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Amtliches Organ für Stsöt- uuö Lauökreis Hanau
Grflhemt tSgüch mit AWschme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Montag den 30. April
1900
hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. HL
Amtliches.
^anö&reiö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher weise ich an, die in den mitgetheilten Auszügen aus der Betriebssteuer- Nachweisung (Hebelisten) aufgeführten, von den Steuerpflichtigen binnen 14 Tagen zu zahlenden Belriebssteuerbeträge Mitte des Monats Mai an die hiesige Krciskontmunalkasse abzuliefern.
Hanau den 27. April 1900.
Der Königliche Landrath.
J. St. 1614 v. Schenck.
^tadOreiö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Vom 1. Mai d. I. ab werden im hiesigen Stadtgebiete in Ausführung des Gesetzes vom 7. April 1869 trigonometrische Vermessungs-Arbeiten ausgeführt werden. Die mit diesen Arbeiten beauftragten Offiziere, Beamten (Trigonometer und Hülfstrigonometer), werden sich durch „offene Ordres" der Herren Minister des Innern und für die Landwirthschaft ausweisen, die als Hülfsarbeiter kommandirten Soldaten führen zu ihrer Beglaubigung Ausweise mit sich, welche von dem Chef der trigonometrischen Abtheilung der Landesaufnahme durch Dienststempel und Unterschrift vollzogen sind.
Bei der Wichtigkeit der zu gemeinnützigen Zwecken gesetzlich angeordneten Arbeiten erwarte ich, daß die betheiligten Grundbesitzer dieselben nach Möglichkeit unterstützen und insbesondere das Betreten ihrer Feldmarken den wie vorstehend beglaubigten Personen auch ohne vorherige Anzeige gestatten.
Die betreffenden Trigonometer sind angewiesen, jede Flur- beschädigung nach billiger Uebereinkunft, alle Kosten für Fuhrwerk, Holz, Baumaterial, besondere Hülfsleistungen, Arbeiter rc. nach ortsüblichen Preisen baar zu bezahlen; dagegen haben dieselben mit dem Ankauf der Bodenflächen, welche zum Schutze der Fest- legungsfleine von den Grundbesitzern an den Staat abzutreten sind, Nichts zu schaffen. Die Erwerbung dieser L>chutzflächen für den Staat erfolgt später im Verwaltungswege; die Zahlung hierfür wird durch die Steuerkassen geleistet.
Alle übrigen Hülfsleistungen und aller Vorschub, welche den Beauftragten widerfahren, werden gern bemerkt werden.
Hanau den 22. März 1900.
D er Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 5073
Bekanntmachung.
Zm Einverständniß mit den städtischen Körperschaften haben wir beschlossen, in der bisherigen Einrichtung der Mädchenabtheilimg der kaufmännischen Fortbildungsschule mit Beginn des neuen Schuljahres eine Aenderung in den Unterrichtsgegenständen eintreten zu lassen.
In Aussicht genommen sind als Lehrgegenständc: Deutsch, Rechnen, Buchführung, Stenographie und Maschinenschreiben.
Anmeldungen werden im Amtszimmer der Mädchen - Mittelschule (Bebraerbahnhofstraße 9) bis zum 1. Mai täglich von 11 bis 12 Uhr von Herrn Rektor Jckler entgegengenommen. Nähere Auskunft über die Einrichtung und die Zeit des Unterrichts werden bei der Anmeldung ertheilt. Hanau den 24. April 1900.
Das Kuratorium der Handelsschule.
Dr. Gebeschus. 6877
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 weißer Strohhut mit grüner Schnur und grüner Quaste, 1 weißes kleines Metzgertuch mit rothen Streifen ohne Zeichen, 1 Doublè-Armband, 1 neuer weißer Damentrikothandschuh (linker.)
Zugelaufen: 1 schwarzer Jagdhund mit braunen Pfoten unb brauner Schnauze.
Hanau den 30. April 1900.
Unsere Schlachtflotte
Die durch das Flotten-Gesetz im Jahre 1898 bewilligten Kriegsschiffe nähern sich erfreulicherweise mit großer Schnelligkeit ihrer Vollendung. Aus Kiel wird über den Bautenstand folgendes geschrieben:
Auf den Bau erstklassiger Linienschiffe legt unsere Marine- Verwaltung mit Recht großes Gewicht. Mehr unb mehr ringt sich die Ueberzeugung durch, daß in der That nur Linienschiffe die beste Schiffsgattung zur Beherrschung der See sind. Eine geschlossene Division moderner Linienschiffe biloet die sogenannte „Brandenburg"-Klasse, bestehend aus den Schiffen „Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg" und „Wörth". Von dem verbesserten Typ dieser Klasse, den sogenannten „Kaiser"-Schiffen sind bisher! nur zwei fertig, „Kaiser Friedrich III." und „Kaiser Wil-'
Helm II.", während drei weitere ihrer Vollendung binnen Jahresfrist entgegen gehen. „Kaiser Wilhelm der Große" ist im Ausbau auf der Germania-Werft und dürfte zum Herbst d. I. fertig sein. „Kaiser Karl der Große", bei Blohm u. Voß in Hamburg im Bau, und bad in Danzig neulich getaufte Linienschiff „Kaiser Barbarossa" müssen vertragsmäßig bis zum Frühjahr 1901 fertig sein. Um diese Zeit kann also das erste aus 8 Linienschiffen und einem Flaggschiff bestehende Geschwader leistungsfähiger Hochsee- Panzer formirt werden.
