schreckenstagr in Peking.
(Von dem Spezialkriegsberichterstatter des „B. L.-A.")
Peking, 5. September.
I.
Gesandtschaft verlassen, schnell wie der Blitz ging's
nun zurück, und als Erster von uns Allen war er wieder drin. Eilends besetzten wir die alten Posten.
Wir hatten Glück gehabt, denn die Chinesen hatten unsern Abzug noch nicht bemerkt und waren unâ nicht gefolgt. Schlimmer war es den Oesterrcicherii undJtalienern ergangen. Ihre Gesandtschaften brannten lichterloh, waren verloren und konnten nicht mehr wieder genommen werden.
Ich selbst war bei dem Rückmarsch einer Seitenpatrouille zugetheilt worden. Ein Unteroffizier und sieben Mann stark, besetzten wir eine Barrikade vor dem Seezollamt und bekamen sofort heftiges Feuer. Der neben mir stehende Scesoldat Matthies erhielt einen Schuß in den Kopf, direkt ins Gehirn und starb so lautlos, daß wir in der Hitze des Gefechts gar nichts davon bemerkten. Erst als sich Jemand von uns uin= drehte, sah er ihn am Boden liegen. Da das Feuer immer heftiger wurde, erhielten wir Ordre, langsam uns zurückzu- ziehen! Vier Mann trugen den todten Kameraden —
Heute hat, gemeinschaftlich mit dem 250 Mann starken ziehen! L— -....... „ „
deutschen Marine-Detachement des Kapitän Pohl, welches unsern ersten Todten. Wie Viele mögen nachfolgen / Nach- Mitte August den bekannten Parforcemarsch von Tientsin mittags 2 Uhr begruben wir Matthies im < 'arten der
HefMöme und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Fünfzig-Pfennigstück.
Vom Wasenmeisier am 30. d. Mts. eing fangen : 1 großer gelber Metzgerhund und 1 schottischer Schäferhund (Bastard) mit weißen und rochen Abzeichen, beide w. Geschl.
Hanau den 31. Oktober 1900.
Weltpolitit,
Das Wort „Weltpolitik" wird von einem Theil der Blätter immer noch benutzt, um ihren Lesern das Gruseln beizubringen. Die Verfechter eines spießbürgerlichen Kleindeutschlands scheinen, in die Enge ihres Gesichtskreises gebannt, zu glauben, daß eine vierzigjährige Entwicklung ohne Gleichen an dem Empfindungsleben der deutschen Nation spurlos vorübergegangen sei und daß auch heute noch weite Kreise des Volkes mit Zittern und Zagen den kraftvollen Regungen einer groß angelegten Gegenwarts- und Zukunfts-Politik folgen. . Darin irren sie sich jedoch; denn was bedeutet „Weltpolitik" anders als die Wahrung unserer stets wachsenden Interessen, welche gegenwärtig die ganze Erde umspannen? Diese Politik ist kein künstliches Erzeugniß von Ehrgeiz und Phantasie, sie ist die vothwendige Folge der natürlichen Ent Wicklung Deutschlands, die über die engen geographischen
hierher machte, auch die kleine Abtheilung vom III. See- bataillon Peking wieder verlassen; dieselbe kleine Heldenschaar des Oberleutnants Grafen Soden, die es mit ihrem über jedes Lob erhabenen Verhalten fertig brachte, die deutsche Gesandtschaft volle zwei Monate hindurch gegen eine wahrhaft erdrückende feindliche Uebermacht siegreich zu behaupten.
Am 3. Juni kam dies kleine Detachement Seesoldaten aus Tsingtau hier an. Es zählte damals 50 Köpfe! Nur 36 Mann stark marschirte es heute wieder ab. Starben von ihnen doch nicht weniger als 12 den schönsten Soldatentod in dem Felde der Ehre. Sie bleiben als stille Männer in Peking zurück. Auch Oberleutnant Graf Soden bleibt vorläufig noch hier. Er ist als trefflicher Kenner der einschlägigen Verhältnisse dem Expeditionsstabe des General von Hoepfner zugelheilt worden.
Wer, wie ich, — mit den hiesigen erprobten Kämpfern als liebenswürdigen Cicerones an der Seite, — die ganze Position der deutschen Verteidiger nach allen Richtungen durchstreift hat, fragt sich auch immer wieder, wie war es möglich, diese vom Feinde fast überall eingesehene Stellung auf die Dauer zu halten? Eins allerdings wird ihm sofort klar: Das konnten nur Leute vollbringen, die, mit Verachtung jeglicher persönlicher Gefahr, Stunde für Stunde voll und ganz ihr Leben einsetzten, die, oft nur ein paar Mann stark, der feindlichen Uebermacht einfach mit dem Bajonett zu Leibe gingen, die kein Zagen, kein Zittern, keine Todesfurcht
I Gesandtschaft; ein englischer Pfarrer sprach ein Gebet.
Mit Sehnsucht hoffen wir auf Entsatz, , denn gegen Artillerie sind wir fast machtlos. Auch fehlt es uns an Patronen; wir haben 240 Stück pro Kopf. Sämmtliche Detachements haben zu wenig Munition
Am Abend griffen dann die Chinesen nochmals etc Amerikaner besonders stark an, wurden aber mit einem Verlust von 100 Todten zurückgeschlagen. •
23. Juni: Wieder tobte der Kampf. Uns bedachten die Chinesen mit Kruppschen Geschützen, zum Glück schossen sie schlecht Ihre Artilleristen scheinen das Zielen für ebenso überflüssig zu halten, wie ihre Infanteristen. Am Nachmittag krepirten sieben Granaten mitten in unserer Gesandtschaft, doch wurde Niemand verwundet. Dagegen erhielt der See- soldat Kaussen auf einer Barrikade einen Schuß zwischen die Rippen Im Hause des Legationssekretärs v. Bergen ist oben auf dem Dachboden ein großes Fernrohr aufgestellt, durch welches man den auf dem 1500 Meter entfernten Griemen standen Feind trefflich beobachten kann. — Wo bleiben nur die Entsatz-Truppen?! Es ist in der That râthselhaft. Tientsin ist doch nur 120 Kilometer von hier entfernt und wie lange sollen sie schon unterwegs sein? . .
24. Juni: Das war ein kampfesheißer Tag! Schon in den Nachmittagsstunden hatten wir uns eines heftigen Angriffs von der Mauer aus zu erwehren. Am heutigen Vormittag erhielt aber unser Detachement eigentlich erst die richtige Feuertaufe und zwar auf der direkt hinter der Ge