»•mcmente- Preis:
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 175.
Montag den 30. Juli
1900
Amtliches.
^anö&rew ^anart.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Orb und in Aufenau (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 28. Juli 1900.
Der Königliche Landrath.
V 6872/73 v. Schenck.
Hanauer Ortskrankenkasse.
Alitzmriitiltlicht ßtntrolotrfoniiiitafl
Montag den 6. August 1900, abends 8 Uhr, im unteren Saale des Nathhauses, zu welcher die stimmberechtigten Vertreter gemäß § 59 des Kassenstatuts hiermit eingeladen werden.
Tagesordnung:
Fernere Berathung des Statutenentwurfs.
Hanau den 30. Juli 1900.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Müller, Vorsitzender. 11938
In das Güterrechtsregister ist eingetragen, ^eite 2 unter Nr. 1 *
„Apotheker Emil Köhl und Ehefrau Philippine geb. Nagel in Langenselbold".
Durch Vertrag vom 17. AprU 1900 ist die Errungenschaftsgemeinschaft vereinbart.
Eingetragen am 26. Juli 1900.
Langenselbold den 26. Juli 1900.
Königliches Amtsgericht. 11947
In das Güterrechtsregister ist eingetragen, Seite 1 unter Nr. 1:
„Maurermeister Georg Schi! dger und dessen Ehefrau, Maria Margaretha geb. Schäfer in Ravolzhausen".
Infolge Rechtskraft des Beschlusses des hiesigen Amtsgerichts vom 27. Februar 1900, durch den der Konkurs über das Vermögen des Ehemannes eröffnet ist, hat die Verwaltung und Nutznießung des Ehemannes mit dem 20. März 1900 geendigt.
Eingetragen am 26. Juli 1900.
Langenselbold den 26. Juli 1900.
Königliches Amtsgericht. 11945
In das Güterrechtsregister ist eingetragen, Seite 3 unter Nr. 1 :
„Pulverarbeiter Johannes Lamm 6. und Ehefrau Katharina geb. Hagemann zu Langenselbold".
Durch Vertrag vom 20. Juli 1900 ist die Verwaltung und Nutznießung des Mannes ausgeschlossen nnd Gütertrennung vereinbart.
Eingetragen am 26. Juli 1900.
Langenselbold den 26. Juli 1900.
Königliches Amtsgericht. 11946
Gesundem und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Metzgerstahl. 1 Spazierstock mit Horngriff. 1 Hausschlüssel. 1 Dienstmann-Nummer (16.)
Verloren: 1 Ziehbeutel mit 46 Mk. Inhalt.
Entflogen am 23. d. Mts.: 1 schwarz- und weißgefärbter und 1 roth- und weißer Strasser (Tauben) nebst Fußringen mit Jahreszahl 1900.
Hanau den 30. Juli 1900.
Born Kriegsschauplatz in Süd-Afrika.
Der Burengeneral Dewet hat von allen Führern dieses tapferen Volkes bisher den Engländern am meisten zu schaffen gemacht. Darum ist es verständlich, daß die Londoner Blätter sich vorzugsweise mit ihm beschäftigten, und bei aller Hochachtung für seine militärische Begabung ihm doch von ganzem Herzen einen recht baldigen möglichst ehrenvollen Untergang wünschen. Wiederholt sind schon Gerüchte aufgetaucht, daß Christian Dewet die Absicht habe, sich den Engländern zu unterwerfen, wenn ihm und seinen Mannschaften die Rückkehr auf ihre Farmen zu friedlicher Arbeit gestattet würde. Bisher haben diese Gerüchte noch niemals Bestätigung gefunden ; es ist ihnen vielmehr immer ernstlich widersprochen worden. Man kann darum wohl annehmen, daß die jetzt durch die Londoner Abendblätter wiederum verbreite Nachricht von der Kriegsmüdigkeit des gefürchteten Gegners nicht besser begründet ist als die früheren. Die telegraphische Meldung lautet:
London, 28. Juli. Die Abendblätter veröffentlichen folgende Depesche aus Kapstadt vom 27. Juli: Dewet hat sich erboten, sich zu ergeben unter der Bedingung, daß es seinen Mannschaften gestattet werde, unbelâstigt nach ihrem Wohnsitz zurückzukehren. Roberts weigerte sich, auf ein derartiges Anerbieten einzugehen, und verlangte, daß sich Dewet- bedingungslos ergebe.