Drei weitere Linienschiffe befinden sich seit einigen Monaten auf dem Stapel, nämlich „0" auf der Werft Wilhelmshaven, „D" beim Vulkan-Stettin und „E" auf der Germania-Werft- Kiel, während in diesem Jahre mit dem Bau der Linienschiffe „F" und „G" begonnen wird. Ucbertrpffen die 5 Linienschiffe der „Kaiscr"-Klasse die 4 der „BèMdeyburg" -Klasse in Größe, Geschwindigkeit und artilleristischer Leistung ganz erheblich, so zeigt sich bei den 5 neuesten Schiffen ein weiterer Fortschritt gegenüber der „Kaiscr"-Klasse. Die Erfahrungen des spanisch-aincrikanischcn Krieges haben nämlich der Marine- Verwaltung Veranlassung gegeben, bei den neuesten Schiffen auf eine Erweiterung des Panzerschutzes Rücksicht zu nehmen. Es ist dies durch eine weitere Vergrößerung des Deplacements, durch eine zweckmäßigere Anordnung des Panzerdecks, sowie eine andere Gruppirung der Mittel-Artillerie möglich geworben. Hierdurch ist nicht allein ein Schutz des Schiffes, ähnlich demjenigen der englischen, (um drei- bis viertausend Tonnen größern Linienschiffe) erreicht, es ist auch möglich geworden, den Gürtel über die ganze Schiffslänge auszudehnen, ohne daß in irgend einer andern Beziehung die Leistungsfähigkeit der Schiffe hätte uerminbert werden brauchen.
Die Ueberlegen heit der dcutschen Schnellfeuer-Kanonen an Bord der Schiffe ist bekannt. Keine Seemacht der Erde hat so leistungsfähige, schnellfcucrnde Geschütze größten Kalibers, als die deutsche; es sind die 24 em- Geschütze. Unb schon hört man davon, daß es möglich geworden ist, für ein noch größeres Kaliber schnellfeuernde Geschütze herzustellen. Das wäre ein Fortschritt oon großer Bedeutung, der aber gewiß nicht als das letzte Ziel zu betrachten ist. Die Schiffe werden Jahr um Jahr größer, warum sollte es nicht möglich sein, die Leistungsfähigkeit der modernen Feuerwaffen ebcitfalls zu steigern? Von den alten Vorderladern bis zu den heutigen 24 ein-Schnellfeuer-Kauouen . ist ein gewaltiger Sprung. Und jetzt sollten wir am Ende der Entwicklung angekommcn sein? Nein. Die Waffentechnik steht nicht still, und wenn nicht alles täuscht, wird die Marine durch Einführung neuer Verbesserungen die Ueber- legenheit aufs Neue bekunden, ehe noch die fremden Marinen den gegenwärtigen Abstand eingeholt haben.
Feuilleton.
Gras Roon.
30. April.
Albrecht Theodor Emil von Roon war am 30. April 1803 in Plaushagen bei Kolberg geboren. Im Kadettencorps erzogen, trat er 1821 in das 14. Infanterie- Regiment ein und that sich alsbald nicht nur durch militärische Tüchtigkeit, sondern auch durch reges wissenschaftliches Streben und eisernen Fleiß hervor. Schon 1824 kam er auf die Allgemeine Kriegsschule (jetzt Kriegs-Akademie) in Berlin und wurde dort ein eifriger Schüler des großen Geographen Karl Ritter. Roons geographische Studien waren von so großem Erfolge gekrönt, daß die von ihm verfaßten geographischen Lehrbücher in vielen Schulen cingeführt wurden.
Ebenso erfolgreich wirkte er als Lehrer. 1833 zum topographischen Büreau, 1835 zum Generalstabe kommandirt,^ wurde Roon 1846, damals Major im Generalstabe, militärischer Begleiter des Prinzen Friedrich Karl, mit dem er nach Boun ging und dem er ein hochgeschätzter und lieber Freund und Lehrer wurde. Als der Prinz mit Lebensgefahr einen Knaben aus den Fluthen des Rheins rettete, leistete der rasch herbeieilende Major von Roon kühnen und entschlossenen Beistand. Während des Feldzuges in der Rheinpfalz und in Baden war Roon Chef des Gcneralstabes des 8. Armeecorps und trat damals in nahe Berührung mit dem Prinzen von Preußen. 1850 wurde Roon Kommandeur des Regiments 33, das heute seinen Namen trägt, 1856 erhielt er die 20. Infanterie- Brigade, 1858 die 14. Division.
Roon, wie sein Kriegsherr, der Prinzregent Wilhelm von Preußen, hatten schon lange die Mängel der damaligen veralteten eeresverfafsung klar erkannt; die Mobilmachung von 1859
mit, ohne oder gegen die Mehrheit des Abgeordnetenhauses.' -König Wilhelm war nahe daran gewesen, angesichts der anscheinenden Unbesiegbarkeit des .Widerstandes abzudanken und seinem Sohne die Regierung zn übertragen. Nun trat mit Roon Bismarck in die Bresche; treu hielten sic zu ihrem König, wie dieser zu ihnen.
Am 16. April 1861 hatte Roon neben dem Kriegs- uiinisterium auch das Marineministeriuni übernommen und bewährte sich auch in dieser Stellung als umsichtiger und thatkräftiger Förderer der Sache.
Hatte'der Feldzug gegen Dänemark 1864 die eingefleischten Gegner immer noch nicht von der Trefflichkeit der neuen Heercsgcstaltung überzeugen können, so änderten die überraschenden Erfolge von 1866 die Volksstimmung mit einem Schlage. Jetzt erst ging dem großen Publikum ein Licht auf, jetzt begriff man, was mit der neugcfestigten preußischen Heeresmackt zu leisten war und neben dem siegreichen König wurden Bismarck und Roon gepriesen und bewundert.
Wieder bewährte sich Roon als umsichtiger und thatkräftiger Kriegsminister bei der so unerwartet und plötzlich eintretenden Mobilmachung von 1870. Daß bei diesem schnellen Uebergang in die Kriegsbereitschaft alles so glatt und prompt von Statten ging, daß die gewaltige Maschinerie so tadellos arbeitete, war in erster Linie Roon zu danken. Während des französischen Krieges im königlichen Hauptquartier bewährte Roon, bei den mannigfaltigen Anforderungen eines solchen Krieges, die an den Chef der Heeresverwaltungen herantreten, wiederum seine vielseitige Tüchtigkeit.
Beim Siegeseinzuge, 16. Juni 1871, wurde Roon von seinem dankbaren Kaiser in den Grafenstand erhoben. Am 31. Dezember 1871 wurde der hochverdiente Mann um seine Kraft zu schauen, von der Stellung als Marineminister entbunden. Noch zwei Jahre waltete er seines Amtes als Kriegsminister. Doch in schwerer Lebensarbeit war seine
bestärkte ihn in seiner Ansicht, und als der Regent unmittelbar nach der Demobilmachung an die Neugestaltung des Heerwesens ging, erkor er sich in dem gleichgesinnten und ihm treu ergebenen Roon den Gehülfen und Werkmeister, um die Reorganisation durchzuführen. Am 5. Dezember 1859 wurde Roon zum Kriegsminister ernannt. Ohne Zögern, fest und zielbewußt wurde die Neugestaltung und Vermehrung des Heeres durchgeführt; nach der Thronbesteigung König Wilhelms gab die Weihe der Fahnen der neu errichteten Regimenter am 18. Januar 1861 dem Werke den Abschluß. Aber langen und erbitterten Kampf hatte Roon als Vertreter der Reorganisation mit der großen Mehrheit des Abgeordnetenhauses zu bestehen. Dann hatte auch der König sich als den Schöpfer der Neugestaltung bekannt, sie als sein eigenstes Werk bezeichnet: Roon war der verantwortliche Rathgeber, und an ihn hielten sich die Gegner, die gegen die Reorganisation zu Felde zogen.
Viele von diesen Gegnern mochten es im Grunde gut meinen mit ihren unverständigen Behauptungen, wenn sie auch nicht zu beurtheilen wußten, was zur Beschaffung und Ausbildung tineë kriegstüchtigen Heeres gehört; andere aber wußten wohl, was sie thaten und hofften durch Schwächung des Heeres auch die königliche Macht zu untergraben. Roon harrte in diesem Sturm treu aus als ritterlicher Kämpe seines Königs und Herrn; mit sachlichen und schlagenden Gründen wußte er in überzeugender Rede die Heeresreform zu vertheidigen, stets feste und ruhige Haltung bewahrend gegenüber den beleidigensten Angriffen und Verdächtigungen.
Noch höher machte sich Roon verdient um das Heer, um seinen König und um Preußen, als er im Herbst 1862 Bismarck, damaligen Botschafter in Paris, bestaunte, rasch nach Berlin zu eilen, um sich dem Könige als den einzigen- rechten Mann zur Verfügung zu stellen, der an der Spitze; des Ministeriums die Reorganisation aufrecht erhalten konnte