Sehr bezeichnend für die Ansicht des englischen Kriegsministeriums über die voraussichtliche Dauer des Burenkrieges und darüber, ob dieser Krieg mit den jetzt dort beschäftigten
Streitkräften zu beendigen sein wird, ist folgende Nachricht der Londoner „Nllgem. Korr.":
Mehr als 5000 Mann, die in Kilworth Ranges, der Grafschaft Cork stehen, einschließlich der Liverpool, Shropshire, Berkshire, Border, Oxfordshire und Wiltshire Militia-Regi- menter haben sich jetzt freiwillig zum Dienst in China gemeldet. Das Kriegsministcrium hat bei dem die Liverpool Militia kommandirenden Offizier angefragt, ob das Korps, das sich im Januar zum Dienst in Südafrika gemeldet habe, noch bereit sei, dahin zu gehen, worauf sich die Abtheilung auch dazu bereit erklärte.
Wie schrecklich der Pferdemangel in Lord Roberts Armee zeitweise ist, geht aus einem vom 23. Juni aus Heidelberg datirten Brief des Korrespondenten der „Morning Post" hervor. Danach betrug die Effektivstärke der Brigade des Generals Broadwood infolge Mangels au Pferden statt 1800 nicht mehr als 400, die der Leibgarde-Kavallerie 63 (Offiziere und Mannschaften), der 12. Ulanen 120 und der 10. Husaren 200, und diese traurig reduzirten Pferde waren nur zum geringsten Theil jene, die ursprünglich mit den Regimentern aus England abgegangen waren; die anderen setzten sich aus einer bunten Sammlung von argentinischen, birmanischen, Basuto- und Kap-Ponies zusammen, die meist gänzlich unfähig waren, die schweren Reiter und deren schwere Ausrüstung zu tragen. Seit langer Zeit, so sagt der Korrespondent, hat unsere Kavallerie infolge dessen aufgehört, eine mobile Truppe im eigentlichen Sinne des Wortes zu sein, und daß die Aufgabe, den wenig belasteten Bur auf seinem beweglichen, eingeborenen Pferde, das mit der geringen Nahrung des Veldes auskommc, zu verfolgen, eine faktische Unmöglichkeit geworden sei. Der Korrespondent erzählt ferner, daß Offiziere und Soldaten des Krieges herzlich überdrüssig seien und daß manchmal Soldaten, wenn sie ein bequemes Farmhaus entdeckt, sich dort häuslich niederließen und keine Eile bezeigten, zu ihren Truppentheilen zurückzukehren.
Die Ereignisse in China.
Von den Glück- und Segenswünschen des deutschen Volkes begleitet, ist der erste Theil des oft asiatischen Expeditionskorps in See gegangen, um in dem vor nicht langer Zeit fast sagenhaften und jetzt nun plötzlich so nahe gerückten „Reiche der Mitte" für Deutschlands Ehre und Ansehen zu kämpfen. Schulter an Schulter mit den deutschen Brüdern, die sich auf dem Schauplatz der kriegerischen Ereignisfe schon befinden oder dorthin unterwegs sind, werden sie einen ernsten Kampf führen und des glänzenden Vorbildes würdig, das ihnen bei Taku, Tientsin und im Innern Chinas von den Volksgenossen gegeben worden ist, todesmuthig und
Feuilleton.
Ein Held aus den großen Kriegen.
Zum 90. Geburtstage des Feldmarschalls Grafen Blumenthal, 30. Juli. Von Hans Dietrich.
(Nachdruck verboten.)
Nur wenige von den Führern in den großen Kriegen, denen wir unsere nationale Einigung verdanken, sind noch am Leben. Um so inniger heftet sich die Liebe und die Bewunderung des deutschen Volkes an die wenigen Helden aus jener Zeit, die uns noch erhalten geblieben sind, und unter ihnen steht der Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, der heut in voller Rüstigkeit sein 90. Lebensjahr vollendet, an erster Stelle. Er darf in ber That unter den vielen hochbedeutenden Persönlichkeiten, die jene reiche und merkwürdige Zeit hervorgebracht hat, als eine der bedeutendsten bezeichnet werden, und sein Bild als Feldherr wie als Mensch gewinnt stets, je eingehender man sich damit beschäftigt.
Er selbst hat einmal geäußert, er selbst habe nicht gedacht, es so weit zu bringen, wie er als schmächtiger und schwächlicher Leutnant von 17 Jahren in die Kasernenstube eingezogen sei. Das war im Jahre 1827, mitten während einer langen stillen Friedenszeit, und es dauerte nicht weniger als 17 Jahre, bis er es zum Premier gebracht hatte. Seine ersten kriegerischen Erfahrungen machte er auf_ den Straßen von Berlin; es war bei dem unseligen Straßenkampfe des Jahres 1848, bei dem sein Regiment betheiligt war. Bald aber sollte er eine günstigere Gelegenheit erhalten, sich zu bethätigen. Im März des Jahres 1849 wurde er als General- staèsosstzier dem Korps des Generals von Bonin zugetheilt, das in Schleswig-Holstein gegen die Dänen focht und im Mai wurde er Stabschef der kleinen Armee. Es war eine
schwere Aufgabe, die ihm da zufiel. Die Lage des Korps doch — da war es bereits zu spät: das Wetter war zu un=
wurde in Folge mangelnder Unterstützung durch die Reichs- günstig geworden. So blieb nichts übrig, als die Ein-
armee immer mißlicher und aussichtsloser, und unter diesen schließung und Erstürmung der Düppeler Schanzen, woran
Umständen konnte natürlich Blumenthal seine eigentlichen Blumenthal dann in hervorragender Weise theilnahm.
Gaben, seine Kühnheit und Unternehmungslust, hier faum' Jedenfalls war in diesem Feldzuge Blumenthals Persön- entwickeln. Doch haben kompetente Theilnehmer des Feld- lichkeit trotz aller Hemmungen und Einschränkungen so be- zugs ihr Urtheil dahin geäußert, daß der junge Hauptmann, deutend hervorgetreten, daß man ihm zwei Jahre später den
der noch vor einem Jahre als Leutnant in der Front ge-^ Posten des Gencralstabschefs der 2. Armee, der des Kronstanden hatte, die ihm obliegende Aufgabe, aller Schwierig-' prinzen, anvertraute. Und hier erst entwickelte Blumenthal
keilen unerachtet, gelöst habe. i sein volles Können. Viele haben ihn damals als die Seele
Seine Wirksamkeit in dem 49er Feldzuge hatte für des ganzen Feldzuges betrachtet, und er selbst hat jedenfalls
Blumenthal aber noch die weitere Bedeutung, daß er Land seiner Frau am 10. Juni 1866 geschrieben, es sei kein Un-
unb Leute in den Herzogthümern und in Dänemark genau sinn, wenn er sage, daß er das bewegende Prinzip der mili-
kennen lernte. 15 Jähre später sollte das für ihn von tärischen Operationen sei, sowohl hier bei der 2. Armee
höchstem Werthe werden. Als der Kampf um Schleswig-; — als auch bei General Molike. Mit Recht hat von Lettow Holsteins Befreiung erneut losbrach, da war es wieder der bemerkt, daß Moltke's Schreiben an Blumenihal mehr als Oberst von Blumenthal, der als Chef des Generalstabs des die an Stülpnagel, die hervorragendste Persönlichkeit im Stabe kombinirlen mobilen Armeekorps unter dem Kommando des des Prinzen Friedrich Karl, gerichteten den Charakter der Prinzen Friedrich Karl fungirte. Auch 64 „klappte" freilich Aussprache zu einem geistig gleichstehenden Freunde tragen, bekanntlich noch nicht Alles. Die Politik spielte in die Kriegs- Moltke wußte eben Blumenthal voll zu würdigen. Der Entführung hinein, und es gab oft Befehle und Gegenbefehle. ' wurf zu jenem kühnen Vormärsche der 2. Armee aus den So war es z. B. nicht Blumenthals Schuld, wenn die Früchte engen schlesischen Gebirgspässen nach Böhmen, wobei die ein- der Anstrengungen des Uebergangs über die Schlei aus-seinen Korps Gefahr liefen, nach einander vernichtet zu blieben ; aus seinen Maßregeln bet diesem Unternehmen werden, stammte von Blumenthal; er trug ganz das Gepräge geht jedenfalls mit voller Klarheit die geniale Absicht des Mannes, der an Moltke einmal schrieb: „Wer Großes hervor, den Stoß auf die Rückzugslinie der Dänen zu will, muß Großes wagen". Daß er aber mit diesem Ent- verlegen. Die Ausführung dieser Absicht unterblieb auf Be- ' würfe Großes wagte, das sah Blumenthal mit voller Klarfehl, und ein anderer überaus kühner- Gedanke Blumenthals heit und er machte den Kronprinzen auf die möglichen Ge- wurde'so lange verschleppt, bis es zu seiner Verwirklichung-fähren selbst aufmerksam. Der Kronprinz antwortete aber: zu spät war.' Das war der Gedanke eines Uebergangs nach! „Halten Sie mich für ein kleines Kind, daß Sie mir das Alsen bei Ballegaard, wodurch die furchtbare Tüppelstcllung erst sagen? Das habe ich längst erkannt". Ter Kronprinz umgangen und der Feind unter Ausnutzung der eigenen' hatte bald volles Vertrauen zu seinem Stabschef und Blumen- Ucberlcgknheit, vernichtet worden wäre. Lebhaft von Moltke Jhal bewunderte wieder die große Kaltblütigkeit des Prinzen, befürwortet, fand der Plan endlich in Berlin Billigung;' der zu ihm sehr liebenswürdig war. Herrlich bewährten sich